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Geld!


Krimi

von Wolfram Cosmus

krimi_thriller
ISBN13-Nummer:
9783935937887
Ausstattung:
kartoniert
Preis:
13.80 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Leseprobe

Prolog
Ulrike lachte. Sie lachte dieses perlende Lachen, das er so liebte. Wenn sie dann provokativ den Kopf zurückwarf und ihre fast schwarze, ins Bräunliche spielende Mähne aufreizend ins Spiel brachte, machte es ihn rasend. Sie wusste sich in Szene zu setzen und er wusste, dass es inszeniert war. Immer und immer wieder.
Sie lachte ihn an. Oder lachte sie ihn aus? Sie war nicht allein, was machten die Männer da? Was hatten sie dort zu suchen? Warum ließ sich Ulrike mit ihnen ein? Seine Ulrike! Die Männer zogen sie zu sich herüber. Sie betatschten sie – und Ulrike ließ es geschehen. Warum? Ulrike, was wollen diese Männer von dir? Meine Ulrike ...
Sie winkte ihm zu und rief: »Nun komm doch!« Aber Harold konnte sich nicht bewegen. So sehr er sich bemühte, er konnte sich nicht rühren. Ulrike lachte wieder, diesmal lauter, verächtlicher. Einen Augenblick später war sie nackt! Was wollten diese Kerle mit seiner nackten Ulrike? Er versuchte sich aus der Umklammerung, die ihn gefangen hielt, zu befreien, doch es gelang ihm nicht. Was hielt ihn fest? Warum ließ man ihn nicht zu seiner Ulrike? Geliebte, einzig geliebte Ulrike. Sie winkte ihm zu, winkte aus dem Nebel, der sie umgab, und verschwand mit den Kerlen im Nichts.
Harold wollte schreien oder schrie er schon? Er fuhr hoch. Schweißgebadet und völlig verstört starrte er in die Dunkelheit. Er blickte sich um und sah die grünlichen Zahlen des Radioweckers: 4 Uhr 53. Tief atmete er durch; sein Atem ging schwer. Er wischte sich das schweißverklebte Haar aus der Stirn.
»Was ist los? Hast du wieder geträumt?« Susanne Beckmann knipste ihre Nachttischlampe an. »Was is'?«
Harold ließ sich schwer auf sein Kissen fallen. »Nichts is’. Schlaf.« Er stierte die Decke an. »Mach das Licht aus. Bitte.«
Seine Frau löschte das Licht, murmelte etwas Unverständliches und drehte sich in ihre Decke. »Du solltest etwas gegen diese Träume unternehmen, Harold. Wirklich.« Dann schlief sie wieder ein.
Mein Gott, hast du eine Ahnung, dachte er und schloss die Augen. Aber es gelang ihm nicht, dieses Bild aus seinem Kopf zu verbannen: Ulrike und die fremden Kerle. Nachdem er ein paar Minuten vergeblich versucht hatte wieder einzuschlafen, stieg er aus dem Bett und trottete die halbe Treppe hinunter in die Küche. Er öffnete den Kühlschrank und schaute geistesabwesend hinein. Dann goss er sich ein Glas Milch ein und setzte sich an den Küchentisch. Warum? Warum zum Teufel plagten ihn immer wieder und wieder diese Träume? Die Affäre mit Ulrike lag nun schon einige Zeit zurück. Wieso konnte er diese Frau nicht vergessen? Weshalb verfolgte sie ihn sogar in seinen Träumen? Weil sie die einzige war, die sich nicht von ihm vereinnahmen ließ? Die nicht zuließ, dass er sie beherrschen wollte? Die letztlich, nachdem sie gemerkt hatte, wie abhängig, ja wie besessen er von ihr war, mit ihm machte, was sie wollte? Ihn gängelte? Mit ihm spielte - während für ihn alles todernst war?
Für sie hättest du dich scheiden lassen, dachte er, während er an seiner Milch nuckelte. Hättest dieses Lotterleben aufgegeben. Hättest sie auf Händen getragen, wohin auch immer sie wollte. Aber Ulrike wollte nicht. Sie liebte nicht ihn, sondern das Spiel ­ und das Lachen! Mein Gott, wie oft hatte sie ihn ausgelacht, wenn er seine ernste Miene aufsetzte, wenn er Zukunftspläne schmieden wollte. Mit ihr, mit Ulrike Vargas, der einzigen Frau, die er je geliebt hatte. Und wenn er ehrlich war - die er immer noch liebte. Woher sonst kamen diese Träume, die sich so eng zwischen Alp- und Glücksträumen bewegten.
Harold Beckmann trank von der Milch, schüttete den Rest in den Ausguss und legte sich wieder in sein Bett. »Lieber Gott«, betete er, »wenn es dich gibt, wenn es dich wirklich gibt, dann befreie mich von diesen Träumen. Bitte!«
Er schloss die Augen, doch eingeschlafen ist er nicht mehr.
...
Beckmann

Harold Beckmann drückte auf den Klingelknopf. Als das Summen ertönte, drückte er die Tür auf, trat in den Flur und klopfte an die Bürotür. Nach dem fröhlichen »Herein, wenn's kein Gelber ist« öffnete er die Tür und sagte: »Was haben Sie gegen die Gelben? Ohne uns wüsste niemand, was Sie verkaufen wollen.«
Er trat an den Schreibtisch von Frau Starf, gab ihr die Hand und fragte lächelnd: »Woher wussten Sie denn schon wieder, dass ich es bin. Hm?«
»Intuition, Herr Beckmann, Intuition. Wer spürt denn nicht, wenn Sie kommen?« Dabei setzte sie ein verführerisches Lächeln auf und bot ihm an, Platz zu nehmen.
Harold setzte sich und schmunzelte: »Wenn ich das immer für bare Münze nehmen würde, käme ich mit den vielen Verabredungen nicht mehr zurecht.«
»Wer weiß, wer weiß?« Sie schaute ihn abwartend an.
»Tja, die Gelben Seiten. Wie schaut's denn aus? Wie immer? Oder soll es diesmal ein bisschen größer sein?«
»Wenn es nach mir ginge, gern«, sie schaute zu der anderen Tür. »Aber er ...«, sie zog ratlos die Schultern hoch.
Beckmann öffnete seine Mappe, nahm das vorbereitete Formular heraus, machte die üblichen Eintragungen und meinte beiläufig: »Und wenn ich mal versuche, mit ihm zu reden?«
»Nö. Das wird nichts. Das können Sie sich sparen.« Mit einem hinreißenden Lächeln war das Thema beendet. Harold wusste nicht, ob sie das ernst meinte, oder ob sie nur höflich war. Mädchen, Mädchen, dachte er, mit dir möchte ich mal ins Bett. Dann würden wir sehen, was Höflichkeit ist und was nicht. Er reichte ihr das Formular über den Tisch, sie unterschrieb und er trennte zwei Blätter ab. »Für die Unterlagen, wie immer.«
»Für die Unterlagen, wie immer«, wiederholte sie und schaute ihn an, als wolle sie sagen: erledigt oder ist noch was? Er erhob sich, reichte ihr die Hand, bedankte sich für den Auftrag und schickte sich an, zu gehen. Ins Bett, dachte er und sah sie an, mal so richtig ins Bett. »Ja, dann tschüss bis 2004!«
Als er wieder im Auto saß, dachte er: Na, wenigstens kriege ich immer wieder den Auftrag. Schlimm, wenn ich betteln müsste. Niedlich, die Kleine, aber wer weiß, was die für Macken hat.
»Tja, denn woll'n wir mal wieder, Herr Beckmann, was?«, sagte er laut und startete den Motor. Das Radio ging an: ,Cause I can't stop loving you, no I can't stop loving you, no I won't stop loving you, why should I?' Harold drückte das Radio aus. Jetzt hatten sie es wieder ausgegraben, das ,Can't Stop loving you' von Leo Sayer. Phil Collins sang ein Remake aus dem Jahr 1978.
Es war sein Lied. Das Lied, das ihn an Ulrike erinnerte. Von dem er wollte, dass es ihn erinnerte. An Ulrike, seine Ulrike. Nun schon so lange ...
Ihm wurde erst in diesem Moment klar, dass er fuhr. Er war schon zwei Straßen weiter, ohne dass er wusste, wie er dort hingekommen war. Nahm das denn nie ein Ende? Es war schon schlimm genug, dass er sich Sayers Song ausgeguckt hatte, um an Ulrike denken zu können. Zu müssen. Zu dürfen? Es stimmte auch zu gut, das mit dem Bahnhof und dem Abschied: ,So you're leaving in the morning on the early train' und ,Got your ticket, got your suitcase' und ,got your leaving smile'... So war das damals, und er hatte sie seitdem nie wieder gesehen. Dafür hatte er umso mehr an sie gedacht, hatte sich das Lied herausgesucht und immer mal abgespielt, wenn ihm danach war und er glaubte, es ohne Tränen in den Augen und ohne tiefe Verzweiflung hören zu können. Nicht immer war ihm das gelungen. Manchmal brauchte er das Lied nicht zu hören, sondern es nur selbst zu summen, bis dass der Katzenjammer kam. Dann heulte er und schluchzte: Dich lieb' ich, egal, was du mit mir machst.
Harold hatte nie versucht herauszubekommen, wo Ulrike jetzt lebte. Möglich wäre das schon, es gab Telefonbücher, es gab die Möglichkeit, über Einwohnermeldeämter Auskünfte zu bekommen. Was, wenn er wüsste, wo sie lebte? Wenn er dorthin führe? Wenn er sie sähe? Mit einem Kerl an ihrer Seite? Nein, nein. Nie!
Er riss sich zusammen, machte das Radio wieder an ... ,Why should I even try' sang Phil noch, dann war das Lied zu Ende. Nun kam Reklame. Er seufzte und machte das Radio wieder aus. Der nächste Kunde wartete.
Harold Beckmann war, wie man so sagt, ein gut aussehender Mann in den besten Jahren. Gut 1,80 Meter groß, schlank und noch mit vollem, blondem Haar war er ein Mittvierziger, nach dem sich die Frauen durchaus umdrehten.
Er war Werbeberater. Seine Aufgabe war es, Kunden zu betreuen, die Anzeigen in diversen Telefonbüchern schalteten. Unter anderem auch in den Gelben Seiten. Er hatte seinen festen   Kundenstamm, und das war gut so. Wenn er zurückdachte an die Zeit, als er diesen Kundenstamm erst aufbauen musste, oh je. Es lag ihm gar nicht, Klinken zu putzen, aber er biss sich durch. Die Tatsache, dass er eine Institution vertrat, und das waren die Telefonbücher auf jeden Fall, machte ihm die Sache zwar leichter, aber natürlich mussten die Kunden erst gewonnen werden. Selbstverständlich sahen die meisten Menschen ins Telefonbuch oder in die Gelben Seiten, wenn sie etwas kaufen wollten oder etwas repariert werden musste. Aber der einfache Eintrag war kostenfrei. Nun galt es, die Unternehmer davon zu überzeugen, dass eine größere Anzeige werbeträchtiger war als nur ein Zeileneintrag. Allerdings kostete das Geld. Und nicht zu wenig. Aber sein Charme, sein korrektes Auftreten, nie aufdringlich, immer höflich, - das brachte ihm schließlich Kunden, die bald Stammkunden wurden. Er kam im Grunde zu Unternehmern, die auf ihn warteten.
Jetzt, endlich, war es ein angenehmer Job. Er konnte sich seine Zeit frei einteilen. Für seine Auftraggeber kam es nur darauf an, dass er die vorgegebenen Umsätze machte. Und er kam mit vielen netten Menschen zusammen. Das war eine sehr angenehme Seite seiner Arbeit. Wenn er so an die vielen hübschen Sekretärinnen dachte, freute er sich oft im Voraus.
Ulrike war eine dieser Sekretärinnen. Damals war er seiner Frau Susanne noch einigermaßen treu. Nur ab und zu mal ein Seitensprung und den nicht mit der Kundschaft! Ein älterer Kollege, der ihm zu Beginn seiner Arbeit gute Tipps gegeben hatte, sagte immer: »Nie mit der Kundschaft. Hörst du? Nie mit der Kundschaft! Wenn die Liebelei in die Brüche geht, bist du auch den Kunden los. Du glaubst nicht, was Sekretärinnen für Einfluss haben.«

Klappentext

Sie brauchen Geld? Dann passen Sie auf sich auf. Vielleicht macht Ihnen jemand ein unwiderstehliches Angebot ...

Harold Beckmann findet 300 Euro in seinem Briefkasten und den Namen "Manfred Freitag". Sonst nichts. Bald darauf stirbt der Unbekannte eines natürlichen Todes. Dann werden 3.000 Euro angekündigt mit dem Namen eines Mannes, der kurze Zeit später ebenfalls in einer Todesanzeige zu finden ist.

Beckmann wird nervös … mehr als nervös, denn als 30.000 Euro auf dem Zettel stehen, ist klar, dass er diesmal nachhelfen muss, wenn er an das Geld kommen will … Wer treibt ein solch perfides Spiel mit ihm? Und warum? Wie weit wird der großzügige Geldgeber gehen? Und wie weit wird Beckmann gehen, nachdem seine Geldgier einmal angestachelt worden ist?

Es dauert nicht lange und die Aburger Kripo steht vor einer Serie von mysteriösen Verbrechen. Kommissar Petersen und Assistent Bayer suchen einen Mörder ohne Motiv …

Garantierte Spannung bis zur letzten Seite!