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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Die Seele des Bösen, Dania Dicken
Dania Dicken

Die Seele des Bösen


Blut, Angst und Tränen

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Sie hatte gerade beschlossen, sich ein wenig vor den Computer zu setzen und sich dort die Zeit zu vertreiben, als ihr Handy klingelte. Sie rechnete mit einem Anruf von Matt, aber auf dem Display stand Nicks Name. Sadie war überrascht über einen Anruf ihres Chefs am Sonntag. 


„Nick. Was kann ich für dich tun?“ 


„Gut, dass ich dich erreiche, Sadie. Es tut mir leid, dich heute zu stören, aber es geht nicht anders.“ 


„Was ist los?“ fragte sie. 


„Wir haben hier einen Fall auf dem Tisch, wegen dem ich dringend mit dir sprechen muss. Kannst du nach Quantico kommen?“ 


„Klar ... worum geht es?“ 


„Ein Serienmörder in Pennsylvania. Alexandra hat mir vorhin deshalb Bescheid gesagt. Lass uns gleich darüber sprechen, okay?“ 


„Sicher. Ich komme nach Quantico. Gib mir eine halbe Stunde.“ 


„Kein Problem. Bis gleich.“ 


Irritiert legte Sadie auf. Wenn Nick sie sonntags ins Büro bat, musste es wirklich wichtig sein. Das tat er normalerweise nie. Schnell zog sie sich andere Sachen an, packte ihr Handy und ihr Portemonnaie ein und machte sich auf den Weg. Sonntags war wenig los auf den Straßen, deshalb brauchte sie nicht lang bis nach Quantico. Sie war froh, dass der Weg nicht so weit war. 


Es war kurz nach halb vier, als sie sich auf den Weg ins Gebäude machte. Auch sonntags arbeiteten dort Menschen, deshalb war sie nicht ganz allein. Mit ihrem Ausweis verschaffte sie sich Zutritt und fragte sich während der Fahrt nach oben, warum Nick sie wohl alarmiert hatte. Ausgerechnet sie ... Es hatte nicht so geklungen, als hätte er alle angerufen. 


Mit pochendem Herzen betrat sie das große Büro der BAU, konnte aber auf Anhieb niemanden dort entdecken. Deshalb ging sie gleich zu Nicks Büro. Noch bevor sie dort eintraf, hörte sie seine Stimme. Im Türrahmen blieb sie stehen und klopfte. 


Nick saß an seinem Schreibtisch, Alexandra stand neben ihm. Beide hatten die Köpfe über irgendwelchen Unterlagen zusammengesteckt. 


„Sadie“, sagte Nick und gab ihr mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie hereinkommen sollte. Sie setzte sich vor seinen Schreibtisch und er schob ihr den Stapel Blätter hin, den er sich gerade noch mit Alexandra angesehen hatte. 


Gleich obenauf lag das Foto einer toten jungen Frau. Auf ihrem Körper war Blut getrocknet. Viel Blut. Ihre toten Augen starrten reglos ins Nichts. Auch auf dem recht kleinen Foto konnte Sadie eine starke Rötung der Augen erkennen, außerdem entdeckte sie Würgemale an ihrem Hals. Die Tote hatte Hämatome an den Beinen, Schnitte auf dem ganzen Körper, verfilzte Haare und einen ganz verzerrten Gesichtsausdruck. Das waren die Spuren wochenlanger Folter. 


Noch sagte Sadie nichts. Sie blätterte vorwärts und entdeckte weitere Fotos der jungen Frau. Sie lag an einem Flussufer, war voller Schmutz. Sie schien eine Weile im Wasser gelegen zu haben. An den Hand- und Fußgelenken hatte sie Schürfwunden, die von Fesseln stammen mussten. 


Erneut blätterte Sadie weiter. Es gab weitere Fotos der jungen Frau und eine Kopie vom Obduktionsbericht, die Sadie nur überflog. Sie las Erwürgen und Vergewaltigung, was ihr schon reichte. Die übrigen Spuren der Misshandlung hatte sie ja gesehen. Da hatte sich jemand ausgetobt. 


Auf der nächsten Seite erwartete sie das Foto einer weiteren jungen Frau. Auch sie hatte Würgemale am Hals, geplatzte Äderchen in den Augen, Fesselmale, Wunden und viele andere Verletzungen, die denen der ersten Frau ähnelten. Beide waren brünett und jung, wahrscheinlich keine zwanzig. 


Sadie hatte schon den Mund offenstehen, um Nick eine Frage zu stellen, als er ihr wortlos ein weiteres Blatt hinschob. Stumm begann Sadie, zu lesen. 


 


Carrie Ambrose und Stacy Parks waren erst der Anfang. Die Polizei hat nicht die geringste Ahnung, wer ich bin. Die tappen völlig im Dunkeln. Vielleicht sollten sie die Profiler des FBI einschalten - ich wäre gespannt, zu hören, was die über mich denken. Und die sollten sehen, in wessen Fußstapfen ich trete. Ich würde mich freuen, wenn Sie über mich als den Pittsburgh Strangler schreiben. Die Stadt sollte sich auf weitere entführte Frauen einstellen, ich habe gerade erst angefangen. Findet mich doch. 


 


Sadie hob den Blick. „Was ist das?“ 


„Das ist ein anonymer Brief, der gestern beim Pittsburgh Tribune eingegangen ist. Eine Reporterin hat sich dahintergeklemmt und sowohl mit der Polizei als auch mit Alexandra gesprochen. Die beiden toten Frauen, die du da siehst, sind Carrie Ambrose und Stacy Parks. Stacy wurde im Oktober entführt, wochenlang gefangengehalten und schließlich ermordet. Gefunden wurde sie vor sieben Wochen. Nach Weihnachten ist auch Carrie Ambrose verschwunden. Ihre Leiche wurde vor drei Wochen entdeckt.“


„Und warum soll ich mir das ansehen?“, fragte Sadie ehrlich verwirrt. 


Nick seufzte. „Es gibt einiges an dem Fall, das mir Sorgen macht. Natürlich sind entführte, vergewaltigte und erwürgte Frauen kein Alleinstellungsmerkmal, aber wenn du dir die Obduktionsberichte genauer ansiehst, solltest du sehen, dass da nicht irgendein Irrer am Werk ist. Wirklich Sorgen macht mir jedoch dieser Brief.“ Er holte tief Luft und beugte sich vor. „Warum schickt ein Serienmörder einen Brief an eine Zeitung, in der er nach der BAU fragt? Warum sollte er das tun?“ 


„Verbrecher, die sich in der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sonnen, gibt es doch nicht erst seit dem Unabomber“, erwiderte Sadie. 


„Natürlich nicht ... aber lies mal weiter. Er tritt in die Fußstapfen von jemandem und nennt sich selbst den Pittsburgh Strangler.“ Ernst sah Nick sie an. Sadie begriff langsam, worauf er hinaus wollte. 


„Du siehst einen Zusammenhang mit dem Oregon Strangler“, mutmaßte sie. 


„Und ob ich den sehe. Er entführt die Frauen, hält sie wochenlang gefangen ... im Falle von Stacy ging das von Oktober bis Dezember. Und kaum hatte er sie umgebracht, hat er sich Carrie geholt und sie im Februar umgebracht. Das sind jeweils acht oder zehn Wochen. Die beiden haben gehungert, wurden geschlagen, gebissen, geschnitten, mit Elektroschocks gefoltert, vergewaltigt und schließlich erwürgt.“ Er holte tief Luft. „Da kopiert jemand deinen Vater, Sadie.“ 


Sie nickte nachdenklich, während sich die Härchen in ihrem Nacken aufrichteten. „Sieht irgendwie so aus.“ 


Nick war erstaunt über diese Reaktion. „Mehr sagst du nicht dazu?“ 


„Was soll ich dazu sagen? Ich hab doch auch keine Ahnung, wer der Kerl ist und warum er das tun sollte.“


„Schon klar, aber ...“ Nick wusste nicht, wie er es formulieren sollte. „Ich verstehe alles an diesem Brief. Er macht uns darauf aufmerksam, dass er jemanden nachahmt und indem er sich selbst Strangler tauft, verrät er uns auch, wen er kopiert. Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Seltsam finde ich aber, dass er gezielt nach uns Profilern fragt.“ 


„Wieso? Wenn er sich mit uns duellieren will ... das hat es doch auch schon gegeben. Typen, die den Ermittlern zeigen wollen, dass sie schlauer sind“, sagte Sadie. 


„Natürlich, da hast du recht. Aber ich bin schon zu lange Profiler, um nicht zwischen den Zeilen zu lesen.“ Nick kräuselte die Lippen. „Ich habe Angst, dass er von dir weiß, Sadie. Dass er nicht nach uns Profilern als solche gefragt hat, sondern dass er weiß, dass die Tochter des Oregon Stranglers bei der BAU arbeitet.“ 


Sadie lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und zog fragend eine Augenbraue hoch. „Das meinst du nicht im Ernst.“ 


„Ich weiß es nicht, Sadie, aber das macht mir Sorgen. Ich glaube nicht an Zufälle.“


„Wenn er wüsste, wer ich bin, hätte er gezielt nach mir fragen können“, hielt Sadie dagegen. 


„Das könnte Teil seines Spiels sein.“ 


„Ja, aber wer soll er sein?“ 


„Das ist eben die Frage“, sagte Nick bedeutungsvoll. „Ich weiß, ich bin auch dahintergekommen. Ich habe selbst herausgefunden, wer du bist, so wie Matt und dein Kollege. Man kann das herausfinden, wenn man weiß, wo man suchen muss. Vielleicht ist es aber auch viel einfacher als das. Vielleicht ist er jemand, der mit uns zusammenarbeitet oder den du kennst, Sadie. Jemand aus unserem Umfeld, für den das sowieso kein Geheimnis war.“


„Nick ...“ Sie seufzte ergeben. 


„Ich meine das ernst, Sadie. Ich habe nur einfach Angst, dass er dich im Visier hat.“ 


„Du bist ja paranoid. Glaubst du das wirklich?“ 


„Ich weiß es nicht, aber wir haben schon bei deinem Vater fälschlicherweise geglaubt, dass er dir nichts anhaben kann. Dass wir dich vor ihm beschützen, dass dein Freund ein Auge auf dich hat. Aber jetzt ist Matt nicht mal in deiner Nähe.“ 


Sadie schüttelte den Kopf. „Nick, hör auf damit. Mir stellt kein verrückter Serienmörder nach, das kannst du nicht ernst meinen. Du interpretierst viel zuviel in diesen Brief hinein!“ 


„Und was, wenn nicht?“ erwiderte Nick. 


Sadie starrte ihn an. „Du meinst das wirklich ernst, oder?“ 


„Ich sehe das ähnlich“, sprang Alexandra ihm zu Hilfe. „Als ich mit der Journalistin telefoniert habe, war das ehrlich gesagt gleich mein erster Gedanke. Ich habe mich sofort gefragt, warum der Kerl so gezielt von uns spricht. Die BAU und der Strangler in einem Atemzug ... ich musste auch gleich an dich denken.“ 


„Okay“, sagte Sadie. „Lassen wir das mal so dahingestellt. Warum sollte ich herkommen, Nick? Deshalb?“ 


„Nicht nur“, sagte Nick. „Wir sollten uns diesen Fall generell ansehen, denn wenn der Kerl schon ankündigt, dass er weitermacht, macht er weiter. Wir wissen noch nicht, ob er nicht längst ein neues Opfer hat. Das ist möglich. Wir müssen ihn stoppen, so oder so. Ich hatte aber gehofft, dass du etwas Nützliches dazu beisteuern kannst.“ 


Sadie seufzte tief. „Du solltest Andrea Thornton fragen und nicht mich. Sie ist die Expertin für Sexualsadisten.“ 


„Ja, ich telefoniere auch noch mit ihr, dazu bin ich bislang nicht gekommen. Ich hatte nur gehofft, dass dir etwas auffällt, denn immerhin ahmt er deinen Vater nach“, betonte Nick. 


„Du vergisst, dass ich in meinem Vater immer den Mörder meiner Familie gesehen habe“, wandte Sadie ein. „Das war jahrelang so. Dass er ein Sexualsadist war, hat mich erst interessiert, als ich studiert habe. Ich kann dazu wenig sagen, ich war nicht dabei.“ 


„Bei allem Respekt ...“ Nick zögerte. „Du warst dabei. Du hast ihn als den Sadisten erlebt, der er war.“


„Meinst du?“ fragte Sadie skeptisch. „Er hatte noch gar nicht richtig angefangen.“ 


„Ja, aber das ist dir zum Beispiel schon mal klar. Du kannst das einschätzen. Ich könnte verstehen, wenn du ablehnst, aber ich wäre für deine Hilfe sehr dankbar.“ 


„Die hast du. Ich will nur nicht, dass du dir zuviel erhoffst.“ 


„Tue ich nicht“, sagte Nick. „Ich weiß noch nicht, wen ich darüber hinaus mitnehmen will, aber ich würde gern morgen früh nach Pittsburgh fliegen. Wäre toll, wenn du mitkommst.“ 


„Kein Problem. Dann bist du auch beruhigt“, sagte Sadie. Nick blieb jedoch ernst. 


„Ich bin einfach vorsichtig. Sollte sich herausstellen, dass ich voreilig war, kann ich damit leben. Aber wir müssen wissen, was der Kerl will und wir sollten öffentlichkeitswirksam agieren, damit er wieder Kontakt mit uns aufnimmt. Dadurch wird er uns einiges verraten.“ 


Sadie nickte. „Kann ich Unterlagen mitnehmen? Dann schaue ich mir das schon mal an.“ 


„Von mir aus. Tut mir auch leid, dass ich dich heute damit behellige, aber ich fand das wichtig.“ 


„Nicht schlimm“, sagte Sadie. „Du weißt, ich bin immer für das Team da.“ 


Nick lächelte und schob ihr die Unterlagen hin. „Ich habe das alles nochmal. Das kannst du ruhig mitnehmen.“ 


„Okay, danke“, sagte Sadie. „Wenn es das war, sehen wir uns morgen.“ 


 


Dormer nickte und damit verabschiedete Sadie sich. Sie kehrte allerdings nicht zu ihrem Auto zurück, sondern hielt geradewegs auf die Unterkünfte zu. Sie wollte nicht warten, bis Matt zu ihr kam. Jetzt war sie ohnehin gerade in seiner Nähe. 




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