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Das Grab der Anderen


von Mark Franley

krimi_thriller
ISBN13-Nummer:
B08DMYN672
Ausstattung:
190
Preis:
3.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Kontakt zum Autor oder Verlag:
mark.franley@mailbox.org
Klappentext

Carl und Maja leben in ruhiger Abgeschiedenheit. Ihrer Insel, inmitten eines schwedischen Sees, können die landesweit schwelenden Waldbrände nichts anhaben. Anders als der jungen Familie, deren Wohnmobil mit einer Panne mitten im Wald stehenbleibt.

 

Ihnen zu helfen ist eine Selbstverständlichkeit und bringt auch schnell Abwechslung in das sonst so ruhige Familienleben. Doch die gänzlich andere Lebensweise ihrer Gäste führt bald zu Spannungen. Was für Maja ein Spiel mit dem Feuer wird, lässt bei Carl alte Wunden aufplatzen.

 

Nachdem sich immer mehr eigenartige Vorfälle ereignen, wird Carls Misstrauen gegen die Fremden von Tag zu Tag schlimmer. Seine Wut wird zu Wahn und bald ist nichts mehr, wie es einmal war.

Leseprobe

-1-

 

»Ich zuerst.« Maja drängte sich an ihrem Mann vorbei, ging Niklas mit offenen Armen entgegen und drückte ihn an sich. Dieser erwiderte die Umarmung mit dem einen Arm, während er mit dem anderen seine Reisetasche hielt. Erst als ihn seine Mutter wieder freigab, stellte er sein Gepäck ab und gab seinem Vater die Hand. Carl klopfte seinem Sohn zusätzlich auf die Schulter, wobei er ihn von oben bis unten musterte. »Das Training tut dir gut, du wirst immer breiter.« Dann klopfte er ihm ein weiteres Mal auf die Schulter und stellte vergnügt fest: »Und dein Händedruck ist auch nicht zu verachten.« »Wie war die Fahrt?«, mischte sich Maja ein, während sich die Zugtüren einige Meter weiter mit einem regelmäßigen Warnton schlossen. Niklas warf einen Blick über die Schulter. »Bis auf das Gedränge am Anfang ganz gut. Aber je weiter man sich von Stockholm entfernt, desto mehr Platz hat man.« Danach streckte er den Rücken durch. »Aber das macht die vier Stunden Fahrt nicht viel besser.« »Und die Brände?« Niklas spürte, dass die anfängliche Leichtigkeit seines Vaters nur gespielt gewesen war. Es war die Art, wie er die Frage stellte, denn diesen Tonfall hatte er nur, wenn etwas wirklich ernst war. Niklas sah zum Horizont über der Kleinstadt Mora, wo sich am Himmel ebenfalls dieser leichte Grauschleier zeigte. Erst dann antwortete er: »Die Bahnlinie ist bisher noch verschont geblieben, aber einige Rauchsäulen waren schon ziemlich dicht.« Danach suchte er wieder Blickkontakt zu seinem Vater und fragte: »Und hier? Wie sieht es draußen bei uns aus?« »Noch geht es, aber diese Waldbrände sind unberechenbar und die schwedische Verwaltung ist auf so etwas kaum vorbereitet.« »Ich weiß, ich weiß«, bestätigte Niklas, der sich der täglichen Berichterstattung ebenso wenig entziehen konnte wie der Rest der Bevölkerung. »Aufhören«, befahl Maja ein wenig im Spaß. »Ich habe Niklas vier Wochen lang nicht gesehen und es gibt noch andere Themen als diese blöden Feuer.« »Du hast ja recht«, gab sich ihr Mann einsichtig, nahm seinem Sohn die schwere Tasche ab und erklärte mit einem skeptischen Blick zum Himmel: »Wir sollten sowieso langsam los. Wenn der Wind dreht, könnte es eng werden. Nördlich von hier sind zwei kleinere Feuer ausgebrochen, aber noch ist die Schnellstraße befahrbar.« Zehn Minuten später steuerte Carl seinen nagelneuen Volvo SUV aus der Parklücke. Ihr Haus oder besser Anwesen lag knapp achtzig Kilometer außerhalb der einzig größeren Stadt dieser Gegend, was eine gute Stunde Fahrt bedeutete. Kurz bevor sie Mora verließen, fiel Niklas’ Blick auf die digitale Anzeige einer Apotheke, die ständig zwischen einem blauen Kreuz und der aktuellen Temperatur wechselte. Diese Hitzewelle, mit Nachmittagstemperaturen von dreißig Grad und mehr, hielt sich schon eine gefühlte Ewigkeit, und laut dem Wetterbericht würde diese Phase auch noch einige Tage andauern. Was man sonst nur von südlichen Ländern kannte, kam nun auch immer öfter in Skandinavien vor. Während sein Vater den Wagen über die gut ausgebaute Schnellstraße lenkte, musste Niklas alles erzählen, was sich in den letzten vier Wochen in seinem Sportinternat in Stockholm ereignet hatte. Kurz vor dem Abzweig zu der Schotterstraße, die zu ihrem See führte, unterbrach Carl das Gespräch mit der Aussage: »Gott verflucht, das sieht wirklich nicht gut aus.« Niklas und seine Mutter blickten in Richtung seines ausgestreckten Zeigefingers, was ihnen für einige Augenblicke die Sprache verschlug. Bisher waren die Feuer immer nur im Fernsehen oder als dunstig schwarzer Schleier in weiter Ferne zu sehen gewesen. Doch nun sahen sie zum ersten Mal Flammen. Echte Flammen, die auf der anderen Seite eines kleinen Tals zwischen den Bäumen loderte. Trotz der gebotenen Eile blieb Carl kurz stehen und suchte die Notrufnummer der hiesigen Behörden in seinem digitalen Telefonbuch. Anschließend drückte er die Taste, welche die Freisprechfunktion des Volvo aktivierte, und fuhr langsam weiter, während das Freizeichen ertönte. Kurz danach, er bog gerade von der Hauptstraße auf den deutlich schmaleren Schotterweg, wurde der Anruf endlich entgegengenommen. Er schilderte seine Entdeckung, gab die Position des Feuers durch und antwortete auf die Frage des Mannes in der Leitstelle, ob sie zu Hause wirklich sicher wären: »Wenn nicht dort, dann nirgends.« Danach legte er auf und folgte dem Weg mit höchster Konzentration, denn wenn jetzt eines nicht passieren durfte, dann ein Unfall. Der Wald hier wirkte so friedlich wie immer. Vielleicht auch, weil der Bach, der sich neben dem Schotterweg durch den Wald schlängelte, eine falsche Sicherheit suggerierte. Er floss erst auf der rechten Seite, um dann unter einer schmalen Brücke entlang auf die andere Seite zu wechseln. Circa fünf Kilometer vor ihrem Zuhause mündete der Bach in einen kleineren See, wo der Weg kurz zur Uferstraße wurde. Auch hier deutete nichts auf die drohende Gefahr hin. Seerosen schwammen im vom Wind leicht aufgerauten Wasser und auf der anderen Uferseite stand ein Elch, der seinen Durst stillte. Als dieser das Motorengeräusch hörte, blickte er kurz auf und verschwand dann eilig im Wald. Nach dem See folgte ein Stück sehr dicht bewachsener Wald, in dem es trotz der Nachmittagssonne ziemlich dunkel war. Die enge Linkskurve war schlecht einzusehen und trotz aller Konzentration war es Maja, die zuerst »Vorsicht« rief. Erst dann erkannte auch ihr Mann die Gefahr und trat auf die Bremse. Der Wagen kam in einer Staubwolke zum Stehen und Carl schimpfte: »Was zur Hölle? Haben die kein Warndreieck?« »Und kein Navi«, fügte Niklas hinzu, der natürlich wusste, dass dieser Weg eine Sackgasse war, die an ihrem Haus endete. Carl löste seinen Gurt und stieg aus. Das alte Wohnmobil stand mitten auf der Straße. Daneben kauerte eine Frau, die Carl auf Ende zwanzig schätzte, vor einem Jungen, der wie seine eigene Tochter ungefähr acht sein dürfte. Sie sah ihm entgegen, stand auf und legte eine Hand auf die Schulter ihres Sohnes, wobei sie ihm von Weitem entgegenrief: »Hallo. Bitte entschuldigen Sie, wir haben eine Panne.« »Und warum halten Sie dann mitten auf dem Weg?«, erwiderte Carl gereizt. Er überwand die letzten zehn Meter, bis er einen Mann erkannte, der hinter der geöffneten Motorhaube hervorblickte. Dieser sah ihn an, grüßte und erklärte: »Wir wollten zu einem abgelegenen See und haben ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass hier jemand vorbeikommt.« Carl musterte die drei und ordnete sie als Stadtmenschen ein. Während der Junge eigenartig emotionslos wirkte, hatten seine Eltern wache Augen. Der Kerl, der nun auf ihn zutrat und ihm seine leicht ölverschmierte Hand entgegenstreckte, war groß, gut gebaut und hatte einen Vollbart. Er stellte sich als Liam vor und trotz des Öls erwiderte Carl seinen festen Händedruck. Die Frau tat es ihrem Mann gleich, reichte ihm die Hand und sagte: »Hallo. Mein Name ist Stina. Stina Falk.« Dann deutet sie nach unten. »Und das ist unser Sohn Caspar.« Diese Stina war auf eine Weise hübsch, die Carl an Maja in jungen Jahren erinnerte. Sie trug ihr blondes Haar offen, hatte hellblaue Augen und ihr zierlicher Körper schien gut in Form zu sein. Carl warf erst einen nervösen Blick zum Himmel, dann auf das altersschwache Gefährt, bevor er fragte: »Wie schlimm ist es?« Dieser Liam zuckte ziemlich gelassen mit den Schultern. »Nichts, was nicht repariert werden könnte. Allerdings nicht hier draußen. Kennst du zufällig einen Mechaniker in der Nähe, den ich anrufen könnte?« Carl roch den schwachen Rauch in der Luft, blickte ein weiteres Mal über die Schulter zum Himmel und erklärte: »Kenne ich natürlich. Aber erstens wird der jetzt nicht kommen und zweitens könnt ihr hier nicht bleiben. Habt ihr nichts von den Waldbränden mitbekommen?« »Schon«, bestätigte die Frau. »Aber die sind doch in einer ganz anderen Region.« »Jetzt nicht mehr. Wir haben gerade einen gesehen und der war nicht mehr weit weg.« »Shit«, fluchte der Mann. »Und jetzt?« Carl gefiel es nicht, trotzdem konnte er die Gefahr für diese Leute nicht ignorieren. Also fragte er: »Ist kein Automatik, oder?« »Der Wagen? Nein, Gott bewahre. Die Kiste ist so alt, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob damals schon Automatikgetriebe gebaut wurden.« Carl sah sich um und beschloss: »Also gut, dann können wir ihn wenigstens abschleppen.« »Und wohin?«, fragte die Frau. »Ihr müsst mit zu uns kommen. Dieser Weg führt nur zu unserem Haus, dort ist Schluss. Zurück nach Mora können wir im Moment nicht. Das Feuer war vorhin schon ziemlich dicht an der Schnellstraße.« Liam schien kurz darüber nachdenken zu müssen, sagte dann aber erleichtert: »Euch schickt der Himmel. Ich hätte meine Familie nie in eine solche Gefahr bringen dürfen.« Carl nickte. Und da er ein Mann der offenen Worte war, sagte er: »Da hast du recht, das war ein wenig fahrlässig.« Danach sah er sich um und erklärte: »Also gut. Zum Reden ist später noch genügend Zeit. Ich fahre jetzt an euch vorbei und dann hängen wir die Kiste an.« Der kleine Junge stand noch immer einfach da, sagte kein Wort, machte keine Regung und starrte wie eine Puppe in den Wald hinein. Carl fiel das zwar auf, aber der Gedanke an das Feuer duldete kein Zögern. - Ende der Leseprobe ... mehr davon gibt es bei Amazon :-) -