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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Charmante Tribune küsst man nicht, S.A.Michael
S.A.Michael

Charmante Tribune küsst man nicht



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Was Fulvio abgrundtief hasste, war eben dieser Teil von Rom, in der sich die Reichen tagtäglich in ihren protzigen Villen, beim maßvollen Schlemmen ihre dicken Bäuche rieben. Neidvoll schaute er auf die Elite Roms herab. Ja. Die Parzen hatten sie mit dem besseren Schicksal behaftet, und stündlich krochen eben dieselben Fortuna in den Arsch.


Hier, im kühlen Schatten der riesigen Stadthäuser, stank es nach dem Geld jener Senatoren, die sich auf dem Palatin eingenistet hatten, und Fulvio war es egal, dass der Stadtteil mit seinen beiden Hügeln, dem Palatium und dem Cermalus, die Nummer eins der schmierigen Immobileinhaie war. Wenn interessierte es schon, ob hier oben die Strohhütte des Romulus stand und ein paar Mal abgefackelt. Kein Wunder bei all dem Holz, welches beim Bau dieser angeblichen seltenen Rarität verwendet worden war. Hauptsache, die obersten Zehntausend hatten eine Kultstätte mehr, und melkten die Gläubigen wie fette Kühe auf der Weide. Ihr Pech, wenn sie es zuließen. Nur sollten sie die Klappe halten und sich nicht wie eine aufgeschrockene, blökende Schafsherde, die kurz vor der Schlachtung standen, verhalten.


Zweifler an der Theorie mit der windschiefen Hütte des Romulus gab es natürlich auch und durften in Rom nicht fehlen. Diese Schreihälse lieferten sich ständig handgreifliche Gefechte mit der propalatin Fraktion hinsichtlich des ehemaligen Wohnortes des Stadtgründers und hatten zu diesem Thema ihre eigene Meinung. So verpflanzten die prügelbegeisterten Traditionalisten seinen Wohnsitz kurzerhand in die südwestliche Ecke des Kapitol, da dieser Hügel ja nie etwas vergleichbaren vorzuweißen hatte. Sie waren davon überzeugt, und dass reichte ihnen. Der verrotteter Pfahl, der spitz aus dem Erdboden ragte, galt als Auslöser dieser engstirnigen Diskussion, und ließ diesen Hügel unter ihrer Hysterie erbeben.


Für die Massen der Touristen, welche jeden Morgen aus allen Ecken des Reiches in die Hauptstadt strömten, waren zwei dieser Kultstätten äußerst verwirren, und so ahnten sie beim ihrem Eintreffen an der Stadtmauer noch nichts von dem Streit der beiden Parteien. Erst später sträubten sie sich dagegen und schauten leicht verwirrt auf die verblichenen Seiten der mit den Sehenswürdigkeiten gespickten Ansichtstafeln. Dabei wirkten die Behausungen nun wirklich nicht aufregend und sollten die römischen Bürger an die bäuerlichen Wurzeln ihrer Herkunft erinnern.


Fulvio schnaubte bei diesem Gedanken wütend auf.


Wer hielt sich denn schon daran? Eine spartanische Lebensweise? Das er nicht lacht. Jeden Markttag brüllten die magersüchtigen Rezetatoren diese stoische Lebensweise von ihren Potesten, und berieselten die Neuzugänge des Imperiums mit den römischen Tugenden der Weltmacht, die ihre Ordnung in die Welt hinausgetragen hat. Dabei merkten sie nicht, dass sie schon von Anfang an ahnungslose Opfer der geldgeilen Vermieter waren und bis auf ihr letzte Hemd von diesen Assgeiern ausgenommen worden. Beschwerten sie sich dann auch noch über die extrem hohen Preise, gab es den erste Schlag auf die Nuss, oder sie verschwanden auf nimmer wiedersehen in den tiefverzweigten Abwasserkanäle unterhalb der Stadt. Was aus den Familien der Opfer wurde, kümmerte hier, in der Hauptstadt des Imperiums, sowieso keine Sau. Sie landeten auf der nach Urin stinkenden Strasse, oder kauften sich in einem der vielen, schäbigen Bordelle ein, wo die elfjährige Tochter von dem fetten, nach Schweiß stinkenden Zuhälter jeden Tag verprügelt wurde, nur weil sie sich weigerte mit einem seiner Kunden zu schlafen. Die Jungs dieser armen Leute liefen weg und witterten ihre Chance bei den Rekrutierungsbüros der Legionen auf dem Marsfeld. Leider ahnten die meisten Flüchtigen nichts von deren eigenwillige Aufnahmebedingenden.


Fulvio wusste das schon. Wer kein römischer Bürger, oder gar ein Sklave war, wurde in einem hohen Bogen wieder auf die Strasse befördert. Wenn dieser Delinquent Glück hatte. Pechvögel wurden nach ihrem unfreiwilligen Flug gerne auch noch verprügelt. Rom war eben die dreiköpfige Hydra, die alles gierig in sich hineinschlang und nicht einmal mehr die Knochen ausspuckte. Das Leben war halt nicht gerecht. Fulvio blickte gelangweilt in den Himmel. Er stand tief verborgen im Schatten des Apollotempels und lehnte sich an die mit graffitiverzierten Mauer, nahe der ersten griechischen Säule.


Als Kind der Subura, dem übelsten Ort der Stadt, wäre er viel lieber dort bei einem der zahlreichen illegalen Würfelspiele, oder bei den wonnig, wogenden Brüsten der heißblütigen Helena, die mit ihren kräftigen Schenkeln den Himmel auf Erden bescheren konnte. Sie gab vor, eine Griechin zu sein. Eine Hetäre aus Athen.


Fulvio wusste er aber besser. Sie war eine rassische Spanierin. Das verriet ihm ihr Akzent. Dem ehemaligen Option war die Herkunft von Helena jedoch egal. Hauptsache sie kannte ihr Handwerk und machte ihn mit ihren Sprüchen heiß. Schon bei dem Gedanken an ihr weiches Bett verzehren sich seine Lenden an ihren feuchten Schoß.


Nur noch zehn Minuten. Dann konnte ihn der reiche Schwanzlutscher einen Blasen. Auf das Geld konnte er auch verzichten. In der Stadt wimmelte es genug an Erbschleicher und hinterhältigen Ehefrauen, die schon vorzeitig an dem Ableben der Angehörigen und deren Vermögen interessiert waren. Die Krümel, die für ihn abfielen, reichten ihn auch. Irgendwie.


Was bei diesem Auftrag nicht stimmte, konnte er noch nicht sagen. Nur der schwere Knoten saß tief in seinem Inneren und quälte seine Magengegend. Diese wagen Anspielungen, die ihn dieser hässliche Wirrkopf von Schmarotzer Falco unterbreitet hatte, waren Fulvio ein Dorn im Auge. Er wollte stets die passenden Einzelheiten seines Auftrags wissen. Soviel Neugierde sollte man ihm dann doch schon eingestehen. Lief etwas schief, war es schließlich sein Leben und sein Kopf, welches auf dem Spiel stand, und die Angehörigen der Opfer konnten sich in blutrünstige Bestien verwandeln.


Er hatte keine Lust schon jetzt abzutreten und außerhalb in der Sklavengrube außerhalb der Mauer enden. Noch mehr, als den üblichen Ekel, fürchtete er mit den Exkremente der Ratten dahinzufaulen und sich unter die üblen Gerüche der Stadt zu mischen. Zumindest blieb er dann noch ein Teil der Multikulistadt. Was ihn aber auch nicht zusagte, denn bei diesem Gedanken wurde ihm speiübel. Eine unbändige Wut fraß sich in sein Inneres, wenn er an die fremden Einwanderer dachte. Rom gehörte den Römern. Scheiß auf die Gallier, Ägypter oder Griechen. Diese versuchten sich sowieso überall einzumischen, und einige hatten es sogar bis in die Kurie des Senats gebracht. Hasserfüllt wünschte er sich in diesem Augenblick, dass die Götter dieser hochnäsigen Brut doch endlich einmal eine Lektion des Grauen offenbaren sollte, und die Schleusen des Himmels öffnen.


Zornig stieß er einen Stein weg. Dieser konnte nichts für diese radikale, expandierende Einbürgerung fremder Völker, die sich wie Kakalake in das Reich ergossen und sich an den wohltätigen Spenden satt fraßen. Früher waren sie für die armen Bürger bestimmt. Nun zerrten alle an den Zitzen der Wölfin, schlugen ihr tiefe Wunden und saugten gierig ihr Blut.


Und wer war daran schuld? Einer der Cäsar nacheiferte wollte. Augustus, sein Adoptivsohn. Früher hieß er Octavius und hatte seit seinem Antritt alles verändert, und die Republik unter der Maske des obersten Hirten Rom vernichtet. Nun stand er an der Spitze seines illegalen Königreiches und hatte alle seine Feinde, die ihm diese Krone streitig machten, vernichtet.


Fulvio kannte diese Zeiten aus den Gesprächen mit seinem Vater. Er selbst war als junger Mann einer von Marc Antons Offiziere gewesen und lernte in Ägypten Kleopatra kennen. Viel hatte sein alter Herr jedoch nicht von ihr nicht gehalten. Diese orientalische Hexe, die seinen Feldherren kastriert und ihn in den Selbstmord trieben.


Was Augustus dieser Schlampe angetan hatte, war das einzig Richtige seiner Herrschaft gewesen.


Ab dann ging es für seinen Vater nur noch Berg ab. Augustus entließ die überflüssigen Legionen, ohne sich Gedanken über den Verbleib der Soldaten zu machen. Er kehrte nach Rom zurück, als Wrack der Mächtigen, versoff sein Hab und Gut, vertrieb seine Söhne aus dem hause. Nur gut. Seine Mutter lebte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Wo seine Geschwister abgeblieben waren, wusste er nicht. Führten ein ehrbares Leben mit Frau und Kinder. Das zumindestens dachte der Optio. Damals, nach einem schweren Schlag, wollte er nicht im Fluss des Schicksals ersaufen und verdingte sich seit diesen Jahren als Auftragsmörder für besonderes heikle Situationen. Lautes Lachen halte über den Platz, und Fulvio horchte auf. Ein junges Pärchen schlich heimlich durch die Akazien. Lüstern versteckte er sich noch tiefer in den Schatten des Tempels. Das junge, zierliche Ding mit der rosafarbenen Stola schien ein Miststück zu sein. Hochnäsig reckte sie ihre Nase in den nächtlichen Himmel und ließ sich von dem jungen, schwarzhaarigen Bursche befummeln. Ihr Stand war klar. Das junge Senatorenliebchen war mit ihrem Liebhaber auf dem Weg zu einer Orgie, die eine ihrer frivolen Freunde wohl gab. Ob das die Sittenwächter des Augustus wussten, dass die beiden Verliebten durch das nächtliche Rom streiften? Wenn ja, würde die Kleine sicherlich irgendwann in den Tiefen der elterlichen Villa verschwinden und erst wieder auftauchen, wenn ihre Eltern den passenden fetten Ehegatten für sie gefunden hatten. Und der junge Kerl? Den würde ihre buckelige Verwandtschaft wohl kastrieren.


Fulvio musste bei diesem Gedanken grinsen. Wollte der große Augustus nicht dieser sittenwidrigen Lust seinen Willen aufzwingen? Erließ er nicht immer wieder neue sinnlose Gesetzte gegen Verfall und Ehebruch, wohlwissend das sich keiner daran hielt? Die Maus ließ das Mausen nicht. Der arrogante Kater in seinem Stadtpalast kam nicht dagegen an. Eher schnitt er sich selbst in sein Fleisch. Die Jugend zog sein eigenes Ding durch und pfiff auf seine Erlasse.


Morgen würde die Gerüchteküche wieder brodeln, wie vor einem halben Jahr, als der Jüngste der Scipionen Brüder immer wieder für den nächsten Skandal sorgte, und seinen alten Herren in den Wahnsinn trieb. Rom zerriss sich monatelang das Maul über die Eskapaden des Jungen. Seine Familie war ungehalten und sorgte dafür, dass er auf nimmer wiedersehen verschwand. Wohin, dass wussten nur sie. Vermutlich hatte er von seinem Vater einen weitreichenden und idyllischen Militärdienst am Ende der Welt bekommen.


Fulvio hatte ihn nie gesehen, aber dennoch mochte er ihn. Die Geschichten über seine Verfehlungen hatten den Optio stets erheitert und ihm gezeigt, dass auch die reichen Schnösel tief sinken können, wenn die Eltern ihren Kindern all zu sehr auf den Sack gingen. Der Bengel hatte seinen eigenen Kopf und meuterte gern gegen die stoischen Anwandlungen seines Vaters, der ihn immer wieder die Wichtigkeit der


alten und ehrwürdigen Tradition der Familie Scipio-Africanus unter die Nase hielt. Für Fulvio hatten alle Senatoren sowieso einen gigantischen Knall. Er hatte ganz andere Probleme und diese wiegten schwieriger, als die Familienprobleme einer der reichsten und ältesten Familien Roms. Alle abgehoben. Einen an der Waffel. Hochnäsig herabschauend auf alle, die tief unten in der Gosse um ihr Leben schwammen, nur um nicht abzusaufen. Die Reichen und ihre kleine dekadente Welt in die sie Außenseiter sowieso nicht hereinließen.


Grummelt brütete er vor sich hin. Ein gering schwindender Teil von dem Reichtum, was sie unter dem Kopfkissen haben. Was könnte er damit anstellen? Ihm reichte schon ein kleines Landhaus am Mittelmeer mit Blick auf Ostia. Eine anständige Frau. Keine billige Hure, wie sie in der Subura zufinden war, und ihre Kunden beklauten. Kinder. Vielleicht fünf, wenn die Frau mitspielte, lachten fröhlich in dem liebevoll angelegten Garten. Ein Weinberg für den persönlichen Gebrauch, Pfirsichbäume und Gänse. Eben alles, was ein anständiger Bürger Roms brauchte. Zurück zu dem Ahnen und deren Arbeit.


Fulvio atmete auf. Vielleicht konnte er sich mit diesem Auftrag endlich einmal diesen Wunsch erfüllen. Er hoffte es so sehr, und er wusste, das diese bekanntlich zuletzt starb. Egal, was danach passierte, oder er in die Unterwelt einzieht würde.


Ob reich, ob arm. Jeder musste seine Münze bezahlen. Der Fährmann machte da keinen Unterschied.


 


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