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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe cruor, Christoph Bizer-Neff (Herausgeber)
Christoph Bizer-Neff (Herausgeber)

cruor


Geschichten von Blut und Mord

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Hart schoss der Wasserstrahl über den bleichen Körper. Er spülte Matsch und geronnenes Blut aus den unzähligen Schnittwunden. Einem rot-braunen Strom gleich floss das Wasser von der Bahre hinab auf den gekachelten Boden. Gottschalk beugte sich über die Tote. Entschieden kämpfte er gegen die Welle von Wut, die ihn bei dem Gedanken an den Täter überkam. Aber er war kein Amateur, als Kommissar hatte er objektiv zu sein. Das fiel ihm nicht leicht. Er schloss die Augen und atmete die nach Desinfektionsmittel riechende Luft tief ein. Die Frau hatte gerade einmal das 25. Lebensjahr erreicht. Der Kopf kahl geschoren, der Körper durch diverse Schnitte verunstaltet, so wie ein Blatt, das mit einer unleserlichen Handschrift bedeckt war.


„Verblutet. Wie ihre Schwester", murmelte der Rechtsmediziner und deutete auf eine weitere Leiche, die er bereits untersucht hatte.


Gottschalk nickte und trat an die zweite Bahre. Das Mädchen sah genauso brutal zugerichtet aus. Zwillinge. So viele tiefe Schnitte, es war nur logisch, dass sie zum Tod geführt hatten.


„Haben sie diese Wunden am ganzen Körper?"


„Am Rücken, auf der Kopfhaut, sogar an den Fußsohlen. Welches kranke Schwein hat ihnen das nur angetan?"


Der Kommissar ging nicht auf die Frage ein, sondern betrachtete weiter die Schnitte. Sie waren nicht wahllos in die Haut gesetzt worden. Sein Magen verkrampfte sich bei dem Gedanken an die Folterung der Frauen.


„Finden Sie nicht auch, dass das wie ein Muster aussieht?" Gottschalk deutete auf einige Linien, die vom Brustbein hinab zum Bauchnabel führten.


„Sieht so aus, als hätte der Mörder ne Menge Spaß gehabt, was? Irgend so ein verdammter Psychopath. Erinnert mich an ein Kreuz, das immer wieder neu angesetzt wurde. Was für ein perverses Schwein."


„Meine Frage, Herr Leopold!" Gottschalks Stimme war eiskalt.


„Keine Ahnung. Da müssen Sie einen Experten fragen."


Der Kommissar seufzte und wandte sich ab.


 


„Man hat die Frauen auf einem der Wanderwege zum Brocken entdeckt. So, als sollten sie gefunden werden", murrte Gottschalk und betrachtete Garner unzufrieden. Der Mann sah aus wie Anfang dreißig und lehrte als Dozent an der Universität Hamburg. Fachgebiet „Ethnologie". Eigentlich hatte der Kommissar einen Fallanalytiker angefordert, aber stattdessen hatten ihm seine Vorgesetzten diesen Clown gesandt. Er sollte ein Experte sein, hatte der Polizei in Hamburg bereits bei der Aufklärung eines Ritualmords geholfen. Und wenn schon, der Kerl war eine graue Maus, ein Spinner aus dem Elfenbeinturm, hier in Bad Harzburg lagen die Dinge ein wenig anders.


„Interessant. Und die Schnitte sind tief?"


„Ein bis zwei Zentimeter."


Sie saßen jetzt schon seit gut einer Stunde in Gottschalks Büro und dieser Ethnologe schaute sich die Fotos der Leichen an, machte sich Notizen und brummte vor sich hin. Nicht gerade spektakulär.


„Wer waren die Frauen?"


„Julia und Frederike Wends, 24 Jahre alt, kommen aus München. Wohnten in der hiesigen Jugendherberge."


„24? Wirklich? Merkwürdig ..."


„Wieso?"


„Sind sie vielleicht gerade erst 24 geworden?"


Gottschalk runzelte die Stirn. Auf was wollte der Kerl nur hinaus? Pflichtbewusst blätterte er in der Akte, fand die Kopien der Personalausweise und hob eine Braue.


„Tatsächlich. Am 29. April hatten sie Geburtstag. Wie konnten Sie das ahnen?"


„Die Symbole. Vermutlich haben sie irgendwelche kultischen Bedeutungen. So streben die Schnitte alle zum Herz, das in vielen Kulturen als Energiezentrum ..."


„Herr Garner, kommen Sie zum Punkt."


„Ähm, natürlich. Es handelt sich wohl um eine rituelle Opferung im Rahmen eines Hexensabbats."


„Wie?"


„Sie hören ganz richtig. Irgendwelche Verrückte bedienen sich jener Beschreibungen, die im Hexenhammer von Heinrich Kramer aus dem 15. Jahrhundert stehen. Zur Beschwörung des Satans muss ..."


„Satan?" Langsam wurde es Gottschalk zu bunt. Was für einen überkandidelten Sesselfurzer hatte man ihm eigentlich geschickt?


„Zumindest glauben das diese Kultisten."


„Sie gehen also von mehreren aus?"


„So ist es. Satan soll während des Rituals in Körper fahren. Dabei muss das Opfer ein ganz bestimmtes Alter haben: 24."


„Verstehe ich nicht."


„Die Quersumme ist sechs. Zweimal sechs. Es fehlt noch eine Sechs, dann haben wir die Zahl des Tieres, das Zeichen des Bösen."


„Es wird also noch einen Mord geben?"


„Das gilt es zu verhindern."


„Das ist schon ein wenig bekloppt."


„Ich bin Ethnologe, kein Psychiater, ich kann Ihnen nur sagen, was ich aus den Schnitten lese."


„Also, wenn das so ein Hexensabbat ist, wie finden wir die Leute?"


„Spätestens heute Abend auf dem Brocken. Dann ist Walpurgisnacht, der 1. Mai."


„Heute Abend schon?"


Garner erhob sich und strich sanft über eines der Fotos und legte es dann zur Seite.


„Allerdings. Julia und Frederike waren nur die erste und zweite Sechs."


„Dann müssen wir sofort handeln! Der Brocken ist verdammt groß und ..."


In diesem Moment klingelte das Telefon. Gottschalk riss den Hörer ans Ohr.


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