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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Gedämpfte Schreie, Mario Lenz
Mario Lenz

Gedämpfte Schreie



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Prolog


 


»Hören Sie, wenn Sie die Zeitung lesen wollen, müssen Sie sie kaufen!« Der Verkäufer untermalte den Satz mit einem kräftigen Schlag auf den Tresen. Der Angesprochene nahm keine Notiz von ihm. »Sie müssen sie b-e-z-a-h-l-e-n!« Der Verkäufer betonte das letzte Wort so, als wolle er einem Dummen etwas Selbstverständliches erklären. »Verstehen Sie? Geld! Zaster! Pinke-Pinke!« Der Verkäufer rieb bei dabei Daumen und Zeigefinger theatralisch aneinander. Keine Reaktion des draußen Stehenden. Er las ungerührt weiter. »Sind Sie taub? Sind Sie behämmert? Oder sind Sie einfach nur blöde?« Der Angesprochene sah teilnahmslos auf. »Was ist jetzt?«, erkundigte sich der Verkäufer. »Wollen Sie die Zeitung nun kaufen?« Ohne ein Wort zu sagen, warf der Mann dem Verkäufer die Zeitung auf den Tresen, wo sie halb herunterrutschte, schließlich aber doch lie-gen blieb. Nachdem die Zeitung seine Hände verlassen hatte, drehte der Fremde sich wortlos um und verschwand im Februarschnee. »Du Idiot«, rief der Verkäufer ihm kopfschüttelnd hinterher und sah auf die Zeitung hinab. Bekannte TV-Moderatorin vermisst! Entführt? schrie die Schlagzeile ihn an. Tag minus fünf, Sabrina-Perspektive Sabrinas Babyjahr neigte sich dem Ende zu. Bald würde sie ihren Job wieder antreten. Ihren Job, den sie über alles vermisste. Ihren Job, der sie wieder in die Hektik des Fernseh-Business zurückführen würde. Wieder um 3:50 Uhr aufstehen, um die Morgensendung zu moderieren. Nach ungefähr einer Gallone Kaffee würde das hektische Geschrei der Beteiligten beginnen. Am lautesten brüllen würde der Produktionsleiter. Außerdem die Moderatoren belehren, die Kabelträger verfluchen, die Kameraleute anschreien, die Tontechniker bedrohen und, und, und ... Sabrina würde in der unangenehmen, aber unvermeidlichen Maske sitzen und während des Schminkens ihre Texte einstudieren. Wenn sie die Maske verließ, würde sie trotz der frühen Stunde putzmunter wie der junge Morgen aussehen und gute Laune versprühen, die zwar übertrieben ist, aber zum Job gehört. Dann würde sie sich mit untalentierten Co-Moderatoren, unqualifizierten Anrufern, überheblichen Studiogästen, dämlichen Spielen und unsinnigen Quizfragen herumärgern: Was ist eine berühmte Sehenswürdigkeit in Paris? a) der Eiffelturm, b) ein Pariser Ha, ha, ha! Und doch gab es Zuschauer, die einen halben Euro investierten, um diese dämliche Frage beantworten zu dürfen. Sabrina würde sich das Gähnen verkneifen, sich den Anmachversuchen des Produktionsleiters widersetzen, widerwärtige Snacks ertragen und versuchen, sich in dem Studio wohlzufühlen, dessen Räume kein Tageslicht hereinließen. Mein Gott, sie liebte diesen Job. Sabrina schnitt in der Küche einen Apfel. Zweites Frühstück. Wenn man vor der Kamera tätig war, sollte man tunlichst alles daran setzen, möglichst bald nach der Entbindung zur Normalfigur zurückzufinden. Auch eine Moderatorin war gegen Arbeitslosigkeit nicht gefeit. Also wurde nach Ernährungsplan gegessen. An ihrem Aussehen gab es allerdings nichts auszusetzen. Die scheinbar endlosen Minuten in der Maske waren ihrer Meinung nach gar nicht nötig, sie ließen sie nur unnatürlich aussehen. Doch die Gesetze des Business unumstößlich. Seit die HD-Technik auch noch die letzte Pore und das kleinste Lachfältchen ins Rampenlicht der riesigen Flachbildschirme zerrte, war es noch schlimmer geworden. Aber egal. Schließlich wollte sie nicht verschwitzt in die Kamera glänzen, wenn die Studiosonne auf ihr Gesicht brannte. Wie gesagt – sie liebte ihren Job. Mit allen Vor- und Nachteilen. Und dieser dumme Stalker hatte nun schon so lange nicht mehr angerufen. Zum Glück! Das war damals eine schwierige Zeit gewesen. Da hatte sie doch schon mal ans Aufhören gedacht. Immer wieder hatte dieser Typ in der Redaktion angerufen. Es war keiner, der irgendwie ins Telefon stöhnte und schweinische Sachen erzählte. Nein – er drückte sich sehr gewählt aus und lud sie immer wieder zum Essen ein. Er hatte sogar einen gewissen Charme. Wer weiß, wenn sie nicht schon vier Jahre mit Arne zusammen gewesen wäre … Aber so musste sie ihm immer absagen. Trotzdem rief er an. Immer und immer wieder. Nachdem der Stolz über den unbekannten Verehrer abgeebbt war, hatte sich bei Sabrina eine leise Angst eingeschlichen. Nun bat sie diesen Mann, der sich als Oliver vorgestellt hatte, nicht mehr anzurufen. Von da an wurden seine Anrufe bedrohlicher, ohne eine gewisse Etikette zu verlieren. Seine Anrufe wurden nun nicht mehr zu ihr durchgestellt. Doch die Verschnaufpause währte nur kurz. Dann klingelte das Telefon zuhause. Als sie ranging, hörte sie diese ruhige vertraute Stimme. »Warum möchtest du nicht mehr mit mir reden?«, säuselte es aus der Hörmuschel. Entsetzt ließ Sabrina den Hörer fallen. Sofort ließ Arne eine Geheim-nummer einrichten. Wieder trat eine Verschnaufpause ein, die schon etwas länger andauerte. Irgendwann klingelte allerdings wieder das Telefon und die überlegte Stimme fragte: »Warum versuchen wir es nicht miteinander?« Der Stalker musste sich an jemanden aus der Redaktion herangemacht und so die Nummer erfahren haben. Natürlich wollte es niemand gewesen sein. Wieder musste die Nummer geändert werden. Diesmal gab es keine Verschnaufpause mehr. Jetzt kamen die Belästigungen per Mail. Die Polizei war machtlos, die Mail kam von einem ausländischen Mail-Account. Der Produzent eines Reportage-Magazins ihres Senders jedoch hatte eine geniale Idee, die Sabrina endlich von dem lästigen Stalker befreien und dem Magazin eine gute Story verschaffen sollte. Sabrina verabredete sich zum Schein mit Oliver. Ein Heer von Redakteuren und Bodyguards sollte mit versteckten Kameras vor Ort sein, die das Treffen filmen und anschließend den Stalker der Polizei übergeben würden. Aufwendig wurde das Treffen vorbereitet. Ein teures Restaurant am Hackeschen Markt gemietet, mit versteckten Kameras versehen und mit Statisten gespickt. Aufgeregt wartete Sabrina auf Oliver. Ihr Puls war so schnell, dass sie ihn im Unterarm spürte. Sie konnte den sauren Geruch ihres Angst-schweißes riechen. Doch all das war umsonst. Wer nicht kam, war Oli-ver. Entweder waren die Vorbereitungsarbeiten zu auffällig und er hatte Lunte gerochen, oder er hatte wirklich einen Informanten in der Redaktion. Also musste sie ihre E-Mail-Adresse ändern. Die neue wurde nur an Leute gegeben, die sie wirklich brauchten. Das brachte ihr wieder eine Verschnaufpause ein. Solange, bis täglich Blumensträuße mit kleinen Liebesbotschaften in der Redaktion eintrafen. Nun hatte sich ein Angstgefühl bei Sabrina eingenistet. Ständig fühlte sie sich beobachtet. Den Weg zwischen ihrem Haus und dem Studio ging sie nur noch mit Bodyguard. Zuhause ließ Arne eine hohe Mauer ziehen und überall Überwachungskameras installieren. Dann trat wieder eine Verschnaufpause ein. Die bis heute anhielt. Die kam, als sich ihr Schwangerschaftsbauch nur noch schwer mit weiten Sachen kaschieren ließ. Also wurde ihre Schwangerschaft offiziell in der Morgensendung verkündet. Von da an war Ruhe. Keine Telefonate, keine Emails, keine Blumensträuße. Gut so. Sollte sich dieser Typ ein anderes Opfer suchen, dachte Sabrina. Ihren Apfel ließ sich Sabrina in der gemütlichen Sitzecke im Wintergarten schmecken. Hier hatte sie sich ein kleines Paradies für drinnen geschaffen. Blumen und Kakteen säumten die großen Fenster. Ein Zimmerbrunnen plätscherte sanft. Eine Nebelschale sorgte für ein beruhigendes Ambiente. Draußen ließ der Februar keine Winterwünsche offen. Es hatte ge-schneit wie seit Jahren nicht mehr. Über einen Meter hoch hatte ihr Hausangestellter die weiße Pracht an die Mauer geschoben. Kein Grün war mehr zu sehen. Nur der Efeu an der Mauer leuchtete dunkelgrün als Kontrast aus dem allgemeinen Weiß. Die Tannen hatten schwer an der nassen Fracht zu tragen. Ihre Zweige hingen majestätisch herab. Am Himmel hing eine geschlossene graue Wolkendecke, um alsbald einen weißen Traum zu entladen. Morgen würden die Schneehaufen bis an die Mauerkrone reichen. Draußen kam Maria den Weg entlanggelaufen. Sie schob den Kinder-wagen mit seinem wertvollen Passagier. Maria war das liebste Kindermädchen, das man sich vorstellen konnte. Zufrieden beobachtete Sabrina, wie sie den Wagen die Einfahrt entlang schob. Die Anstellung eines Kindermädchens war für Sabrina und ihren Lebensgefährten unerlässlich. Beide wollten ihre Karrieren fortsetzen. Beide hingen an ihren guten Stellen. Maria kam zur Tür herein und brachte einen Schwung Kälte mit. Schweres Gestampfe zeigte an, dass sie sich den Schnee von den Schu-hen klopfte. Der Junge schlief friedlich den Schlaf der Gerechten. Ein leises Schnaufen drang aus dem Wagen. Es war ein friedlicher Tag. Einer der letzten, den Sabrina erleben würde. Tag minus fünf, Oliver-Perspektive Oliver hatte zu tun. Viele Dinge wollten erledigt werden. Er wollte es schön machen. Seine Frau verdiente es, ein schönes Heim zu haben. Trotz des Fehlers, den sie begangen hatte. Aber man musste verzeihen können. Viele schöne Tage hatten sie verbracht, er und seine Sabrina. Seit er sie das erste Mal im Fernsehen gesehen hatte, hatte er sich in sie verliebt. So hatten sie eine schöne Zeit gehabt, bis sie diesen Fehler beging. Er hatte es aus dem Fernsehen erfahren. Vor laufender Kamera hatte sie es verkündet. Sie hatte sich schwängern lassen. Von irgendeinem dahergelaufenen Typen, den er nicht kannte. Nicht, dass er ihn noch nie gesehen hätte. Oft und lang hatte er beide beobachtet. Entsetzen hatte ihn erfüllt. Trotzdem hatte er sie gelassen. Er würde sie schon zurückgewinnen. Er würde sie holen. Auch das Kind würde er aufnehmen. Er würde dem Jungen ein guter Vater sein, auch wenn er das Produkt eines Ausrutschers war. Aber der Junge konnte am wenigsten für die Fehler seiner Mutter. Oliver schleppte Möbel. Allein. Sonst hieß es immer: Viele Hände – schnelles Ende. Für ihn galt eher: Viele Köche verderben den Brei. Im Moment trug er ein ganz besonderes Möbelstück: einen Stuhl. Einen besonderen Stuhl. Diesen Stuhl würde er für das gemeinsame Vorhaben benutzen, seines und Sabrinas. Oliver hatte eine ganze Etage in dem alten Haus für Sabrina ausgebaut. Die unterste. Den Keller. Es würde ihr gefallen. Es würde ihr so sehr gefallen, dass sie nirgendwo anders mehr würde wohnen wollen. Er hatte es romantisch eingerichtet. Die Wände waren weiß/hellgrün gekachelt. Eine alte Operationssaalleuchte beleuchtete die anheimelnde Szenerie. Alles steril. Ihr würde nichts passieren, von Viren oder Bakterien drohte keine Gefahr. Sicherheit stand für Oliver ganz oben. Er wusste, dass sie Angst hatte. Lange genug hatte er sie beobachtet, um zu wissen, dass sie sich vor Fremden fürchtete. Er hatte ihre verunsicherten Blicke gesehen, wenn sie das Studio verließ. Er hatte gesehen, wie sie sich immer und immer wieder umdrehte, wenn sie ihre seltenen Einkaufstouren unternahm. Doch sie sollte sich nicht mehr fürchten müssen. Sie würde nicht mehr gezwungen sein, zum Sender zu fahren. Diese Tortur brauchte sie sich nicht mehr anzutun. Er würde für sie sorgen. Und hier im Haus brauchte sie ohnehin keine Angst mehr zu haben. Es würde niemand hereinkommen. Da hatte er vorgesorgt – das alte Gemäuer war gut gesichert. Sie sollte sich ganz auf das neue Familienleben konzentrieren können. Mit den Wänden war Oliver noch nicht zufrieden. Sie waren zu schmutzig. Die Spuren der Vergangenheit hatten sich darauf verewigt. Später würde er ihnen mit einem Hochdruckreiniger zu Leibe rücken. Nicht dass Sabrina mit ihm schimpfen müsste. Nun, da er einen Teil des Untergeschosses möblierte, wurde es ihm erst richtig bewusst: Bald würde sie da sein, wo sie hingehörte – bei ihm. Mann, war er aufgeregt. Tag minus vier, Sabrina-Perspektive Maria schob wieder den kleinen Burschen spazieren. Man konnte sich leicht daran gewöhnen. Es wäre ein Leichtes, selbst aktiv zu werden. Doch Sabrina und Arne überließen es gern der Nanny. Es war Wochenende. Sabrina und Arne waren im Keller ihres Hauses. Hier gab es ein Fitnessstudio, eine Sauna und sogar ein Schwimmbecken. Ihr Wellnessbereich, wie sie das nannten. Dort hielten sie sich fit und Sabrina arbeitete hart daran, auch die kleinsten Reste ihres Babybauches loszuwerden. Arne lag mit dem Rücken auf der Hantelbank und stemmte Gewichte. Sein Bizeps spannte und entspannte sich. Jedes Mal, wenn er die gewichtbeschwerte Stange nach oben stemmte, ließ er mit einem langen Pfffff die Atemluft entweichen. Sabrina stand auf dem Cross Trainer. Rhythmisch ließ sie Arme und Beine vor und zurückgleiten. Der Schweiß lief ihr in Strömen den Rücken herunter. »Pffffff« hörte sie von der Hantelbank. Sie beobachtete ihren attraktiven Gefährten. Sein Muskelspiel beeindruckte sie jedes Mal, wenn sie gemeinsam Sport trieben. Sie bemerkte auch wieder (nicht zum ersten Mal) die stattliche Beule in seiner engen Sporthose. Es überkam sie. Und zwar gewaltig. Es dauerte nicht lange und Arne machte wieder »Pffff«. Diesmal nicht wegen der Gewichte, sondern weil er einem gewaltigen Orgasmus entgegenstrebte. Sie spürte seine warme Liebe in sich hineinströmen. Das Wasser war angenehm temperiert. Langsam zogen die beiden ihre Bahnen. Ihr Puls ging noch immer etwas schneller als normal. In gemäßigtem Tempo kraulte Arne an Sabrina vorbei. So erholten sie sich von ihrem kleinen Tête-à-tête im Fitnessraum. Später würden sie noch gemeinsam essen gehen. Zum Glück gab es Maria. Sabrina ließ sich von Arne ausführen. Nach weit oben. Er hatte einen Tisch reserviert – einen ganz besonderen. In über 200 Metern Höhe in der Kugel des Berliner Fernsehturms. Hoch oben in dieser Kugel drehte sich das Telecafé. Man konnte sich mit sechs Metern pro Sekunde mit dem Fahrstuhl nach oben befördern lassen und dann an einem Tisch speisen, der einen 360°-Panorama-Blick auf die schöne Hauptstadt bot. Diesen Blick genossen Sabrina und Arne nun, während sie Händchen haltend auf ihr Essen warteten. Unbemerkt drehte sich der Tisch lang-sam um die Achse des Turms, die winterliche Stadt lag ihnen zu Füßen. Sie sahen hinab auf die Lichter der abendlichen Metropole, dann schauten sie sich wieder verliebt an. Vieles hatte sie noch fester zusammengeschweißt: ihr süßer Junge, aber auch die Geschichte mit dem Verrückten, der Sabrina solange nachgestellt hatte. Der rosa gebratene Kalbsrücken wurde serviert. Die Unterhaltung auf ein Minimum reduziert. Während sich Sabrina ein Stück der Lyoner Kartoffeln in den Mund schob, betrachtete sie das abendliche Panorama. Der Hauptbahnhof zeigte sich als beleuchteter Kontrastpunkt. Der Berliner Dom war in zart-orangegelbes Licht getaucht. Ein herrlicher Ausblick. Sie waren fertig mit dem Essen. Die Bedienung räumte das Geschirr ab und brachte noch eine Karaffe Wein. Arne allerdings durfte nicht so viel. Er musste aufpassen; er hatte da schon mal ein Problem gehabt … Arne machte Sabrina auf den beleuchteten Gendarmenmarkt aufmerksam. Als sie sich wieder umdrehte, stand plötzlich eine kleine Schachtel auf ihrem Platz. Sie konnte nur eines enthalten – einen Ring. Sollte heute endlich der lang ersehnte Antrag kommen? Ihre Hände wanderten in ihr Gesicht und vereinten sich an der Nasenwurzel, wobei sie die beiden Zeigefinger an den Augenwinkeln hielt, um Tränen zurückzuhalten. Die Kerzen schimmerten in ihrem Sehfeld, das nun nicht mehr so klar war wie sonst. Ein leichtes Zittern überfiel sie, ihr Lächeln wirkte verunglückt, obwohl sie im Moment die glücklichste Frau dieser Welt war. Einige Sekunden lang war ihr, als schwanke der Fernsehturm stärker als die üblichen sechzig Zentimeter. Nun traten ihr doch erste Tränen in die Augen. Sie versuchte sie wegzuwischen, verschmierte aber nur ihr Make-up. Sabrina Henning sah nach allem anderen aus, nur nicht nach einer Frau, die gerade einen der glücklichsten Momente in ihrem Leben erlebte. »Willst Du mich heiraten?«, kam nun auch endlich die zu dem Procedere gehörende Frage. Keine Antwort, nur ein heftiges Nicken. Arne konnte nicht anders, er musste sie ärgern. »Du antwortest nicht?«, fragte er. »Nun gut, keine Antwort ist auch eine Antwort.« Damit zog er die Schachtel mit dem Ring zu sich herüber. »Wage es nicht«, presste sie hervor, »nicht, wenn du nicht durch das geschlossene Fenster hinausschießen und zweihundert Meter in die Tiefe stürzen willst!« Obwohl es sehr gepresst herauskam, hatte Arne jedes Wort verstanden. Er lachte. Sie legte ihre Hand auf seine und sagte plötzlich sehr ernst: »Ich liebe dich. Und ja: Ich will dich heiraten. Und wie ich das will! Damit machst du mich zur glücklichsten Frau auf dieser Erde.« Sie feierten diesen Abend. Später feierten sie zuhause weiter. Auch im Bett. Vor allem dort. Tag minus vier, Oliver-Perspektive Mann, war er aufgeregt! Oliver war richtig begeistert, was für eine tolle Frau er da abbekommen hatte. Sabrina war so verständnisvoll. Wie sie diese heikle Sache anging! Er hatte beide beobachtet. Hatte gesehen, wie sie ihn zum Fernsehturm ausführte. Sie gab sich so viel Mühe! Mann! Sie wollte Arne das Ende ihrer Beziehung unter besonderen Umstän-den beichten. Wollte ihm nicht das Gefühl geben, nur eine kurze Affäre gewesen zu sein. Dieser Mann sollte nicht leiden, er sollte hocherhobenen Hauptes aus dieser gemeinsamen Zeit entlassen werden. So eine Frau war seine Sabrina. Oliver war stolz auf sie. Dieser Arne tat ihm zwar ein wenig leid, aber er würde es überleben. Außerdem war es einfach nötig. Sie wollte nun mal zu ihm zurückkehren. Wollte ihren Fehler wieder gutmachen und ihn für ihr Fremdgehen entschädigen. Oliver würde das belohnen. Er würde ihr alles bieten, wovon sie träumte. Mann, wird sie Augen machen, wenn sie ihr neues Zuhause sieht, das er so romantisch hergerichtet hatte! In Gedanken sah er es schon. Wie er sie hereinführen würde. Erst hier würde er ihr die Au-genmaske abnehmen, um die Überraschung nicht zu verderben. Dann würde er sie herumführen. Er konnte es sehen wie in einem Film, der vor ihm ablief. Sie würde »Aaah« und »Ohhh« sagen und Laute des Erstaunens von sich geben. Sie sollte keine Sekunde bereuen, zu ihm zurückgekehrt zu sein. Auch für den Jungen hatte er ein Zimmer eingerichtet. Auch er sollte es schön haben. Das Haus würde ihn vor jeder Bedrohung von außen schützen. Kein schädigender Einfluss würde sich an dem Kind zu schaffen machen. Er würde ihn formen, er würde ihn lehren, er – Oliver Schröder würde ihn zu einem Mann machen, auf den sie beide stolz sein könnten. Er würde den Jungen lieben, so gut konnte. Nie könnte er damit leben, Sabrinas vorwurfsvolle Blicke zu sehen oder ihre anklagende Stimme zu hören, wenn er diese Sache versaute. Sie hatte extra gewartet, bis er so weit war, um zu ihm zurückzukommen. Sie hatte gewartet, doch nun hatte sie gespürt, dass es Zeit wurde. Den heutigen Tag hatte sie ausgesucht, um diesem Arne die Sachlage schonend beizubringen. Den heutigen Tag hatte sie ausgesucht, um die letzten Hindernisse auf dem Weg zurück zu ihm zu beseitigen. Wahrscheinlich würde sie morgen oder übermorgen in ihrer Sendung ankündigen, dass sie nicht länger moderieren würde. Oliver stand in einem Curry-Imbiss am Fuß des Fernsehturms, beo-bachtete den Ausgang des ›Telespargels‹ und trank Tee. Er wartete schon sehr lange. Ein wenig sorgte er sich. Wieso dauerte das so lange? Gab es Probleme? Wollte Arne es nicht akzeptieren? In einer solchen Lage konnten die unmöglichsten Dinge passieren. Manche Männer waren dann nicht mehr Herr ihrer Sinne. Plötzlich hörte er sehr dicht eine Sirene. Die blau gefärbten Schemen der Rundumleuchten eines Polizeiwagens glitten über das Pflaster und die Wände des Alexanderplatzes. Der Wagen hielt direkt auf den Turm zu. Oliver schlug das Herz bis zum Hals. War oben etwas passiert? War er etwa ausgerastet? Panisch wetzte er zur Ausgangstür des Imbisses, um besser sehen zu können. Er zog die Blicke des Imbissbetreibers auf sich. »Mein Gott, lass oben alles gut sein«, flüsterte Oliver leise. Er wollte schon die Tür aufreißen, die Stirn des Imbissbetreibers legte sich in Falten. Seine Blicke wurden durchdringender. Ein zweiter Polizeiwagen raste auf den Fernsehturm zu und wurde von einem Krankenwagen verfolgt. Oliver ballte die Hände zu Fäusten und stierte durch die Imbisstür. Seitenverkehrte Öffnungszeiten trübten die Durchsicht etwas. Der Imbissbetreiber bückte sich hinter dem Verkaufstresen, um einen Baseballschläger etwas näher an sich heran zu ziehen. Zu viel hatte er an diesem belebten Platz schon erlebt. Nun kam von der anderen Seite ein weiterer blaulichtgeschmückter Wagen über den Platz gerast. Dieser Polizist fuhr dermaßen rasant – wenn ein Fußgänger sich just diesen Moment ausgesucht hätte, um den Platz zu überqueren, hätte man vermutlich gleich einen zweiten Kran-kenwagen hinterher rufen können. Nun reichte es Oliver. Er musste hoch. Er musste schauen, ob alles in Ordnung war. Er wollte nicht die enttäuschten Blicke Sabrinas aus dem Krankenhausbett heraus ertragen, die sagten: »Du hast versagt. Als du mich hättest beschützen müssen, warst du nicht da. Als ich unserer gemeinsamen Zukunft den Weg ebnen wollte, hast du in einem Imbiss gestanden und mich allein gelassen.« Das wollte er wirklich nicht erleben. Am ganzen Leibe zitternd stieß er die Tür auf. Doch dann kam die Entwarnung. Oliver sah, wie die Polizisten zwei Männer um den Fernsehturm jagten. Eine Meute rannte rechts um den Turm, die andere linksherum. »Wahrscheinlich kleine Randalierer oder Sprayer«, dachte Oliver, »oder vielleicht vietnamesische Zigarettenverkäufer.« Olivers Puls beruhigte sich zusehends. Er ging zu seinem Tisch zurück, legte die Hände darauf und versuchte, sie nicht zittern zu lassen. Der Imbissbetreiber beruhigte sich ebenfalls, beobachtete seinen seltsamen Gast aber weiter. Dann, eine halbe Stunde später, sah Oliver Sabrina und Arne aus dem Fernsehturm kommen. Sie sahen sehr gelöst aus und Olivers Herz hüpfte. »Er hat es also positiv aufgenommen«, dachte er. »Zum Glück!« Beide kamen fast gerannt, Hand in Hand liefen sie über den Alexanderplatz. Sie küssten sich sogar. Ein bisschen ärgerte sich Oliver schon über diese Zärtlichkeiten, schrieb es aber der Freude über die Trennung zu. Auch Arne sah sehr erfreut aus. Wahrscheinlich hatte auch er es gespürt. Vielleicht hatte er gemerkt, dass in dieser Beziehung nichts mehr steckte. »Bestimmt hat er gespürt, dass sie zu mir gehört«, überlegte Oliver. »Er wird gewusst haben, dass sie zu mir zurück muss. Und nun freut er sich, dass dieses Problem aus der Welt geschafft ist.« Gut gelaunt brachte Oliver seinen mit Currysoße beschmierten Teller und seine leere Tasse zum Verkaufstresen und schenkte dem Verkäufer ein freundliches Lächeln. Er war glücklich. Auch der Verkäufer war glücklich, als der merkwürdige Gast ohne Zwischenfälle seinen Imbiss verließ. In dieser Stadt war man ja an Verrückte aller Couleur gewöhnt, aber dieser spezielle Typ hatte doch schon einen besonderen Schlag. »Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt«, dachte er, während er die schmutzigen Teller in den Spüler räumte. Oliver verfolgte beide ins beschauliche Berlin-Frohnau zurück und stand dann noch eine Weile vor Sabrinas Haus. Sie hatten extra eine Mauer um das Haus gezogen, um sich von ihrem Umfeld abzutrennen. Das Haus stank förmlich nach Luxus. Wie musste Sabrina darauf brennen, hier endlich rauszukommen. Wie musste sie darauf warten, dass er sie endlich nach Hause holte, heim in die Geborgenheit. Endlich würde sie sich selbst um ihr Kind kümmern können. Endlich bräuchte sie es nicht ständig einem Kindermädchen überlassen. Wie hatte sie das nur so lange ausgehalten? Warum hatte er sie nicht schon früher heimgeholt? Würde sie ihm deswegen Vorwürfe machen? Würde sie ihn fragen, ob er sie denn nicht richtig liebte? Oliver hoffte, dass das nicht passieren würde. Was sollte er dann antworten? Im Nachhinein fragte er sich selbst, was ihn dazu angehalten hatte, so lange zu warten. Genug der Selbstzerfleischung! Nun war er ja da. Nun würde er sie holen. Er würde alles wiedergutmachen. Jeden Tag, den sie voneinander getrennt waren. Jeden Tag, den sie mit dem anderen Mann hatte verbringen müssen. Ob sie sich schon davor fürchtete, wieder im hektischen Studio arbeiten zu müssen? Naja, umso größer würde die Freude sein, wenn er sie vorher heimholte. Sie würde wahnsinnig erleichtert sein. Und dankbar. Dankbar? Dankbar wahrscheinlich nicht. Schließlich war es doch seine Pflicht. Und damit eine Selbstverständlichkeit. Nein, dankbar würde sie nicht sein. Aber erleichtert. Mit Freude im Herzen fuhr er heim. Heim in das Haus, das schon bald ihrer beider Zuhause sein würde. Heim in das Haus, in dem sie viele glückliche Tage verleben würden. Stolz schaute er in den Rückspiegel. Freude leuchtete in seinen Augen. Andere hätten dieses Leuchten vielleicht anders interpretiert. Als Wahnsinn vielleicht. Tag minus drei, Sabrina-Perspektive Heute würde sie zu Besuch ins Studio fahren. Sie war aufgeregt. Ein Gefühl wie beim Zahnarzt schnürte ihren Brustkorb ein, aber angeneh-mer. Wie hatte sie es so lange ohne ausgehalten? Wenn sie gewusst hätte, wie gut Maria mit dem Kleinen klarkommt, wäre sie gar nicht erst ins Erziehungsjahr gegangen. Dann wäre sie gleich nach zwei Monaten wieder arbeiten gegangen. Aber nun war es ja bald soweit. Noch ein paar Tage, dann würde es wieder losgehen. Die geliebte und gehasste Hektik würde wieder Einzug halten. Sabrina Henning würde wieder im Mittelpunkt des morgendlichen Lebens vieler Leute stehen. Ein ausgiebiges Frühstück sollte sie stärken. Um den Jungen kümmerte sich – wie immer – Maria. Gut so. Arne und sie waren sich einig. Weitere Kinder sollte es nicht geben. Mit einem waren sie vollauf zufrieden. Zu viele andere Dinge waren auch noch wichtig, zu viele Sprossen auf der Karriereleiter mussten noch erklommen werden, als dass sie an ein weiteres Kind denken konnten. Zu viele Dinge mussten erledigt, zu viele Ziele erreicht werden. Zu viel – ein hässliches Wort eigentlich. Sabrina saß in der hochmodernen Küche, einer Küche, die nicht zum Kochen gedacht war, sondern eher als Statussymbol herhalten musste. Dort dachte sie, wie so oft, über ihr Leben nach. War sie eigentlich glücklich? Eigentlich schon. Sie hatte einen tollen Mann, der sie begehrte und sie verehrte. Einen Mann, der ihr die Wünsche von den Augen ablas. Auch mit ihrem Aussehen war sie zufrieden. Die Schwangerschaft hatte kaum Spuren hinterlassen – sie würde noch lange nicht in die Bauch-Beine-Po-Gruppe müssen. Geld war auch kein Problem – es war genug da. Beide verdienten reichlich. Es war gut, dass so viel da war. Es ermöglichte ihnen, immer auf der Gewinnerseite zu stehen. Ach ja – einen kleinen netten Jungen hatten sie auch. Sie liebten ihn sehr. Dass sie die Möglichkeit hatten, ein Kindermädchen einzustellen, machte das Elternsein noch schöner. Es gab einem die Möglichkeit, die Verantwortung für die weniger schönen Teile der Erziehung einfach weiterzureichen. Es gab einem die Möglichkeit, sein Leben trotz Kind so unangetastet wie möglich weiterzuleben. Eine halbe Stunde später befand sich Sabrina auf dem Weg ins Studio. Ihr Herz klopfte wild. Der Arbeitsplatz war eine halbe Autostunde von ihrem Zuhause entfernt. Um in ihrer Aufregung nicht noch einen Unfall zu bauen, musste sie sich sehr konzentrieren. Ihre Hände flatterten am Lenkrad. Zum Glück hatte sie eine Automatik, sonst hätte sie sich wahrscheinlich tausendmal verschaltet. Auf dem Parkplatz angekommen, bemerkt sie sofort, dass ihre Parklücke schon wieder frei gehalten wurde. Ihr Kennzeichen prangte am Begrenzungspoller. Bald würde ihr Auto wieder fünf Tage die Woche hier stehen. Sabrina beeilte sich, ins Studio zu kommen. Sie jagte regelrecht die aus Gitterroststufen bestehende Treppe hinauf. Im Gebäude vernahm sie sofort die so vertrauten Anzeichen von Hektik. Hier brüllte ein Aufnahmeleiter, da klapperte eine Assistentin mit den Kaffeetassen. Hier wurden eilig Umbauten gemacht, da fluchte ein Kabelträger, weil er über sein Kabel gefallen war. Hier und da leuchteten Lampen mit der Aufschrift: »Aufnahme. Ruhe bitte!« Sie sog die Atmosphäre auf wie jemand, der nach einem Tauchgang nach Sauerstoff japst. Schnurstracks ging Sabrina in Richtung Studio Acht, jenes Studio, in dem die Morgensendung produziert wurde. Nichts hatte sich verändert. Im Studio selbst war ebenfalls alles unverändert, das wusste sie genau. Sie hatte ja fast jeden Morgen die Sendung geschaut. Sabrina öffnete leise die Studiotür. Die Moderatorin verabschiedete sich gerade und bat die Zuschauer, gewogen zu bleiben und nicht abzuschalten. Schließlich brauchte das Mittagsmagazin auch seine Zuschauer, das Mittagsmagazin, in dem alles noch einmal durchgekaut werden würde, was schon in der Morgensendung dran war. Nur in anderer Aufmachung. Sabrina lauschte den letzten Worten der Moderatorin Elise Wegener. Der Moderatorin, die sie über den Erziehungsurlaub vertreten hatte und nun wieder in der zweiten Reihe verschwinden würde. Dort, wo sie auch hingehörte, Sabrinas bescheidener Meinung nach. Die Sendung war kaum aus, da hatte Elise sie schon entdeckt. Eine Sekunde lang flackerte Feindschaft in Elises Blick, Feindschaft für diejenige, die ihren Platz im Rampenlicht wieder einnehmen würde. Aber es flackerte nur kurz. Professionell flott kam der kokette Blick wieder, der vor und hinter der Kamera Freude vermitteln sollte. »Aaahhh«, rief Elise, als sie auf Sabrina zuschnellte. »Huhuuuu«, antwortet Sabrina und breitete die Arme aus. Sie fielen sich in die Arme. Küsschen rechts, Küsschen links, noch mal rechts und wieder links. Und das Ganze gleich noch einmal. Dann kamen alle anderen dazu. Und wieder: Küsschen rechts, links, und rechts … »Wie ist es dir ergangen?« »Was macht dein Kind?« »Und selbst« »Schön, dass du bald wieder da bist!« »Wäre gern noch ein bisschen zuhause geblieben.« »Wirklich schön, dass du bald wieder da bist.« »Finde ich auch.« »Bla.« »Bla, bla, bla.« »Bla, bla.« Sabrina war wieder auf dem Weg nach Hause. Es hatte ihr gefallen. Vor allem hatte ihr gefallen, dass sie sofort die unbestrittene Königin des Studios war. Und noch etwas hatte ihr gefallen: der Neid. Sie hatte den Neid gespürt, der von Elise Wegener ausging, der Frau, die nun in das zweite Glied zurücktreten musste. Sie würde wieder den Titel Co-Moderatorin tragen dürfen. Eine zweifelhafte Ehre für sie. Leider dauerte es noch einige Tage, bis Sabrina wieder vor der Kamera stehen durfte. Etwas Geduld würde sie noch aufbringen müssen. Bis dahin könnte sie aber noch das Leben ohne Verpflichtungen genießen. Besser gesagt – ohne berufliche Verpflichtungen. Mit Arne essen gehen, mit Arne Sport treiben und mit Arne vögeln. Ihr kleiner Bursche – Tim – war ja gut versorgt, dank Maria. Zuhause angekommen, gönnte Sabrina Maria eine Pause und spielte selbst mit ihrem Jungen. Der kroch auf seinem Krabbelteppich herum und trompetete vor Wonne. Immer wieder jagte er seinem Winnie-Puuh-Bär hinterher, der musizierend von dannen zog. Zwischendurch blieb der kleine gelbe Gesell stehen, drehte mit einem summenden Geräusch den Kopf und forderte mit elektronisch abstoßender Stimme: »Baby, komm mit, krabbeln macht Spaß!« Immer wenn Winnie das tat, blieb der kleine Racker ebenfalls stehen und krähte vor Freude. Später würde Sabrina ihn noch baden. Oder doch vielleicht lieber Maria? Wahrscheinlich schon. Sabrina würde lieber eine Runde Sport treiben und sich so die Zeit vertreiben, bis Arne kam. Wieder blieb Winnie stehen und animierte seinen Verfolger zum Krabbeln. Der quittierte das mit einem glucksenden Lachen. Auf einmal bemerkte Sabrina einen durchdringenden Geruch, der aus Tims Windel kam. Sie handelte sofort. »Maria, komm schnell!«, rief sie, ganz Frau der Tat. Tag minus drei, Oliver-Perspektive Oliver war antriebslos. Von Zeit zu Zeit wurde er von seinen Stim-mungen überfallen. Das konnten sowohl depressive als auch euphori-sche Stimmungen sein. Auch aggressive Phasen überkamen ihn bisweilen. Heute nun war er antriebslos und traurig. Er lümmelte sich auf einer Bank in seinem schönen Haus, dem Haus, in dem er bald mit seiner Sabrina leben würde. Selbst die schöne hellgrün-weiße Wandkachelung konnte ihn heute nicht aufheitern. Heute Vormittag war er Sabrina gefolgt. Sie war ins Studio gefahren. Er nahm an, dass sie Bescheid gegeben hatte, dass sie nun ganz aufhören wollte. Wahrscheinlich hatte sie sich auch gleich verabschiedet. Er hatte beobachtet, wie sie mit einem endlos glücklichen Gesichtsausdruck das Studio verlassen hatte. Dieser Besuch musste für sie das Ende eines alten Lebensabschnitts bedeuten – und der Anfang eines neuen. Wahrscheinlich war sie unendlich glücklich, dieses Kapitel endlich hinter sich zu lassen. Wie froh musste sie sein, dass er sie nun holen kam. Jedenfalls hatte er diesen Frohsinn in ihrem Gesicht gesehen. Aber er hatte auch noch etwas anderes in ihrem Gesicht gelesen. Nämlich Erwartung. Eine Erwartung, die an ihn gerichtet war! Nun saß er in dem neuen gemeinsamen Haus und wusste nicht, ob er ihren Erwartungen gerecht werden konnte. Nachdem er die letzten Tage geradezu euphorisch an sich geglaubt hatte, obsiegten jetzt die Zweifel. Würde er sie glücklich machen? Würde er sie vor allen äußeren Gefahren abschotten können, würden alle seine Schutzmaßnahmen ausreichen? Außerdem war da noch der Junge. Der Junge, dem er ein guter Vater sein wollte. Obwohl der Junge einem Verhältnis mit einem anderen Mann entstammte. Würde Oliver den Ansprüchen gerecht werden, die er an sich selbst stellte? Er zweifelte ein wenig an sich. Schließlich würde er Vater, Lehrer und Beschützer zugleich sein müssen. Vielleicht war der Junge bisher auch nicht richtig erzogen worden. Vielleicht würde er, Oliver, vieles gerade richten müssen. Obwohl – der Junge war ja noch gar nicht so alt, so viel konnten Sabrina und Arne nicht versaut haben. Als Erstes würde er dem Jungen einen richtigen Namen geben. Sabrina und Arne hatten ihn vorläufig Tim genannt, ein guter Name für Leute, die es nicht besser wussten. Aber sie hatten ihn ja auch nicht fragen können, deshalb würde er nun später in der Namenssache tätig werden. Oliver schwankte noch. Zwischen Friedrich, wie sein Großvater mütterlicherseits, und Frank, wie in dem Film »Hilf«, wo es Frank, der Held des Films, von einem verstoßenen Jungen, der überall geächtet und verlacht wurde, zu einem erfolgreichen Börsenmakler gebracht hatte. Dieser Film hatte Oliver gefallen: ein männliches Aschenputtel der Moderne. Es erinnerte ihn an ihn selbst. Es erinnerte ihn daran, wie die Mutter ihn verprügelt hatte. Daran, wie die Mutter, wenn er eingenässt hatte, ihm die uringetränkten Hosen mit voller Kraft ins Gesicht geklatscht hatte. Wie sie seinen Kopf in die Toilette gehalten und geschrien hatte: »Hier gehört deine Pisse hin, du olle Sau!« Mit der Wange am WC-Erfrischer hatte er salzige Tränen ins Loch getropft, während seine Augen sahen, was normalerweise nur die WC-Ente zu sehen kriegen sollte. Anschließend nahm seine Mutter eine brennende Kerze und ließ etwas Wachs in sein Puschloch tropfen, um es zu verstopfen. Wenn er dann schmerzgepeinigt aufschrie, brüllte Sie: »Schrei ruhig, nächstes Mal nehme ich Vaters Heißklebepistole, dann wird nie wieder ein Tropfen deinen kleinen Pimmel verlassen!« Garniert wurden diese Sätze immer wieder mit Liebesbezeichnungen wie »du olle Sau«, »du kleines Dreckschwein« oder »du einpissendes Ekelpaket«. Dann musste er voll bekleidet in die Dusche steigen und sich ausgiebig duschen, durfte aber nur eiskaltes Wasser benutzen. »Soll ich dich etwa so anfassen?«, fragte seine Mutter, wenn er dieses Vorgehen betrauerte, »das würde ich nicht mal mit der Kneifzange tun, du stinkende Mistsau.« Wenn er fertig geduscht hatte, musste er sich triefend nass, wie er war, in den Garten stellen, egal welche Jahreszeit der Abreißkalender in der Küche anzeigte. Unterdessen musste Vater die Heißklebepistole aus dem Keller holen und wie eine Warnung in der Küche drapieren, den Stecker immer schön in der Nähe der Steckdose, dass die Pistole schnell zum Einsatz kommen konnte. Sein Vater unterstützte diese Vorgehensweise nur soweit, wie es die Mutter verlangte. Sich gegen diese Methoden aufzulehnen wagte er al-lerdings nicht. Wenn sein Sohn ihn dann Hilfe heischend ansah, schlug der Vater die Augen nieder und ging in den Keller, sein Ein und Alles. Einmal musste Oliver mitten im Februar diese Prozedur durchmachen, was ihm eine mittelprächtige Lungenentzündung einbrachte. Seine Mutter begleitete seine Einlieferung in die nächstgelegene Notaufnahme und berichtete dem Arzt, was ihr Sohn doch für ein Schwächling sei. »Keine Konstitution, der Bengel«, erklärte sie dem Mediziner, »das hat er von seinem Vater, genauso ein Waschlappen.« Sie verstaute seine Sachen im Krankenzimmer, schimpfte ihn eine Weichwurst und kam erst wieder, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Zum Glück musste er diese Behandlung nicht allzu lange ertragen, er nässte Gott sei Dank nur einige Jahre ein. Und Gott sei Dank machte die Mutter die Drohung mit der Heißklebepistole nie wahr – sie drohte immer nur mit dem heißen, tropfenden Kleber. Übrigens konnte er sich erinnern, dass einmal der Hund auf den Tep-pich geschissen hatte. Seine Mutter war außer sich gewesen. Außer sich vor Sorge um die arme bemitleidenswerte Kreatur. »Mein kleiner Liebling, was hast du dir bloß eingefangen?«, barmte sie, während der Vater den Teppich von dem stinkenden Haufen befreien musste. In diesem Moment hatte sich Oliver gewünscht, ein Hund zu sein. Als das Einnässen aufgehört hatte, ließ auch die schlechte Behandlung nach. Von nun an zeichnete sie sich nur noch dadurch aus, dass sie ihren Sohn missachtete und gelegentlich, selbst bei leichten Vergehen, verprügelte. Er wurde trotz allem ein Schüler, auf den man als Mutter stolz sein konnte. Als normale Mutter jedenfalls. Seine war eine Ausnahme. Wenn er eine Drei bekam, hätte es eine Zwei sein sollen, wenn eine Zwei auf dem Papier stand, wäre eine Eins angebracht gewesen. Prangte eine Eins auf der Klassenarbeit, hätte es eine Eins Plus sein müssen, egal ob das möglich war oder nicht. So bekam er sein gerüttelt Maß an Prügel ab, obwohl er ein guter Schüler war. Oliver stumpfte ab. Die ständigen Prügel wurden zur Gewohnheit. Mann musste einfach damit leben. So wie man mit schlechtem Wetter, ansteckenden Krankheiten und Spinat mit Ei leben musste. Es wurde normal. Was viel schlimmer war, waren seine Klamotten. Die erbte er von seiner zwei Jahre älteren Schwester. Wenn es nicht gerade um Röcke oder Blusen ging, musste er anziehen, was sie abgetragen hatte. Das zog natürlich eine besondere Behandlung durch seine Klassenkameraden nach sich. Wer einmal den Verlierer-Stempel auf der Stirn trug, war für alle Zeit den Schmähungen der Anderen ausgeliefert. Aber man brauchte sich auch nicht wundern, wenn man als Junge T-Shirts mit dem Aufdruck »Barbie Girl« oder »Hello Kitty«-Hosen trug. Anders als die meisten Kinder, die ihre Mitschüler einer »Sonderbe-handlung« würdigten, wurde Oliver ein immer besserer Schüler. Was zu immer neuen Demütigungen und Gewalthandlungen führte. Einmal schnitten sie seine Cola-Dose unten auf, ließen die süße Limonade herauslaufen und ersetzten sie durch 0,33 Liter Schülerpisse. Anschließend verklebten sie das Loch in der Dose mit durchgekautem Kaugummi. Es hielt sogar dicht. Als Oliver die Dose öffnete, vermisste er zwar das gewohnte Zischen, trank jedoch trotzdem einen großen Schluck des ekelerregenden Inhalts. Niemals würde er vergessen, wie seine Mitschüler lachten, als er sich erbrach. Noch heute hörte er dieses Lachen, im Wachen und im Traum erst recht. Besonders in seinen depressiven Phasen schallte es innerhalb seiner Schädels. Das Lachen und die Rufe: Pisse-Olli, Pisse-Olli! Als er dann vom zwölften Lebensjahr auf des dreizehnte zuging, erlebte Oliver die Veränderungen, die jeder Junge an sich erlebt. Seine Sexualität erwachte. Er fing an, sich für Mädchen zu interessieren und träumte hin und wieder von ihnen. Von Zeit zu Zeit entdeckte er dabei einen feuchten Fleck auf dem Laken. Angst machte ihm das nicht, er war ja aufgeklärt dank Bravo & Co. Außerdem belauschte er die Gespräche der anderen Jungs und lernte auch so dazu. Wer nicht ganz so aufgeklärt war, war seine Mutter. Eines Tages, er war gerade kräftig am Onanieren, kam sie zu ihm ins Zimmer gestürzt, um ihn wegen einer Zwei in Mathematik zur Rede zu stellen. Just in dem Moment, als er sich gerade ins aufgeklappte Taschentuch ergießen wollte, kam sie ins Zimmer gehetzt, holte zu einer Brandrede aus und ... verstummte. Entsetzen wechselte sich in ihrem Gesicht mit Wut ab. Die Gesichtsfarbe changierte zwischen blass und rot. Mehrmals musste sie ansetzen, um etwas zu sagen. Schließlich erfolglos, das Wort wollte ihr nicht über die Zunge hüpfen. Stattdessen schnappte sie sich sein Ohr und zerrte ihn aus dem Bett, das samenbesudelte Taschentuch fiel ihm aus der Hand. Die resolute Frau zerrte Oliver am Ohr die Treppe herunter, während seine Erektion in sich zusammenbrach und ein letzter Rest Ejakulat wie ein Tröpfchen Angstschweiß aus seiner Spitze quoll und auf die teppichbelegte Treppe fiel. Unten angekommen nahm sie Kurs auf den Fernsehsessel des Vaters. »Schau an, was dein Sohn fabriziert hat!«, polterte sie los. Der Vater betrachtete seinen halbnackten Sohn und wusste nicht, wo-rauf seine Frau hinauswollte. Er sah den traurigen Überrest eines Stän-ders, konnte sich trotzdem keinen Reim auf die Aufgeregtheit seiner Frau machen. »Ist dir die Zunge abgefault, Alter?«, erkundigte sie sich lautstark, »siehst du nicht, was vorgefallen ist? Er war an sich zugange!« Der Vater fühlte sich überfallen und verstand nicht, was sie meinte. »Dein Sohn ist ein kleiner Wichser«, schrie sie. »Er hat an seiner Nudel rumgespielt, bis er abgespritzt hat!« Man hätte es auch als Erguss bezeichnen können, aber über solche Feinheiten war die aufgeregte Frau hinaus. Der Vater jedoch wusste nicht, was nun von ihm erwartet wurde, was sein Gesichtsausdruck auch ausdrücklich widerspiegelte. Sollte er schimpfen? Sollte er den Jungen aufklären? Schließlich war er seinerzeit selbst ordentlich an sich zugange gewesen, wie es seine Frau so schön bezeichnete. Manchmal war er es heute noch, denn beim Sex war seine Frau wie im übrigen Leben auch: herrisch, ungeduldig und bestimmend. Da war das eine oder andere Abenteuer mit sich selbst eine Wohltat. Eine Reaktion seinerseits erfolgte jedenfalls erst einmal nicht. »Muss ich denn alles alleine machen?«, blökte seine Frau. Ihre Stimme erinnerte an einen schreienden Esel. »Wahrscheinlich bist du auch noch stolz darauf, dass dein Drecksbengel pervers ist!« Nun zog sie Ihren Sohn am Ohr in Richtung Kachelofen. Dieser hatte den Umbau des Hauses überlebt, er war immer gut gefüttert mit Kohlen. So ließ sich eine Menge Heizöl einsparen. Und Holz konnte der Vater immer aus dem Wald holen, wenn er schon für nichts anderes gut war. Der Ofen strahlte also wie immer eine immense Hitze aus. Wenn man nicht aufpasste, zog man sich beim Nachlegen eine ordentliche Verbrennung zu. Manchmal war er so heiß, dass der Drehknopf der oberen Ofentür etwas glühte. Und genau diese Ofentür war es, die die Mutter ins Visier genommen hatte. »Stell dich vor den Ofen«, herrschte sie Oliver an. Er reagierte in seiner Angst vor dem Kommenden nicht. Sie verlieh ihrer Forderung mit dem Schürhaken Nachdruck. Zaghaft bewegte sich Oliver auf den Ofen zu. »Halt ihn ran«, befahl sie und zeigte auf den Ofentürgriff. Oliver brach in Tränen aus. Seine Mutter blieb jedoch ungerührt. »Du wirst jetzt deinen schmutzigen Schniedel dort ranhalten, zwar kurz, dafür mehrere Male. So wirst du nicht ernsthaft verletzt, lernst aber, dass du deinen Pimmel nur zum Waschen oder zum Pinkeln anzufassen hast. Es ist ekelhaft, ihn für etwas anderes anzufassen. Das ist pervers. Wenn du damit erstmal angefangen hast, wer weiß, wo das mal endet. Wahrscheinlich wirst du dich später mal vor Frauen entblößen. Oder du wirst sie vergewaltigen oder dich an Kindern vergehen. Oder noch viel schlimmer: du wirst vielleicht schwul! Also – ich meine es nur gut mit dir. Ich will jetzt, dass du deinen kleinen dreckigen Pimmel an den Knauf hältst, immer und immer wieder, bis ich dir sage, dass es genug ist. Du hältst ihn immer kurz daran. Wenn nicht, werde ich den Schürhaken in die Glut schieben, und ihn dir ganz vorne ranhalten, und zwar lange. Überleg es dir, was ist dir lieber?« Während dieses Vortrags war Oliver in Tränen ausgebrochen und flüsterte nun: »Bitte nicht, Mami, bitte nicht. Ich werde es auch nie wieder tun.« »Was wirst du nie wieder tun?« »An mir zugange sein.« »Du meinst – an deinem dreckigen Schniedel rumspielen? Du meinst – dir einen runterholen?« Flüsternd: »Ja, Mami.« »Das weiß ich, dass du es nie wieder tun wirst. Das weiß ich genau, weil du jetzt deinen schmutzigen Schniedel an die verdammte Ofentür halten wirst – und dann wirst du dir für den Rest deiner Tage zweimal überlegen, ob du noch mal an deinem Schniedel zugange sein wirst.« Mit diesen Worten öffnete die Mutter die untere Ofentür, um den Schürhaken in die Glut zu legen. »Tu es, bevor ich es tue. Das wäre doppelt so schmerzhaft.« Oliver merkte, dass er keine andere Wahl hatte. Er nahm seinen Penis, der sich enorm zusammengezogen hatte, vielleicht, weil er die Angst seines Herrchens spürte und jetzt gerade noch zwischen Daumen und Zeigefinger zu sehen war, und schob sich vorsichtig an die Ofenklappe heran. Schon von Weitem merkte er an der Spitze die rote Hitze des Knaufs. Zitternd und weinend schob er sich dieser Hitze entgegen. Oliver hatte die Augen geschlossen, so wusste er nicht, wann sein Penis die Ofenklappe erreichen würde. Ein plötzlicher Schmerz und ein leichtes Zischen an der Ofenklappe zeigten an, dass er an seinem befohlenen Ziel angekommen war. Schreiend zog er ihn wieder zurück. »Gut so«, lobte die Mama, »gleich noch mal!« Sein Vater saß unterdessen in seinem Fernsehsessel und las die Tageszeitung. Der Bericht über Tiere des Waldes im Winter war aber auch zu interessant! Wimmernd schob Oliver sein Becken wieder dem Knauf entgegen. Diesmal konnte er die Hitze nicht schon von Weitem spüren, dafür war seine Eichel selbst noch zu heiß. Als er dann wieder den Knauf berührte, spürte er sie schon. Das Schreien wurde zu einem lang gezogenen Brüllen. Der Vater war bei der Stelle angekommen, wo der Revierförster die Bevölkerung aufrief, im Herbst Eicheln und Kastanien zu sammeln, damit die Waldbewohner im Winter etwas zu fressen hätten. Als Olivers Brüllen verklungen war, forderte die Mutter noch eine Berührung mit dem heißen Knauf. Großzügig würde sie auf weitere Maßnahmen verzichten und hoffte, dass er seine Lektion gelernt hatte. Noch einmal musste Oliver sich der Ofentür entgegen schieben, noch einmal den Schmerz erdulden. Der alte Schmerz war noch nicht ansatzweise abgeklungen und er musste ihn schon wieder erneuern. Diesmal war es noch schwieriger, da sein Penis noch weiter in sich zusammengeschrumpelt war, er musste aufpassen, dass er sich nicht auch noch die Finger verbrannte. Tränen trübten seine Sicht. Er sah nun zwei Hände mit je einem kleinen Penis drinnen, zwei Ofentüren und zwei heiße Knaufe. Irgendwie schaffte er es, den richtigen Penis mit der richtigen Ofentür zusammenzuführen. Ein qualvoller Schmerz war der Lohn. Dann sank er vor dem Ofen auf dem Vorlegeblech zusammen und schrie vor Schmerz, vor Scham und vor Wut. Vor allem vor Wut. Es roch verbrannt. Die Ursache war ein kleines Stück Vorhaut, das an dem heißen Knauf kleben geblieben war. Der Vater las gerade, dass Wildschweine auch schon mal in menschliche Siedlungen kämen, um nach Nahrung zu suchen. Seine Mutter schickte Oliver ins Bad, er sollte seinen Penis in kaltem Wasser kühlen. »Denk dran, ich habe dies nur für dich getan. Nur aus Liebe«, sagte sie, als sie ihn hoch schickte. Oliver stand auf einem Hocker am Waschbecken und hielt seinen Penis in eiskaltes Wasser. Der Schmerz wurde durch die Kälte betäubt, und Oliver hatte eines gelernt – nämlich, was Liebe ist. Jetzt, Jahre später, saß er hier und bekam Schweißausbrüche. Trotz der Zeit, die dazwischen lag. Im Laufe der Jahre waren noch viele Dinge gefolgt, die Grund gaben für diesen Schweißausbruch. Am meisten blieb ihm ein Erlebnis bei einer Klassenfahrt in der neunten Klasse in Erinnerung. Sie waren bei schönstem Juni-Wetter kurz vor den großen Sommerferien an die Ostsee auf die Sonneninsel Usedom gefahren. Die Klasse verlebte dort lustige Tage. Auch für Oliver selbst wurde es eine entspannte Fahrt, die Mitschüler hatten Besseres zu tun, als ihn zu piesacken. Er trank mit den Anderen (die Lehrer sahen nicht so genau hin), er lachte und er hatte Spaß mit ihnen. Jedenfalls bis zu jenem Tage. Bis dato hatte Oliver auch seine Flirtversuche bei den Mitschülerinnen unternommen, war jedoch jedes Mal kläglich gescheitert. Was auch immer er versucht hatte – keine wollte mit ihm zu tun haben. Selbst die Mauerblümchen unter den Mädels, sonst oft selbst im Mittelpunkt des Gespötts, ließen ihn abblitzen. Er blieb ungeküsst, an Sex war schon gar nicht zu denken. Bis eines Tages bei dieser Klassenfahrt seine Stunde gekommen schien. Eine Strandparty war angesagt. Ein kleines Feuer brannte romantisch, Stockbrot wurde gebacken. Es wurden leichte alkoholische Getränke verabreicht. Die Stimmung wurde ausgelassener, die Getränke hochprozentiger. So genau schauten die Betreuer nicht mehr hin, auch sie tranken den einen oder anderen Schluck und waren jetzt Opfer ihrer ausgelassenen Stimmung. Sie waren mit sich beschäftigt, auf die eine oder andere Weise. Erstes Rumgeknutsche und Rumgefummel fand nun statt. Einige saßen verträumt am Feuer, andere gingen am Strand spazieren. Und genau jetzt sollte Oliver auch mal vom Glück verwöhnt werden. Er hatte sich gerade damit abgefunden, allein mit seiner Bierflasche in einem Strandkorb zu sitzen, als sich mehrere Leute zu ihm gesellten. Drei Jungs und vier Mädels. Eine Sangria-Flasche wurde herumgereicht. Oliver war schon etwas duselig. Die drei Pärchen fingen an, etwas herumzuschmusen. Oliver und das übrig gebliebene Mädel saßen etwas dumm herum. Plötzlich geschah es – das Mädchen, Susi, setzte sich vorschichtig auf seinen Schoß und schmiegte sich an ihn. Vorsichtig und leicht zitternd fing er an, ihren Kopf und ihr Gesicht zu streicheln. Susi entspannte sich sichtlich. Oliver fing an, ihren Rücken zu kraulen. Susi ließ leise Geräusche der Wonne hören. Oliver kraulte weiter und strich ab und zu auch über ihre Seite in Brustnähe. Susi ließ keinerlei Unbehagen erkennen. Da ging er aufs Ganze und strich vorsichtig über ihre Brust. Auch diesmal keine Zeichen von Gegenwehr. Nun hob er ihr T-Shirt und wollte unter ihren BH schlüpfen. Diesmal versteifte sie sich, da ließ er es sein. Immerhin war er unter ihrem Shirt und konnte wenigstens ihre vom BH umhüllte Brust streicheln. Als er ihre Nippel spürte, bekam er eine ordentliche Erektion. Es war ihm außerordentlich peinlich, sie musste seinen Ständer bemerkt haben, sie saß ja praktisch darauf. Plötzlich stand sie auf und Oliver glaubte schon, seine Chance vertan zu haben, aber sie zog ihn vorsichtig aus dem Strandkorb. Sie liefen schnell den stockdunklen Strand entlang. Nach fünfzig Metern hielt er sie fest und fragte: »Wo willst du mit mir hin?« Sie legte ihm kurz einen Finger auf die Lippen, machte »Schsch« und zog ihn wieder vorsichtig hinterher. Hinter einer Düne machte sie Halt. Sofort zog sie ihm das T-Shirt vom Leib. Auch ihr eigenes Shirt musste dran glauben. Oliver wollte sie küssen, sie wehrte in einer zarten Aktion ab und drehte stattdessen seinen Mund zu ihrem Hals. Ungeübt, aber zart ließ er seine Zunge über ihren Hals fahren. Plötzlich merkte er eine fordernde Hand an seinem Schritt. Seine Erektion legt noch einen Zahn zu. Sanft begann die Hand, seinen Ständer zu massieren. Die Hand fand seinen Hosenknopf und öffnete ihn. Der Rest der Knopfleiste wurde mit einer einzigen Bewegung aufgerissen. Seine Beule wurde nun nur noch von einer dünnen Schicht aus 100 % Baumwolle bedeckt. Die Bewegungen der Hand konnte er nun viel deutlicher spüren. Oliver befürchtete schon, in seine Hose abzuspritzen. »Zieh aus«, murmelte Susi und wies mit dem Kopf auf seine Shorts. Er ließ sich nicht bitten und sein Ding wippte über den Rand seiner Shorts. Susi lächelte keck und säuselte mit plötzlich tiefer Stimme: »Und nun zeig mir, was du kannst. Spiel mit deinem Ding!« »Was soll ich?«, stammelte Oliver. »Hast du etwa noch nie gevögelt? Du sollst dir vor mir einen runterholen. Das macht jedes Mädel scharf. Mach schon – mach mich geil!« »Wenn das so ist«, dachte Oliver, »mach ich es halt.« Er nahm ihn in die Hand und rieb ihn. Susi hatte ihre kleine Taschen-lampe angestellt, um besser zu sehen. »Ja Baby, gib´s mir«, feuerte sie ihn an. Nun gab er richtig Gas. Er rieb wie Aladin an seiner Wunderlampe, allerdings ohne, dass ein Geist erschien. Er fing an zu schwitzen. Ein wenig war er in seiner eigenen Welt. Susi wich ein ganzes Stück zurück, wie um mehr sehen zu können. Sie feuerte ihn weiter an, er wurde immer schneller und schneller. Die niederen Instinkte nahmen vollständig Besitz von ihm. Viel nahm er von seiner Umwelt nicht mehr wahr, er sah nur sein liebliches Gegenüber, seine Hand und seinen pulsierenden Pimmel. Mehr sah er nicht, bis – bis plötzlich rings umher Lichter entflammten. Helle Taschenlampen durchstießen die Dunkelheit des Strandes. Dann kamen die hellen Lichter von Videokameras dazu. Lachen klang durch die klare Luft des späten Abends. Kurz nach dem heftigen Abspritzen wurde die Bewegung an seinem Pimmel langsamer und erstarb schließlich ganz. Aber die Kameras hatten etwas anderes gesehen. Sie hatten gesehen, wie er ganz allein, inmitten einer grasbewachsenen Düne hemmungslos gewichst hatte. Sie hatten gesehen, wie er geschwitzt und gestöhnt hatte. Auch, wie er ordentlich in den feinen Strandsand gespritzt hatte, war gut zu sehen. All das wurde die restlichen Tage der Klassenfahrt und auch später noch auf dem Schulhof ausgewertet. Dabei starrten alle auf die Bildschirme der Kameras, besonders die Schüler aus anderen Klassen, die der Originalaufführung nicht hatten beiwohnen können. Sie ergötzten sich an seinem Onanieren, an seinem blöden Gesicht, als er bemerkte, dass er mal wieder der Angeschmierte war. Sie lachten heftig über das Bild, das er auf den Filmen abgab, wie er erst, nur schwach von Susis Taschenlampe beleuchtet, mit offenem Mund schwer schnaufend wie ein Wahnsinniger wichste, und wie ihm dann wegen der vielen erleuchtenden Taschenlampen die Gesichtszügen entglitten. Fast noch lustiger für die Zuschauer war es, wie seine Wichsbewegung erstarb, er es aber nicht mehr zu verhindern vermochte, dass er sich in den hellen Dünensand ergoss und ein guter Teil der abgefeuerten Flüssigkeit aus seiner Faust tropfte. Später erfuhr er, dass schon vor ihrer Abreise zur Klassenfahrt unter den Mädels ausgelost worden war, wer den Lockvogel für diese Insze-nierung spielen musste. Das schmerzte. Und zwar noch lange. Auch lange nach dieser seelischen Misshandlung wollte sich ihm kein zwischenmenschliches Glück zugesellen. Kein Gedanke an Freunde. Als ob er einen Makel hatte und dieser auf seiner Stirn verewigt war. Manchmal, wenn er in eine Kneipe ging, lernte er Leute kennen. Doch die schienen ihn von Anfang an zu durchschauen. Sie vermochten von Anfang an zu erkennen, dass er Anschluss suchte und nutzten das aus. Ließen sich auf seine Kosten volllaufen. Jedes Mal hatte Oliver dann eine Menge Spaß und große Tüten voll Hoffnung. Doch jedes Mal, wenn der Spaß vorbei war, schwand auch die Hoffnung. Wenn er Glück hatte, nahmen seine Trinkkumpanen wenigstens seine Telefonnummer an, um sich dann doch nicht zu melden. Noch weniger Glück hatte Oliver mit Frauen. Er lächelte sie an, er sprach sie an und mitunter berührte er sie auch vorsichtig. Doch keine seiner Bemühungen fruchtete. Keine einzige Verabredung sprang dabei heraus. Stimmt nicht. Eine Verabredung gab es schon. In einer Disco lernte er sie kennen – Doreen. Sie war nicht schön, aber nett. Da es ihm mittler-weile völlig egal war, wie eine Frau aussah, verabredeten sie sich für das nächste Wochenende wieder. Sie aßen in einem Burger King. Im hellen Licht fiel ihm auf, dass ihre Wangen dunkel waren, als wenn ein Schatten darüber läge. Für seinen Geschmack war sie etwas zu grell geschminkt, aber wenn sie sich erstmal näher kennen würden, würde er ihr schon sagen, dass sie sich für ihn nicht so zurechtzumachen brauchte. Auch ihre auffällige Frisur bräuchte sie dann nicht mehr zu tragen. Aber sie war ein echter Typ. Mit ihr schien man Pferde stehlen zu können. Immerhin drei Burger, zwei Portionen Pommes und einen großen Milchshake verdrückte sie. Wo er nur zwei Burger und eine Portion Pommes schaffte. Sie rauchte und ließ den Aschenbecher mitgehen. Anscheinend konnte man mit ihr eine Menge Spaß haben. Anschließend fuhren sie wieder in die Disco. Dort saßen sie erst einmal in einer Couchecke, rauchten und quatschten. Wurden immer vertrauter. Oliver musste viel lachen. Immer, wenn sie mit ihrer tiefen Stimme einen Witz erzählte, lachte er, bis ihm die Tränen kamen. Danach tanzten sie. Dann tranken sie wieder. Irgendwann begannen sie, vorsichtig zu knutschen. Doreen hatte sehr feste Lippen. Beinah derb. Nach ein paar weiteren Drinks gingen auch ihre Zungen auf Kollisionskurs. Sie war sehr zärtlich, doch gleichzeitig sehr fordernd. Sie ließ sich führen, zeigte aber auch gern, wo es lang geht. Dann war es so weit. Ein paar hochprozentige Getränke und schon tanzten sie wieder. Diesmal mit vollem Körpereinsatz. Ihre Becken rieben aneinander. Ihre Hände lagen auf seinem Po, ihre Zunge steckte in seinem Mund. Oliver begann, ihren Arsch zu kneten. Ihren muskulösen Arsch! Plötzlich bemerkte er etwas. Etwas Hartes, sehr Hartes. Dort, wo nichts Hartes sein sollte. Eine Beule in ihrer Jeans. Er wurde langsamer, hielt schließlich ganz inne. Vorsichtig schob er sie etwas von sich, um ihren Schritt zu betrachten. Vorsichtshalber tastete er auch noch und spürte ihn, ihn, den es bei einer Frau eigentlich nicht geben sollte. Sein Unterkiefer klappte herunter. Plötzlich erklärte sich alles. Ihre herben Lippen, ihr muskulöser Arsch, ihre tiefe Stimme. Und der Schatten über ihrer Gesichtshaut, der übermorgen ein Dreitagebart sein würde. Sie/Er sah nun nicht minder erstaunt aus. »Ich dachte, du wüsstest es«, stammelte er/sie. Oliver konnte nur entsetzt starren. Ein vages Gefühl des Ekels stieg ihm die Kehle hinauf. Er konnte sich nur schwer beherrschen, um sich nicht zu übergeben. Weitere Verabredungen hatte es nach dieser Blamage nicht gegeben. Keine Verabredungen – keine Demütigungen. Lediglich zu Prostituier-ten ging er hin und wieder. Dort ließ er seinen Trieben freien Lauf. Dort ging es nicht um Liebe, um die er ja doch immer irgendwie betrogen wurde. Dort ging es nur um Sex. Harten Sex. Sex war für ihn eine Schlacht. Eine Schlacht um die Vorherrschaft. Eine Schlacht – ein Kampf der Geschlechter, der trotzdem beiden Seiten Befriedigung verschaffen sollte. Diesen Kampf, diese Schlacht wollte er immer gewinnen. Das ließ er die Nutten spüren. Sie waren ihm alle haushoch unterlegen, keine wollte ihn später noch einmal ranlassen. Nach jedem Sex musste er sich eine Neue suchen. Anscheinend hatte er es übertrieben. Anscheinend waren die Weiber allesamt schlechte Verlierer. Allesamt wollten sie ihn kein zweites Mal bedienen, bloß weil er mit harten Bandagen kämpfte. Von Nutte zu Nutte war er eine Spur härter geworden. Bis ihn bald keine mehr ranlassen wollte. Seine Fähigkeiten hatten sich in deren Kreisen herumgesprochen. Sie rannten weg, wenn sie ihn sahen. Oder schickten ihren Zuhälter, was noch schlimmer war. Einer hatte ihn ordentlich verprügelt. Als ob eine Atombombe in sein Gesicht eingeschlagen war, so hatte sich seine Faust angefühlt. Wie nach einem Kampf mit beiden Klitschko-Brüdern hatte er hinterher ausgesehen. »Lass dich nie wieder hier blicken, du Perversling«, hatte der Zuhälter gebrüllt. Du Perversling! Bloß weil er mit härteren Bandagen kämpfte als andere? Bloß weil er den Beischlaf mit allen Mitteln ausfocht, die ihm zur Verfügung standen? Keine von denen, die er gehabt hatte, war ernsthaft verletzt worden. Am Anfang war er ja auch ganz vorsichtig gewesen. Doch dann hatte er gesehen, dass diesen Frauen mit normalen Mitteln nicht beizukommen war. Sie waren mit allen Wassern gewaschen. Da hatte er seine Taktik von Mal zu Mal etwas derber ausfallen lassen. War er deshalb gleich ein Perversling? Weil er einer mal die Brustwarze blutig gebissen hatte? Weil er einer die Rosette gestopft hatte? Bloß weil er einer ein Sektglas auf den Kopf geschlagen hatte? Sie hatte aber auch laut gestöhnt, als ob er ihr Wohlbehagen bereiten wollte mit seinem Sex. War er pervers, weil er versucht hatte, einer den modellierten Fingernagel abzubrechen? Sie hatte ihm den vor Wonne in den Rücken gekrallt. Nein – das hatte mit Perversion nicht zu tun. Oh – er kannte Perverse. Zuhauf hatte er sie schon gesehen. Sie fickten lange und ausgiebig miteinander. Stöhnten dazu, als ob Sex eine Wonne wäre. Gefielen sich darin, sich gegenseitig mit dem Mund zu verwöhnen, und sahen dabei aus, als fänden sie das auch noch schön. Sie ließen sich für derlei Tätigkeiten in der Natur auf einer Decke nieder, als ob es eine Sache wäre, die ein schönes Ambiente verträgt. Sie schmatzten, stöhnten Ahhh und Ohhh und streckten ihrem Gegner das Becken entgegen. Das war pervers! Nein – so einer war er nicht. Und so einer würde er nie sein. Das Kapitel Nutten war jedenfalls schnell für ihn beendet gewesen. Zwangsweise. Später hatte er noch versucht, sich über das Internet mit Frauen zu verabreden. Doch da er ziemlich offen mit seinen Ansichten über Sex umging, fühlte sich ihm keine gewachsen. Keine wollte in diesem Kampf eine Niederlage riskieren, denn die wäre fast vorprogrammiert. Doch nun würde er das alles hinter sich lassen. Das gehörte zu seinem alten Leben. In Kürze würde sein neues Leben beginnen. Sein neues Leben, das er seiner Frau und seinem Stiefkind widmen würde. Das neue Leben, in dem er als Familienvater glänzen wollte. Olivers Laune stieg. Niemals würde er sich wieder derart demütigen lassen. Niemals würde ihn seine Sabrina so demütigen. Sie war eines anderen Schlages. Gemeinsam würden sie den Rest ihres Lebens glücklich bestreiten: er, Sabrina, der Junge – und das Kind, das er ihr pflanzen würde. Ach ja, und noch jemand.


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