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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Dramatik im Herbst, Joachim Hausen
Joachim Hausen

Dramatik im Herbst



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Letzter Freitag im Juni. Sonnig. 26 Grad. Dank Gleitzeit verlasse ich – wie fast immer an diesen Tagen – um 15 Uhr das Büro in der Stadtverwaltung der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken. Mein Zeitguthaben beträgt jetzt 4:33 Stunden. Ich marschiere ins 700 Meter entfernte Lokal Stadtkneipe – wie fast jeden Freitag.


An der Theke setze ich mich auf einen Barhocker neben den einzigen Gast. »Hallo Ralf«, grüße ich, »ich habe dich hier mindestens vier Wochen nicht mehr gesehen. Was macht die Malerei?«


Der 51-jährige, schmächtige und 1,70 Meter messende Ralf Lachenmacher ist ein landesweit bekannter Maler.


Er trinkt einen Schluck Bier. Er grinst. Er sagt: »War mit meiner Freundin zwei Wochen in einem Kaff im Bayerischen Wald. Schöpferische Pause. Energie tanken. Inspirationen sammeln. Habe in diesem Monat erst ein Bild gemalt und nur zwei verkauft. Jetzt bin ich fast pleite.«


Die Wirtin, die attraktive 39-jährige Karin, tritt aus der Küche. Ihr nachtschwarzes Haar wippt in einem Pferdeschwanz. Top geschminkt. Sie lächelt mich an. »Guten Tag, Joachim, wie immer?«


Ich lächele zurück Ich schaue in die waldgrünen Augen. »Ja, schöne Frau.«


Die schöne Frau kredenzt mir ein gezapftes Weizenbier. Im großzügigen Ausschnitt der roten Bluse bewundere ich den schwellenden Ansatz der sehenswerten Busenlandschaft. Ich hebe das Glas und wende mich Ralf zu. »Lass uns auf deine Schaffenskraft und massenhaft Verkäufe trinken.«


Grinsen. »Wünsche ich dir ebenfalls.«


Anstoßen. Ich genieße drei Schlucke.


Er leert sein Glas.


Ich rufe: »Karin, ich spendiere unserem begnadeten Maler ein Bier.«


Der begnadete Maler strahlt. »Vielen Dank, Joachim. Ich habe am Tag vorm Urlaub dein Buch über die Zukunft des Klimawandels Ich. Und mein Schutzengel gekauft und letztes Wochenende zu Ende gelesen. Eine dramatische, aufwühlende und wendungsreiche Geschichte. Erstklassig und supertoll geschrieben! Noch in diesem Jahr kaufe ich deine anderen Bücher, bis auf die zwei, die du mir geschenkt hast.«


Ich staune. »Obwohl du fast pleite bist?«


Grinsen. Bier trinken. Vorbeugen. »Letzten Montag erhielt ich von der EU einen Auftrag. Ich soll zwölf Kalenderblätter gestalten, und zwar mit Kopien von Bildern zwölf der berühmtesten Malern Europas, darunter auch Caspar David Friedrich, Tizian und Pablo Picasso. Es werden mindestens 8.000 Stück gedruckt. Von jedem Verkauf kassiere ich 2,30 Euro Honorar. Der diesjährige Kalender wurde von einem portugiesischen Maler gestaltet und rund 8.700 Mal verkauft.«


»Donnerwetter!«, rufe ich. »Eine lukrative Arbeit. Da wird sich die Haushaltskasse freuen.«


»Genau, mein Lieber. Wie sieht es bei dir aus? Wann erscheint dein nächstes Buch?«


Ich seufze. »Ich bastele gerade ein Manuskript mit vier Kurzgeschichten. Drei sind fertig und auch mehrmals überarbeitet. Titel: Dramatik im Herbst. Ich will sie spätestens im Oktober veröffentlichen. Für die letzte Geschichte fehlt mir die Inspiration. Ich hoffe, die Muse küsst mich noch rechtzeitig.«


Ralf runzelt die Stirn. Ralf trinkt zwei Schlucke. Ralf fixiert mich. »Zum Dank, dass du mir nicht nur heute, sondern auch in diesem Jahr jedes Mal ein Bier spendiert hast, erzähle ich dir jetzt eine hübsche Geschichte, eine durch und durch wahre Geschichte. Falls sie dir gefällt, kannst du sie gerne niederschreiben.«


Ich strahle. »Menschenskind, Ralf, da freue ich mich riesig. Leg los.«


Der Maler legt los.


Ich falle aus allen Wolken, wie der Volksmund sagt.


Zwischendurch bestelle ich ihm und mir ein weiteres Bier.


Der Erzähler beendet die Geschichte.


Stille. Die Uhr über der Tür zur Küche tickt überlaut.


Karin und ich loben wie aus einem Mund: »Spitzenklasse, Ralf!« Ich schlage ihm auf eine Schulter. »Gefällt mir ausgezeichnet. Die nehme ich mit Kusshand. Natürlich werde ich dich namentlich im Impressum erwähnen und dir ein Exemplar schenken. Allerdings werde ich die Geschichten nur als eBook veröffentlichen.«


Er strahlt. »Macht nichts. Ich habe alles – Laptop, Tablet und Smartphone.«


»Ich auch!«, ruft Karin.


Ich lächele sie an. »Ich schenke dir auch eines, schöne Frau.«


»Vielen Dank, schöner Mann.«


Wir lachen. Sie sieht Ralf an. »Herr Lachenmacher, die Geschichte entspricht aber keineswegs deinem Familiennamen, ganz im Gegenteil.«


Schulterzucken. »Kann ich ja nichts dazu. Das Leben ist nicht immer lustig.«


Ich schaue auf die Armbanduhr. »Muss los«, brumme ich, »sonst bringt mich meine Frau um. Mach mir die Rechnung, Karin, und setze noch ein Bier für Ralf drauf.«


Er bedankt sich überschwänglich.


Ich zahle und gebe Karin 1,80 Euro Trinkgeld. Sie schenkt mir glutvolle Blicke. Lustflämmchen im Kopf.


Angefüllt mit Freude brettere ich die zwölf Kilometer nach St. Ingbert.


In unserem Reihenhaus erwartet mich eine offenbar missgelaunte Ehefrau. »Wo hast du dich denn so lange herumgetrieben? Warst du wieder bei dieser Karin?«


»Ja, Liebes. Ich habe Ralf Lachenmacher getroffen und zwei Bier getrunken.«


»Aha, den versoffenen Maler!«


»Er war stocknüchtern. Sorry, dass ich so spät komme. Er hat mir eine supertolle Geschichte für mein neues Buch erzählt. Ich lege jetzt sofort los, nicht, dass die Einzelheiten in den finsteren Tiefen des Gehirns versickern.«


Sie verdreht die Augen. »Da wirst du in den nächsten Tagen wieder kaum ansprechbar sein.«


Ich winke lässig ab. »Keine Sorge, Liebes, ist ja nur eine Kurzgeschichte. Anstatt abends Fernsehen zu glotzen, schreibe ich zwei Stunden.«


Schnauben. Ihre rehbraunen Augen scheinen mich zu durchbohren. »Vergiss bloß nicht, dass wir morgen den Tagesausflug in die Pfalz unternehmen.«


Innerlich fluche ich gotteslästerlich. Ich hauche ihr einen Kuss auf die ungeschminkten Lippen. »Aber, Maus, wie könnte ich.« Ich gebe mich euphorisch. »So ein Tag in der Heimat der natürlichen Feinde der Saarländer macht doch immer mordsmäßig Spaß.«


Mit meinem Laptop setze ich mich an den Esstisch. Ich recherchiere fast anderthalb Stunden im Internet über Personen und Hintergründe der von Ralf erzählten Geschichte.


Die immer noch mollige Ehefrau serviert das Essen: Kabeljau und Salzkartoffeln mit Buttersoße und für sich grünen Blattsalat. Ich hasse Salat zu Fisch. Ich hasse tote Fische – bis auf Kabeljau und Hering. Ich hasse auch tote Vögel. Wir trinken Ayler Kupp, einen trockenen Riesling von den Hängen der unteren Saar.


Obwohl Finger und Gehirn nach der Tastatur verlangen, räume ich, der artige Ehemann, den Tisch ab, spüle das Geschirr unter fließendem Wasser ab und deponiere es mit Gläsern und Bestecken in der Spülmaschine. Jetzt ist sie gefüllt. Wie von der Gattin stets verlangt, schnappe ich im Kühlschrank eine halbe ausgepresste Zitrone, schneide die Schale mehrmals ein und lege sie in den Besteckkorb. Ich starte den fleißigen Helfer. Ich säubere die Pfanne und das Ceranfeld des Herdes.


Vom Schreibfieber geschüttelt, falle ich über den Laptop her. Knapp zwei Stunden erstelle ich das Gerüst der Geschichte, notiere Einzelheiten und die Ergebnisse meiner Recherche.


Mit der Ehefrau schaue ich um 21:45 Uhr die Nachrichten des Saarländischen Rundfunks. Der Wetterbericht flimmert über den Bildschirm. Der Schutzgott der Autoren hält segensreich seine Hände über mich: Samstag und Sonntag Dauerregen bei schäbigen 21 Grad. Ich jubiliere innerlich. Die Ehefrau flucht undamenhaft. Ich vertröste sie auf den übernächsten Samstag.


Das Wochenende? Ich schreibe und schreibe und schreibe. Und die Ehefrau? Sie wäscht, bügelt und kocht leckeres Essen. Sie sieht fern und quält ihr Smartphone. Leider liest sie meine Romane nicht. Sie liest generell keine Romane. Einmal sagte ich zu ihr: »Maus, selbst wenn du nur ein Telefonbuch geschrieben hättest, würde ich jede Zeile lesen.«


Sie schaute mich an, als habe ich nicht alle Latten im Zaun, wie mein Papa ab und zu sagte.


 


Vierter Donnerstag im Juli. Mein zweiter Urlaubstag von drei Wochen. Hochsommer. 31 Grad. Gegen 17 Uhr beende ich im Wohnzimmer die letzte Überarbeitung der Kurzgeschichten. Ich trete auf die Terrasse. Die äußerst spärlich bekleidete Ehefrau sitzt in ihrem Relaxsessel unter der sonnengelben Markise. Sie trinkt Leitungswasser mit dem Saft einer Zitrone und quält ihr Smartphone. Ich besitze auch ein Handy. Allerdings kann es nur telefonieren. Die Gemahlin schwitzt.


»Geschafft, Liebes!«, sage ich mit sanfter Stimme. Ich küsse sie auf eine der fast blanken Brüste. Ich schmecke Salz. Sie kichert. Sie schaut mich an. »Gott sei Dank, bist du endlich fertig! Ich dusche jetzt und danach liest du mir die Geschichte des versoffenen Malers vor. Ich will wissen, ob sie es wert ist, dass du in den letzten drei Wochen kaum ansprechbar warst. Anschließend schmeißt du den Holzkohlengrill an. Und morgen … morgen fahren wir um neun mit meiner Freundin Anna und ihrem Mann nach Wissembourg im Elsass.«


Ich nicke. »Da freu ich mich wirklich drauf, vor allem auf das leckere Essen und den Wein.«


Eine halbe Stunde später sitzen wir mit Leitungswasser gefüllten Gläsern im angenehm temperierten Wohnzimmer. St. Ingbert verfügt über hervorragendes Grundwasser, weitaus besser und vor allem preiswerter als die fade Brühe in den PET-Flaschen.


Ich trinke zwei Schlucke und beginne die Vorlesung.


 


 


2


 


Dienstag, zweiter Januar 1523. Istanbul, Hauptstadt des expandierenden Osmanischen Reiches. Topkapi Palast. Der seit drei Jahren regierende Sultan Süleyman I., der Prächtige und in der späteren Geschichtsschreibung auch der Gesetzgebende genannt, empfing nach dem Frühstück seinen engsten Vertrauten Makbul Ibrahim Pascha. »Hör zu«, sagte er und zwirbelte mit zwei Fingern der rechten Hand den Schnurrbart. »Schaff mir den besten Maler der Stadt herbei und quartiere ihn nahe des Serails ein.«


»Sehr wohl, mein Gebieter.« Der 30-jährige vielsprachige Grieche eilte aus dem Raum.


Süleyman I. hatte selbst einen künstlerischen Beruf erlernt, und zwar Goldschmied. Nach der Tradition des Hauses Osman musste jeder Herrscher einen Beruf erlernen.


 


Acht Tage später stand ein schmächtiger Mann mit einem Buckel in den Privatgemächern des Sultans demutsvoll vor seinem Herrscher. »Wie heißt du und woher kommst du?«, wollte dieser wissen.


»Ich heiße Kadir und bin 47 Jahre alt. Vor zwei Jahren zog ich nach dem Tod meiner Frau aus Haleb hierher.«


»Hast du inzwischen eine neue Frau?«


Seufzer. »Nein. Keine will mich. Ich bin alt und hässlich.«


Der Sultan nickte. »Spitz die Ohren, Kadir. Hiermit ernenne ich dich zum Hofmaler. Ich besitze sieben Konkubinen und etliche schöne und talentierte Sklavinnen aus allen Teilen meines Reiches. Ihre genaue Anzahl kenne ich nicht. Ständig kommen welche hinzu. Einige schenke ich Paschas und Truppenführern, um sie zu Höchstleistungen anzuspornen. Auch lasse ich hin und wieder eine mit Tributpflichtigen verheiraten. Erfahrene Frauen meines Harems bringen den Sklavinnen erotische Fähigkeiten bei. Die zwölf Attraktivsten und Begabtesten werden zu Zofen ausgebildet und genießen das Privileg, mich anzukleiden, zu baden und mit köstlichen Mahlzeiten zu versorgen. Als mögliche Bettgefährtinnen können sie zu meinen Favoritinnen, den Ikbals, aufsteigen. Bringt eine mein Kind zur Welt, erhält sie den Ehrentitel Konkubine oder Kadine.«


Der Sultan schlürfte Mokka und fuhr fort: »Deine Aufgabe, Kadir, besteht darin, alle Frauen meines Harems zu malen. Treffen neue Sklavinnen ein, fertigst du umgehend ein Bild von ihnen. Ich will meine zukünftigen Zofen selbst auswählen. Die Gemälde sollen die Frauen von der Taille an aufwärts in natürlicher Größe zeigen, und zwar ohne Kopfbedeckung. Um mir deine Kunstfertigkeit zu offenbaren, malst du zuerst meine beiden Lieblingsfrauen Gulbehar und Roxelane, die kenne ich ja in- und auswendig.« Er grinste.


Der zum Hofmaler ernannte Kadir strahlte. »Ich freue mich riesig auf diese Arbeit, mein Herrscher.«


Der Sultan beugte sich vor. »Und wage es bloß nicht, dich von den Frauen bequatschen zu lassen, sie schöner zu malen, als sie sind. In diesem Fall lasse ich dich auspeitschen, bis die Haut aufplatzt, sodass du tagelang nicht mehr sitzen und liegen kannst. Habe ich mich klar und deutlich ausgedrückt, Hofmaler?«


Kadir verbeugte sich mehrmals. »Unmissverständlich, mein Herrscher, ich werde Euch nicht enttäuschen. Die Arbeit werde ich mit großem Eifer und naturgetreu ausführen. Ihr werdet voll zufrieden sein.«


»Sehr schön, Hofmaler. In deinen Räumlichkeiten kannst du kostenlos wohnen, essen und trinken, und zwar was und so viel du willst. Bereits morgen schicke ich dir zwei hellhäutige junge Sklavinnen aus Kurdistan. Sie werden dich bekochen, bedienen und dein Bett wärmen. Für jedes Gemälde lasse ich dir sieben Goldmünzen zahlen, und zwar Sultani. Nachher notierst du die Materialien, die du zum Malen benötigst. Danach gehst du zu meinem Vertrauten Ibrahim Pascha. Er wird dir die entsprechende Summe Geld geben. Am Nachmittag kaufst du alles ein. Morgen beginnst du, meine erste Konkubine zu malen.«


»Sehr wohl, mein Gebieter.«


Der 28-jährige Sultan wedelte ihn mit einer Hand aus dem Raum.


 


Anderntags führten am frühen Vormittag zwei der rund 800 schwarzhäutigen Eunuchen die Kadine Gulbehar in das kleine Atelier des frisch gekürten Hofmalers. Es lag neben seinem Wohnraum. Zwei Fenster spendeten ausreichend Tageslicht.


Stoisch standen die Eunuchen in einer Ecke.


Kadir bewunderte die schöne Kaukasierin.


 


Zwei Tage später lieferte der Hofmaler vormittags sein erstes Arbeitsergebnis ab. Auf einem Balkon begutachtete Süleyman I. mit Ibrahim Pascha das Gemälde. Der Sultan strahlte. Er strich sich über die scharf geschnittene Nase. »Hervorragende Arbeit, Hofmaler!«, lobte er. »Haargenau so sieht Gulbehar aus. Selbst die kleine Warze am linken Ohrläppchen und den dunklen Fleck auf der rechten Schulter hast du nicht vergessen. Ich lasse es und später das Bild mit meiner Roxelane im Speiseraum aufhängen.«


Diese russische Sklavin war innerhalb kurzer Zeit zur zweiten Lieblingsfrau des Sultans aufgestiegen. Im Jahr zuvor hatte sie seinen Sohn Mehmed geboren.


Der Herrscher des Osmanischen Reiches hatte den – mit Gulbehar gezeugten – erstgeborenen Sohn Mustafa töten lassen, übliche Maßnahme der Sultane.


Ibrahim Pascha zahlte dem Gelobten die versprochene Summe. Der Hofmaler bedankte sich überschwänglich.


Der Sultan hob eine Hand. »Fast vergessen … auf jedem Gemälde – mit Ausnahme der meiner drei Lieblingsfrauen – schreibst du in die rechte obere Ecke den Namen der Gemalten.«


 


Kadir malte eifrig und mit Begeisterung die Konkubinen, Ikbals, Zofen und Sklavinnen des Herrschers. Hinterher murmelte er jedes Mal »Bei Allah und Mohammed! Welch wunderschöne Frauen, na ja, jedenfalls die Mehrheit. Sie müssen tagein, tagaus im goldenen Käfig des Harems hocken und darauf warten, dass der Sultan eine von ihnen ins Bett holt. Welch eine Verschwendung! Der lüsterne Kerl könnte mir doch für jeweils vier Monate eine zur Verfügung stellen, die würde er garantiert nicht vermissen.« Er seufzte jedes Mal. »Mein Wunschtraum wird aber niemals in Erfüllung gehen.«


 


Der Hofmaler genoss ein angenehmes Leben und erfreute sich an den Liebeskünsten der beiden Dienerinnen. Jeden zweiten Tag vergnügte er sich mit einer von ihnen im Bett, manchmal auch mit beiden. Willig erfüllten sie jeden seiner Wünsche.


 


 


3


 


Erster Montag im August. Nach dem Frühstück im Wohnraum erhob sich Kadir, streckte sich und dehnte die Gliedmaßen. Die Dienerinnen räumten Geschirr und Essensreste in Körbe. Flüsternd verließen sie damit die Wohnung.


Der Hofmaler murmelte: »Gestern habe ich das Bild einer jüdischen Sklavin aus Jerusalem abgeliefert. Sie kam vor vier Tagen an. Ein wirklich rassiges Weib. Das Geschenk irgendeines Paschas an den Sultan. Ich hoffe ...«


Türklopfen. Er runzelte die Stirn. »Wer ist denn das?« Er rief: »Eintreten!«


Die Tür öffnete sich. Eine ... eine verschleierte Frau in einem langen schwarzen Gewand schlüpfte herein. Sie schloss die Tür.


Der offensichtlich überraschte Kadir stutzte. Die Frau legte den linken Zeigefinger an den Schleier über dem Mund und deutete mit der rechten Hand zur Tür des Ateliers.


Er eilte in das Zimmer, ließ die Fremde eintreten und schloss die Tür. Sie ... sie schob den Riegel vor.


Kadir schüttelte sich.


Die Frau trat vor ihn. Sie drapierte den Kopfschleier auf den Schultern.


Der Hofmaler wankte. Vor ihm stand die 25-jährige Alima – die dritte Konkubine des Sultans! Sie lächelte. Nachtaugen sahen ihn an. Die Bosnierin maß 1,63 Meter, nur vier Zentimeter weniger als er.


Der Überraschte fing sich. »Was willst du hier?«



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