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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Die Saat der Väter, Andreas Schneider
Andreas Schneider

Die Saat der Väter



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Besitz alkoholhaltiger Lebensmittel und deren Herstellung verboten.
Gestern tagte erneut das Ministerium für Rechte.
Wie wir berichteten, wurden schon vor einiger Zeit Forderungen im Parlament laut, per Gesetz den einzelnen Bürger vor den Folgen des Alkoholgenusses zu schützen. Daraufhin stellte Fizekanzler Rolf Ehrlich den Antrag, über einen derartigen Gesetzesentwurf zu diskutieren, zu beraten, welche Möglichkeiten es gibt und was in dieser Rechtsverordnung enthalten sein soll.
Über mehrere Monate hinweg wurden zähe Verhandlungen geführt, die stets hinter verschlossenen Türen stattfanden. Alle Beteiligten schwiegen sich über den Inhalt der Besprechungen aus, es sickerte nichts nach außen durch.
Völlig unerwartet öffnete gestern Abend, kurz nach zweiundzwanzig Uhr, nach einem Verhandlungsmarathon von vierzehneinhalb Stunden, Vizekanzler Rolf Ehrlich die bis dahin verschlossene Tür eines Besprechungsraumes im Grand Hotel, trat vor die Presse und verkündete: "Wir haben es geschafft. Wir haben einen Gesetzesentwurf erarbeitet, der jeden einzelnen unserer Bürger vor dem Körper- und Organschädigendem Alkohol schützen soll. Der Erlass sieht vor, den Besitz von Alkohol in jeglicher Form, dessen Herstellung und Veräußerung zu untersagen. Wir sind davon überzeugt, nur durch diese drastischen Maßnahmen die Menschen in unserem Land schützen zu können."
Auf die Frage hin, wer das neue Gesetz überwachen soll (im Hinblick auf chronisch unterbesetzte Polizeistationen), sprach sich Ehrlich für eine Erweiterung der Überwachungskompetenzen des Staates aus. Denkbar wäre es auch, die in privaten Haushalten aufgestellten Computer mittels so genannten Trojanern zu kontrollieren. Er sei zuversichtlich, dass unsere Mitbürger Verständnis für diese Maßnahme haben werden.
Weiterhin meinte der Vizekanzler, sei ihm bewusst, mit diesem Gesetz eine Vorreiterrolle in der Welt geschaffen zu haben. Sicherlich werden auch andere Staaten bald diesem Beispiel folgen.
Damit brach Ehrlich diese kurze Pressekonferenz ab und ließ weitere Fragen der anwesenden Reporter unbeantwortet.


*
Wartend stand Christian Pappel am Straßenrand. Hinter ihm erhob sich der Eingang zu einem Bowlingcenter.
Der Abend wird heute bestimmt seltsam sein, da die meisten Sportfreunde abgesagt hatten. Jeder hatte etwas anderes zu tun. Heute würden sie nur zu zweit spielen, normalerweise waren sie zehn Mann stark.
Plötzlich bog ein Auto in die Gasse ein, hielt vor Pappels Nase.
Die Fahrertür öffnete sich, Michael Meister stieg aus. "Sind wir heute allein?"
Pappel bestätigte. "Wollen wir trotzdem Bowlen?"
"Ja, klar. Ich fahre doch nicht umsonst hier her."
Der Arzt betrachtete Meisters Wagen. Schon wieder ein neues Fahrzeug, dachte er.
Meister wechselte die Autos wie andere Leute ihre Hemden.
Routiniert stellten die Beiden den Computer der Bowlingbahn ein. Sie brauchten keine Hilfe.
Die Bedienung tauchte auf, musterte sie. "Heute ganz alleine? Darf ich dasselbe wie jede Woche bringen?"
So ist das Leben, dachte Pappel. Es ist immer derselbe Trott. Er nickte der jungen Frau zu. Meister wollte diesmal doch etwas anderes und verschwand in Richtung Bar.
Auf der Nebenbahn flogen die schweren Kugeln mehr als sie rollten ihrem Ziel entgegen.
Die Jugendlichen lachten, lärmten, schrieen sich die Seele aus dem Leib. Sicherlich feierten sie etwas. Um welche Art Party es sich handelte, blieb dem Arzt schleierhaft.
Meister kehrte zurück, setzte seine Kugel: Strike!


Pappel konnte sich nicht konzentrieren, sein Spiel stand schlecht.
"Was ist los mit dir?", wollte Meister wissen.
"Das ist heute einfach nicht mein Tag", brummte der Arzt. "Heute starb ein junger Patient an einem Herzinfarkt. Ich weiß allerdings nicht, was den Infarkt auslöste. Die physischen Vorraussetzungen für ein solches Risiko waren nicht gegeben. Es lässt sich einfach nicht nachvollziehen."
Meister war verstummt.
"Ich kannte den Jungen von Kindesbeinen an. Er war immer bei mir in Behandlung. Nie habe ich bei Kontrolluntersuchungen irgendetwas Negatives festgestellt. Er war kerngesund."
Am Nebentisch wurde es laut. Die jungen Menschen hatten einen Kreis um einen der Ihren gebildet, feuerten ihn an. Er hatte eine Flasche an den Lippen, kippte den Inhalt in sich hinein.
"Was zu Teufel …", schimpfte Pappel, als im selben Moment der angefeuerte junge Mann umfiel, wie ein nasser Sack.
Schnell schob sich der Arzt durch die herumstehenden Leute. In allen Gesichtern zeigte sich der Schock und die Sorge um den Kameraden.
Pappel brachte den Mann in die stabile Seitenlage, kontrollierte Puls und Atmung.
"Ruft den Rettungsdienst!"
"Schon geschehen", antwortete Meister irgendwo im Hintergrund und steckte sein Handy in die Tasche zurück.
Warum war der Junge zusammengebrochen, fragte sich Pappel. Der Kranke konnte höchstens zwanzig Jahre alt sein.
Plötzlich bemerkte er etwas: Der Geruch! Noch einmal beugte er sich nach von, schnupperte die Atemluft des am Boden liegenden. Das ist doch …
"Wo ist die Flasche?"
"Welche Flasche?", antwortete jemand scheinheilig.
"Willst du deinem Freund helfen oder soll er hier verrecken?" Kalt sah Pappel den Vorwitzigen an. Ein anderer übergab ihm zögernd die geforderte Flasche.
"Woher habt ihr das Zeug?"
Niemand antwortete.
"Whiskey, echter Whiskey …", murmelte er fassungslos.


Der Rettungswagen bretterte mit Sirene und Blaulicht in die Straße, hielt abrupt vor dem Center.
Einer der Sanitäter erkannte Pappel. "Haben Sie schon eine vorläufige Diagnose stellen können?"
"Alkoholvergiftung", brummte der Arzt.
Verdattert sah ihn sein Kollege an. "Das kann nicht sein. Wo soll denn der Alkohol herkommen. Es gibt keinen mehr."
Wortlos zeigte Pappel dem Sanitäter die Flasche. Bis auf einen kleinen Rest war sie leer.


Als der Junge abtransportiert wurde, erschien die Polizei. Niemand durfte den Raum verlassen. Der ältere der Beamten hielt eine kleine Ansprache: "Ich bin Kriminalhauptkommissar Frank Martin. Das ist mein Kollege Olaf Krüger. Wir sind hier, weil sich einige von Ihnen an Alkohol berauschten. Leider müssen wir nun wegen Verdacht auf Alkoholschmuggel und unerlaubten Besitzes von Alkohol ermitteln.
Wir werden jeden Einzelnen befragen. Was danach geschieht, wird individuell entschieden."
So teilten sich die Kommissare die Arbeit auf.
Pappel wurde zu Frank Martin gerufen, Meister setzte sich Olaf Krüger gegenüber.
Alle anderen warteten an der Bar.
Christian Pappel erzählte, was sich an diesem Abend zutrug, wie er dem Mann bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes half und wie er darauf kam, dass Alkohol im Spiel war. Während des Gespräches holte der Kommissar nun schon das zweite Eukalyptusbonbon ans seiner Tasche.
"So viele Bonbons sind aber nicht sehr gesund, Herr Kommissar."
Martin wischte die Bemerkung beiseite, tat, als hätte er sie nicht gehört.
Kurze Zeit später standen die beiden Bowlingspieler auf der Straße. Jeder hatte eine Visitenkarte von den Kommissaren bekommen mit der Bemerkung: "Falls Ihnen noch etwas einfallen sollte …"
"Das ist wie im Krimi", meinte Pappel kopfschüttelnd auf das kleine Kärtchen in seiner Hand blickend.


*
Frank Martins Schreibtisch quoll über. Leise fluchte er vor sich hin, während er in dem Papierhaufen nach einem Dokument fahndete.
Er hatte das Fenster geöffnet, machte sich mit einem Seufzer noch einmal daran, den Stapel umzuräumen. Irgendwo musste doch diese Zeugenaussage sein!
Wurde nicht im Zuge des Alkoholverbotes eine Personalaufstockung versprochen? Er hatte davon jedenfalls nichts mitbekommen.
Krüger polterte zur Tür herein. In dem kleinen überfüllten Büro entstand ein Wirbelsturm. Beinahe wären einige der Dokumente zum Fenster heraus gesegelt, Martin konnte sie gerade noch auffangen.
"Kannst du nicht anklopfen?"
Krüger sah seinen Kollegen und Mentor erstaunt an. Er hatte noch nie an diese Tür geklopft und Martin hatte es nie verlangt.
"Wir müssen los", sagte er statt einer Antwort.
Martin kroch auf dem Boden unter dem Schreibtisch herum und versuchte, das Chaos in Ordnung zu bringen.
"Was gibt’s denn? Wo sollen wir hin?", brummelte es von da unten herauf.
"Eine Razzia. Ich hole schon einmal den Wagen."
Krüger verließ den Raum. Er musste sich beeilen, der Audi parkte drei Wohnblöcke weiter.
Mehrere Stufen mit einem Mal nahm er auf dem Weg nach unten. Inge, die gute Fee des Präsidiums, konnte nicht schnell genug den Schalter betätigen, um die automatische Tür zu öffnen.
Es wurde ein Fiasko. Krüger hatte Mühe, sein Körpergewicht zu bremsen und krachte gegen das gläserne Tor. Als er bemerkte, dass einige Kollegen diesen Unfall gesehen hatten, wurde er rot.
Inge brach in schallendes Gelächter aus. Sie wetzte um den Tresen herum, gab ihm ein Papiertaschentuch, um die kleine Platzwunde an der Stirn abzutupfen.
Als Krüger vor der verhängnisvollen Tür hielt, stieg Martin mit einem Grinsen ein. Wütend gab Olaf Krüger dem Audi die Sporen.


*
"Worum geht es eigentlich? Warum sind wir hier?", fragte Kommissar Frank Martin erstaunt, als er sich in dieser ländlichen Gegend wieder fand. Es hatten sich einige Polizeiautos und ein Mannschaftsbus der Spezialeinheiten vor einem Bauernhof außerhalb der Stadt versammelt.
"Wir haben einen anonymen Hinweis bekommen, indem behauptet wird, da drin würde Alkohol hergestellt."
Martin sah seinen Kollegen verblüfft an. Gut, der Besitz und die Herstellung von Alkohol sind verboten worden, doch war das hier nicht übertrieben?
"Das ist noch nicht alles", fuhr der junge Kommissar fort. "Das Zeug wird da drin auch zu sich genommen, als sei dies eine Kneipe aus dem letzten Jahrhundert."
"Eine Razzia aus diesem Grund? Was ist mit der persönlichen Freiheit des Menschen?"
Kommissar Frank Martin fühlte sich nicht wohl in seiner Haut. Hatte er etwas Falsches gesagt? Krüger sah ihn voller Mitleid an. Kopfschüttelnd dachte der Kommissar: Die letzen Jahre bis zur Pension machen es mir nicht gerade einfach.
Plötzlich stürmten die Polizisten in das Innere des Vierseitenhofes. Krüger hatte irgendein verabredetes Zeichen gegeben.
Martin blieb beim Auto, sagte, er würde eventuell davonlaufende Personen aufhalten. Doch daran dachte er nicht einmal. Lässig lehnte er an dem dunklen Audi, holte aus seiner Hosentaschen ein Eukalyptusbonbon und murmelte: "Ich sollte ein Rücktrittsgesuch einreichen. Das geht mir zu weit!"


*
Es hatte nichts genutzt. Kommissariatsleiter Gunter Seifert hatte Martin überredet, doch noch die letzten drei Jahre bis zu seiner Pension zu arbeiten.
"Sie sind doch Kommissar mit Leib und Seele, haben sich vom kleinen Polizisten bis zur Kripo hochgedient. Das ist doch etwas ganz anderes, wie die junge Generation. Die kommen frisch von der Hochschule und glauben, alles zu können. Ich frage mich, was hier werden soll, sind die alten Kommissare erst einmal alle im Ruhestand.
Sie haben noch drei Jahre. In dieser Zeit lasse ich Sie nicht gehen. Sehen wir erst einmal, was Sie zum Zeitpunkt ihres Pensionsantritts sagen werden. Ich behalte Sie auch länger."
Acht Personen sind verhaftet worden. Zwei Destillierapparate, drei Weinfässer und Bier in rauen Mengen wurde beschlagnahmt.
Martin stieß die Tür zum Vernehmungsraum eins auf. Hier wartete der Besitzer des Bauernhofes.
Wie sollte der Kommissar den Mann in die Mangel nehmen, wo er doch selbst das Gesetz als zu streng, vielleicht sogar als überflüssig, ansah? Egal, es war schließlich sein Job. Er seufzte, schaute sein Gegenüber mitleidsvoll an. Dann betätigte er den Knopf, um den Rekorder zu starten.
"Sie heißen?"
"Daniel Weck."
"Wir haben Sie bei einer Razzia auf ihrem Bauernhof festgenommen. Sie stehen im Verdacht, alkoholische Getränke zu kaufen, herzustellen, zu verkaufen und eine Kneipe ohne Gewerbeschein zu betreiben.
Was haben Sie dazu zu sagen?"
"Stimmt!"
Martin glotzt den Mann an. Er war sprachlos. Hatte Weck damit ein Geständnis abgelegt? So etwas hatte der Kommissar in seiner Laufbahn noch nicht erlebt.
Es polterte. Krüger stand im Raum.
"Frank, du musst sofort abbrechen. In der Ostvorstadt gibt es eine Schießerei!"
Genauso schnell, wie er da war, war er auch wieder weg.
Martin fluchte: Was ging in diesem sonst so ruhigen Kaff vor? Die Verbrechensrate stieg sprunghaft an. Es wurde von Tag zu Tag schlimmer.
Er wetzte Krüger hinterher, ohne eine Antwort zu finden.


Martin stellte die Rundumleuchte auf das Dach des Audi, Krüger gab Gas. Der feine Kies vor dem Kommissariat spritzte durch die Kraft der Räder davon.
"Wagen elf, kommen!"
"Ja." Martin hasste diese Funkgeräte.
"Was heißt hier ja? Fahren Sie in Richtung Fichtestraße. Dort verfolgen einige Wagen einen Mörder. Er erschoss eben einen Mann auf offener Straße, Krankenwagen ist unterwegs. Ende."
"Zentrale! Brauche Verstärkung. Der Flüchtige rast mit über zweihundert Sachen über die Pestalozzistraße stadtauswärts."
Martin hörte verwundert zu. So etwas war hier noch nie passiert. Dieses Kaff war immer so schön ruhig und beschaulich gewesen.
"An alle Wagen! Sperrt die Zufahrt zur Autobahn. Unser Mann rast dort hin!"
"Wir haben ihn im Visier! Er will an uns vorbei!"
Stille.
"Wagen neun! Was ist passiert?"
Stille.
Krüger rauschte um die Kurve.
Dort stand Wagen neun. Daneben das Fluchtfahrzeug, auf dem Dach liegend. Die Beamten von Wagen neun schlichen sich langsam mit gezogener Waffe auf das Auto zu. Plötzlich fielen Schüsse. Der Flüchtige feuerte aus dem Wrack auf die Polizisten. Der am nächsten stehende schoss zurück. Dann war alles still.
Die Szene spielte sich vor den Augen Martins und Krügers ab, bevor sie den Wagen anhalten konnten und ausgestiegen waren.
Martin griff zum Mikrofon: "Schickt einen Rettungswagen. Der Flüchtige ist außer Gefecht gesetzt."
Die beiden Kommissare bleiben vor Ort. Der Fahrer des Autowracks wurde tot geborgen.
Als die Spurensicherung eintraf, wurde der Wagen gründlich untersucht. Martin streifte sich Gummihandschuhe über, öffnete den Kofferraum des auf dem Dach liegenden Wracks.
Plötzlich polterten drei Fässer heraus. Fragend sah er Krüger an. Er öffnete auf ein Zeichen Martins hin eines der Fässer, untersuchte den Inhalt. Er verrieb einige Tropfen zwischen den Fingern, roch daran, dann kostete er.
"Schnaps. Vermutlich selbst gebrannt", war seine Diagnose.


Wieder öffnete der Kommissar die Tür zum Vernehmungsraum eins.
Er schritt zu dem großen Tisch, setzte den Rekorder in Gang.
"Also, Herr Weck, Sie gaben zu, Schmuggelware zu vertreiben, ein Lokal zu betreiben, in dem Alkohol ausgeschenkt wird und alkoholische Getränke selbst herzustellen. Ist das richtig?"
"Ja", erwiderte der alte Mann. Er schien nichts zu bereuen. Im Gegenteil: Es kam Martin so vor, als sei sein Gegenüber stolz auf seine Taten.
Kommissar Frank Martin beschloss, den Tatbestand des Schmuggels genauer zu untersuchen. Schließlich ist dies das schwerste Vergehen und es war schon immer strafbar. Bei diesem Teil der Ermittlung fühlte er sich einfach am wohlsten.
Wie passt die Verfolgungsjagd und der Mord in dieses Bild?
Martin setzte sich in aller Ruhe auf einen Stuhl gegenüber Weck, auf der anderen Seite des Tisches. Er angelte ein Eukalyptusbonbon aus der Schublade unter der Tischplatte (irgendjemand hatte sie dort vorsorglich deponiert, sicherlich Inge), wickelte es sorgfältig aus. Lange sah er Weck an, überlegte, was er sagen sollte.
"Ich erzähle ihnen am besten eine Geschichte."
Erstaunt sah Weck den Kommissar an. Eine Geschichte, dachte er.
"Eben wurde ein Mann auf offener Straße aus einem Auto heraus erschossen. Der Täter flüchtete, als die Polizei ihn verfolgte, baute einen Unfall und starb nach einem Schusswechsel."
"Was habe ich damit zu tun?", protestierte Weck.
Martin sah ihm in die Augen.
"Die Pointe kommt noch: Im Kofferraum des Fluchtfahrzeuges befanden sich Fässer, gefüllt mit selbst gebranntem Schnaps."
Wecks Gesicht versteinerte sich.
"Haben Sie dazu gar nicht zu sagen?" Martin schien verzweifelt. "Ich bin auch nicht gerade der Meinung, Alkosyn sei das Nonplusultra. Doch solche Schmuggelgeschichten sind nicht die Lösung der Misere. Denken Sie doch mal zurück ins zwanzigste Jahrhundert. Dort sorgte ein gewisser Al Capone aus demselben Grund für Schlagzeilen."
"Herr Kommissar, ich finde es gut, dass auch Sie im Grunde gegen Alkosyn sind. Ich finde das neumodische Zeug sehr verwerflich. Soweit sind wir uns einigermaßen einig.
Ich glaubte, den Menschen einen Gefallen zu tun, indem ich ihnen gebe, was sie wollen. Es ist im Gegensatz zu der in den Zeitungen proklamierten Meinungen so, dass die Leute lieber das althergebrachte trinken, als das neue Zeug.
Sie werden noch mehr solcher illegalen Kneipen finden. Sie schießen wie Pilze aus dem Boden.
Was die Ermordung dieses Mannes betrifft, weiß ich nichts. Ich kann ihnen nur sagen, dass mit speziell getunten Fahrzeugen allerlei Alkohol aus den Nachbarländern zu uns kommt. Sicherlich wird es auch Konkurrenten zwischen den Schmugglern geben. Aber seien Sie ehrlich: Würde der Schmuggel so gut laufen, wären keine Polizisten, Zöllner und andere Staatsorgane in diesen Handel integriert?"
"Wer genau? Nennen Sie mir Namen!"
"Ich bin doch nicht lebensmüde!"
Daniel Weck sagte von nun an kein Wort mehr.


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