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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Eins und Eins ist Zwei, Karin Berthold
Karin Berthold

Eins und Eins ist Zwei



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Walter hob seinen Blick und blieb unwillkürlich stehen. Er war auf den letzten Metern so in seine skurrile Gedankenwelt versunken, dass er die vier Wagen, die vor dem Jagdhaus parkten, nicht bemerkt hatte. Neben einem alten Ford standen zwei Jeeps neueren Baujahrs und ein mit Holzklaftern halb beladener Pritschenwagen.

Aus zwei Fenstern schien ein warmes Licht und man konnte entfernt männliche Stimmen vernehmen. Plötzlich schlug ein Hund an und Walters Magen verkrampfte sich. Er blickte unwillkürlich zum Gartenzaun, suchte nach einem Hund oder gar einer hundelosen Kette, bis ihm auffiel, dass das Bellen von der Ladefläche der Pritsche kam. Dort stand ein mittelgroßer braunschwarzer Hund unklarer Abstammung. Soweit Walter überhaupt etwas über Hunderassen wusste, würde er auf eine Kombination aus Schäferhund und irgendetwas anderem tippen. Für den zweiten Teil des Erbgutes dieses Tieres fehlten ihm aber Kenntnis und Phantasie. Der Hund, bemerkte Walter nun, war halb so groß wie jenes schwarze Riesentier, das ihm im Herbst so viel Respekt eingeflößt hatte, und auch sein Bellen war kläglich gegenüber jenem, das sich unauslöschlich in Walters Erinnerung festgesetzt hatte. Der Hund bellte eher aus Langeweile als aus Pflichtgefühl und war zudem auf der Transportfläche des Wagens angebunden. Trotzdem zog Walter es vor einen Bogen um den Wagen zu machen und passierte die Stelle nah am Gartenzaun entlang. Er warf einen Blick durch die Zaunpfähle, war aber nichtverwundert darüber, keine Kette im Vorgarten ausmachen zu können. Sollte es sich bei diesem Hund um das Tier des neuen Bewohners handeln, so würde er wahrscheinlich die Nächte neben dem Bett desselben verbringen und für den Fall, dass er keinen Einlass ins Haus finden würde, reichte vermutlich eine einfache Leine und ein ermahnendes »sitz«, um ihn ruhig zu stellen.

Walter hatte den Gartenzaun schon fast hinter sich gelassen, als die Stimmen aus dem Haus merklich lauter wurden. Walter blickte zögerlich zurück. Aus der Tür trat ein etwa dreißigjähriger Mann in Cordhose und Norwegerpullover. Er rief, Walter hatte es nicht anders erwartet, einmal »sitz« und das Bellen des Hundes verstummte. »Entschuldigen Sie bitte«, wandte sich der Mann nun an Walter. »Ich hoffe, der Hund hat sie nicht erschreckt. Er tut nichts. Er bellt gegen die Kälte an.« »Nein nein«, rief Walter zurück, »er ist ja auch angeleint. Ich hatte ihn nur nicht gesehen und bin deshalb ein wenig erschrocken.«

Ein zweiter Mann hatte sich zu dem ersten gesellt, auch er etwa dreißig Jahre alt. Er hielt ein Glas mit dampfender dunkelroter Flüssigkeit in der Hand. Wahrscheinlich handelte es sich um Glühwein, dachte Walter, eine schöne deutsche Tradition, wie er fand. Wie oft hatten er und seine Frau einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt gemacht, nur um dort mit roten Nasen dieses herrliche Getränk zu schlürfen. Der Heimweg war immer recht lustig gewesen. Auch beim Schlittschuhlaufen hatte es immer einen Stand mit Glühwein gegeben. Mein Gott, das musste ja Jahrzehnte her sein, das Schlittschuhlaufen. Nachdem sie geheiratet hatten und er so viel gearbeitet hatte, waren sie bestimmt nicht mehr ...

Walter hatte wohl zu lange auf das wärmende Getränk geschaut. »Ich glaube, unser Wandersmann braucht ein Glas von unserem köstlichen Weihnachtspunsch. Er ist ja total durchgefroren«, rief der zweite Mann. »Kommen Sie herein und wärmen Sie sich ein wenig auf. Wir haben gerade den Kamin angezündet.« »Danke, das nehme ich gerne an«, hörte sich Walter antworten. Gleich darauf bereute er seine Worte. Natürlich war ihm ein Glas Glühwein mehr als willkommen, aber warum wollte er dieses Haus noch einmal betreten? Oder wollte er genau das? Weshalb sonst war er denn hierher gekommen, weshalb sonst diese ganze Reise! Die beiden Männer gingen einen Schritt zur Seite und hießen ihn mit einer jovialen Handbewegung eintreten. Walter bedankte sich nochmals für die Einladung und betrat das Jagdhaus mit einem Gefühl der Neugier und Beklommenheit. Im Inneren des Hauses befand sich ein dritter Mann, etwas älter als die beiden anderen. Er hockte vor dem Kamin, stocherte in den lodernden Flammen herum und summte dabei ein Weihnachtslied, an dessen Titel Walter sich nicht erinnern konnte. »Wir haben einen Gast, Bernhard. Ich hoffe, du hast noch etwas Punsch übrig gelassen. Unser Freund hier ist ein einziger Eiszapfen.« Bernhard hatte sich bei den Worten seines Freundes erhoben und zu ihnen umgedreht, wobei er ein wenig aus dem Gleichgewicht geriet. Walter schloss daraus, dass er wohl tatsächlich ein wenig tiefer in den Punsch gesehen hatte als seine Freunde, die zwar fröhlich, aber doch relativ nüchtern zu sein schienen. Walter wusste aus Erfahrung, dass bereits zwei Gläser Glühwein jeden festen Trinker zum Stolpern bringen konnten, da der Körper an heißen Alkohol im Allgemeinen nicht gewöhnt ist. Darüber hinaus wusste Walter, dass dieses Getränk die Knochen und die Augenlider zu Blei werden lässt, was den Trinker vor zu reichlichem Genuss bewahrte, da er rechtzeitig in einen wohligen Schlaf fiel. Dieser Bernhard schien von dem Moment des körperlichen Selbstschutzes nicht mehr weit entfernt zu sein. Seine Worte kamen nur mit Mühe über seine Lippen, als er den Gast begrüßte und diesem versicherte, dass noch genügend Punsch für ihn, alle anderen einsamen Wanderer und für die Heiligen Drei Könige übrig sei.

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