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> Krimi Thriller > Gefunden - ein spiritueller Kriminalroman
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Gefunden - ein spiritueller Kriminalroman, Petra K. Gungl
Petra K. Gungl

Gefunden - ein spiritueller Kriminalroman



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Dr. Wach saß an seinem Schreibtisch, den Kopf auf eine Hand gestützt, die andere kritzelte einige unleserliche Worte auf ein Blatt Papier. Es waren nur ein paar Stichworte für seinen großen Auftritt vor der Geschäftsführung mor-gen früh, denn dort wollte er richtig zur Sache kommen. Wäre ärgerlich, würde er den einen oder anderen Punkt in der Aufregung vergessen! Nochmals ging er seine Argumente durch, dann schob er das Papier zwischen die losen Seiten eines Aktenordners und legte diesen mit ernster Miene in das Regal zu den anderen Ordnern. Das würde einen mächtigen Aufruhr verursachen, er wollte sie zwingen, deutlich Stellung zu beziehen. Und wenn das alles nichts half, hatte er immer noch seinen Freund bei der Presse. Ein paar Worte zu dem, und das Unternehmen wäre blamiert. Ulrich Wach seufzte. Dieser Schritt fiel ihm nicht leicht, doch die Firma war sein Zuhause und das musste man schließlich sauber halten! Zuerst hatte er versucht mittels seiner Autorität als Führungskraft die Angelegenheit in Ord-nung zu bringen, unter vier Augen sozusagen, was ihm lediglich Spott und Hohn eingebracht hatte. Dabei war er der Leiter des gesamten Bereiches für künstliche Befruchtung! Sein Ruf in der Fachwelt war ausgezeichnet, er genoss mit seinen fünfundfünfzig Jahren höchstes Ansehen! Eine derartige Respektlo-sigkeit konnte er unmöglich tolerieren, jetzt würde er andere Saiten aufziehen. Wach griff sich ans Herz. Die ganze Affäre in seinem Bereich regte ihn über Gebühr auf und obwohl er seine Herzerkrankung gut unter Kontrolle hatte, mahnte er sich zur Besonnenheit. In der Tat war es an der Zeit Ordnung zu schaffen, damit er sich wieder voll und ganz auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren konnte. Seine Finger fuhren durch die kurz geschnittenen, grauen Haare und strichen weiter über die glänzende Stirnglatze. Zufrieden klopfte er sich hernach auf den Bauch, der seit seinem Herzanfall gute zehn Kilo flacher geworden war. Heute war er wieder in guter Form und fühlte sich stark. Das jahrelange starke Rauchen hatte zwar Spuren hinterlassen, jedoch besaß Ulrich Wach trotz allem eine gute Konstitution, lebhafte, neugierige Augen, in denen sich seine ganze Forscherleidenschaft und Vitalität ausdrückten. Sein Leben hatte er der Medizin geweiht; keine Frau, schon gar nicht Kinder hätten ihm das geben können, was er in der Welt der Zellen und Biochemie gefunden hatte. Zumindest hatte er sich das niemals vorstellen können. Wie unerträglich wären für ihn Kindergeschrei, pubertierende Geldvernichtungs-monster und eine nörgelnde Ehefrau gewesen! Lauter Menschen, die ständig Aufmerksamkeit in unergründlich hohen Dosen forderten, ohne etwas im Ge-genzug dafür zu leisten! Nichts als Probleme und Verwirrung brachte das, was man gemeinhin als „Familie“ bezeichnete. Sein Leben bedurfte klarer Struktu-ren und er wollte auf niemanden Rücksicht nehmen müssen. Die überambitio-nierten „Kolleginnen“ reichten ihm vollauf! Wach schmunzelte über sich selbst. „Kolleginnen“ nannte er die Karriereweiber schon – so indoktriniert war er bereits vom politisch korrekten Gesellschaftstenor! An erster Stelle kam jedenfalls seine Arbeit. An den Wochenenden besuchte er den Gottesdienst und seine Mutter im Seniorenheim. Abends ging er regelmä-ßig im Abonnement-Zyklus zu Konzerten des Musikvereins. Für seine Wäsche und Wohnung sorgte eine gut bezahlte Haushaltshilfe, die gegebenenfalls Be-sorgungen erledigte und sich jeglicher Kommentare zu seiner Person enthielt. Er hatte ein perfektes Leben, hin und wieder gönnte er sich sogar ein erotisches Abenteuer mit klaren finanziellen Abmachungen. Das konnte wohl keiner von seiner Ehe behaupten! Nein, niemand konnte ihm was von Familienidylle ein-reden. Er hatte die richtige Entscheidung getroffen und das bestätigte sich tag-täglich, wenn er die jungen Kollegen beobachtete, die müde und genervt vor ihren Kindern und angetrauten Gefährtinnen in die Arbeit flüchteten; nicht zu vergessen die verheirateten Männer in seinem Alter, die ihn um seine Freiheit beneideten. Er hatte zu manchen Zeiten sogar mehr Sex als sein gleichaltriger, verheirateter Schulfreund! Gut, er war oft einsam und es gab eigentlich nie-manden, der ihn liebte, abgesehen von seiner alten Mutter selbstverständlich. Dafür konnte ihn aber auch niemand verletzen. Die Uhr zeigte an, dass es auch heute wieder spät geworden war, ein zwölf Stunden Arbeitstag neigte sich dem Ende zu. Am Gang waren keine Mitarbei-ter mehr zu hören, wahrscheinlich war er wie so oft der Letzte, der die Räum-lichkeiten der Forschungslabors verließ. Dieser anstrengende Tag am Mikroskop und am Computerbildschirm verlangte als Ausgleich einen ausge-dehnten Spaziergang. Wie gewöhnlich wollte Wach zu Fuß heimgehen. Es war wichtig, viel Bewegung in den Alltag einzubauen, das gehörte zu seinem Trai-ningsprogramm zur Stärkung des Herzens. Jetzt im Winter belastete die Kälte allerdings den Organismus mehr als sonst. Deswegen sprühte er sich regelmä-ßig vor dem Verlassen des Büros Nitro in den Mund. Das Medikament erwei-terte seine Blutgefäße und ließ ihn den flotten Marsch bis zu seinem Wohnhaus gut bewältigen. Eben hatte Wach das rote Fläschchen, das wie ein Parfümzerstäuber aussah, zurück in den Medizinschrank gestellt und seine Daunenjacke übergezogen, als ihn ein eigenartiges Gefühl beschlich. Eine kalte Leere im Kopf und schwir-rende, graue Schleier vor den Augen ließen Wach nach seinem Schreibtisch-sessel greifen. Der Arzt in ihm beobachtete erstaunt die Symptome, zu denen nun auch ein stark erhöhter Puls kam. Kündigte sich ein neuerlicher Herzin-farkt an? Sein Zustand verschlechterte sich mit jeder Sekunde und der Arzt wurde von dem hilflosen Menschen abgelöst, der panische Angst um sein Le-ben hatte. Kalter Schweiß stand auf Wachs Stirn. Schon überkam ihn die Schwärze einer drohenden Ohnmacht. Stöhnend ließ er sich in den Sessel fal-len und reflexartig begann er tief durchzuatmen. Was war bloß mit ihm los? Er vertrug das Nitro doch sonst immer tadellos! Wieso sackte sein Kreislauf derart in den Keller? Das war aus medizinischer Sicht nicht erklärlich! Außer – in seiner Brust wurde es eng – da gab es tatsächlich eine Contraindikation, die genau diese Wirkung haben würde! Aber er war schließlich Arzt und vermied jedes Risiko! Das konnte nicht sein! Wach verstand die Welt nicht mehr, er begriff bloß, dass ihm keine Zeit mehr blieb. Mit letzter Kraft tastete der verzweifelte Mann nach dem Kugelschreiber, der vor ihm lag. Er spürte den Stift kaum zwischen den Fingern und merkte auch nicht, wie schwach die blaue Spur war, die die Mine auf dem weißen Papier der Schreibtischunterlage hinterließ. Der letzte Buchstabe des einzigen Wortes, das hingehaucht dastand, war nur mehr eine Linie in den Abgrund. – Am nächsten Morgen lief eine junge Putzfrau laut schreiend den Gang im ers-ten Stockwerk des Baby Star-Gebäudes entlang. Der Schwall türkischsprachi-ger Schreckensbezeugungen wurde sogleich von ihren Kolleginnen mit ebensolch aufgeregten Worten aufgenommen. Gemeinsam stürzten die aufge-brachten Frauen in das Zimmer des ärztlichen Bereichsleiters und drängten voller ängstlicher Neugierde an den Schreibtisch. Dr. Ulrich Wach lag starr ausgestreckt am Boden, der lederne Chefsessel an die Wand gedrängt. Die toten Augen stierten zur Decke und der bleiche Kör-per war längst erkaltet. Ein Kugelschreiber lag neben seiner Hand.


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