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> Krimi Thriller > Das russische Labyrinth
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Das russische Labyrinth, Nadja Dietrich
Nadja Dietrich

Das russische Labyrinth


Roman

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Als wir eben den breiten Quergang hinter uns gelassen hatten, der die länglich verlaufenden Gassen in der Mitte der Halle durchschnitt, tauchte auf einmal eine ganze Armee von Polizisten vor uns auf. Paarweise gingen sie durch die Verkaufsgassen und deponierten an jedem Stand einen Packen mit Zetteln im DIN-A-4-Format. Hier und da wurden sie in kürzere Gespräche verwickelt, so dass sie sich nur langsam auf uns zubewegten. Als sie sich auf einer Höhe mit uns befanden, blickte ich instinktiv zur Seite und tat so, als interessierte ich mich für die Fleischpasteten, Schinkenrollen und Salamiwürste, die dort auslagen.
Aljoscha griff derweil nach einem der Zettel und studierte ihn mit einer Mischung aus Erschrecken und kühler Aufmerksamkeit, die meine schlimmsten Ahnungen bestätigte. "Du scheinst nicht sonderlich beliebt zu sein bei uns", sagte er schließlich, indem er mir den Zettel unauffällig zuschob.
Ich blickte auf das mehrfach vergrößerte Passfoto, das ich für mein Visum hatte machen lassen. Unwillkürlich erinnerte ich mich daran, was ich gedacht hatte, als ich das Foto aus dem Automaten gezogen hatte: "Ein wahres Verbrecherfoto!" Nun zierte es eine behördliche Bekanntmachung, und darunter standen Worte in kyrillischer Schrift, die ich auf die Schnelle nicht entziffern konnte. Nur die fett gedruckten Passagen brannten sich in mein Gehirn ein, doch war dies - in Verbindung mit dem Bild und den Worten Aljoschas - ausreichend, um zu begreifen, um was es ging: ubijstwo, las ich - Mord -, und: 10.000 rubljej.
Ich stammelte irgendetwas von "Irrtum", "Verwechslung" und "Ich kann alles erklären", aber Aljoscha sagte nur: "Nicht jetzt." Er bewegte sich etwas von mir weg und suchte nach einem Ausgang, der nicht von Polizisten bewacht war. Sekunden später fasste er mich fest um die Taille, als wären wir zwei frisch Verliebte, und flüsterte mir ins Ohr: "Zieh' dir die Mütze über den Kopf und schau' nicht auf - ich versuche dich nach draußen zu bringen."
Auf dem Weg zum Ausgang fühlte ich mich wie Treibgut, das in heftige Stromschnellen geraten ist. Den Blick auf den Boden geheftet, sah ich nichts als Schlamm und zu Boden gefallene Nahrungsreste, über die sich Stiefel und Mantelenden in Schwindel erregendem Tempo hinwegbewegten. Immer wieder stießen wir mit Passanten zusammen, die hinter uns her fluchten, als wir unbeirrt unseren Weg fortsetzten. Einmal geriet ich wegen eines vorgeschobenen Ladentischs sogar ins Straucheln. Hätte Aljoscha mich nicht so fest umschlungen gehalten - ich wunderte mich über die Kraft, die sich in seinen kaum wahrnehmbaren Muskeln verbarg -, hätte ich den Tisch womöglich umgestoßen. In dem allgemeinen Aufruhr, der dann entstanden wäre, hätte ich mich der Entdeckung wohl kaum entziehen können. So aber strebten wir zügig dem rettenden Ausgang entgegen.
Wir hatten bereits den kleinen Vorplatz vor dem Ausgang erreicht, als Aljoscha mich plötzlich zur Seite riss und unsere Schritte in die Halle zurücklenkte. Unwillkürlich hob ich für Bruchteile von Sekunden den Kopf - und erschrak so heftig, dass ich mir einen erstickten Aufschrei nicht verkneifen konnte: Ich blickte direkt in die toten Augen eines Rinderkopfs, den ein Metzger als makabre Werbung auf seinem Ladentisch aufgebahrt hatte. Die Haut war abgezogen worden, aber die Zunge hing ihm seitlich aus dem Maul, und die Fleischreste klebten in blutigen Fetzen zwischen den Gesichtsknochen.
Aljoscha kniff mich in den Arm. "Pssst - Bullen", raunte er mir zu. Als ich ihm später von dem Grund für meinen Aufschrei erzählte, erklärte er mir lachend, dass die Rinderköpfe eine vorzügliche Bouillon abgäben und wegen des erschwinglichen Preises bevorzugt von Rentnern gekauft würden.


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