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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Cape Wörth, Roland Zingerle
Roland Zingerle

Cape Wörth


Klagenfurter Kneipen-Krimi

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Verlag Johannes Heyn GesmbH & Co KG, Friedensgasse 23, 9020 Klagenfurt,%
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Als die Tür aufschwang, kam ihnen lautes Gejohle entgegen. Im Inneren war die Tränen erregende Luft so blickdicht, dass Hans sie mit seinem Rambo-Messer hätte schneiden können.


In der Mitte des Gastraums lief ein fast nackter alter Mann auf allen Vieren im Kreis und quiekte wie ein Schwein. Der Großteil der Gäste stand um ihn herum, lachte, feuerte ihn an und warf ihm Erdnüsse zu. Auch jene Gäste, die nicht direkt am Schauplatz standen, nahmen schmunzelnd Notiz von der Vorführung und niemand schien das Spektakel zu missbilligen oder gar beenden zu wollen, nicht einmal die Servierkräfte.


In einer Reflexbewegung fuhr Hansens Hand in die Innentasche seines Sakkos, wo sie sich am Griff einer Stahlrute festhielt. Dann erst sondierten seine Sinne die Lage und erkannten, dass Sandrine hier keine unmittelbare Gefahr drohte. Diese war zur Salzsäule erstarrt. Sie konnte nicht glauben, was sie da sah!


Hans erspähte einen freien Tisch in Thekennähe. Er nahm Sandrine am Arm und zog sie sanft mit sich. Dadurch erwachte sie aus ihrer Erstarrung und mühte sich zu einem nun doch etwas aufgesetzten Lächeln.


Als sie saßen, kam eine alte, abgetakelte Kellnerin an ihren Tisch, aus deren Mundwinkel eine Zigarette hing. So wie sie auftrat, konnte man sie für die Chefin halten, doch das hielt Sandrine nicht für möglich; nicht bei dem Grad an Verwahrlosung, den die Frau an sich zuließ!


„Was darf's sein?", fragte Frau Meier.


Sandrine war noch immer gefangen von dem schweinischen Schauspiel in Lokales Mitte und orderte geistesabwesend:


„'n Kir Royal."


Frau Meier hob erstaunt die Augenbrauen und öffnete den Mund so weit, dass der an der Unterlippe klebende Zigarettenstummel kurz aber akut absturzgefährdet war.


„Tut mir leid", sagte sie dann, „oral gibt's heute nix mehr!"


Sandrine sah empört auf.


„'Kir Royal' hab' ich gesagt", explodierte sie. „‚Kir Royal'! Kenn'n Sie das nich, Sie Dorfbesen? Das is Champagner mit Crème de Cassis!"


"Ooh!", veralberte Frau Meier sie. „‚Crème de Chassis' - wissen S', wir Bauerntrampeln sagen ‚Autolack' dazu! Bring ich Ihnen gleich!"


Ehe Sandrine etwas erwidern konnte, wandte sich Frau Meier Hans:


„Und für Sie, Euer Gnaden?"


„Orangensaft", erwiderte Hans gefühlssteril und fügte mit einem Blick auf Sandrine hinzu: „Und für die Dame hier 'nen Wodka-Martini."


Frau Meier imitierte einen unbeholfenen Knicks und wandte sich ab. Allerdings nicht, ohne zuvor noch in Richtung Sandrine zu spötteln:


„Geschüttelt, nicht gerührt, nehme ich an?"


 


Sandrine war außer sich. Sie öffnete affektiert den Mund, stemmte ihre Hände in die Hüften und sagte zu Hans:


„Was bildet sich diese doofe Kuh eigentlich ein?"


Hans erwiderte ihren Blick und erinnerte:


„Du wolltest das unverfälschte Nachleben in der Provinz - voilá!"


Damit deutete er auf den Alten, der sich inzwischen nach Schweineart seitlich zu Boden gelegt hatte und nun unter dem Beifall seines Publikums grunzend schnarchte.


Sandrine schüttelte entgeistert den Kopf und sah sich die Gäste in dieser Bar einen nach dem anderen an. Hier waren doch alle besoffen oder zugedröhnt! Tatsächlich schien niemand daran Anstoß zu nehmen, dass sich ein alter Mann wie ein Schwein aufführte - bis auf einen: Unmittelbar neben ihr, an der Bar, stand ein großer Kerl, der als einziger nicht lachte. Er hatte im Gegenteil die Stirn in Falten gelegt und sein Kopfschütteln verriet, wie geschockt er über den Schweine-Greis war.


Der Große schien alleine hier zu sein, denn der kleine, volltrunkene Speckbauch, der neben ihm am Tresen lehnte, konnte unmöglich zu ihm gehören. Dieser unterhielt sich nämlich sichtlich intim mit einem schreiend bunt bekleideten Homo.


Die Getränke wurden von einem Kellner serviert, doch auch dieser schien Sandrine nicht zu erkennen. Überhaupt: Sie waren nun schon seit drei Minuten hier und nicht ein einziger Mensch hatte auch nur Notiz von ihr genommen! Sandrine musste diesmal offenbar aggressiv vorgehen.


Sie zupfte den Großen an der Bar neben ihr am Hemd und als dieser sich überrascht zu ihr herunterbeugte, hauchte sie ihm launig ins Ohr:


„Sach ma': Wieso lachst du'n nich mit, hm?"


Der Große ließ sich wie ein Sack neben Sandrine auf die Bank fallen. Er zeigte auf den wie ein Schwein am Boden schlafenden Alten und stammelte:


„Das ist der Herr Diplomkaufmann Bertram Heinrich! Der war Betriebsrat in einer Kartonagenfabrik in Villach, die es früher einmal gegeben hat und wo meine Mama gearbeitet hat. Der war immer so ein eleganter Mann, ein richtiger Herr! Ich kann das da nicht glauben, ich meine: Das gibt's ja nicht!"


„Tja, was man nich alles von angeblich so tollen Leuten glaubt, nich wahr?", schmunzelte Sandrine. „Was führt dich eigentlich hierher? Irgendwie passt du so gar nich in dieses ... nun ja ... Ambiente."


In dem Moment flankte sich der kleine Speckbauch, der vorhin mit dem Paradiesvogel an der Bar geflirtet hatte, neben den Großen auf die Bank, so dass diese vibrierte. Er lehnte sich umständlich über den Großen drüber und hielt Sandrine die Hand zum Gruß hin. Dabei war er so besoffen, dass je ein Auge rechts und links an ihr vorbei sah.


„Servas, ich bin der Hubert!", lallte er. Widerstrebend schüttelte sie ihm die Hand.


„Was geht?", fragte er.


„Wie heißt'n dein Freund hier", versuchte Sandrine, das Gespräch zu lenken und deutete auf den Großen.


„Das ist der Lute. Ludwig Melischnig", erwiderte Hubert. „Aber was viel wichtiger ist: Ich bin der Hubert. Hubert Pogatschnig. Nicht Hubsi. Hubsi mag ich nicht. Ja nicht Hubsi sagen zu mir, sonst kriegst du eine!" Daraufhin lachte er seinen widerlichen Bierbrodem zu ihr herüber und erklärte: „War nur Schmäh."


Ludwig Melischnig stieß ihn in die Seite und sagte:


„Du, Hubert, lass mich hinaus, ich muss einmal brunzen."


Pogatschnig ließ ihn an sich vorbei und nützte dann die Gelegenheit, um Sandrine auf die Pelle zu rücken. Hans wollte einschreiten, doch sie gab ihm mit einem süßsauren Lächeln zu verstehen, dass sie es erdulden wollte.


„Weißt du", lallte Hubert Pogatschnig, „weißt du, dass du das Schönste bist, was heute Abend durch diese Tür da gekommen ist?" Dabei zeigte er auf die Eingangstür.


Sandrine zwang sich zu einem Lächeln.


„Danke!"


„Außer mir natürlich", setzte Pogatschnig drauf und lachte schäbig. „Aber Schmerz beiseite: Welcher Wind treibt eine Frühlingsblume wie dich in eine Jauchengrube wie diese?"


„Ich wollte 'ma' sehn, wie ihr Normalos so feiert", antwortete Sandrine, die nun doch versuchte, Pogatschnigs Bier-Atem mit der Hand von sich wegzufächeln.


„Was für Normalos?", fragte Pogatschnig. „Hältst du uns vielleicht für normal?"


„Ja, schon", erwiderte sie.


„Lass mich raten: Du kennst nicht viele Normalos, stimmt's oder hab ich recht?"


Sandrine sah Pogatschnig einige Augenblicke lang an, dann setzte sie sich etwas aufrechter hin und fragte direkt:


„Sach 'ma': Du weißt wirklich nich, wer ich bin, oder?"


Pogatschnigs Augen sahen wieder ungewollt an ihr vorbei.


„Doch, doch", entgegnete er. „Du bist der Traum meiner feuchten Nächte, die Blume am Horizont, der Kristall aus der Lampe, der Tropfen ... und so weiter. Aber was viel, viel wichtiger ist: Für mich ... für mich bist du mein ... mein Engel aus Deutschland!"


Damit nahm er ihre Hand, küsste sie feucht und versuchte, Sandrine verliebt in die Augen zu blicken.


Sandrine zog ihre Hand mit einem Aufschrei des Ekels zurück und sprang unwillkürlich auf.


„Verdammt, ich bin 'n Schlagerstar, du Prolo!", schrie sie ihn an. „Ich hab heut euer größtes Stadion bis auf den letzten Platz gefüllt!"


Pogatschnig lehnte sich zurück, blinzelte einige Male und lallte:


„Was du beruflich machst, interessiert mich überhaupt nicht!"


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