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> Krimi Thriller > Brave Mädchen schweigen still
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Brave Mädchen schweigen still, Dania Dicken
Dania Dicken

Brave Mädchen schweigen still


Libby Whitman 2

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Prolog


 


Das konnte er vergessen. Das konnten sie alle vergessen. Unbeweglich saß sie auf dem Sofa und starrte ihn trotzig an. 


„Es ist deine Pflicht vor Gott, mein Liebes. Ich möchte, dass du Shelley und Emma jetzt begleitest. Es gibt einiges, was sie dir noch beibringen müssen.“ 


„Was sie mir beibringen müssen? Ich lasse mich doch von den beiden nicht noch mal anfassen! Was soll denn das? Seid ihr alle übergeschnappt?“, rief sie aufgebracht. 


„Nicht in diesem Ton, junge Dame! So lautet Saras Gesetz und du weißt, es ist ein göttliches Gesetz. So steht es in der heiligen Schrift. Du musst wirklich noch lernen, dich unterzuordnen!“ 


Sie schnaubte verächtlich. „Das ist doch krank, was ihr hier macht. Ich will das nicht! Lasst mich in Ruhe. Ich werde dich nicht heiraten!“ 


„Das bestimmst nicht du! Mit deinem Vater ist es so abgesprochen!“ 


Nun sprang sie auf. „Na und? Du kannst mich nicht zwingen und das weißt du!“


Sie schrie immer lauter. Hinter ihm am Türrahmen sah sie die Gesichter von einigen Kindern der anderen Frauen, die neugierig ins Wohnzimmer spähten. Shelley und Emma saßen bereits neben ihr auf dem Sofa und warfen ihr erwartungsvolle Blicke zu. 


Nur über ihre Leiche. Sie wusste genau, was jetzt kommen sollte, denn sie hatten es ja schon einmal gemacht, vor ein paar Tagen. Da hatte sie die beiden mit einer Mischung aus Nervosität und Angst begleitet, weil sie noch nicht gewusst hatte, was sie erwartete. Die beiden sollten sie in den Pflichten einer gehorsamen Ehefrau unterweisen – in allen Pflichten. 


Auch denen im Bett. 


Sie hatte es über sich ergehen lassen, weil sie wie gelähmt gewesen war. Shelley und Emma waren echte Miststücke, das hatte es nicht gerade besser gemacht, als die beiden an ihr herumgefingert hatten. Ihr wurde schlecht beim bloßen Gedanken daran – und bestimmt würde sie nicht zulassen, dass sie das wiederholten. Göttliches Gesetz hin oder her. Das war doch alles krank. 


„Du solltest langsam gehorchen“, sagte er und klang dabei bedrohlich ruhig. 


„Du kannst mich nicht zwingen.“ 


„Und ob ich das kann!“, brüllte er. 


Jetzt sprang sie auf und starrte ihm genau ins Gesicht. „Versuch’s doch.“ 


Mit diesen Worten stapfte sie an ihm vorbei und wollte zur Tür, um das Haus zu verlassen. Sie würde jetzt nach Hause gehen und ihrem Vater klarmachen, dass sie George nicht heiraten konnte. Das war ausgeschlossen. 


Doch da packte er sie plötzlich unsanft von hinten und riss sie herum. 


„Ich werde dir zeigen, wer hier das Sagen hat!“, brüllte er ihr mitten ins Gesicht. 


„Lass mich los!“, schrie sie, aber er dachte gar nicht daran. Seine Finger gruben sich in ihren Oberarm, als er sie zu ihrer Überraschung nun selbst zur Haustür zerrte. Er griff nach seinem Schlüsselbund, zog sie mit sich nach draußen und warf die Tür hinter sich zu. Wortlos stieß er sie zu seinem Geländewagen und brüllte: „Du wirst jetzt einsteigen!“ 


„Sonst was?“


Es war schon dunkel draußen, deshalb sah niemand, wie er ihr so hart ins Gesicht schlug, dass ihr Kopf nach hinten flog und ihr das Blut nur so aus der Nase schoss. Sie fühlte sich benommen und wehrte sich nicht, als er sie dazu zwang, sich auf den Beifahrersitz des Wagens zu setzen. In den Taschen ihres langen Leinenkleides suchte sie nach einem Taschentuch und als sie eins gefunden hatte, hielt sie es sich unter die blutende Nase. George stieg derweil auf der Fahrerseite ein und fuhr abrupt an. Schweigend legte sie den Kopf in den Nacken und fing das Blut mit dem Taschentuch auf. 


Zu ihrer Überraschung sagte George ebenfalls nichts. Ihr war es recht, sie hatte ihm sowieso nichts zu sagen. Das hatten er und ihr Vater sich ja schön überlegt, dass sie George heiraten sollte. Als ob er nicht schon genügend Frauen gehabt hätte. Aber ihn würde sie auch noch in die Flucht schlagen, das war ihr ja schon zuvor gelungen. 


Sie wurde erst misstrauisch, als George Short Creek nach Süden hin verließ und sich schließlich mit dem Auto in die Wüste schlug. Ein Verdacht keimte in ihr auf. 


„Wohin fahren wir?“, fragte sie beunruhigt. 


„Wirst du schon sehen.“ 


„Ich werde es meinem Vater sagen, wenn du mich schlecht behandelst. Dann kannst du das mit der Hochzeit vergessen.“ 


„Das glaube ich kaum. Dein Vater ist ja froh, dass ich dich nehmen will.“ 


Wie vom Donner gerührt sah sie ihn an und sagte nichts mehr. Unruhig beobachtete sie, wie George mit ihr immer tiefer hinein in die Wüste fuhr. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Nur konnte sie rein gar nichts dagegen tun. 


Sie starrte einfach vor sich hin und wartete, bis sie schließlich einen einsamen Wohnwagen mitten im Nirgendwo erreicht hatten. 


Er würde es wirklich tun. Sie hatte Recht gehabt. 


„Was hast du jetzt vor?“, fragte sie nervös, als er den Motor abstellte und schon aussteigen wollte. 


„Ich werde dich zur Vernunft bringen“, sagte er, als wäre es das Normalste der Welt. Wie angewurzelt saß sie da, während er die Fahrertür hinter sich zuwarf, und schaute sich fieberhaft um. 


Sie waren wirklich mitten im Nirgendwo. Jetzt hatte es keinen Sinn mehr, eine Flucht zu versuchen. Sie konnte nirgends hin. Sie konnte bloß noch versuchen, ihm die Augen auszukratzen. 


George öffnete die Beifahrertür und sah sie erwartungsvoll an. Sie rührte sich keinen Millimeter, weshalb er sie grob packte und mit Gewalt aus dem Wagen zerrte. 


„Lass mich los, du tust mir weh!“, schrie sie wütend. 


„Du willst es ja nicht anders.“ 


„Du bist ein krankes Schwein!“


Er reagierte gar nicht darauf, sondern zerrte sie zu dem Wohnwagen, schloss die Tür auf und zwang sie dazu, hineinzugehen. Sie wehrte sich nicht, weil sie wusste, dass es zwecklos war. 


George schaltete das Licht an und als ihr Blick auf die langen Kette fiel, die an einer Wand befestigt war, wurde ihr kalt. 


„Ich will nicht“, stieß sie ängstlich hervor. 


„Das hättest du dir vorher überlegen können.“ George gab ihr einen Stoß und brachte sie zu ihrem Entsetzen dazu, genau zu der Kette hinüber zu gehen. Daran waren Handschellen befestigt. Er hielt eine ihrer Hände fest umklammert und machte Anstalten, die Handschellen darum zuschnappen lassen zu wollen. Sie überlegte kurz, ob sie sich wehren wollte, aber sie konnte darauf verzichten, dass er sie noch mal schlug. Gewinnen würde er sowieso. 


Schweigend und voller Wut starrte sie ihn an, doch das beeindruckte ihn nicht. 


„Du bleibst jetzt so lange hier, bis du ein wenig umgänglicher bist“, sagte er. „Du bist ja nicht das erste Mädchen, das tatsächlich glaubt, mich beeindrucken zu können. Lass dir gesagt sein, das klappt nicht. Alicia war auch mal wie du und jetzt sieh sie dir an. Eine brave, fügsame Ehefrau.“ 


„Sperrst du mich jetzt hier ein?“, fragte sie ungläubig. 


„Das hast du in der Hand. Wirst du brav sein?“ 


„Du kannst mich mal!“, schrie sie und versetzte ihm einen Stoß. Er sollte bloß machen, dass er wegkam. 


Doch das reizte ihn bloß. Erneut schlug er ihr ins Gesicht, diesmal traf er ihr Auge. Sie schrie vor Schmerz auf und spürte augenblicklich, wie es anschwoll. 


„Du freches kleines Miststück, ich werde dir zeigen, wer hier das Sagen hat!“, brüllte er. „Und das bist nicht du, das verspreche ich dir. In ein paar Tagen werden wir ja sehen, ob du immer noch so ein großes Mundwerk hast.“ 


„Du kriegst mich nicht klein“, erwiderte sie, während sie mit einer Hand ihr geschwollenes Auge berührte. 


„Ich kriege euch alle klein. Und jetzt zieh deine Schuhe aus.“ 


„Meine Schuhe?“ 


„Mach schon, oder willst du noch eine Ohrfeige?“ 


Wollte sie nicht. Zitternd zog sie ihre Schuhe aus, die er ihr sofort mit einer hastigen Handbewegung wegnahm. 


„Nur um sicherzugehen. Du bleibst jetzt erst mal hier. Wenn du Durst hast, im Kühlschrank ist Wasser.“ 


Mit diesen Worten stapfte er aus dem Wohnwagen, machte das Licht aus und warf die Tür hinter sich zu, ehe sie überhaupt wusste, wie ihr geschah. Reglos stand sie da und versuchte zu verstehen, was gerade passiert war. 


„George?“, rief sie, doch Augenblicke später wurde der Motor des Geländewagens gestartet und der Wagen fuhr davon. 


Sie schluckte. Er meinte das tatsächlich ernst. Sie hatte schon davon gehört, dass andere Frauen so lange weggesperrt worden waren, bis sie sich fügsamer benahmen. Aber das … 


Schließlich fing sie sich wieder und warf einen Blick in den Kühlschrank. Darin standen drei Wasserflaschen, aber ansonsten war er leer. Nichts zu essen. 


Sie verstand. Er würde sie hungern lassen. Bastard. So leicht bekam man sie nicht klein. 


 


Zumindest hoffte sie das. Sie wusste ja nicht, wann er wiederkam – und was er dann tun würde. 




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