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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Die Seele des Bösen – Blutiger Hass, Dania Dicken
Dania Dicken

Die Seele des Bösen – Blutiger Hass



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Freitag, 25. Juni


 


Nur zu gut konnte Libby sich an die Nervosität erinnern, die sie empfunden hatte, als sie zuletzt bei einer Urteilsverkündung im Gerichtssaal gesessen hatte. Damals war es um Matt gegangen, um Jahre im Gefängnis oder einen Freispruch, der es ja dann glücklicherweise auch geworden war. 


Diesmal hoffte sie auf das Gegenteil. 


Ron wurde in Handschellen von zwei Marshals hereingeführt und nahm neben seinem Anwalt auf der Anklagebank Platz. Er hatte sich in Schale geschmissen und hielt sich selbstbewusst aufrecht. Libby erdolchte ihn von hinten mit Blicken – froh darüber, bei seinem Anblick keine Schweißausbrüche mehr zu bekommen. Kieran tastete nach ihrer Hand, aber sie blickte zu Sadie, die auf der anderen Seite neben ihr saß und ebenfalls zu Ron sah. 


Auch Linda, ihre Eltern, Ryan Stone und die ermittelnden Detectives waren erschienen, ebenso wie einige ehemalige Mitglieder der nun aufgelösten Studentenverbindung Theta Phi. Anthony Mullins war nicht darunter, nach seinem Deal mit der Staatsanwaltschaft hatte er seine Strafe bereits angetreten. 


Ron war gerade vierundzwanzig geworden und konnte deshalb nicht auf eine Verurteilung nach Jugendstrafrecht hoffen. Libby wünschte ihm eine harte Strafe, aber die würde ja erst in einem zweiten Prozess festgesetzt werden. Gerade ging es nur um die Schuldfrage. Sie hatte auch noch nicht gegen Ron ausgesagt, das würde sie erst im zweiten Prozess tun. Davor graute es ihr bereits, aber sie würde es durchziehen. Ihre Aussage fand ja unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. 


Der Richter erschien und wandte sich an die Jury. „Sind die Geschworenen zu einem Urteil gekommen?“ 


Der Sprecher der Jury bejahte, ein Gerichtsdiener brachte ihm den Umschlag mit der Urteilsschrift und der Sprecher verlas das Urteil. 


„Wir, die Geschworenen in der Strafsache des Staates Kalifornien gegen Ron Hawkins, befinden den Angeklagten für schuldig im Sinne der Paragrafen 182, 192, 207, 240, 245 und 261 des Strafgesetzes.“


Erleichtert schloss Libby die Augen und lächelte. Paragraf 261 drehte sich um Vergewaltigung. Sie hatten ihn also dafür verurteilt. Das war einfach großartig. Er würde also auch für das, was er ihr angetan hatte, ins Gefängnis gehen. Die Detectives hatten ihr erklärt, dass inzwischen auch Sarah Baines Anzeige gegen ihn erstattet hatte und das Video ihrer Vergewaltigung als Beweismittel herangezogen worden war. Sie hofften auf ein Urteil wegen Vergewaltigung in mehreren Fällen, was automatisch eine härtere Strafe nach sich zog, aber ob das klappte, würde sich noch zeigen. Dann hatten sich ihre Mühen vielleicht besonders gelohnt. 


Als die Urteilsverkündung vorüber war, verließ sie den Gerichtssaal zusammen mit Sadie und Kieran, ohne Ron noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Sie war fertig mit ihm. 


„Ich freue mich so für dich“, sagte Sadie beim Verlassen des Gerichtsgebäudes. 


„Ja, fühlt sich gut an“, erwiderte Libby. 


„Ich hoffe, er zerfällt hinter Gittern zu Staub“, grollte Kieran, woraufhin Sadie grinste. 


„Sie werden bestimmt kein mildes Strafmaß anlegen“, sagte sie. „Wollen wir das heute Abend feiern? Kommt doch vorbei und wir grillen zusammen.“ 


„Au ja.“ Libby nickte eifrig und auch Kieran war einverstanden. 


„Also dann, wir sehen uns später. So gegen fünf?“, schlug Sadie vor. 


„Prima“, sagte Libby und hakte sich gut gelaunt bei ihrem Freund unter. Die beiden hatten Semesterferien und deshalb hatte auch Sadie Gelegenheit gehabt, zur Urteilsverkündung zu kommen. Libby zuliebe hatte sie das unbedingt machen wollen. Inzwischen war das Mädchen doch ausgezogen und lebte nun zusammen mit Kieran in einem winzigen Studentenapartment in San José, worauf sie sehr stolz war. Sie kellnerte nun in einer kleinen Bar unweit ihrer Wohnung und verdiente sich so einen Großteil ihres Lebensunterhalts selbst. Sie fehlte Sadie und Matt, aber Sadie hätte einen Teufel getan und ihr das gesagt, denn sie wollte ihr kein schlechtes Gewissen machen. Libby hatte ein eigenes Leben, es wurde auch Zeit für sie, flügge zu werden. Vor allem aber fehlte sie Hayley, die es immer genossen hatte, ihre große Schwester um sich zu haben. Libby wusste das aber auch und verbrachte immer noch viel Zeit zu Hause. 


Sadie stieg in den Challenger und machte sich auf den Heimweg nach Pleasanton. Während sie dem Freeway nach Norden folgte, überlegte sie, auch Phil und Tessa zum Grillen einzuladen. Das machte sicher gleich noch viel mehr Spaß. 


Als sie eine halbe Stunde später das Haus betrat, hörte sie Musik aus Matts Arbeitszimmer, Green Day mit American Idiot. Grinsend ging sie hin und klopfte an den Türrahmen. Matt war konzentriert in die Bearbeitung eines Bildes in Photoshop vertieft, drehte sich aber sofort um. 


„Oh, schon wieder zurück?“, fragte er und drehte die Musik leiser. „Wie ist es gelaufen?“ 


„Schuldig in allen Anklagepunkten“, sagte Sadie. „Libby ist vor Zufriedenheit fast geplatzt.“ 


„Das kann ich mir vorstellen. Ich wäre ja gern mitgekommen, aber in einer halben Stunde muss dieses Bild fertig sein …“ 


„Mach ganz in Ruhe. Sag mal, wollen wir heute Abend zur Feier des Tages grillen? Libby und Kieran sind dabei. Ich könnte noch Phil und Tessa fragen.“ 


„Oh, klingt gut. Tolle Idee.“ 


Sadie lächelte und ging ins Wohnzimmer, wo sie sich aufs Sofa setzte, um ihren Freunden eine Nachricht zu schreiben. Von Tessa kam nach zwei Minuten eine Bestätigung, bei Phil ließ sie länger auf sich warten. Letztlich waren jedoch alle mit von der Partie, auch wenn Phil schrieb, dass er allein kommen würde. Hayden zahnte fürchterlich und Amelia war nicht in der Stimmung, um wegzugehen, was Sadie gut verstehen konnte. Sie hatte nie zwei kleine Kinder gehabt und stellte es sich manchmal maßlos anstrengend vor. 


Als Matt das Bild an die Redaktion geschickt hatte, gingen die beiden einkaufen. Auf dem Rückweg vom Supermarkt holten sie Hayley am Kindergarten ab und fuhren gemeinsam nach Hause. Während Matt und Sadie sich den Vorbereitungen widmeten, schaute Hayley sich einen Film an und schmuste dabei mit Figaro auf dem Sofa. Der Kater war inzwischen etwas in die Jahre gekommen, aber es rührte Sadie sehr, zu beobachten, wie gut die beiden sich verstanden. 


Kieran und Libby kamen pünktlich um fünf und gingen ihnen noch bei den Vorbereitungen zur Hand. Als Libby hörte, dass auch Tessa und Phil kommen würden, freute sie sich sehr. Die beiden stießen jedoch erst um kurz vor sechs dazu, weil sie es früher nicht von der Arbeit geschafft hatten. Tessa hatte natürlich Sylvie im Schlepptau, die Sadie ebenso herzlich begrüßte. Sadie ging voran in den Garten, wo bereits die anderen warteten. Hayley spielte im Sandkasten, Libby saß bei ihr und Kieran hatte sich zu Matt an den Grill gesellt. 


„Ihr seid ja auch hier“, freute Tessa sich und umarmte die beiden nacheinander. 


„Wir haben ja auch was zu feiern“, sagte Sadie. „Ron Hawkins wurde heute schuldig gesprochen.“ 


„Oh, davon hast du vorhin gar nichts gesagt, schäm dich! Meinen Glückwunsch“, sagte Tessa, woraufhin Libby zufrieden lächelte. 


„Ja, war ein gutes Gefühl.“ 


„Das glaube ich dir. Ging mir ähnlich, als Lindsay damals schuldig gesprochen wurde.“ 


„Irgendwie haben wir das ja alle schon durch“, sagte Matt von der Seite. 


„Schon verrückt. Aber stimmt, das ist wirklich ein Grund zum Feiern!“, fand Tessa. Kurz darauf stieß auch Phil zu ihnen und freute sich ebenfalls sehr mit Libby. 


„Wie gefällt dir denn das neue Studium?“, erkundigte er sich anschließend. 


„Oh, das ist toll. Ich habe ja gerade die ersten Prüfungen abgelegt und auch schon Noten bekommen. Statistik war jetzt nicht so toll, das habe ich gehasst … aber in Neuroanatomie und in Psychologie der Kindheit war ich ziemlich gut.“ 


„Da hattest du ja auch Vorwissen“, sagte Kieran. 


„Jetzt rede ihr doch nicht den Erfolg madig“, sagte Tessa stirnrunzelnd. 


„Mache ich doch gar nicht …“


„Schon gut“, sagte Libby. „Stimmt ja auch irgendwie. Ich freue mich jetzt vor allem auf Persönlichkeitspsychologie, Sozialpsychologie und ganz besonders auf Psychopathologie.“ 


Stirnrunzelnd blickte Tessa zu Sadie. „Irgendwie kommst du da viel zu sehr auf deine Mum, weißt du das?“ 


Libby grinste breit. „Kann gut sein!“ 


„Und wie sieht dein Plan jetzt aus?“ 


„Ich mache jetzt meinen Bachelor in Psychologie und Verhaltensforschung und dann bewerbe ich mich bei der Polizei. Ich glaube, Sadies Werdegang wäre auch was für mich. Die Polizei ist eine sichere Bank und wenn ich dann genug Erfahrung gesammelt habe, bewerbe ich mich beim FBI.“ 


„Oh Himmel … dann leide ich ja schon wieder Todesängste.“ Theatralisch verdrehte Tessa die Augen. „Sadie, raubt dir das eigentlich nicht den Schlaf?“ 


„Sollte es?“, erwiderte die Angesprochene. 


„Ein wenig vielleicht …“ 


„Traut ihr doch mal was zu“, sagte Phil kopfschüttelnd. „Libby wird das schon gut machen.“ 


„Da habe ich keinen Zweifel, aber dass du dich immer zum Abschuss bereit hältst, ist ja auch nicht viel beruhigender!“ 


Phil lachte und nahm noch einen Schluck Bier. „Ich mag meinen Job.“ 


„Das ist doch die Hauptsache“, sagte Sadie. 


„Wie geht es der Familie?“, erkundigte Tessa sich bei ihm. 


Sie unterhielten sich munter während des Essens. Hayley stocherte wild auf dem Teller herum und erhielt schließlich ein wenig Unterstützung von ihren Eltern. 


„Und was habt ihr am Wochenende so geplant?“, erkundigte Matt sich bei Tessa und Sylvie. 


„Wir gehen zur San Francisco Pride“, sagte Tessa. 


„Oh, da warst du schon länger nicht“, sagte Sadie. 


„Ja, eben, deshalb wird es mal wieder Zeit. Ich gehe mit Tanktop, Lederstiefeln und abstehenden Haaren. Dieses Lesbending habe ich schon ewig nicht gemacht.“ 


Sadie grinste. „Eigentlich müsste ich mitkommen und mir das anschauen.“ 


„Mach doch“, erwiderte Tessa breit grinsend. Die San Francisco Pride Parade gab es seit den 1970er Jahren und am letzten Juniwochenende eines jeden Jahres gehörte San Francisco mit Haut und Haar seiner queeren Gemeinde. Schwule, Lesben, Transsexuelle und Personen mit den verschiedensten sexuellen Neigungen warben mit der riesigen Parade um Toleranz und verfolgten jedes Jahr ein eigenes Motto. Es gab verschiedene Bühnen, Musik und zahlreiche andere Events rund um die knallbunte und fröhliche Parade. Ein einziges Mal hatte Sadie Tessa dorthin begleitet, das war inzwischen gut zehn Jahre her. In den letzten Jahren hatte Tessa sich ein wenig aus der Lesbenszene in San Francisco zurückgezogen, was hauptsächlich an Sylvie lag. Tessas Freundin liebte zwar Frauen, hatte ansonsten jedoch wenig mit dem lesbischen Lebensstil am Hut und inzwischen sagte selbst Tessa, dass ihr das alles zu anstrengend war. Allerdings freute es Sadie, dass Tessa nun doch wieder zur Parade gehen wollte. Das hatte ihr immer viel Spaß gemacht. 


„Ich würde mir das gern mal ansehen, glaube ich“, sagte Libby. „Da war ich noch nie.“ 


Überrascht zog Tessa die Brauen hoch. „Oh … das ist jetzt …“


Libby lachte. „Du musst mich ja nicht mitnehmen, wenn dir das unangenehm ist und du nicht willst.“ 


„Äh, ich meine … du kennst mich gar nicht, wenn ich die Lesbe raushängen lasse.“ 


„Ich bin schon groß, Tessa. Das verstört mich nicht nachhaltig“, sagte Libby nüchtern. 


„Aber du … du bist die Tochter meiner besten Freundin …“


Alle am Tisch, Sylvie eingeschlossen, amüsierten sich prächtig über Tessas plötzliche Verlegenheit. Schließlich einigten Libby und Kieran sich darauf, allein hinzufahren und Tessa und Sylvie ihr Ding machen zu lassen, obwohl Sylvie sie immer wieder überreden wollte, sie und Tessa doch zu begleiten. 


Darüber wurde es dunkel und schließlich brachten Matt und Sadie Hayley ins Bett, die sich zwar sträubte, aber längst hundemüde war. Wieder unten angekommen, wollte Sadie sich etwas Neues zu trinken aus dem Kühlschrank holen und wäre dabei fast in Phil gerannt, der denselben Gedanken gehabt hatte. Mit Bier war er für den Abend fertig, weil er noch fahren musste. 


„Schade, dass Amelia nicht mitkommen konnte“, sagte Sadie zu ihm, während Matt schon wieder nach draußen ging. 


„Eigentlich ist es ja kein Problem mit den Kindern, aber Hayden ist gerade wirklich wie auf links gedreht und Amelia ist hundemüde. Sie versucht einfach, mir den Rücken freizuhalten, damit ich schlafen kann. Ihre Entscheidung, aber sie sagt, es ist wichtig, dass ich wach bin.“ 


„Ist es auch, ohne ihren Schlaf abwerten zu wollen. Aber du bist eben Scharfschütze.“ 


„Einmal das, und außerdem ist sie ja ohnehin gerade zu Hause. Wenn ich frei habe, springe ich ein, aber bei der Arbeit muss ich ja funktionieren.“ 


„Natürlich. Ich finde es beruhigend, zu wissen, dass du immer noch da draußen bist und diesen Job machst.“ Sadie sagte das mit einem Lächeln, das Phil gleich erwiderte. 


„Ich liebe diesen Job. Ohne dich und Matt wäre ich damals gar nicht drauf gekommen.“ 


„Vielleicht schon, irgendwann …“ 


„Du hast eine irre Wirkung auf uns, weißt du das? Ich bin deshalb Scharfschütze geworden und Matt ist zum FBI gegangen. Jetzt will Libby das auch …“ 


„Sie weiß jetzt schon so viel darüber. Das ist einfach toll.“ 


„Ihr könnt stolz auf euch sein. Dass sie jetzt so ist, hat sie euch zu verdanken.“ 


„Danke.“ 


„Davon abgesehen bin ich froh, dass wir alle nicht mehr unten in Los Angeles sind. Hier gefällt es mir besser.“ 


„Mir auch.“


„Dabei wundert es mich, dass du wirklich dein Profilerdasein nicht vermisst.“ 


„Ach, schon ein wenig … aber unser neues Leben hier ist toll. Viel ruhiger.“ 


„Das alles hätte ich mir ja nie träumen lassen, als wir damals in Waterford noch Streife gefahren sind.“ 


Sadie lächelte nachdenklich. „War auch schön. Verrückt, wie lang das schon her ist.“ 


„Ja, allerdings … und toll, dass wir immer noch Freunde sind.“ 


 


„Und wie“, pflichtete Sadie ihm bei. 




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