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> Krimi Thriller > Die Fäden der Marionette
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Die Fäden der Marionette, Matthias Ramtke
Matthias Ramtke

Die Fäden der Marionette



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Ben sah seinen Nachbarn auf den Stufen seiner Eingangstreppe sitzen, den Kopf in die Hände gestützt. Er hätte ein perfektes Vorbild für einen Bildhauer abgegeben, wenn der Anblick nicht so seltsam melancholisch gewesen wäre. Ben fuhr in seine Einfahrt und stellte den Motor des Wagens ab. Dann stieg er aus und hob die Hand zur Begrüßung. „Hallo!“, rief er über den niedrigen Zaun hinweg, an dem Ben vor nicht sehr langer Zeit eine Haselnusshecke gepflanzt hatte. Kiesling schaute kurz auf, nickte unmerklich und setzte seinen Kopf dann wieder in die nahezu perfekt passenden, schalenförmigen Hände. Ben ging um sein Auto herum und schaute in den Kofferraum, dann fiel ihm ein, dass er kein Gepäck mitgenommen hatte, und er schloss den Kofferraum wieder. Kiesling saß noch immer so da wie vorher und Ben trat an den hellbraunen Zaun heran. Nebenbei fiel ihm auf, wie hoch seine Hecke schon gewachsen war, und er rieb gedankenverloren an einem dunkelgrünen Blatt. Dann wandte er sich seinem Nachbarn zu. „Ist jemand gestorben oder warum machen Sie so ein trauriges Gesicht?“ Kiesling hob träge den Kopf. In seinen Augen standen Tränen. „Brauchen Sie Hilfe? Kann ich helfen?“ Ben machte Anstalten, über den Zaun zu springen und seinem Nachbarn zu Hilfe zu kommen, der jedoch winkte ab und erhob sich mühsam. Er sah unendlich alt aus, als er sich streckte und langsam auf Ben zugetrottet kam. „Es ist nichts. Eigentlich“, sagte er aus einiger Entfernung. Ben hatte wenig Lust, weiter auf seinen Nachbarn einzugehen. Ihr Verhältnis war nie so gewesen, dass sie sich gegenseitig zu Grillpartys eingeladen hatten. Aber sie hatten sich immer gegrüßt und mit Gartengeräten ausgeholfen. Ben wusste nicht, wie Kiesling mit Vornamen hieß, aber es interessierte ihn auch nicht. Wenn er ihn angeredet hatte, dann immer nur mit einem einfachen Sie. Kiesling griff in seine karierte Hemdtasche und zog eine Schachtel Zigaretten heraus. Er steckte sich eine in den Mund, dann zündete er sie an. Er wollte die Schachtel schon wieder zurückstecken, dann besann er sich und bot Ben ebenfalls einen Glimmstängel an. „Danke, keinen Appetit“, lehnte Ben ab. Kiesling zuckte nur mit den Schultern und steckte die Schachtel zurück in sein Hemd. Dann blies er bedächtig die erste Qualmwolke aus seinem Mund und hustete fast etwas gekünstelt. „Was ist denn nun los? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“ Wieder traten Tränen in Kieslings Augen, dann lächelte er etwas verlegen, murmelte ein knappes Entschuldigung und sagte schließlich: „Wissen Sie, es tut mir leid, wenn ich an möglicherweise fast verheilten Wunden nage, aber Sie haben Ihre Frau doch geliebt, oder? Sie haben sie geliebt und hatten eigentlich auch niemand anderes, richtig?“ „Bis auf die Tatsache, dass diese Wunde nie ganz verheilen wird, ist so weit alles richtig“, antwortete Ben. „Verzeihung, ich wollte nicht taktlos sein.“ Ben verlor langsam die Geduld. „Ist schon in Ordnung“, sagte er. „Warum fragen Sie?“ Kiesling nahm einen kräftigen Zug aus seiner Zigarette, dann wandte er sich um und bedeutete Ben mit Handzeichen, ihm zu folgen. Ben ließ es sich nicht nehmen, seine Einfahrt so wie ein gesitteter Mensch zu verlassen und sprang nicht über den Zaun. Kiesling war über diese Aktion sichtlich verwirrt, doch er sagte nichts.
Als Ben bei ihm angelangt war, zuckte Kiesling mit den Schultern. „Kommen Sie“, sagte er. Ben folgte seinem Nachbarn durch den gepflegten Vorgarten und hinter das große Einfamilienhaus. „Erinnern Sie sich an meine Katze?“, fragte Kiesling, als sie um die hintere Hausecke bogen. „Natürlich, warum?“ Ben hatte keine Ahnung, was das alles sollte. Er konnte sich sehr gut an Kieslings Katze erinnern. Sie hatte sich meistens auf seine Vergissmeinnicht gelegt und dort geschlafen. Ben hätte die Katze jedes Mal umbringen können, wenn er sich seine Vergissmeinnicht nach dem Nickerchen dieses fetten Katers angeschaut hatte. Er mochte seine Blumen, sie hatten ihn komischerweise meistens zu guten Geschichten inspiriert, obwohl er eher ein düsteres Genre bediente. „Ich zeige Ihnen warum, Herr Hopkins. Ich hatte meine Katze so gern. Sie war – neben meiner Familie – das Wichtigste für mich.“ Ben erinnerte sich daran, dass eine Gruppe von jüngeren Kindern Kiesling öfters wegen seines Katzenticks geärgert hatte. Kiesling hatte manchmal sogar die Polizei gerufen, wenn es die Kinder zu bunt getrieben hatten. Er führte Ben vor ein mit einer Plane verdecktes Auffangfass für Regenwasser und strich sich über seinen schwarzen Vollbart. Ben schaute ihn verständnislos an und Kiesling nickte mit dem Kopf Richtung Plane. „Nehmen Sie die Plane herunter, bitte.“ Ben tat, wie ihm geheißen, und ein monströser Gestank strömte ihm entgegen. Kiesling begann zu weinen und er hustete laut. Ben trat erschrocken einen Schritt zurück und nahm hastig den Arm vor Mund und Nase.

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