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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Ermittler Robert Fuchs, Lars Hannig
Lars Hannig

Ermittler Robert Fuchs


Die phantastischen Fälle des Robert Fuchs

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Hörprobe:

Donnerstag, der dritte Dezember des Jahres 1917.
Schneeregen trommelte gegen Sprossenfenster, deren dünne, teils gesprungene Scheiben in ihren Rahmen zitterten. Durch die Ritzen pfiff der Wind.
Von der Stube im Souterrain aus ließ sich das geschäftige Treiben der Altstadt von Brasston auf Knöchelhöhe beobachten.
Bereits das Schuhwerk der Menschen sprach Bände. Die abgetragenen Lederschuhe des Milchmanns, der seinen Holzkarren in weit ausgreifenden Schritten im Dämmerlicht hinter sich her zog und dabei ein Tempo vorlegte, das die Flaschen auf der Ladefläche zitternd klingeln ließ. Dann Dutzende Paare schmutziger Arbeiterstiefel, dicht gefolgt von schlecht geschnürten Kinderschuhen mit abweichenden Socken. Ein Constable auf seiner Patrouille, poliertes Leder und bedächtige Schritte. Helle Damenschuhe neben den frisch geputzten Halbschuhen eines Herren, der auch Gamaschen trug. Ihn begleitete die glänzende Spitze eines Gehstocks, die im Takt der Schritte auf das Pflaster tippte. Einen Augenblick später folgten die Pfoten eines schwarzen Pudels, der sich eilig auf Seiten der Dame einfand. Früh morgens und spät abends erschien stets ein leichtes Mädchen in Rock und hochhackigen Schnürschuhen. Hinter dem Trottoir klapperten beschlagene Hufe über das Kopfsteinpflaster und Kutschen mit Speichenrädern ratterten hinterher. Hin und wieder schnaufte ein Dampfwagen vorbei.
Den ganzen Tag zogen Passanten vorüber, jeder von ihnen mit einer eigenen Geschichte. Und in wie vielen dieser Geschichten mochte ein ungelöstes Rätsel verborgen liegen? Eine Frage, die sie sich vielleicht kaum wagten einzugestehen, geschweige denn auszusprechen, weil sie ihnen zu verrückt erschien. Zu kurios.
Solange bis das Verlangen nach Gewissheit alles andere überschattete und sie einen privaten Ermittler aufsuchten. Doch nicht an diesem Abend, dank des scheußlichen Wetters waren die Straßen bis auf den Nachtwächter mit seiner Laterne verwaist.
Nicht einmal der Junge mit dem Schuhputzkasten, der sich manchmal neben dem Fenster niederließ und mit dem der Detektiv sich gelegentlich unterhielt, wenn es nichts zu tun gab, war heute Abend gekommen. Bloß ein paar Streuner schlichen durch die Straßen. Ein graugetigerter Kater blieb unversehens stehen. Gelbe Augen starrten ins Souterrain hinab und trafen auf die Grünbraunen des Ermittlers. Ein kurzer Moment, dann ein Sprung und schon war er wieder aus dem Sichtfeld verschwunden.
»Bald ergibt sich etwas«, sagte Robert Fuchs zu sich selbst. Er lehnte sich in seinem abgenutzten Ohrensessel vor, stützte die Ellenbogen auf die Oberschenkel und fuhr sich durchs strähnige rotblonde Haar, das sein kantiges Gesicht mit der hohen Stirn und den leichten Geheimratsecken umrahmte.
Er war zweiunddreißig und hielt nichts von Eitelkeiten.
Die feinen Herrschaften in ihrer kostbaren Kleidung, die manchmal an seinem Fenster vorüberzogen, lebten in einer Welt mit streng abgestecktem Horizont. Selbst ihre mit stoischer Miene dreinblickenden Fahrer trugen Bowler oder Zylinder.
Wahrscheinlich war er der einzige Mann in der Stadt, der keinen Hut besaß und stets mit dem gleichen Mantel auf die Straße ging.
Die Tasse Tee auf dem Beistelltisch war längst kalt geworden. Sein Blick wanderte zu seinem jungen Gehilfen.
Emil lehnte zusammengekauert in der Ecke vor dem freistehenden Kohleofen. Die struppigen dunkelblonden Haare des Elfjährigen warfen diffuse Schatten an die Wand. Er hatte sich eine Decke übergeworfen und las beim Licht der Gaslaternen, das von draußen hereinfiel. Seine blaugrauen Augen zogen gemächlich, jedoch unersättlich über die Buchseiten. Die Nebelmorde von Orpheus Lothair stand auf dem Einband.
Zum Abendessen hatte es zwei harte Scheiben Brot gegeben. Zu wenig, um seinen Hunger in dieser Welt zu stillen und so suchte er Ablenkung in der Romanwelt.
Emil blickte von seinem Buch auf. »Sicher, Sir. Es wird sich etwas finden, ich beschwere mich nicht.«
Fuchs hatte ihn im Rahmen eines Falls vor zwei Wintern in einem Waisenhaus kennengelernt und ihn als seinen Gehilfen zu sich geholt. Er hielt sich wacker und lernte fleißig.
Fuchs rieb sich die Schläfen und atmete durch. Es roch muffig in der Stube und die Luft stach kühl in der Nase.
Solange es die größte Sorge der Altstadtbewohner war, den Winter zu überstehen, fiel es den Menschen leicht, sich für eine Weile mit offenen Fragen und unerklärlichen Ereignissen abzufinden. Kuriose Fälle mussten warten.
Fuchs betrachtete den Jungen. Das Buch in seinen Händen zitterte leicht. Zuerst würden ihnen die Kohlen ausgehen. Eine Weile konnten sie so überstehen, wenn sie sich in Decken einwickelten, doch dann ging es an die Substanz.
Das Geschäft mit dem schwarzen Gold florierte besonders in diesem Winter und Oddsworth, ihr Vermieter, hatte den Kohlenkeller mit einem schweren Vorhängeschloss gesichert. Manchmal fielen bei der monatlichen Lieferung ein paar Briketts vom Karren, wurden von den Rädern zerbrochen, in den Boden gedrückt und blieben ungeachtet in dem verwinkelten Kellergang zurück. Heimlich las Emil die Bruchstücke auf und behielt sie als Notreserve.
Lange würde Fuchs ihn nicht mehr ernähren können, auch nicht sich selbst. Er trank einen Schluck des abgestandenen Tees, der sich kaum mehr vom trüben Leitungswasser unterschied, so oft hatte er die Teeblätter bereits aufgebrüht.
Er schwenkte die Tasse hin und her und blickte auf die schwarzen Flocken, die darin umhertrieben. Er musste an die alte Wahrsagerin in ihrem Zirkuswagen denken, die Emil unbedingt hatte aufsuchen wollen und die ihnen doch nichts sagen konnte, was sie nicht bereits wussten. Die Zeiten waren düster. Für diese Information hatten sie ein Abendbrot eingetauscht.
Fuchs machte dem Jungen keinen Vorwurf. Jeder musste seine eigenen Erfahrungen machen. Falls ein knurrender Magen ihn lehrte, nicht auf jeden Taschenspielertrick hereinzufallen, war es die Investition wert gewesen. Es gab viele Dinge, die der Schulunterricht im Waisenhaus nicht abgedeckt hatte. Für ihre Arbeit wichtige Dinge.
Fuchs unterrichtete ihn, so gut es ging, doch eigene Erfahrung war noch immer der beste Lehrmeister.

Ein kalter Luftzug und der Geruch von Rauch weckten Fuchs. Diesiges Dämmerlicht fiel durch die Fenster, es war Tag geworden. Die Tür quietschte und wurde zweimal ins Schloss gedrückt. Jetzt im Winter verzog sie sich.
Er öffnete die Augen und streckte sich im Sessel.
Vor ihm stand Emil, die Kleidung mit Schneekristallen übersät und mit aufgeregten roten Flecken auf den bleichen Wangen. »Ich hab was!«
Emil entfaltete eine Zeitung vom Vortag, die er gefunden hatte. »Hier!« Er deutete auf eine Seite, die dicht mit Reklame und Gesuchen bedruckt war. Auf den ersten Blick waren sie kaum voneinander zu unterscheiden.
»Sind Ihre Kinder Schwächlinge? Bei schlechter Blutzusammensetzung: Meyers Kräftigungsprodukte! Stellen Sie uns auf die Probe.«
»Aufruf an die Industrie! Rüsten Sie nach, rüsten Sie auf: Dank neuester Flugaschefänger für mehr Effizienz und Lebensqualität! Kostenlose Beratung.«
Ungeduldig tippte Emil auf eine unscheinbare Annonce.
Fuchs musterte ihn kurz und hoffte, diesmal würde es sie kein Geld kosten, das sie ohnehin nicht hatten.
Zwischen Werbungen für die Pfeife der Zukunft, einen Bartformer und ein Wunderelixier gegen Haarausfall wurde er fündig.
»Sprössling vermisst!« Er überflog die Anzeige. »Fähiger Privatermittler gesucht. Großzügige Belohnung bei Aufklärung. Unterkunft auf Landsitz in Schönewald-Region.«
»Das wäre doch was, oder?«, fragte Emil.
Fuchs erhob sich und setzte sich in Bewegung.
Ein gutes Zeichen, dachte Emil. Wann immer sein Mentor nachdachte, fing er an umherzuwandern und sich über seinen Kinnbart zu streichen.
»Schönewald«, murmelte er, zog die Schreibtischschublade auf und entfaltete eine rissige Landkarte auf der Arbeitsfläche. Mit dem Zeigefinger fuhr er über das vergilbte Papier. »Nicht unbedingt in der Nähe, aber gut. Ich denke darüber nach.«
Er warf einen Blick auf seine Taschenuhr. »In einer knappen Stunde treffe ich ohnehin Oddsworth. Vielleicht gibt er uns einen Aufschub.«
Als es an der Zeit war, sich auf den Weg zu machen, hatte er das Für und Wider der Reise abgewogen und einen Entschluss gefasst. »Emil, begleite mich ein Stück und begib dich dann zum nächsten Telegraphiebüro. Wir nehmen den Auftrag an.«

Gegen Abend kehrte Fuchs zurück, hängte seinen Mantel an den Ständer hinter der Tür und strich sich die Eiskristalle aus dem Bart. »Elender Geldsack.«
Emil legte sein Buch beiseite. »Keine guten Nachrichten?«
Bevor Fuchs antworten konnte, klopfte es an der Tür und er öffnete einem Burschen in Postuniform. »Telegramm für Herrn Fuchs.«
»Der bin ich«, sagte Fuchs. »Haben Sie vielen Dank.«
Der Postbote blieb einen Augenblick stehen, warf einen Blick in die karge Stube und verabschiedete sich dann. Mit einem Trinkgeld war nicht zu rechnen und Fuchs war froh, sich nicht erklären zu müssen.
Fuchs zog die Tür zu, riss den Umschlag auf und überflog die Antwort aus Schönewald.
»Wir werden erwartet«, sagte er erleichtert. »Bleibt also die Frage der Anreise. Ich kümmere mich am besten gleich darum.«
Fuchs schlüpfte wieder in seinen Mantel und band seinen Schal um. »Nach unserer Rückkehr werden wir unsere Sachen beim Pfandhaus auslösen müssen. Also pack dein Lieblingsbuch besser ein, sonst lässt Oddsworth das auch fortschaffen. Du weißt ja, wo der Koffer steht.«
Dann begab er sich noch einmal in die Kälte.

Am frühen Morgen des fünften Dezembers verließen Fuchs und Emil ihre zugige Stube. Mit gepacktem Koffer machten sie sich auf den Weg durch die verwinkelten Gassen der Altstadt, in denen sich der Unrat türmte. Emil stieg mit einem großen Schritt über eine Ratte, die im Kohlenmonoxid des Bodennebels verendet war.
Sie erreichten den Prosper Boulevard.
»Der Bahnhof liegt in der anderen Richtung«, sagte Emil.
»Unser Geld reicht nicht für den Zug. Wir nehmen einen Dampfwagen.«
»Ich rufe uns einen.« Emil streckte die Hand aus, um einen der Wagen herbeizuwinken, die sich die Straße mit Pferdefuhrwerken, kleineren Droschken und Omnibussen teilten.
»Nicht nötig. Es wartet ein Wagen auf uns.« Er wies Emil an, den Arm herunterzunehmen.
Sie bogen in eine Nebenstraße ein, die auf einen Hinterhof führte. Auf der Rückseite befand sich die Laderampe eines Warenhauses. Zahllose Kisten und Kartons warteten hier zu Stapeln getürmt auf ihre Abholung. Inmitten von ihnen stand abfahrbereit ein schwarzer Lastwagen mit roten Speichenrädern und erinnerte mit seinem Aufbau ein wenig an eine kleine Lokomotive. Der Schornstein über dem Dampfkessel spuckte Rauch. Das massige Führerhaus bestand aus Metallverkleidungen an den Seiten und einem offenen Unterstand, der vor Regen schützte. Das Schwungrad an der Seite drehte sich im Leerlauf.
Ein Fahrer lehnte in abgenutzter Arbeiterkleidung an dem mit einer dunklen Wachstuchplane bespannten Laderaum und rauchte. Er nickte Fuchs zu, als erwartete er ihn bereits. Ihr abgestoßener grüner Reisekoffer war das Erkennungszeichen.
»Die erste Rate«, sagte der Fahrer und streckte die Hand aus. »Den Rest bei Ankunft, wie vereinbart.«
Fuchs gab ihm ein Bündel alter Scheine von seiner eisernen Reserve, die er in einer Zigarrenkiste unter einem losen Dielenbrett aufbewahrt hatte.
Der Fahrer steckte die Scheine ein und trat seine Zigarette aus, dann führte er Fuchs und Emil auf die Rückseite des Lastwagens.
Zwischen den hoch gestapelten Kartons im Laderaum war ein schmaler Durchgang ausgespart. Im Dunkeln standen zwei Holzkisten als Sitzgelegenheit bereit. »Rein mit euch. Ich hab nicht den ganzen Tag Zeit. Und Finger weg von meiner Ware. Das meiste davon ist weit mehr wert als ihr.«
Kurz darauf lud er auch die letzten Kartons ein und versperrte den Zugang zum Versteck seiner heimlichen Passagiere.
Fuchs und Emil saßen einander gegenüber, zwischen ihren Knien stand ihr Reisekoffer. Durch einen schlecht geflickten Riss in der Plane fiel ein dünner Lichtstrahl auf ihre Gesichter.
Mit einem Quietschen lösten sich die Bremsen. Schnaufend setzte sich der Wagen in Bewegung. Es würde eine holperige Fahrt werden.
»Ich hoffe, mir wird nicht schlecht.«
»Nun schau nicht so«, sagte Fuchs. »Unser Geld reicht nicht für den Zug. Die Ausreisegebühren auf regulärem Weg können wir uns genauso wenig leisten. Bleibt nur die Industrieroute.«
»Was wenn wir erwischt werden?«
»Werden wir nicht. Der Kerl ist ein Profi. Du hast ihn doch gehört, der macht den ganzen Tag nichts anderes als seine Ware auszufahren.«
Emil schwieg und suchte mit seinen Augen einen möglichst unbeweglichen Punkt im Laderaum, auf den er starren konnte, damit ihm nicht noch übler wurde.
Fuchs spähte durch den Riss nach draußen. Sie bogen gerade um den Häuserblock und fädelten in den Verkehr auf der Ausfahrtstraße ein. Nach einer Weile erreichten sie eine Schleuse, hinter der die Außenbezirke begannen. Ein Wachmann in schwarzer Uniform und Schirmmütze trat ans Führerhaus, er schien den Fahrer zu kennen. Sie scherzten miteinander, ein Lederbeutel wechselte seinen Besitzer. Dann wurden sie durchgewunken.
Bald wichen triste Hochhäuser und Industrieanlagen dem Brachland, das die Stadt umgab. Durch den Riss schaute Emil zurück und betrachtete die Turmschlote der davonziehenden Stadt, die wie Monolithe am Horizont aufragten, Rauch spien und den Himmel verdunkelten.
Kilometerweit erstreckte sich die vom Bergbau geplünderte Gesteinswüste, die von tiefen Schluchten und Tälern durchzogen war. Die darauffolgende Steppe, in deren rissiger Erde kaum etwas gedieh, begann hügelig und lief dann flach aus. Das Brachland hielt sich hartnäckig und war die Heimat von Nomadenstämmen, die den Industriestädten den Rücken gekehrt hatten. Auch Gesetzlose, die hier ihr Glück suchten und vorbeifahrende Transporte und Händler überfielen, hatten in der kargen Landschaft eine neue Heimat gefunden.
Im Abstand einiger Kilometer befanden sich entlang der festgefahrenen Straße bewaffnete Grenzposten, die die Industrieroute bewachten.
Weiter außerhalb passierte der Lastwagen im Stundentakt kleinere Siedlungen an Quellen, die nur die nötigste Lebensgrundlage boten, deren Bewohner aber friedlich waren.
Ärmlich gekleidete Männer und Frauen sahen von ihrer Arbeit in den trockenen Gärten und Feldern auf, als sie vorbeifuhren. Ein kleiner Junge mit einem Spaten winkte dem Lastwagen zum Gruß. Sie besaßen nichts, das für Plünderer von Interesse war.

Kurz vor Mittag erreichten Fuchs und Emil die fruchtbaren Landstriche der Schönewald-Region, denen der Winter nichts anhaben konnte. Selbst das Laub der Bäume trotzte dunkelgrün der schneidenden Winterkälte. Nirgends sah man Schnee oder Eis. Emil konnte sich kaum an der wilden, unberührten Natur sattsehen. Dichte Wälder verliefen entlang der unbefestigten Straße. Grüne Hügel und Täler formten das Land. Hie und da sah man kleine Ortschaften an einem See oder an einer Flussgabelung. Felder und Wiesen erstreckten sich wie ein Flickenteppich vor ihnen. Im Nordwesten lag der Blausichel-Meeresarm. Unterhalb einer Steilklippe befand sich sogar ein kleiner Küstenort.
Der Besitz der Industriellenfamilie Blackwell stand für sich allein, umgeben von Wald und einem weitläufigen Garten.
Schnaufend und stotternd kam der Lastwagen vor dem Tor des Anwesens zum Stehen. Als Fuchs und Emil aus dem Laderaum stiegen, tat ihnen alles weh. Blinzelnd sahen sie sich um, ihre Augen mussten sich erst an das Licht außerhalb ihres dunklen Verstecks gewöhnen. Fuchs zahlte dem Fahrer die zweite Rate und war damit auch seine letzten Ersparnisse los. Der Wagen ließ eine Staub- und Rauchwolke zurück, die sich nur langsam verzog.
Fuchs öffnete das Tor. Er konnte nicht anders als anerkennend zu pfeifen, als sie hindurchgingen. Es war, als beträten sie eine andere Welt.
Das Herrenhaus Blackwell Manor war ein verwinkelter zweistöckiger Bau mit hohen Fenstern, zahlreichen Giebeln und Schornsteinen. Die mit Simsen und Ecklisenen verzierten Außenmauern waren von Wind und Wetter verfärbt und an vielen Stellen mit Efeu bewachsen. Im ersten Stock boten Balkone rundherum einen herrlichen Ausblick.
An der Vorderseite des Hauses am Ende eines breiten Treppenabsatzes öffnete sich eine schwere Doppeltür mit Rundbogen. Ein Bediensteter mit hohen Wangenknochen und schütterem weißen Haar kam ihnen entgegen und stellte sich als Augustus, der Butler vor. Er nahm ihren Koffer entgegen und führte Fuchs und Emil den Flur entlang in die Eingangshalle.
»Ich bringe Ihr Gepäck ins Gästezimmer«, erklärte Augustus und schloss hinter ihnen die Tür.
Die Halle war angenehm beheizt und reichte bis in den ersten Stock. An den Wänden hingen Landschaftsgemälde und Familienportraits, die einen ersten Eindruck vermittelten, mit wem sie es zu tun hatten. Ein Portrait zeigte eine zierliche weißblonde Frau mit zwei ebenso blonden Kindern, einem schüchternen Mädchen und einem herausfordernd dreinschauenden Jungen, in einem Gartenpavillon.
Am oberen Ende der breiten Treppe wurde eine weitere Doppeltür geöffnet. Ein hochgewachsener Herr im Anzug, unverkennbar der Hausherr, trat heraus und bat die Neuankömmlinge zu sich. Er erwartete sie bereits.

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