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Erziehung zum Wahnsinn


1Killer schreibt sein Werk

von Nico Reisdorff

belletristik
ISBN13-Nummer:
9782919999170
Ausstattung:
425 Seiten softcover wahre lebensgeschichte biographie
Preis:
10.00 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Reisdorff
Kontakt zum Autor oder Verlag:
esthephania2000@yahoo.com
Leseprobe

Die Achtziger Jahre verliefen hier in Luxembourg äußerst tur-bulent. Verbrechen, Einbrüche, Terroranschläge, Bombenattentate und Banküberfälle standen an der Tagesordnung. Die sog. Waldbillig-Affäre bildete gewissermaßen den Gipfel der Brutalität und der Grausamkeit. Mehrere junge Leute hatten binnen weniger Jahre zahlreiche Banken ausgeraubt, sich zwischenzeitlich auf einem Bauernhof in Waldbillig eingenistet, wo sie später mehrere Komplizen umbringen und in einemÖlfass verbrennen sollten.

 

Nico Reisdorff war einer unter ihnen. Seine gesamte Jugend hatte er in Heimen verbracht. Mit Prügelstrafe und Denunziation war er groß geworden. von Anfang an war sein Lebensweg mit Unterdrückungsmaßnahmen und dem grausamen Entzug von Liebe und Zuneigung gepflastert. Keine guten Voraussetzungen, um in unserer auf Leistung ausgerichteten Gesellschaft Fuß zu fassen. Recht bald sollte er demnach auch straffällig werden und seine Zukunft war damit endgültig verbaut.

 

Dass er aber in einer der brutalsten Räuberbanden des Großherzogtums mitmischen würde, kann auch dieser von Anfang an verpfuschte Lebensweg nicht entschuldigen. Aber er liefert Erklärungsansätze und verdeutlicht, welches Leid dieser Mensch ertragen musste. Nach einer beispiellosen Verbrecherlaufbahn wurde er schlussendlich geschnappt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Schrassiger Gefängnis hat Nico Reisdorff während den langen Monaten der Isolationshaft sein Leben aufgeschrieben. Akribisch genau und ohne Rücksicht auf Gefühle. Sich selber nicht ausgeschlossen. Er offenbart sich ehrlich und unverblümt, zeigt sein ganzes Wesen und führt uns Leser in die Welt absoluter Grausamkeit und totaler Naivität. Denn naiv und geradezu kindisch wirkten die Handlungen dieser Räuberbande, die es dennoch fertig brachte, ein ganzes Land und sein Rechtssystem an der Nase herumzuführen

Klappentext

Nico Reisdorff, war ein Heimkind, das zwischen Schlägen und Agonie zwei Leben zu leben versuchte. Doch wie soltel das gelingen, wo doch hier in Luxemburg noch immer das chritliche Patriarchat herrscht? Man redet gerne vom angeborenen Bösen und sieht nicht in die Vergangenheit des Menschen, die Wunden

Rezension

Erbarmungslos lauert es im Bücherregal. Auf dass ich es wieder in die Hand nehme. Neu lese. Neu verstehe. Vielleicht überhaupt (erst) verstehe, nachfühlen kann.

 

Das Buch/Die Biographie über den Einzelgänger, der keinen Alkohol trank und nichts mit Drogen zu tun hatte und zum schlimmsten Verbrecher Luxemburgs wurde.

 

Nach all den sich überschlagenden Meldungen der letzten Tage und Wochen.

 

Wenn ich mit jedem Artikel, der jetzt über die brutalstmögliche Aufklärug der "Heimerziehung" auch nur wieder an die Zwischenüberschriften (Das Heim. Die Heime. Der Hieb. Die Hiebe. Die Prügelstrafe. Die Entwürdigung. Die Erniedrigung. Die Erziehung. Der Wahnsinn. ) denke ...

 

(Auch wenn man selbst die L(H)iebe Gottes nur wenige Wochen in einem als BSW-Erholungsheim gedachten "Idyll" im bayerischen Marwang spüren durfte und den Begriff "Heimweh" noch jahrelang später falsch assoziierte und bisher "Verständnis" für die Ergebnisse der wahnsinnigen Erziehung zum Wahnsinn bereits zu ahnen glaubte... . Man konnte es nicht.

 

Schließlich konnte man selbst nicht nur aus der als "Kinder-Kur" gedachten, befristeten "Sommerfrische", die eine Hölle war, nach Hause ins wohl behütete Elternhaus zurück, konnte seine Katharsis mit 19 selbst bei einem Wieder(be)such vor Ort des Wahninns mit Methode zu finden versuchen. (Bis jetzt, da alles wieder hoch kommt, inklusive Brech- und Würgereiz und beklemmender Atemnot, die einen noch nach Jahrzehnten an das Wiedernähern auf den letzten hundert Metern erinnert, nach damals bereits 14 Jahren.)

 

Man kann, man will es sich gar nicht vorstellen, was in einem vorgeht, der das heute hört und liest, der weder damals aus diesem Wahnsinn "aussteigen"konnte noch heute kann... .

 

Ein wichtiges Buch, das vielleicht erst jetzt, da man sich um die geschundenen Körper und Seelen von Kindern aus gut bürgerlichen Häusern kümmert, die Beachtung findet, die es lange schon verdiente.

 

(In einer zweiten Welle wird man sich ohnehin - auch wohl unter dem Einfluß des oskarnominierten Films "Das weiße Band" - auch um die Mißhandlungen durch freilaufende Geistliche (Pfarrer) kümmern, die auch ohne den Schutz durch Kloster- und/oder Heim-/Internatsmauern mehr als nur die "Hand Gottes" stellvertretend und atemlos spüren ließen