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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Hinter der Maske, Michael Harscheidt
Michael Harscheidt

Hinter der Maske


Der Mystik-Krimi aus dem Bergischen

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Präsident mit Pinocchio-Nase

Es war Ende Februar und die tollen Tage des Karnevals kündigten sich an. Alle Jahre gab es im Tal einen Rosensonntagszug und über den Link „Rathaus Online“ konnte man den Verlauf des bevorstehenden Umzugs schon Tage vorher in Erfahrung bringen:
Der diesjährige Rosensonntagszug wird um 13h30 beginnen
und verläuft gemäß folgender Zugstrecke: Kreisel
Neuenteich 13h30, Hofkamp 13h45, Haspeler Brücke
14h10, Friedrich-Engels-Allee 14h30, Alter Markt 15h50,
Brandströmstr. 16h30. Drei Trommlergruppen und ein
Musikzug aus der Grafenstadt Hoya sorgen für die musikalische
Verstärkung des Zuges aus 24 Gruppen und
Mottowagen. Wetter: Einige Regentropfen und gelegentliche
Windböen sind zu erwarten. Mit bis zu 100.000
Jecken an der Zugstrecke wird gerechnet.
Journalistisch betrachtet, war ich da nicht zuständig: Volksfeste, Trödelmärkte, Karnevalsumzüge – das alles lag bei uns im Pressehaus in den bewährten Händen anderer Mitarbeiter/-innen. Aber jeder wusste: Statt „Helau“ oder „Kölle Alaaf“ pflegte man hier den Dreisilber „Wuppdika“, der für ortsansässige Jecken ein Stück lokaler Selbstbestätigung war. Am folgenden Montag – im Rheinland feierte man gerade den Rosenmontag – wollte ich mir unsere Berichte zum närrischen Treiben 18 vom Tag zuvor zu Gemüte führen, als ich eine merkwürdige Notiz im Lokalteil unserer Zeitung entdeckte:
Karnevalspräsident mit Pinocchio-Nase?
Unter den Karnevalsjecken gab es gestern erhebliche Unruhe, als der Zug an der Haspeler Brücke ins Stocken geriet: Eine Gruppe maskierter Jugendlicher behinderte den Präsidentenwagen der „Dönberger Funken“ und neckte die Insassen so sehr, dass dem wütenden Präsidenten eine dreimal längere Nase wuchs – eine „Pinocchio-Nase“, wie Zeugen behaupten. Erst nach fünf Minuten soll jemand hinter einer auffällig roten Maske mit einem Wink die Nase wieder auf ihr natürliches Maß zurückgeführt haben. Anschließend sei die Gruppe über den Hardtweg aufwärts hinter den Bäumen verschwunden. (Red)
Toll, dachte ich, geschehen doch noch Wunder? In den Redaktionsräumen fand ich eine ausgelassene Stimmung vor, aus den Monitoren quollen die beschwingten Rhythmen von den närrischen Hochburgen des rheinischen Karnevals, und mit besonderem Interesse erwartete man die Motivwagen mit ihren politischen Anzüglichkeiten. Doch dann erblickte ich auf meinem Arbeitstisch eine handgeschriebene Telefonnotiz von der Zentrale:
 „Dringend. Es hat einen Vorfall gegeben. Herr Fabian Jaspers möge sich um 11.00 Uhr im Museum auf der Hardt einfinden. Auch das Polizeipräsidium wurde informiert. Strikte Vertraulichkeit ist geboten.“
Jetzt war es 10.20 Uhr, und sofort überlegte ich besorgt, was an meinem Zeitungsbericht vom Samstag denn falsch gewesen sein könnte. Und wieso Polizeipräsidium? Mit einem neuen Schreibblock bewaffnet, machte ich mich auf den Weg zum Heiligen Berg und fuhr pünktlich beim Hauptgebäude vor.
Im Vorraum traf ich auf den ziemlich verstört wirkenden Professor Zimberli sowie einen ernsten Herrn, der mir als Herr Kriminalrat Behnke vom Polizeipräsidium vorgestellt wurde.
Stotternd und wehleidig ergriff der Professor das Wort: „Unsere Rote Maske vom Kinabalu ist weg … einfach weg! Gestohlen! Gestern … oder vorgestern! Der Verlust wurde erst heute Morgen bei der Wiedereröffnung bemerkt! Wir sind alle sprachlos!“
Der Polizeirat blieb sachlich: „Wir haben die Anzeige aufgenommen, das zuständige Kommissariat 14 hat schon mögliche Spuren gesichert, wir werden in alle Richtungen ermitteln.“
Verunsichert folgte ich den beiden Herren in den Ausstellungssaal und musterte den Vertreter vom Polizeipräsidium. Herr Behnke trug einen Anzug aus grau meliertem Kammgarnstoff und wirkte eigentlich ganz sympathisch:
Er löste den Knopf seiner etwas engen Jacke, lockerte seine weinrote Krawatte, dann schaute er fasziniert auf die majestätische Pracht der Masken, die mit eindringlicher Schweigsamkeit auf uns schauten oder eigentlich eher durch uns hindurchblickten. Allerdings: Wo am Freitag eine rote Maske gehangen hatte, gähnte nun Leere.
„Und was kann ich bei der Sache tun?“, fragte ich zaghaft.
„Vielleicht sehr viel“, erklärte Herr Behnke zuversichtlich, „standen Sie nicht dabei, als der Herr Professor diese Rote Maske präsentierte? Welche Personen waren in der Nähe? Welche Besucher zeigten sich besonders an diesem Exponat interessiert?“
„Interessiert?“
„Ja, jede Kleinigkeit, jede Auffälligkeit kann uns weiterhelfen.“
Ich versuchte mich zu erinnern, aber Professor Zimberlis weinerliche Stimme erreichte mich in meinen innersten Gehörgängen und lenkte mich ab:
„In der Presse gab es heute Morgen eine kurze Notiz, in der eine rote Maske erwähnt wurde. Haben Sie da weitere Kenntnisse?“
„Nee, leider gar nicht, der gestrige Rosensonntagszug ist nicht mein Metier – aber es stimmt: Von einer Maske und einer langen Nase habe ich in der Redaktion gehört.“
„Die Pressemeldung spricht von Jugendlichen? Also mehreren?“
„Ja, am Hardtweg …“
„… am Hardtweg aufwärts … zum Museum … hier zu uns!?“
Dann wieder Schweigen. Nach kurzer Pause fügte ich hinzu:
„Vielleicht war das nur eine lange Pappnase, so eine Art Trick?“
„Jedenfalls sehr, sehr merkwürdig. Leider gibt es kein Pressefoto von diesem Vorgang“, seufzte der Polizeirat.
Dann wandte er sich mit einem leicht skeptischen Unterton an Zimberli: „Hat vielleicht Ihre Masken-Mythologie eine Erklärung dafür?“
Professor Zimberli schwieg, sein Blick wanderte zwischen dem Polizeirat und mir mehrmals hin und her. Offensichtlich bedrückte ihn etwas. Dann brach er das Schweigen und sprach leise und mit gepresster Stimme: „Meine Herren, ich sag es nur ungern, es gibt da noch ein internes Problem: Bei der Überprüfung der Akten heute Morgen stellten unsere Mitarbeiter fest, dass diese Maske mit der Bezeichnung Topeng dawi Gunung leider kein Imitat ist, sondern tatsächlich ein Original aus der archaischen Zeit Borneos.“
„Und was bedeutet das?“ Der Polizeirat wurde hellhörig.
„Ja, das ist eine gute Frage …“, der Professor schluckte, warf einen scheuen Blick zur Saaltür und suchte sichtlich hilflos nach Worten, dann endlich sprach er mit gepresster Stimme: „Ich will es mal so sagen: Wer in alten Zeiten geweiht war und die Maske trug, konnte mit ihrer Hilfe die Kraft der Dämonen auf sich ziehen und seine Gedanken und Wünsche in die Tat umsetzen!“
„Sie meinen … die Pinocchio-Nase …?“
„Ja … genau … Ich ahne Ihre nächste Frage!“
Jetzt war das Schweigen im Saal fast körperlich spürbar geworden. Ratlos blickten wir uns an, Behnke ordnete nun seine Krawatte, Zimberli hatte wieder Schweißperlen auf der Stirn.
Nach einer Pause ergriff Behnke das Wort: „Ich werde das Kommissariat 14, zuständig für Raub und Einbruch, umgehend mit allen Informationen versehen, um das verflixte Objekt aus dem Verkehr zu ziehen, soweit uns die administrativen Voraussetzungen dafür vorliegen. Noch heute werde ich Maßnahmen ergreifen.“
„Und was kann ich dabei tun?“, fragte ich gespannt, die Angelegenheit nahm ja tatsächlich neue Dimensionen an.
„Jetzt doch besser nichts!“, riefen beide Herren fast gleichzeitig, und Behnke erklärte es so: „Panik vermeiden ist jetzt die oberste Bürgerpflicht! Die Öffentlichkeit darf nicht beunruhigt werden. Sonst bekommen wir noch eine Stadt voller Langnasen! Eventuelle Neuigkeiten direkt ans K14 weiterleiten!“
Und Zimberli war untröstlich: „Das ausgerechnet mir! Und dann in dieser Stadt der Sekten! Wenn die nur ja keinen Wind davon bekommen!“ Und nach einem Moment der Besinnung tröstete er mich: „Wenn alles vorbei ist, haben Sie da eine tolle Story, doch lassen Sie uns erst einmal den Übeltäter finden … gemeinsam … als Team.“


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