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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Die Seele des Bösen, Dania Dicken
Dania Dicken

Die Seele des Bösen


Falsches Spiel

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Waterford, Sonntag, 8. April


 


Sadie stellte sich schlafend, als kleine Hände ihr Gesicht betasteten und befühlten. Es war nicht einfach, ihre Tochter hinters Licht zu führen, zumal Hayley normalerweise so lang an ihr herum zupfte, bis sie ihren Willen hatte und ihre Mutter wach war. 


Doch diesmal war es Matt, der alles zunichte machte. „Guten Morgen! Da möchte dir jemand zum Geburtstag gratulieren!“ 


„Ich schlafe noch“, murrte Sadie und drehte sich auf die andere Seite. 


„Ich glaube, unserer Tochter ist das egal.“ 


„Ich befürchte es.“ Sadie gähnte und blinzelte mit einem Auge. Neben ihr lag ein blondes Wesen mit zwei kurzen Hasenzähnchen und strahlte sie an. 


„Du hast mich erwischt“, sagte Sadie, bevor sie sich ihre Tochter schnell schnappte und sich halb über sie beugte, um Hayley zu kitzeln. Das kleine Mädchen quiekte und jauchzte vor Vergnügen und lachte laut. Sie war nun acht Monate alt und Sadies ganzer Stolz. Norman hatte zwar auch ein Bettchen für sie, aber wenn sie in Waterford zu Besuch waren, durfte sie zwischen ihren Eltern schlafen. Das nutzte sie natürlich schamlos aus und weckte ihre Eltern auch an einem Sonntagmorgen unverfroren um kurz vor sieben. 


„Und du bist auch so eklig gut gelaunt“, sagte Sadie mit einem fast strengen Unterton zu Matt. 


Unbeeindruckt beugte er sich über Hayley zu Sadie und küsste seine Frau. „Alles Gute zum Geburtstag, meine Hübsche.“ 


„Danke“, sagte sie und lächelte. 


„Wenn ich mal überlege, wie ich meinen Dreißigsten vor acht Jahren gefeiert habe … das war feuchtfröhlich. Die besten Jungs aus dem Department sind mit mir durch die Bars in Modesto gezogen und irgendwann endeten wir in einem Stripclub.“ 


„Wer, du?“, fragte Sadie, während sie Hayley durch die Haare wuschelte. 


Matt nickte. „Ja, ich. Und das, obwohl ich damals eine Freundin hatte.“ 


„Wo war die denn?“ 


„Mit ihr habe ich separat gefeiert. Sie hat auch nie erfahren, dass wir in einem Stripclub waren.“ 


„Geständnisse des Matt Whitman“, neckte Sadie ihn. 


„Hättest du ein Problem damit?“ 


Sie zuckte mit den Schultern. „Du hast schon in einem Stripclub ermittelt und wärst da fast von einer Prostituierten vernascht worden.“ 


„Da hatte ich aber keine Wahl. Das war beruflich”, relativierte er. 


„Ich weiß, du würdest mich nicht betrügen.“ 


Matt schüttelte den Kopf. „Niemals, da hast du Recht.“ 


Die beiden lächelten einander an, während Hayley fröhlich vor sich hin zappelte und brabbelte. Sadie spielte ein wenig mit ihr, bevor sie aufstand und der Kleinen eine frische Windel anzog. Für diesen Tag hatte sie Hayley ein hübsches kleines Kleid ausgesucht, das Hayley jedoch kaum wirklich zu würdigen wusste. Wie ein Wirbelwind robbte sie wenig später durchs Wohnzimmer und versuchte sich am Krabbeln, während Matt und Norman sich in der Küche dem Frühstück widmeten. Sadie wollte zwar helfen, aber da es ihr Geburtstag war, ließen die Männer sie nicht. 


Augenblicke später wurde die Haustür geöffnet und Libby erschien mit Rusty darin. Als sie Sadie im Wohnzimmer entdeckte, strahlte sie. 


„Hey! Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“, sagte sie und ging gleich zu Sadie, um sie zu umarmen. 


„Danke.“ Sadie lächelte und strubbelte Rusty durchs Fell. 


„Ich freue mich schon so aufs Backen“, sagte Libby. 


„Es ist süß, dass du das immer machst.“ 


„Ich mache es gern! Für dich sowieso.“ 


Die beiden lächelten einander an. Bevor Libby jedoch zur Tat schreiten konnte, wurde erst einmal in Ruhe gefrühstückt. Hayley saß in ihrem Hochstuhl und war gar nicht glücklich darüber, dass sie nicht an all die vielen bunten und schönen Dinge auf dem Esstisch kam. Matt reichte ihr eine Rassel, mit der sie schließlich spielte und irgendwann auf dem Tisch herum trommelte, bis Matt ihr die Rassel wieder stibitzte und gegen ein kleines Stofftier tauschte. 


Norman beobachtete die Szene ganz gerührt. „Es ist verdammt lang her, dass ich das hatte.“ 


„Mein Vater sagte, einen Enkel zu haben ist etwas ganz Anderes als eigene Kinder“, sagte Matt und fügte hinzu: „Schöner.“ 


„Irgendwie schon“, stimmte Norman zu. „Ich habe es wirklich gut: Zwei Enkelsöhne und zwei Enkeltöchter. Fanny hätte das genossen.“ 


Für einen Moment war es still am Tisch. Libbys Blick wanderte zu dem Foto von Fanny über dem Kamin. 


„Schon über drei Jahre“, murmelte Sadie traurig. 


„In der Zeit ist wahnsinnig viel passiert“, sagte Norman. „Manchmal kommt es mir länger vor.“ 


Sadie ging es da anders, sie hatte das Gefühl, als sei es gestern gewesen, dass ihr Vater ihre Tante ermordet hatte. Sie fragte sich manchmal, wie Norman damit zurechtgekommen war, das alles miterlebt zu haben. Sadie konnte sich ungefähr vorstellen, wie er empfunden haben musste – in dem Wissen, dass Rick bereit war, ihn wirklich zu töten. Und mitansehen zu müssen, wie er Fanny lebensbedrohlich verletzte. Sie hatte so etwas nie mitansehen müssen und war froh darum. 


Matt brach das unangenehme Schweigen, indem er um die Marmelade bat. Schließlich wechselten sie das Thema und unterhielten sich wieder über Sadies Geburtstag. Für sie war es immer noch abstrakt, nun dreißig zu werden. In den letzten Jahren hatte sich tatsächlich viel verändert, sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht. Sie war stolz, beim FBI zu sein und glücklich, dass sie Matt gefunden hatte. Hayley krönte das Ganze nur noch. Wenige Jahre zuvor hätte sie sich nicht träumen lassen, dass sie es einmal so weit schaffen und sogar ein Kind haben würde. 


Und ihr dreißigster Geburtstag wurde nun auch groß gefeiert. Phil, Amelia und Alyssa hatten die Gelegenheit genutzt und sie ebenfalls in die Heimat begleitet, aus Patterson wurde Matts Vater erwartet, von Sadies übriger Verwandtschaft und ihrer besten Freundin ganz abgesehen. Matts Schwester Tammy jedoch schaffte es zu Sadies Bedauern nicht. 


Libby wollte wieder einmal für alle Gäste backen, das bereitete ihr große Freude. Im Vorfeld hatte sie Rezepte ausgesucht und Norman hatte alle Zutaten besorgt. Matt ging Libby ein wenig zur Hand, damit Norman die Chance hatte, sich zusammen mit Sadie ein wenig um Hayley kümmern zu können. Das kleine Mädchen wollte immerzu Rustys weiches Fell anfassen, was der treue Hund sich auch geduldig gefallen ließ. 


Während Sadie noch überlegte, ob sie das Thema Fanny erneut anschneiden sollte, klingelte ihr Handy. Sie hatte eine Nachricht von Tessa erhalten, die sie gleich gespannt öffnete. 


Sorry Süße, ich habe ziemlich üble Migräne, die ich nicht los werde. Ich werde es heute nicht schaffen, so kann ich nicht mal Auto fahren. Wenigstens kümmert Lindsay sich rührend um mich. Wir holen das nach! Und alles Gute. Tessa xx


Sadie las die Nachricht erneut. An einem Satz blieb sie erneut hängen: Wenigstens kümmert Lindsay sich rührend um mich. Davon abgesehen, dass er einen üblen Beigeschmack bei ihr hinterließ, verriet er ihr auch etwas. 


„Du machst ja ein Gesicht“, sagte Norman zu ihr. „Was ist los?“ 


Wortlos reichte Sadie ihm ihr Handy, so dass er die Nachricht selbst lesen konnte. Er war kaum fertig, als er fragend aufblickte. 


„Wer ist Lindsay? Hieß ihre Freundin nicht Sylvie?“ 


„Hieß sie“, bestätigte Sadie. „Die Vorgängerin. Zu Tessas Geburtstag im Januar waren sie noch zusammen, aber inzwischen ist dem wohl nicht mehr so.“ 


„Das wusstest du?“, fragte Norman überrascht. Tessa als Sadies beste Freundin war ihm schon vor vielen Jahren ans Herz gewachsen, weil sie immer treu zu Sadie gestanden hatte. In der Schule war sie es gewesen, die sich der schüchternen Neuen angenommen hatte. Sie hatte immer Spaß mit Sadie gehabt, sie nach ihrem Selbstmordversuch im Krankenhaus besucht und wieder aufgebaut, sie motiviert, sie zur Bewerbung beim FBI ermutigt und über all die Jahre ihre Freundschaft gepflegt. Norman schätzte Tessa sehr und es gab vieles, das er ihr hoch anrechnete. 


„Ich weiß nicht viel“, sagte Sadie. „Alles, was ich weiß, hat sie mir in unserem Telefonat gesagt, in dem ich sie für heute eingeladen habe. Sie hatte nicht viel Zeit und ich habe sie nur auf dem Handy erreicht, weil sie da mitten im Umzug war.“ 


„Ich erinnere mich“, sagte Norman. Sadie hatte ihm kurz davon erzählt. 


„Sie ist jetzt also in San Francisco?“, fragte er weiter. 


„Ja, sieht wohl so aus. Als ich mit ihr telefoniert habe, war mein letzter Stand, dass sie ihr Abschlusszeugnis bekommen und bei einigen Firmen im Silicon Valley Bewerbungen laufen hatte.  Sie wollte gern zu einem der Tech Ventures. Am Telefon sagte sie mir dann, dass sie einen Vertrag bei einer Firma für Internetsicherheit unterschrieben hat und gerade mit dem Umzugswagen auf dem Weg von Livermore nach Frisco ist. Als ich sie fragte, ob Sylvie mit dabei ist, hat sie das verneint und sagte, ihre Beziehung zu Sylvie liege gerade auf Eis.“


„Oh“, machte Norman. 


„Ja, sie sagte, Sylvie wollte nicht aus Livermore weg. Was ich verstehen kann, sie arbeitet ja auch dort. Für Tessa gab es da aber wohl keine Diskussion, deshalb hat sie eine Beziehungspause vorgeschlagen und sich allein eine Wohnung in der Bay Area gesucht.“ 


„Nicht billig.“ 


„Habe ich mir auch gedacht … sie hat mir nicht gesagt, wo genau. Sie sagte aber, dass sie jemanden kennengelernt hat. Ich weiß nur, dass sie Lindsay heißt und auch in der Bay Area wohnt. Mehr kann ich dir nicht sagen.“ 


Norman zog die Augenbrauen hoch. „Was ist denn da los?“ 


Sadie zuckte mit den Schultern. „Ich bin davon ausgegangen, dass sie mitten im Umzug einfach Stress hat und es mir später erzählt, vielleicht heute. Aber bislang ist das nicht passiert.“ 


In diesem Moment kam Matt mit mehligen Händen aus der Küche. „Norman, wir sind auf der Suche nach einem Pinsel.“ 


Norman zog die Brauen hoch. „Ein Pinsel … lass mich mal nachsehen.“ Mit diesen Worten stand er auf und ging in die Küche. 


„Was machst du denn für ein Gesicht?“, wandte Matt sich dann an seine Frau. 


Sadie seufzte tief. „Tessa hat vorhin für heute abgesagt.“ 


Fragend runzelte Matt die Stirn. „Warum denn das?“ 


„Migräne. Die hatte sie früher schon mal ganz übel.“ 


„Hm“, machte Matt. „Hat sie dir geschrieben?“ 


Als Sadie bejahte, bat er sie, ihm die Nachricht einmal zu zeigen, und zog dann fragend eine Augenbraue in die Höhe. 


„Was soll denn der Satz mit Lindsay?“ 


„Der ist mir auch aufgefallen“, sagte Sadie. 


„Merkwürdig. Sieht ihr gar nicht ähnlich.“ 


Sadie zuckte mit den Schultern. „Hältst du es für eine Ausrede?“ 


„Ich weiß es nicht, aber der Satz mit Lindsay ist doch überflüssig. Klingt eher danach, als hätten die beiden großen Spaß miteinander …“ 


„Ich traue Tessa nicht zu, dass sie mich an meinem dreißigsten Geburtstag versetzt.“ 


In diesem Moment kehrte Norman ins Wohnzimmer zurück. „Der Pinsel ist jetzt da.“ 


Matt bedankte sich bei ihm und ging wieder in der Küche. Das trug nicht gerade dazu bei, dass Sadie sich besser fühlte. 


Norman blickte Matt hinterher. „Er glaubt es ihr nicht?“ 


Sadie zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich will gerade auch nicht darüber spekulieren.“ 


„Hast Recht“, sagte ihr Onkel. 


Stattdessen beschloss Sadie, Tessa zu antworten. Meine beste Freundin wird mir an meinem dreißigsten Geburtstag sehr fehlen. Gute Besserung.  


Sie legte ihr Handy wieder weg und beobachtete Hayley, die vergnügt auf dem Teppich spielte. Erst eine ganze Weile später fiel ihr auf, dass keine Antwort mehr von Tessa kam. Daraus wollte sie jedoch nichts ableiten, denn auch, wenn sie Migräne nicht aus persönlicher Erfahrung kannte, wusste sie doch von Tessa, dass man sich dabei am liebsten vergraben wollte. Einen Stich versetzte diese Absage ihr jedoch trotzdem. 


Sie kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, da es an der Tür klingelte. Weil Sadie gerade nichts Besseres zu tun hatte, ging sie zur Tür und achtete weiter mit einem halben Auge auf Hayley. Dann öffnete sie ihrer Kusine Joanna, die mit Tochter Michelle und Freund Jackson eingetroffen war. 


„Hey“, begrüßte Jo Sadie erfreut und umarmte sie. „Alles Gute zum Geburtstag!“


„Danke“, sagte Sadie. „Schön, dass ihr schon hier seid.“


Auch Jackson begrüßte sie freundlich und Michelle beeindruckte Sadie immer wieder. Die Kleine war nun schon fast zwei – ihr Geburtstag war am nächsten Tag. Das konnte Sadie unmöglich jemals vergessen. 


Joanna und Jackson begrüßten die anderen, während Michelle ganz erstaunt zu Hayley blickte. Jo musste sie ermutigen, ihrer Cousine Hallo zu sagen. Sadie konnte das Fremdeln des Mädchens verstehen, dafür sahen sie einander zu selten. 


„Wahnsinn, wie groß sie schon ist“, sagte Joanna über Hayley. „Anfangs wachsen Kinder so unfassbar schnell … tut Michelle ja immer noch.“ 


„Das geht ja auch noch eine ganze Weile so weiter.“ 


Sie setzten sich zusammen und plauderten über Kinder. Damit hatte Sadie gerechnet und es war okay für sie. Natürlich setzte es sich fort, als wenig später Gary mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen dazu stieß. Im trauten Kreis der Familie zu sitzen, fühlte sich ganz wunderbar für Sadie an. 


Sandra kümmerte sich schließlich ums Mittagessen, wobei Joanna ihr zur Hand ging. Libby war inzwischen fertig mit der Vorbereitung der Kuchen, die nun im Ofen standen. Bald duftete es köstlich im ganzen Haus – nach Kuchen und Mac and Cheese zugleich. Sadie wurde warm ums Herz, als sie sah, wie ausgelassen Libby mit Ben, Nicolas, Michelle und Hayley spielte. Es war so viel Leben im Haus – oder vielmehr im Garten, denn inzwischen tollten die Kinder mit Rusty draußen. 


Bevor das Mittagessen fertig war, packte Sadie ihre Geschenke aus. Es rührte sie, welche Mühe die anderen sich gemacht und wie liebevoll sie an sie gedacht hatten. Als sie schließlich zusammen am Tisch saßen, sagte sie das auch laut. 


„Man wird nur einmal dreißig“, sagte Gary schließlich mit einem ehrlichen Lächeln. „Genieße es. Ab jetzt geht es bergab!“ 


Lautes Gelächter war die Antwort. Mit halbem Auge beobachtete Sadie, wie die kleinen Kinder fröhlich im Essen matschten. Das hatte Hayley auch getan, als Matt sie vor dem Mittagessen noch mit Brei gefüttert hatte. 


In diesem Moment tat es Sadie leid, dass sie mit Matt und den Kindern so weit entfernt in Los Angeles lebte. Solche Momente hätte sie nur zu gern öfter erlebt, aber auch, wenn es eine FBI-Dienststelle im dreißig Minuten entfernten Modesto gab, war sie dort als Profilerin auf verlorenem Posten. Und von Waterford nach San Francisco waren es hundert Meilen, das war keine diskutable Option. Zwar hätte sie in San Francisco leben und arbeiten können, aber nun besaßen sie das Haus in Los Angeles und Wohnraum in San Francisco war noch viel teurer als in L.A., vor allem auch aufgrund des Silicon Valley. Irgendwie war das alles keine Lösung. 


Sie kam nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, weil Sandra sie ansprach. Sadie erzählte, dass sie noch einen Tag länger bleiben und erst Montag Nachmittag nach Hause fahren würden. Dafür waren sie aber auch Samstag erst gekommen. Sonntags lag ihr Geburtstag in diesem Jahr nicht so günstig wie im letzten. 


Sie waren noch nicht lang mit dem Essen fertig, als Matts Vater eintraf. Sadie freute sich sehr, ihn zu sehen. Seit Hayleys Geburt war Mr. Whitman ihr gegenüber nicht mehr nur freundlich, sondern ausgesprochen herzlich. Den Grund war ihr klar, als sie sah, wie Matt mit seinem Vater bei Hayley saß und Mr. Whitman verzückt seine Enkelin beim Spielen beobachtete. 


Es war idyllisch. Sadie liebte solche Momente und würde sie niemals als selbstverständlich annehmen, denn sie wusste, dass dem nicht so war. Als wenig später Phil mit seiner Familie eintraf, fühlte sie sich gleich wieder an ihr Leben und ihren Alltag in Los Angeles erinnert – was nicht schlecht war, aber jetzt in Waterford zu sein, schürte eine bisher nicht gekannte Sehnsucht nach einer gewissen Einfachheit. 


Man überreichte ihr tolle Geschenke, gratulierte ihr von Herzen und die 30 auf einem von Libbys tollen Kuchen erinnerte sie daran, warum sie eigentlich dort war. Dreißig Jahre und sie war nun beim FBI und Mutter. Es gab vieles, auf das sie stolz sein konnte. 


Um Hayley musste sie sich an diesem Tag nicht kümmern, überall war jemand, der auch noch etwas von der Kleinen erhaschen wollte. Dafür war Sadie alles andere als undankbar. 


Als die anderen ihr das unvermeidliche Ständchen gebracht hatten, setzten sie sich gemeinsam an den Kaffeetisch. Anschließend schnappte sich Sadie doch einmal selbst ihre Tochter und ging mit Hayley auf dem Arm nach draußen auf die Veranda. Wenige Minuten später tauchte Phil neben ihr auf. 


„Amelia gefällt es hier“, sagte er. „Aber ich mag es auch immer wieder. Los Angeles ist so riesig und laut.“


Sadie grinste. „Genau diese Gedanken habe ich mir vorhin auch gemacht. Liegt das an unseren Kindern?“ 


„Vielleicht“, sagte Phil. 


„Alyssa macht sich gut.“ 


„Erstaunlicherweise. Sie kriegt schon den ersten Zahn, da hatten wir die Tage ziemliches Geschrei.“


„Oh, ich erinnere mich an das Elend“, sagte Sadie. 


„Es ist schön, dass die beiden in einem ähnlichen Alter sind.“ 


„Das stimmt. Auch wenn vier Monate gerade noch ein sehr großer Unterschied sind.“


„Ja … das, was deine Tochter schon kann, möchte Alyssa gern.“ 


Sadie lächelte und gab Hayley einen Kuss auf die Wange. 


„Kommt Tessa eigentlich nicht?“, fragte Phil. 


„Nein … sie hat abgesagt. Migräne.“


„Schade. Hat sie Probleme damit?“ 


„Ja, gelegentlich. Ist so ein Frauenproblem, wenn du verstehst.“ 


„Ah“, machte er wissend. „Damit kenne ich mich inzwischen besser aus, als mir lieb ist!“ 


Sadie grinste. „Wir Frauen sind nicht zu beneiden, was?“ 


„Ach, wir Männer auch manchmal nicht … was macht Tessa eigentlich gerade? Du hast mir nur erzählt, dass sie nicht mehr mit ihrer Freundin zusammen ist und nach San Francisco zieht.“ 


Sadie nutzte die Gelegenheit, ihm etwas detaillierter davon zu erzählen, so dass er schließlich nickte. 


„Klingt ganz danach, als befände sie sich im Umbruch“, schloss er. 


„Ja, sehr. Im Moment macht sie sich wirklich sehr rar.“ 


„Siehst du eure Freundschaft in Gefahr?“ 


„Nein, aber sie fehlt mir gerade. Und wenn ich mal überlege, dass ihr extra aus Los Angeles mitgekommen seid …“


„Hey.“ Ungeachtet der Tatsache, dass Hayley immer noch auf Sadies Arm saß, umarmte Phil seine Freundin. „Tessa ist vielleicht deine beste Freundin, aber sind wir nicht mindestens genauso gut befreundet? Vielleicht nicht so lang. Aber du hast mir schon das Leben gerettet.“ 


„Du hast meins auch schon gerettet, Phil. Du hast … nein, lass uns nicht wieder davon anfangen. Ich bin dir einfach weiterhin dankbar.“ 


Er lächelte. „Gern geschehen.“ 


„Danke, Phil.“ 


 


Er klopfte ihr auf die Schulter, was in diesem Moment guttat. Tessas unpersönliche Absage hatte sie härter getroffen, als sie wahrhaben wollte. Umso schöner war es, zu wissen, dass sie noch andere tolle Freunde hatte. 




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