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> Krimi Thriller > Ein Mord geht immer
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Ein Mord geht immer, Karin Büchel
Karin Büchel

Ein Mord geht immer


-kurz und schmerzfrei

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Und plötzlich kam der Tod


 


Nichts hasste ich mehr als die Abende mit meinem Mann gemeinsam vor dem Fernseher. ER, eine Dose Cashewnüsse und eine Flasche Wein.


ICH, Salzstangen und ein Gläschen Prosecco.


Der Abend zog sich wie Kaugummi: Lang, länger, am längsten.


Zuerst die „Tagesschau“, dann „Derrick“, dem folgte „Der Alte“ und zum guten Schluss noch eine Wiederholung vom „Tatort“ aus den siebziger Jahren.


Dabei das unentwegte zermalmen der Cashewnüsse und das Glucksen nach einem Schluck Wein.


Fürchterlich.


Nach dem dritten oder vierten Glas kam dann die Phase des unüberlegten mitdiskutieren der Krimifolgen. Laut und unsachlich, bedingt durch den vermehrten Alkoholgenuss. Und dann ging es zu Bett, direkt schlafen. Gute Nacht!


Schon lange brodelte in mir der Gedanke, dem ganzen ein Ende zu machen. Ihn auszulöschen, umzubringen, aufzulösen, zu vernichten.


Aber gar nicht so einfach, das Ganze. Ein Plan musste her.


Ich zog mir sämtliche Krimis rein, die es im deutschen Fernsehen zu sehen gab und überlegte mir eine raffinierte Strategie. Schmerzfrei, sauber und schnell musste sie sein. Einfach ideal.


Am liebsten wäre mir ein Gift, das in die Nussdose eingeführt würde und durch seinen unkontrollierten Heißhunger auf Cashewnüssen von ihm nicht bemerkt würde. Denn seine Hand führte unentwegt die Bewegung von der Dose zum Mund, von der Dose zum Mund durch und seine Kauwerkzeuge zermalmten ohne Pause die kleinen Leckereien.


So würde er gar nicht merken, wie sich das Gift in seinem Körper langsam verteilen und zu Atemnot, wenn es gut lief sogar zu seinem Tod führen würde.


Gelesen hatte ich von sogenannter Hundspetersilie. Ein harmloses Wort für eine hochgiftige Pflanze. Diese Pflanze enthält ein Polyin-Gemisch, welches die oben beschriebenen Wirkungen in kurzer Zeit hervorbringen sollte. Genaue Recherchen ließen mich immer mehr zu der Überzeugung kommen, dass das der richtige Weg sei, um meinen ach so geliebten Mann aus dem Wege zu räumen.


Durch einen alten Bekannten aus einem etwas gewöhnungsbedürftigem Milieu bekam ich eine kleine Menge dieses Giftes. Musste reichen, um die Dose mit den Nüssen von innen einzureiben.


Ich nahm also seine besagte Dose Cashewnüsse, schüttete diese auf den Küchentisch, verteilte das Gift an den inneren Wänden der Dose, schüttete alle Nüsse wieder hinein, schloss den Deckel und schüttelte die Dose lange und intensiv. So konnte sich das Gift auf alle einzelnen kleinen Nüsse verteilen.


Ein idealer Plan. Ich war stolz auf mich und wartete voller Anspannung auf den gemeinsamen Fernsehabend.


Gleiche Rituale wie immer: Dose mit Nüssen, eine Flasche Wein und die Fernbedienung für diverse Krimifolgen. Ich saß auf meiner Couch und harrte der Dinge. Glucksen, zermalmen, glucksen, zermalmen.


Schmecken heute irgendwie etwas anders als sonst, hörte ich ihn sagen. Oh, die Geschmacksnerven meines Mannes schienen noch zu funktionieren.


„Ist aber die gleiche Sorte wie immer.“ Ich tat gelangweilt und das hatte Wirkung.


„Ja, stimmt. Schmecken gut.“ Und wieder schaufelte er sich eine Hand voll Nüsse in den Mund.


Nachdem der Abend sich allmählich dem Ende neigte, der Tatort kurz vor der Auflösung stand, passierte es: Mein Mann krampfte, röchelte, rang nach Luft und fiel zu Boden.


Er zuckte, starrte mich mit seinen grauen Augen an, als wolle er mir etwas sagen und dann war sie da: Die Stille!


Eine grausame, bedrückende, unheimliche Stille, die ich mir so lange gewünscht hatte.


Ich fühlte seinen Puls, nahm das Telefon und rief den Notarzt.


Dieser konnte nur noch seinen Tod feststellen.


„Der Tod kam plötzlich und unerwartet“. - So stand es in der Todesanzeige.


Ich atmete tief durch.


Endlich!


 


 


Freier Fall


 


Das Gefühl ganz oben zu stehen, hinab zu schauen und im freien Fall unten anzukommen, ließ mich nicht los. Es musste ein erhabenes Gefühl sein, ein Gefühl der Schwerelosigkeit, der Stille, der absoluten Freiheit.


Ok, den freien Fall würde man nur einmal haben und dann den Boden hart und bestialisch erreichen, aber ihn einmal gehabt zu haben, hatte was.


Ich kauerte an meinen Fingernägeln, so wie ich es immer tat, wenn ich grübelte. Heidelinde hatte bald Namenstag, den sie immer mit Hingabe zu feiern pflegte. Heidelinde war meine beste Freundin, schon seit über vierzig Jahren. Kennengelernt hatten wir uns in der siebten Klasse und haben uns danach nie wirklich ganz aus den Augen verloren. Gut, ihr Lebensweg war absolut nicht mit meinem identisch, ihre Ansichten konnte ich fast nie teilen und ihren Modestil fand ich grausam. Aber Freundin ist Freundin und hilfsbereit, großzügig, nett war sie nun einmal. Ich konnte mich auf sie verlassen, gerade dann, wenn ich mal wieder in einer Phase des schlimmsten Liebeskummer aller Zeiten war. Heidelinde hatte immer ein offenes Ohr für mich.


Aber seit geraumer Zeit ging sie mir gehörig auf die Nerven. Ihr Gehabe, ihre Art, alles psychologisch zu analysieren, ihr Blick auf die Dinge, denen ich so gar nichts abgewinnen konnte und ihr ewiger Hang zu Stille, Einöde, Natur und Götterdämmerung.


Oh je, ich mochte es so gar nicht, stundenlang auf der Wiese zu sitzen und den wehenden Blättern eines Ahornbaumes zuzuschauen oder dem wachsen eines giftigen Pilzes oder der Wanderung einer Cumulus-Wolke.


Nein, alles nicht mehr mein Leben: Ich liebte die Stadt, die Menschen, die Geräusche. Ich liebte es, wenn der Bär tanzte und die Menschen sich im Trubel des Lebens vergnügten.


Nun ja, Heidelinde war anders als ich und ein Namenstagsgeschenk für sie, das ihren Wünschen entsprach, war gar nicht so einfach zu finden.


Aber da war sie , diese Idee: Ganz oben zu stehen und den freien Fall zu genießen.


Es wäre ein wunderbares Geschenk!


Meine Gedanken formierten sich und mein Plan reifte.


Ich lud Heidelinde zu einem Picknick auf das höchste Gebäude der Stadt ein, da wo es erlaubt war, einen herrlichen Blick über die Stadt zu bekommen. Kaffee und Törtchen hatte ich im Korb und Heidelinde war froh gelaunt, denn ich wollte ihr die Stille einer Großstadt zeigen.


Oben angekommen betraten wir die abgesperrte Dachfläche, packten den Picknickkorb aus und genossen die Ruhe und den Frieden der Stadt. Über uns nichts als Wolken, Vögel und hin und wieder ein Flugzeug.


Heidelinde hatte auch etwas zu essen mitgebracht: Bio-Tomaten, Bio-Radieschen, Sonnenmilch, Traubensaft und zwei Gläser zum Anstoßen.


Ich atmete tief durch, denn zu viel Bio war für mich einfach nur nervend.


„Schau mal!“ Heidelinde sprang durch die Luft wie ein aufgescheuchtes Reh. „Schau mal! Ich kann es kaum glauben. Dort drüben fliegen zwei Störche. Das ist ja fantastisch. Einfach einmalig! Mitten in der Großstadt.“


Sie drehte und wendete sich hin und her, hielt sich zum Sonnenschutz die Hand wie ein Indianer vor die Augen, stolperte, konnte sich nicht mehr halten, fiel und stürzte hinab.


Ich konnte sie auch nicht halten, denn es ging alles so unglaublich schnell.


Viel zu schnell.


Sie hatte ihn hautnah: Den freien Fall!


Ich hörte hysterische Schreie, das quietschen von Autoreifen und dann das Martinshorn.


Heidelinde!


Das wollte ich nicht.


Wirklich nicht!


 


 


 


 


 


 


 


 


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