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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Geschichten hinter der Liebe, Gigi Louisoder
Gigi Louisoder

Geschichten hinter der Liebe



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Notwehr


Friedbert sitzt da, völlig erschöpft, obwohl er gar nichts getan hat. Die Stille, die plötzliche Stille um ihn herum macht ihn nervös. Er sollte jetzt den Notarzt rufen oder wenigstens um Hilfe schreien. Aber er kann sich nicht bewegen. Er muss aber etwas tun. Wenigstens ihre Augen schließen. Diese kalten, berechnenden Augen.


Seine Freunde hatten es damals nur gut gemeint, ihm Erika fast aufgedrängt. Sicherlich, er war wieder alleine gewesen damals und sie hatten sich um ihn gesorgt. Erika war nicht mehr jung gewesen, aber eine freundliche, aparte Frau und an einer Partnerschaft interessiert. Es hatte ihm Freude gemacht, sie zu verwöhnen. Er hatte eine Wohnung gekauft, ihr ein Auto bezahlt, teure Reisen mit ihr unternommen und ihr Vollmacht auf sein Konto gegeben. Alles, weil er an eine glückliche Ehe und an die Liebe geglaubt hatte. Friedbert hatte sich nie viel aus Geld gemacht. Er hatte genügend.


Ihre Zunge ist so angeschwollen, dass sie nicht mehr in den Mund passt. Sie quillt blau zwischen ihren Zähnen und dünnen Lippen hervor. Ein schrecklicher Anblick. Ihre Haut ist gerötet und voller Blasen, ihr Kopf nach hinten gekippt.


Er kann sich nicht mehr erinnern, wann er bemerkt hat, dass sie ihn nur aus Berechnung geheiratet hat. Nicht aus Liebe. Nur um versorgt zu sein. Viel zu lange hat er die Augen vor der Realität verschlossen.


Warum eigentlich? Mit den Jahren wurde sie ungepflegter, launischer, bösartig und grob zu ihm. Er putzte die Wohnung, ging einkaufen, goss die Blumen und mähte den Rasen. Sie konnte nicht kochen, das hatte er schon vor der Heirat gewusst. Damals hatte ihn das nicht gestört. Aber mit der Zeit bekam er von den Fertiggerichten Sodbrennen.


Warum heute? Warum war an diesem Wochenende das Fass übergelaufen?


Sicherlich, sie hatte schon wieder mit Trennung und Unterhaltsforderungen gedroht. Aber das kannte er schon von ihr.


Wie oft hatte sie gedroht, ihn zu verlassen? Ihn finanziell zu ruinieren? Ihre Unterhaltsansprüche waren unglaublich. Friedbert hielt es immer für einen Scherz. Für eine ihrer Launen. Er suchte die Ursache im Klimakterium, in der Kinderlosigkeit. Heute weiß er, dass sie bereits einen festen Plan hatte. Wahrscheinlich von Beginn an.


Morgen wird er in seinen Händen einen Muskelkater spüren. Weil er völlig verkrampft die Armlehnen des Gartenstuhls umklammert hat. So, als ob er damit alles beschleunigen könnte.


Eigentlich wollte er ihr nicht weh tun. Er wollte von ihr geliebt werden, körperliche Zuneigung spüren. Vielleicht eine Seelenverwandtschaft, wie es bei glücklichen Paaren vorkommt. Mehr wollte er nicht.


Durch ihre verletzenden Beleidigungen und abfälligen Bemerkungen über seine Figur und sein Alter litt er immer häufiger unter Erektionsstörungen. Die sie dann hämisch ins Lächerliche zog. Wenn er ihr nahe kam, dann wies sie ihn meistens zurück. Er würde stinken, hätte Mundgeruch, sie hätte Migräne oder wäre frisch frisiert.


Er ist froh, dass er ihr noch alles aufzählen konnte, was sie ihm angetan hatte. Und dieses Mal konnte sie ihn nicht mehr unterbrechen. Musste zuhören. Es blieb ihr keine Wahl. Er hatte sich kurz gefasst. Nicht gewusst, wie viel Zeit ihm bleiben würde. Den Mut dazu hatte er erst, als ihr die Luft ausging. Jetzt, wo alles vorbei ist, fühlt er sich erleichtert. Endlich Ruhe. Kein Streit mehr, kein Unfrieden, keine Drohungen. Die Lieblosigkeit hatte Friedbert nicht depressiv gemacht. Nein, eher lethargisch. Bis, ja, bis er hinter ihren Plan gekommen war.


Sie hatte wirklich vor, ihn zu verlassen. Unterhalt zu fordern. Ihn bloßzustellen. Er hatte alles für sie getan. Und sie hatte ihn nicht einmal einen einzigen Tag geliebt.


Friedbert war rücksichtsvoll zu Erika gewesen. hatte auf ihre Eigenheiten Rücksicht genommen. Sich um ihre Gesundheit gesorgt.


Nur ihm war es zu verdanken, dass sie in all den Jahren in den Sommermonaten gefahrlos im Garten hatte sitzen können.


Er hätte sie doch einfach verlassen können. Sich trennen. Vielleicht ins Ausland gehen, um so den Unterhaltsverpflichten zu entkommen. Aber Friedbert konnte sein Leben, seine eingefahrenen Gewohnheiten, seine geregelte Ordnung nicht aufgeben. Nicht für Erika.


Routine war wichtig für ihn. Durch Routine wurde vieles erträglich. Auch das Leiden in seiner Ehe. Das Gefühl, von einer lieblosen Frau verlassen zu werden, konnte er nicht einschätzen. Es erschien ihm so schrecklich, dass er eine Entscheidung hatte treffen müssen.


Vielleicht lag es aber auch daran, dass er bereits eine andere Frau kennengelernt hatte. Im Café. Alleine. Ohne die Hilfe seiner Freunde.


Jetzt hatte er einen plausiblen Grund. Nicht dass er nach einer potenziellen Nachfolgerin gesucht hätte. Nein. Sie war einfach da. Und sie war so ganz anders als Erika. Berufstätig, geschieden, finanziell nicht abhängig. Und sie hatte ihn angesprochen. Diese Aussicht auf Liebe und Respekt konnte und wollte er sich nicht entgehen lassen. Erika hatte schon genug zerstört.


Wie jedes Jahr hatte Friedbert an zwei Stellen im Garten Insektenfallen aufgestellt. Eigentlich nur für Wespen. Denn Erika hatte eine Wespenallergie. Damit sie im Sommer und Herbst die Terrasse nutzen konnte, stellte Friedbert unterschiedliche Fallen auf. Und er servierte seiner Frau ihren geliebten Fruchtsaft nur in Dosen. Die Öffnung war extra klein und damit sicher.


Er muss jetzt Erika aus der Sonne nehmen. Und er muss endlich einen Arzt rufen. Länger darf er nicht mehr warten. Sie sieht so hässlich, so entstellt, aufgedunsen aus. Jetzt, heute, hier im Garten zeigt sie ihr wahres Gesicht. Ihren abscheulichen Charakter.


Es war ein Versuch gewesen. Friedbert hatte nicht geahnt, dass es klappen würde. Die Wespe in die Fruchtsaftdose zu geben, war einfach gewesen. Um die Insektenfallen schwirrten unzählige herum.


Er hatte nicht wissen können, wie lange das Tier auf der Saftoberfläche schwimmen würde. Wie schnell Erika aus der Dose trinken und ob die Wespe sie auch tatsächlich stechen würde.


Sie hatte gestochen. Bereits nach dem ersten Schluck. Darauf war Friedbert nicht vorbereitet gewesen. Auch nicht auf den folgenden allergischen Schock.


Das sekundenschnelle Anschwellen der Zunge, die Atemnot, der Schock, die Bewusstseinstrübung. Bis es schließlich zu Atem- und Kreislaufstillstand gekommen war.


Es war ein qualvoller Tod für Erika gewesen. So qualvoll wie sein Leben an ihrer Seite. Wenn er Pech hat, wird man ihn wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen. Aber die war doch gerechtfertigt für ihre unterlassene Liebe. Für ihre seelischen Misshandlungen und Grausamkeiten.


Für Friedbert war es Notwehr.


 


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