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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Fort X, Mike Schwarz
Mike Schwarz

Fort X


Mord im Rosengarten

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Am Samstag, den 13. Mai 2006 um kurz nach neun Uhr biegt der noch sehr rüstige siebenundsechzigjährige Pensionär und Witwer Rudolf Mayer von der Agneskirche, die dem Stadtteil auch ihren Namen gab, über die Riehler Straße kommend nach rechts in den Park ein, der Teil des Kölner Grüngürtels ist. An seiner linken Seite trottet angeleint seine dreijährige Hündin, ein rehbrauner, französischer Briard, neben ihm her.
In Höhe des dann links befindlichen Jugendheimes von St. Agnes, einem danebenliegenden Hausmeisterbungalow und dem ange-gliederten Kindergarten, bleibt er für einen kurzen Augenblick stehen, um seine Hündin, die im Übrigen auf den für sie passenden Namen Esterell hört, abzuleinen. Schwanzwedelnd läuft Esterell in die von Ahornbäumen gesäumte und zu dieser Zeit menschenleere Allee. Rudolf Mayer genießt die noch laue Frühlingsluft und lugt mit einem Auge blinzelnd zum fast wolkenlosen Himmel, der ihm einen sonnigen Tag zu versprechen scheint. In der vergangenen Nacht muss Regen gefallen sein, da dieser auf den vor Kraft strotzenden, handförmig gelappten, grünen Blättern der sich leicht im Wind wiegenden Ahornbäumen, den umherstehenden mannshohen Gebüschen und auf dem frisch gemähten Rasen perlt.
Rudolf Mayer steht mitten auf dem nicht asphaltierten Fuß- und Radweg des kleinen Parks, zieht die frische Luft tief in sich hinein und genießt dabei ganz bewusst jeden seiner Atemzüge. Für Rudolf Mayer ist das Erleben des frühlingshaften Naturwunders jedes Jahr ein ganz besonderes Schauspiel, das er sich seit seiner Pensionierung, er war Beamter im nahe gelegenen Finanzamt Köln-Nord, nicht mehr entgehen lässt. Wehmütig denkt er auch bei diesem Spaziergang an seine vor vier Jahren verstorbene Frau Luise zurück, die nach längerem Krebsleiden unter höchsten Qualen verstarb. Um sich von dem leichten Schmerz hervorrufenden Bild seiner Frau zu trennen, ruft er sich vor seinem geistigen Auge die Bilder seiner vier Enkelkinder hervor, und nun huscht ein verschmitztes Lächeln über seinem von den Jahren gezeichneten Gesicht.
Trost geben ihm auch seine beiden Kinder, der jetzt vierzigjährige Sohn Rüdiger und die siebenunddreißigjährige Tochter Claudia, die sich beide in ihrer knapp bemessenen Freizeit liebevoll um ihren Vater kümmern. Für den heutigen Samstag hat ihn Rüdiger, der eine gut gehende Steuerberatungskanzlei im Kölner Stadtteil Bayenthal besitzt, eingeladen, gemeinsam mit dessen Familie und den beiden Enkelkindern, dem eher ruhigen zwölfjährigen Lars und dem zehnjährigen Racker Sven mit dem Auto einen Tagesausflug nach Simmerath in die Eifel zu machen. Hier verbrachte Herr Mayer seine Kindheit und einen Teil seiner Jugend, bevor er wegen seiner damaligen Ausbildung zum Steuerbeamten seine Heimat verlassen musste und nach Köln zog.
In Simmerath betreibt seine nunmehr siebzigjährige Schwester Trude mit ihrem zwei Jahre älteren Mann Herbert immer noch eine kleine Waldpension mit acht gemütlich eingerichteten Gästezimmern. Diese dürften, so denkt Rudolf Mayer in diesem Augenblick, sicherlich wie immer um diese Jahreszeit ausgebucht sein. Beide und die weitere dort noch lebende Verwandtschaft, hat Rudolf Mayer seit dem letzten gemeinsamen Weihnachtsfest im Haus seiner Schwester im vergangenen Jahr nicht mehr gesehen. Er freut sich auf das für heute Nachmittag gegen 15 Uhr bei seiner Schwester angesetzte Kaffee-kränzchen. Wie er seine Schwester kennt, wird diese sicherlich wieder ihren köstlichen Apfelkuchen servieren.
In seinen Gedanken, von Vogelgezwitscher und der noch immer kläffenden Hündin umgeben, vertieft, überfliegt Herr Mayer geistig dann den morgigen Sonntag. Nun tauchen vor seinem geistigen Auge seine beiden anderen Enkelkinder, die elfjährige Vanessa und der achtjährige Tobias auf. Seine Tochter hatte ihn am Dienstagabend von ihrem Wohnort in Bergisch-Gladbach aus angerufen und zum Mittagessen eingeladen. Sie versprach ihm sein Lieblingsessen: Rheinischer Sauerbraten mit Klößen und Rotkohl. Gemeinsam mit ihrem Mann Hartmut planen sie dann am Nachmittag nach Bensberg zu fahren, um sich zum x-ten Male Schloss Bensberg anzuschauen. Auch wenn ihm ein strapaziöses Wochenende bevorsteht, freut er sich, dieses im Kreise seiner Familie verbringen zu dürfen.
Esterell jagt derweil immer noch den hoppelnden Kaninchen hinterher, von denen es im Park jede Menge zu geben scheint. Kläffend und weiterhin schwanzwedelnd hechelt sie durch deren Reviere. Dass sie mit ihren Fangversuchen chancenlos ist, scheint ihr bei der Freude über den erwachten Jagdtrieb egal zu sein. Herr Mayer setzt sich derweil auf eine der lehnenlosen Holzbänke und schaut dem Treiben seiner Hündin amüsiert zu. Gegen viertel nach Neun sieht er, von der Niehler Straße in die Allee her einbiegend, ein joggendes junges Paar, das ihm im Vorbeilaufen freundlich einen guten Morgen wünscht. Herr Mayer grüßt ebenso freundlich zurück.
Kurz vor halb Zehn Drei schaut er erneut auf seine Armbanduhr und ruft dann Esterell zu sich. Die Hündin gehorcht ihm aufs Wort, was auf eine gute Ausbildung schließen lässt. Herr Mayer steht mit einem leichten Seufzer von der Bank auf. Sekunden später sieht man den älteren Herren, neben dem die Hündin auf gleicher Höhe unangeleint, schwanzwedelnd und mit leicht erhobenen Kopf neben ihm hertrottet. Rudolf Mayer entschließt sich noch in den Rosengarten zu gehen, wobei ihm schon alleine bei dem Gedanken an die betäubenden Gerüche der verschiedenen Rosenarten deren Duft in seine Nase zu steigen scheint.
Mayer biegt dann nach wenigen Metern von dem Alleeweg links in den leicht bergabführenden Weg ein und wirft dabei einen kurzen Blick auf den ebenfalls links befindlichen Kinderspielplatz, wo sich aber um diese Uhrzeit noch keine Kinder tummeln. Dann schreitet er weiter und bleibt vor dem Tor von Fort X stehen, um, wie schon so oft, zu lesen, was in Stein gehauen über dem alten Torbogen steht: *Enyeloppen Thor*, auf deutsch *Eingelaufenes Tor.* Der verwitterte, ehemals grüne Anstrich der weit offen stehenden Türen könnte mal wieder erneuert werden, denkt er so für sich.

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