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> Krimi Thriller > Froschmädchen lieben anders
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Froschmädchen lieben anders, Angelika Pürzer
Angelika Pürzer

Froschmädchen lieben anders



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Die Beamten der Kriminalpolizei schnauften schwer, bis sie am Fundort angekommen waren. »Leichenfrühstück«, kommentierte Hauptkommissar Friedel trocken und versuchte, seinen linken Fuß aus dem Matsch zu befreien. »Hätte ich gar nicht gedacht, dass man hier so tief einsinken kann.« Er ging in die Hocke und putzte an seinen hellen Baumwollsocken herum. »Unverschämt kühl heute Morgen«, sagte ein junger Beamter neben ihm. Er nickte. »Und später wird es wieder so heiß, dass man meinen könnte, man sei in den Tropen. Total verrücktes Wetter.« »Die Welt ist schlecht.« Der junge Polizeibeamte blickte angewidert zur Seite und stammelte etwas wie »unglaublich«. Friedel stutzte. Er solle nur hinschauen oder gleich zu den Wirtschaftskriminalern gehen. Dann fügte er mit einem Achselzucken hinzu: »Er muss es lernen, oder er ist hier fehl am Platz.« »Es ist nicht jeder so abgebrüht wie Sie«, hielt Huber ihm entgegen und schimpfte: »Ausgerechnet jetzt, wo zum Personalabbau dazu zwei in Urlaub sind,.« Friedel überhörte das Geplänkel seines Kollegen und wies über Funk an: »Wir brauchen Feuerwehr und Leitern. Verständigen Sie die Frau Staatsanwältin und tragen Sie um Himmels willen Gummistiefel. Ziehen Sie unbedingt Gummistiefel an, sonst versinken Sie in diesem Gelände, bevor Sie überhaupt ankommen. Verständigen Sie den Fotografen und unseren Doktor. Der wird eine Freude haben.« Er wandte sich Huber zu und ordnete an: »Nehmen Sie das Protokoll auf.« »Immer ich«, murrte dieser. Friedel grinste: »Wer denn sonst?« Er machte eine Pause. »Bin ich wirklich abgebrüht?« »Kalt wie ein Fisch«, präzisierte es Huber, dann diktierte er in seine Stenorette: »Fundort Waldsteingebirge, in unmittelbarer Nähe des Teufelstisches; gefunden wurden in einem freigelegten unterirdischen Höhlengelände voraussichtlich zwei männliche Leichen, auf dem Rücken liegend.« Er ergänzte: »von einem Archäologenteam freigelegt ...« Der Fundort war mittlerweile fachkundig abgesperrt worden. Die Wissenschaftler standen unschlüssig herum. Hauptkommissar Friedel gab ihnen in bestimmtem Tonfall zu verstehen, ja nichts anzurühren .»Aufräumen tun wir selbst«, sagte er, »wir haben da so unsere Erfahrungen. Mein Kollege Huber hier wird Ihre Personalien aufnehmen. Dann können Sie nach Hause gehen. Ich fürchte, hier werden Sie so schnell nichts finden, was Sie interessieren könnte.« Huber lächelte. »Nehmen Sie es nicht persönlich. Er ist immer so. Also, mit wem fangen wir an?« Es dauerte eine Weile, bis alle aus dem Archäologenteam erfasst waren. Die Spurensachverständigen hatten inzwischen mit ihrer Arbeit begonnen. Der junge Beamte trat neben Huber: »Das ist gar nicht gut für die Saison. Jetzt, wo die ersten Touristen eintrudeln.« Huber lachte. »Hast du eine Ahnung. Sensationstourismus. Wer interessiert sich denn heute noch für Wichtel oder Hexen? Handfeste Leichen! Das ist der Knüller!« Wie lange die beiden wohl tot wären, fragte der junge Kollege. Huber runzelte die Stirn, blickte prüfend auf die beiden Leichen und verzog angewidert das Gesicht. »Der hier ist ja schon fast skelettiert. Das sieht nur unser Doktor. Den Job möchte ich nicht geschenkt haben. Das zweite Opfer? Sieben Tage oder mehr.« »Der hat aber einen Kurzen«, rief einer der Spurensicherer nach oben, »schaut doch mal her.« Friedel und Huber eilten heran. Huber diktierte: »Zwei männliche Leichen, abgetrenntes Genitale ...« »Das Messer muss immer wieder abgerutscht sein«, erklärte der Spurensicherer. »Eine Art Treppenstufeneffekt ist entstanden. Oder sie hat plötzlich Angst bekommen! Das Glied fein säuberlich auf einem Spitzentüchlein angerichtet und nicht mit einem Schleifchen verziert, nicht an einem Schnürchen um den Hals gehängt, nicht in den Mund gesteckt ... Jaja, alles schon da gewesen. Das hier sieht eher nach einer heiligen Handlung aus!« »Es reicht«, sagte Friedel und korrigierte: »Er, nicht sie. Die Fußabdrücke, die wir gefunden haben, sind mindestens Größe 45. So große Füße hat keine Frau.« Er wies Huber an zu diktieren: Abdrücke eines großen Arbeitsstiefels mit Stollenprofil, geringe Einsinktiefe ... »Mit einem Frosch verziert. Nein, mit Fröschen! Sind wir denn auf Froschfang?«, wunderte sich der Spurensicherer. »Wir sind im Wald. Da gibts auch Frösche. Die werden Fliegen gefangen haben«, murmelte der junge Beamte. »Hier gibt’s aber weit und breit keinen Weiher. Nein, die Frösche haben eine Bedeutung. Sie sollen die heilige Handlung unterstreichen.« »Jetzt müssen wir uns sogar um Frösche kümmern«, brummte Huber. »Es gibt die unglaublichsten Kulte. Frösche als Opfertiere, als Totenwächter, als Wetterboten, als Fruchtbarkeitszeichen ... ihre Bedeutungen in der Magie sind zahllos. Und bei den vielen Fremden, die wir hier haben ...«, spann der Spurensicherer seine Theorie weiter aus. Friedel protestierte: »Und schon müssen wieder die Fremden als Sündenböcke herhalten. Nein, nein, so ein religiöser Fanatiker war das. Der hat uns gerade noch gefehlt. Was ist denn?«, schnauzte er Dr. Lamprecht an, der versuchte, ihn ungeduldig am Arm festzuhalten, »was tun Sie denn überhaupt noch hier?« »Seien Sie bitte vorsichtig ...«, sagte der Wissenschaftler und seine Stimme klang heiser, »wir haben es mit ziemlicher Sicherheit mit einer alten slawischen Opferstätte zu tun.« Er redete von unersetzlichen Zeugnissen für die Wissenschaft, die verloren gehen könnten. »Mit einer Opferstätte haben wir es tatsächlich zu tun«, warf der Spurensicherer grinsend dazwischen. Jetzt riss Friedel der Geduldsfaden. Er polterte los: »Um Gottes willen, jetzt reißen Sie sich doch zusammen! Glauben Sie wirklich, dass wir in so einem Moment auf Ihre akademischen Verrücktheiten Rücksicht nehmen können?« Dr. Lamprecht lief rot an. Der Hauptkommissar zwang sich zur Ruhe. »Wir haben Leichen, seltsame Frösche ... Sie verstehen ...« Der junge Beamte tippte Huber auf die Schulter. »Wie sind die denn überhaupt da hineingekommen?« »Ja, ja, unser Benjamin denkt mit«, lachte der Spurensicherer. »Das hier sieht nach einem weit verzweigten Höhlengelände aus. Hier in der Gegend war doch überall Erzabbau oder Ähnliches.« »Gold, Edelsteine ... Es gibt hier sicher Hunderte dieser Eingänge«, überlegte Huber. »Und die Frösche riechen das?« »Die Leichen werden sie vielleicht gerochen haben. Was soll eigentlich der weiße Kragen um den Hals? Ein nackter Mann, nur mit diesem Krägelchen bekleidet. Hier am Hals ist es ja nicht mehr so schön sauber ...« Der Spurensicherer beugte sich tief über die Leiche. »Die haben ganz schön Schaum vor dem Mund.« Huber diktierte: »Auffällige Hautverätzung am Hals, Schaumpilz aus dem Mund austretend, weiß gefärbt.« Der junge Beamte zwang sich jetzt, genau hinzuschauen: »Ich kenne einen Benediktinermönch, der so etwas trägt«, sagte er. Dann wurde ihm schwarz vor den Augen und er drehte sich schnell weg. Es raschelte. Aus dem Gebüsch trat eine sportlich gekleidete Frau in hellgrünem Flanell, einen dunklen Parka über die Schulter geworfen. Nur die Brille verdeckte das intellektuelle Gesicht. »Um die kommt man in so einem Fall wohl nicht herum«, flüsterte der Spurensicherer, der gerade anfing, die Leichen für ein Spurenbild mit Folien zu bekleben. »Hast du den abgeschnittenen Pimmel vergessen«, spottete Friedel, »ein klarer Fall für Staatsanwältin Bitterlein.« »Den Feierabend kannst du für heute vergessen.« »Du musst eben Kampfgeist zeigen, wie unsere vorbildliche Staatsbeamtin.« Mit raschen Blicken umriss diese die Lage. »Was haben Sie gefunden?«, wandte sie sich an den Hauptkommissar. »Wir beide haben ja schon wieder das Vergnügen«, setzte sie mit einem Anflug von Ironie hinzu. »Das Vergnügen liegt ganz auf meiner Seite, Frau Staatsanwältin. Vorläufig zwei Leichen. Männliche Leichen, nackt bis auf einen weißen Kragen am Hals, mit Verstümmelungen am Genitale. Das erste Opfer hier muss schon über ein Jahr tot sein.« »Sind sie als vermisst gemeldet?«


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