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> Krimi Thriller > Das Haus in der Normandie
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Das Haus in der Normandie, Pamela Menzel
Pamela Menzel

Das Haus in der Normandie



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Der Strand war an diesem Sonntagnachmittag gut besucht. Zudem waren es nur noch wenige Tage bis zum 6. Juni. Die ersten D-Day Reenactors, also Männer und Frauen, deren Hobby die Wiederaufführung beziehungsweise die Nachstellung und Neuinszenierung konkreter historischer Ereignisse in möglichst authentischer Weise ist, in diesem Fall die Landung der Alliierten in der Normandie, waren bereits angekommen und bauten Ihre Camp-Kopien aus dem Jahre 1944 auf und fuhren mit ihren original Jeeps, Militär-LKW und Krankenwagen die Straßen auf und ab. Der Trubel würde sich im Laufe der Woche täglich mehren um dann am 6.Juni seinen Höhepunkt zu erreichen.


Mir war hier zu viel los und ich ging mit Herrn Schröder die Strandstraße bis zu ihrem Anfang hinunter, um dann einen schmalen, steilen Weg den Hügel hinaufzuklettern und von dort oben parallel zur Straße auf den Feldern zu laufen. Es war nicht weit, bis ich von oben auf das Grundstück meines Feriendomizils schauen konnte. Erst aus der Höhe konnte ich die Ausmaße richtig erfassen und es war nicht wirklich verwunderlich, dass mir zwischendurch immer mal wieder angst und bange wurde.


Ich setzte mich ins Gras und blickte eine Weile angestrengt in den unter mir liegenden kleinen Wald und den Garten. Nichts war zu sehen oder rührte sich. Lediglich am Strand und auf der Straße war viel los. Dann bemerkte ich einen Mann, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand und auf das Haus schaute. Aber auch das war nicht ungewöhnlich. Hatte ich doch seit meiner Ankunft mehrfach erlebt, dass das Haus scheinbar ein beliebtes Fotomotiv darstellte. Es gab absolut nichts, wovor ich hätte Angst haben müssen.


Nachdem ich mit meiner digitalen Kamera einige Fotos vom Garten und der Umgebung gemacht hatte, liefen wir den langen Weg über den Hügel, bis sich dieser in der Ortschaft Vierville-sur-Mer wieder nach unten auf die Strandstraße schlängelte. Wir drehten jedoch um und gingen den gleichen Weg wieder zurück, den wir zuvor gekommen waren.


Oberhalb unseres Grundstücks blieb ich erneut stehen und starrte hinab in den Garten. Plötzlich sah ich durch die Bäume, das verfallene Steinhäuschen, das mich auf unbestimmte Weise gleichermaßen faszinierte und ängstigte.


Sollte ich? Sollte ich nicht? Ach warum nicht. Wie ich mich ja eben selber davon überzeugt hatte, war nichts und niemand zu entdecken gewesen. Ich blickte mich nach einer Möglichkeit um, durch das Dickicht und die Bäume zu der kleinen Ruine gelangen zu können. Es gab keinen Weg oder Pfad, der von hier dort hinführte und so kraxelte, und hangelte ich mich durchs Gestrüpp. Immer darauf bedacht, einen Weg zu finden, den Herr Schröder auch gehen konnte. Es dauerte zwar etwas und war auch mühsamer als ich gedacht hatte, aber schlussendlich schafften wir es doch den ganzen Hügel hinunter bis auf unser Grundstück.


Etwa in der Mitte des Waldes standen wir vor dem etwa zehn Quadratmeter großen Schuppen, von dem nur noch die Reste der steinernen Grundmauern übrig geblieben waren, ein Dach gab es nicht mehr. Ich schaute durch die ehemalige Tür hinein. Auf der gegenüberliegenden Seite wuchs von außen Gebüsch durch eine Öffnung, die früher sicherlich mal ein Fenster gewesen war. Der Boden bestand aus einem betonierten Fundament, das mehrfach gebrochen und von breiten und tiefen Rissen durchzogen war und aus denen sich die heimische Flora ebenfalls ihren Weg bahnte. Um die kleine Ruine verteilt, lagen zugewachsen und kaum noch als solche erkennbar, Steine und Holzbalken.


Scheinbar war das kleine Häuschen den Kämpfen im Juni 1944 zum Opfer gefallen. Die Menschen hatten damals andere Sorgen und so überließ man das ehemalige Gartenhäuschen seinem eigenen Schicksal.


Ich setzte mich inmitten der Ruine auf einen dicken Stein und ließ die Atmosphäre auf mich wirken. Es war unglaublich ruhig und friedlich hier und ich genoss den Moment. Obwohl die Strandstraße in kaum mehr als 100 Metern Entfernung lag, kam ich mir vor, als wäre ich weit ab jeglicher Zivilisation und ganz alleine auf dieser Welt.


Na ja, nicht ganz alleine. Es gab ja noch Herrn Schröder. Der war außerhalb des Häuschens mit Buddelarbeiten beschäftigt. Offensichtlich hatte etwas Bestimmtes seine Aufmerksamkeit erregt, denn er grub verbissen und hektisch mit seinen Pfoten an ein und der derselben Stelle. Ich erhob mich von meinem Platz und ging zu ihm hinaus, konnte aber nicht sehen, was ihn zu derlei Schwerstarbeit animierte.


»Komm, lass uns einen Weg suchen und von hier durch den Garten zum Haus zurückkehren« forderte ich ihn zum Mitkommen auf und wandte mich zum Gehen ab. Mein sonst so artig gehorchender Hund dachte aber nicht daran und buddelte stur weiter. Kurz darauf hörte ich, wie die Krallen seiner Pfoten über einen metallischen Gegenstand kratzten. Freudig bellte Herr Schröder mich aufgrund seines Erfolges an.


Mit einem unguten Gefühl ging ich zu ihm zurück, um sein Fundstück näher zu betrachten. Zur Zeit der Besatzung Frankreichs hatten die Deutschen den Strand und die Umgebung mit allem, was das Arsenal hergab, vermint. Auch wenn nach Kriegsende, alles geräumt und die Minen entfernt worden waren, fand ich den Gedanken nicht sonderlich abwegig, dass hier im Dickicht noch der eine oder andere Sprengkopf vergraben war.


Vorsichtig schob ich die Erde weiter beiseite. Es war tatsächlich ein metallener Gegenstand, den Herr Schröder frei gebuddelt hatte. Ich war weit davon entfernt, ein Bombenexperte zu sein, aber wie ein Sprengsatz sah mir das nicht aus. Eher wie eine kleine Metallkiste. Mittlerweile grub ich mit bloßen Händen ebenso verbissen wie zuvor Herr Schröder. Nach wenigen Minuten hatte ich es geschafft. Es war tatsächlich eine Kiste aus Metall, gesichert mit einem kleinen Schloss und total verdreckt nach den Jahrzehnten, die sie offenbar hier im Erdreich gelegen hatte. Ich merkte, wie sich im Inneren etwas hin und her bewegte, wenn man sie leicht schüttelte. Das kleine Vorhängeschloss hielt jedoch stand als ich versuchte es zu öffnen. Mit bloßen Händen konnte ich hier nichts erreichen. Meine Neugier war geweckt. Wer mochte die Schatulle hier vor langer Zeit vergraben haben und was war der Anlass dafür gewesen?


»Komm, jetzt aber nichts wie zurück ins Haus. Lass uns schauen, dass wir das Schloss geknackt bekommen und das Geheimnis der Kiste lüften können.«


Im gleichen Moment hörte ich es in unmittelbarer Nähe laut rascheln, so als ob sich jemand durch das Unterholz schleichen würde. Weder Herr Schröder noch ich hatten uns einen Schritt bewegt, die Geräusche wurden definitiv nicht durch uns verursacht. Gleichzeitig war es auch wieder da, dieses unheimliche Gefühl, beobachtet zu werden.


Ich versuchte mir so gelassen wie möglich einen Weg durchs Dickicht in unseren Garten zu bahnen. Sollte jemand hier in meiner Nähe sein, wollte ich mir keinesfalls erneut meine Angst anmerken lassen und so verraten, dass ich ihn oder sie bemerkt hatte. Keine Angriffsfläche bieten nahm ich mir fest vor.


Die Metallkiste fest an mich gedrückt stolperte ich durch den hier so dicht bewachsenen Wald in den Garten, den Trampelpfad hoch zur Terrasse, schloss die Tür auf und uns, nachdem wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich im Haus und vermeintlich in Sicherheit waren, sofort wieder ein.


Es kam mir vor, als hätte ich ein Déjà-vu. Erst vor wenigen Stunden stand ich exakt an der gleichen Stelle, schwer atmend und zitternd vor lauter Panik an die Haustür gelehnt.


 


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