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Finderlohn


..wer suchet, der findet

von Werner Pfeil

krimi_thriller
ISBN13-Nummer:
9783943380477
Ausstattung:
Taschenbuch, DIN A5 Format, 380 Seiten
Preis:
14.90 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Eire Verlag Salzkotten
Kontakt zum Autor oder Verlag:
wernerpfeil@eb.de
Klappentext

 

Finderlohn ! Ein Senne Krimi.

 

Er spielt in einer Zeit, in der sich bei einem Großteil der Bevölkerung der beschaulichen Senne Gemeinde Hövelhof alles ausschließlich um ein Thema dreht. Vogelschießen und Schützenfest. Diese Tage werfen ja schon Tage, wenn nicht gar Wochen voraus einen großen Schatten … und vor allem sehr viele Fragen auf.

Hängt die Kompanie oder Bataillonsfahne schon weithin sichtbar im Vorgarten am Mast und ist sie vielleicht einen tucken größer als die des Nachbarn?

Ist die Uniform schon aus der Reinigung, sind alle Orden und Ehrenzeichen angebracht und glitzern sie auch schön?

Liegen die schwarzen Socken parat und wie sieht eigentlich die Krawatte aus, mit der ich beim Winterball in der Soße gelandet bin?

Frauen bilden da keine Ausnahme, allerdings sind es andere Dinge, die sie beschäftigen.

Welches Outfit passt mir noch? Welche Schuhe trage ich zu welchem Kleid oder gehe ich vielleicht doch noch mal shoppen … Hauptsache ich muss nicht wieder das Kostüm vom letzten Jahr anziehen?

Wie die wohl die Kutschen geschmückt haben und welche Kleider der Hofstaat wohl tragen wird? Ob sie für jeden Tag ein Neues haben?

 

So ist die Masse der Einwohner fokussiert auf dieses Highlight im Kalender und für andere Dinge … hat man wirklich nur sehr wenig Zeit.

 

Auch nicht für den Mord am pensionierten Postbeamten und Hobbyarchäologen Richard Klöppler, der tot, stundenlang auf einer Bank mitten in Hövelhof, im Schatten der Kirche sitzt

…und schon gar nicht dafür, dass für seinen Fund in der Hövelhofer Forst nicht nur er, sondern auch sein Hehler und der Mörder selbst stirbt. Was hat dieser Klöppler bloß gefunden, dass es ihm solchen Finderlohn einbrachte, und wer steckt hinter all diesen abscheulichen Taten? Ein Fall, der ganz Ostwestfalen und nicht zuletzt das kleine idyllische Städtchen an den Quellen der Ems in Atem hält.

 

Gleichzeitig führt er Kriminalhauptkommissar Vincent Blohm und seine Kollegin, Frau Kriminaloberkommissarin Melanie Schwarz erneut in die Stadt, in der sie mit schrecklichen Ereignissen rund um eine Kindesentführung konfrontiert wurden und bei der sie letztendlich Schockierendes ans Tageslicht brachten.

Auf einmal scheint sich nicht nur die Region Ostwestfalen Lippe für die Lösung des Falls zu interessieren.

 

Er zieht immer größere Kreise zuerst in Deutschland und zuletzt bleibt auch Europa davon nicht verschont.

 

Unvorhersehbare Wendungen stellen das Ermittlerteam vor schier unlösbare Aufgaben und am Ende wird auch dieser zweite Senne-Krimi ein Wettlauf gegen die Zeit … aber, wer suchet … der findet.

 

Leseprobe

 

Er schaute sich die Auslagen eines Uhrengeschäfts in Hövelhof an der Paderborner Straße an. Er mochte Uhren. Sie strahlten Präzision und Eleganz aus, etwas, was er auch an sich mochte. An einer Armbanduhr konnte man ja schließlich viel mehr ablesen als die schnöde Uhrzeit. Sie verriet viel über ihren Träger. Er bevorzugte normalerweise eine mehrere Tausend Euro teure Rolex, jedoch war sie zu auffällig. Deshalb zog er eine normale, digitale Uhr vor, wenn er wie heute seiner Arbeit nachging. Während er dort vor dem Schaufenster stand, schaute er immer wieder nach links, wo sein Klient jeden Augenblick auftauchen musste. Wie an jedem Morgen um 09:00 Uhr würde er sich auf die kleine Bank am Ehrenmal im Pfarrgarten setzen, um die Zeitung zu lesen. So zumindest lauteten die vagen Informationen, die er einige Tage zuvor neben einem Bild und einer satten Anzahlung in seinem Bielefelder Postfach vorgefunden hatte.

 

In wenigen Minuten würden die Damen, die bereits jetzt eifrig Schmuck in den Regalen zurechtrückten und die Kasse in Betrieb nahmen, die Türen des Geschäfts öffnen. Keine von ihnen würde sich mehr an den unscheinbaren kleinen Mann mit den dunklen, zurückliegenden Augen, dem gut geschnittenen Anzug und den feinen Lederhandschuhen erinnern, der eher gelangweilt die Auslagen betrachtet und sich fern des einsehbaren Winkels der Überwachungskamera gehalten hatte. Da war er sich sicher. Endlich erschien sein Klient. Er schob seine teuren Lederhandschuhe etwas hoch und blickte auf seine Armbanduhr, die eng am derben, aderndurchzogenen Handgelenk saß. Noch dreißig Sekunden.

 

Richard Klöppler, ein pensionierter Postbeamter und selbst ernannter Hobbyarchäologe, schlenderte um die dicke Eiche an der Senne-Apotheke. Er nahm Kurs auf „seine“ Bank, worauf er sich wie an jedem Morgen bei gutem Wetter mit einem leichten Seufzen fallen ließ. Der Wind ließ die alten Eichen an der Kirche und im Pfarrgarten rauschen, so dass es sich mit dem Lärm der Paderborner Straße zu einem leisen Gemurmel vermischte. Er lehnte sich leicht zurück, so wie er es immer machte, und schlug die Zeitung auf, ohne wirklich am Inhalt interessiert zu sein. Andere Gedanken ließen ihn in den letzten Wochen kaum noch zur Ruhe kommen. Sollte er mit seiner Fundsache an die Öffentlichkeit gehen? Vorsichtig hatte er bei einem alten Freund und Weggefährten aus Bielefeld angefragt. Der hatte ihn lediglich in seinem Zweifel berstärkt aber ihm letztendlich auch einen stattlichen Finderlohn verschafft, als er für ihn einen Käufer gefunden hatte. Ob es richtig war oder ob durch sein Dafürtun letztendlich alles in falsche Hände geraten war und er die ganze Sache nur schlimmer gemacht hatte? Diese Zweifel plagten ihn und es war schwer, seine Gedanken in andere Richtungen abschweifen zu lassen.

 

Vielleicht hätte er gleich zur Polizei gehen sollen … ja müssen. Selbstzweifel nagten an ihm, und er fühlte sich unwohl in seiner Haut. Auch dem Vergnügen, dem er sich ab und an hingab, hatte ihm gestern keine Zerstreuung bieten können. Richard Klöppler hob den Kopf,

 

„Kann man denn nicht einmal mehr in Ruhe lesen und seinen Gedanken dabei freien Lauf lassen“?, schimpfte er ins sich hinein, als ein gut gekleideter Mann mit einer Zeitung in der Hand ebenfalls die Bank anzusteuern schien.

 

Abgelenkt von den Glocken der Sankt-Johannes-Nepomuk-Kirche, die wie an jedem Tag unüberhörbar die vollen Stunden schlug, sah er nicht, dass der Mann die Hand mit der Zeitung etwas anhob. Als der zweite Glockenschlag ertönte, gab er aus einer Waffe, die darunter verborgen war, einen schallgedämpften Schuss ab, der Richard Klöppler mitten ins Herz traf und seinem Leben ein jähes Ende bereitete.

 

Der Schütze brauchte keinen zweiten Blick auf sein Opfer, das noch immer auf der Bank saß und nur auffiel, weil der Kopf leicht nach hinten gesackt war. Er kannte sich und seine Fähigkeiten, und einen weiteren Blick hätte seine Eitelkeit einfach nicht zugelassen. Er fühlte sich gut, denn er hatte mal wieder absolut perfekt und effizient gearbeitet, und nicht umsonst lag seine Gage höher als bei vielen anderen. Es gab viel zu wenige Aufträge vor der Haustür, so wie heute. Er liebte diese kurzen Einsätze, bei denen viel Geld zu verdienen war und man nicht mit unkalkulierbaren Risiken rechnen musste, nicht mal dann, wenn Publikum anwesend war. So ging er gemächlichen Schrittes zur Ampel an der großen Kreuzung im Zentrum, überquerte die Straße bei einer Grünphase und steuerte das in der Nacht zuvor gestohlene Auto auf dem Hövelmarktplatz an. Ein kleiner Rundumblick - kein Augenpaar war voller Neugierde auf ihn gerichtet, und so stieg er erleichtert ein.

 

Nachdem er die Waffe, die eigentlich nicht seinem Standard entsprach, die aber für diesen Auftrag die einzig richtige war, gründlich abgeputzt, mit Ballistol, einem Waffenreinigungsöl eingesprüht und im Handschuhfach verstaut hatte, tauschte er die feinen Lederhandschuhe gegen normale Plastikhandschuhe. Erst dann startete er den Wagen und verließ die Sennegemeinde so, wie er sie etwa eine Stunde zuvor erreicht hatte. Nun brauchte er nur noch den Wagen auf einem Parkplatz im Holter Wald mit dem eigenen tauschen und zurück nach Bielefeld fahren, wo in den nächsten Tagen ein dicker Umschlag mit der zweiten Hälfte seines Honorars eintreffen würde.

 

Ohne dass sich sein Gewissen regte, erreichte der kleine, gut gekleidete Mann, der noch vor einer guten halben Stunde einen kaltblütigen Mord begangen hatte, den Parkplatz am Holter Wald, unweit des Schlosses. Nachdem er alle Spuren im und am Fluchtauto beseitigt hatte, nahm er die Waffe aus dem Handschuhfach und ging die wenigen Schritte zu seinem Fahrzeug, dass ihn schnell nach Hause bringen sollte. In Gedanken sah er sich schon auf einem der besseren Kreuzfahrtschiffe in der Karibik treiben. Nicht auf einem mit komischen Zeichen am Bug, wo jeder Hans und Schwanz mitfahren konnte, nein ..., etwas Gehobeneres musste es schon sein. So hatte er es nach jedem Auftrag gehandhabt, und er sah keinen Grund, dieses Mal davon abzuweichen. Ein Drittel des Geldes verprassen, eins für die laufenden Kosten und das Letzte auf die hohe Kante, die bei ihm aufgrund seiner Fähigkeiten schon eher einem steilen Gebirgsgrat glich. Er öffnete die Fahrertür, stieg ein, legte seine Waffe in eine extra dafür angefertigte ausgepolsterte Schatulle und startete den Motor. Im selben Moment explodierten an verschiedenen Stellen versteckte Ladungen, die das gesamte Fahrzeug einige Meter in die Luft hoben, bevor es sich in tausend Einzelteile auflöste. Aber davon bekam er schon nichts mehr mit.

 

Weithin war der aufsteigende Feuerball zu sehen. Unzählige Anrufe registrierte die Notrufzentrale. Feuerwehr, Rettungskräfte und die Polizei trafen nur wenige Minuten nach der Explosion am Ort des Geschehens ein. Im Umkreis von hundert Metern gab es gleich mehrere Brandherde, die vorrangig bekämpft wurden. Erst nach und nach legt sich der Rauch. Was blieb, war der eklige Geruch von Plastik, Gummi, geschmolzenem Metall, verdampften Löschmitteln und verbranntem Fleisch. Nachdem der Brandmeister grünes Licht gegeben hatte, arbeiteten sich Ermittler in Schutzanzügen durch die großflächige Brandstelle. Die Art und Weise, wie das Feuer entstanden war und die etwas abseits gefundenen Überreste einer mittlerweile eingetüteten abgerissenen Hand ließen keinen Zweifel darüber offen, dass es sich um einen Tatort handelte. Schnell wurden Spurenermittler hinzugezogen und alles weiträumig abgesperrt.

 

Rezension

Bories K.  Albuquerque, NM, United States

Ein spannender Kriminalroman, von einem neuen Schriftsteller, in einem etwas abseits gelegenen Handlungsort. Für jemanden, der mit Hövelhof vertraut ist, sicherlich ein zusätzlicher Anreiz, dieses Buch zu lesen.
Wer Kriminalromane liebt, derjenige sollte es lesen. Mal etwas anderes als Mankell, Donna Leon...