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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Bathtime Stories, Thomas Buckel
Thomas Buckel

Bathtime Stories



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ANATHEMA


ERSTE LOSUNG: GRAUSAMKEIT


Die Ernte war gut ausgefallen dieses Jahr. Matthew McMillan blickte


mit halb zugekniffenen Augen aus der angesprungenen Seitenscheibe


seines M715er- Pickups, den er auf der jährlichen Automobilmesse


in Spring Hill für lumpige eintausend Dollar erstanden hatte.


Ein alter Militärjeep, der offensichtlich in Vietnam oder sonst irgendeinem


Fitschi- Drecksland, wie Matthew zu zitieren pflegte, ein


paar Treffer zu viel erwischt hatte, dem Motorengeräusch nach zu


urteilen. Die Maschine spotzte, knatterte und mehr als einmal wurden


McMillan und sein Erntehelfer, ein widerlicher, nach Bourbon


stinkender Kerl namens Ray Snyder grob durchgeschüttelt, als sie


über eines der zahlreichen Schlaglöcher holperten, die es auf dieser


gottverdammten Straße zuhauf ab.


Hopp, Hopp, Hopp...


„Verdammte Scheiße!“, fluchte Matthew und betrachtete mit


schmerzverzerrtem Gesicht den Inhalt seines Kaffeebechers, der sich


soeben über seinen Schoß ergossen hatte. Zornig warf er den Pappbecher aus dem Fenster.


„Diesen Scheiß bringt Kathleen nie wieder aus der verdammten


Hose! Wie oft habe ich mich schriftlich an den Gouverneur gewandt,


dass er sich endlich um die Straße kümmern soll. Allmählich frage


ich mich, ob dieser Hurensohn meine Briefe benutzt, um sich den


Arsch auszuwischen! Sehe ich so aus, als wenn ich das Geld scheiße,


mit dem ich das Porto bezahle?“ Selbst der heruntergekommene Erntehelfer zuckte ein wenig zusammen angesichts seines wutschäumenden Bosses, der in einer Tour fluchte und dabei mit Fäkalausdrücken nicht sparte. Snyder hatte noch nie mitbekommen, wie Matthew mit Kathleen umsprang, seiner ehemaligen Verlobten, wie er sie nannte, wenn er sie ausnahmsweise nicht wie ein Stück Dreck behandelte.


Auch den Rest seiner Familie behandelte er nicht eben


zimperlich. Ronnie, sein einziger Sohn, hatte neulich unabsichtlich


zwei Flaschen Bourbon- Whiskey zu Boden fallen lassen, von denen


eine zerbrochen war. Matthew hatte kein Wort zu ihm gesagt, sondern


es ihm mit einem rauen Ledergürtel gegeben, auf sein Gesicht


und seinen Rücken, wieder und wieder und wieder. Kurz bevor sich


sein tränenbedecktes Antlitz in eine blutige, wabbelige Fleischmasse


verwandeln konnte, hörte er auf. Eines musste man Matthew lassen:


Er bestrafte seine Familie nur in einem Maß, welches ihre Arbeitsfähigkeit auf der Farm nicht beeinträchtigte.


Matthew hatte nur drei nennenswerte Hobbies. Er trank mindestens


ebensoviel und so gern wie sein Knecht, schlug seine Frau und seinen


Sohn abwechselnd und schimpfte über diese verdammten Nigger


und Itzigs, die dem braven amerikanischen Steuerzahler das Geld aus


den Taschen saugten wie die Moskitos oder irgendwelche bekifften


Hippies auf dem Campus.


Hoppel, Hopp, Hoppelhopp...


„Wenn ich mir überlege, dass es vor noch nicht einmal hundertundzehn


Jahre her ist, als der Bimbo noch auf unseren Feldern und


Straßen gebuckelt hat! Ich wünschte, ich wäre in dieser Zeit aufgewachsen. Dann hätte ich meine Jungs auf meine Weise erziehen


können, ohne dass sich irgendwelche bescheuerten Moralpisser eingemischt hätten“, sinnierte Matthew und nahm einen tiefen Schluck


aus seinem Flachmann. Dann schaltete er das Transistorradio ein,


welches zwischen ihm und Snyder lag. Die nervende Stimme von


Harry Millhouse, dem Lokalredakteur von Radio Middleton-County


erklang verabscheuenswert fröhlich aus dem Gerät.


 


Vietnam. Der Berater für nationale Sicherheit, Henry Kissinger, konnte


endlich mit dem kommunistischen Spitzenpolitiker Le Duc Tho eine Über


einkunft erzielen, die den Frieden in dem seit Jahrzehnten vom Krieg gebeutelten


Land sichern soll. Diese sieht unter anderem den Fortbestand des


Thieu-Regimes, die Anerkennung der Vietcong-Organisation, den Abzug


der US-Streitkräfte und die Beendigungen der Angriffe auf nordvietnamesisches


Territorium vor. Präsident Richard Nixon steht diesbezüglichen Kompromissen


ablehnend gegenüber.


 


„Alles klar, du hast mir gerade den Tag versüßt wie der Anblick


von Marilyn Monroes saftiger Pussy auf meinem Gesicht, Harry


Hackfresse!“, hustete Matthew, drehte weiter am Regler und schon


bald dröhnte Maxwell′s Silver Hammer von den Beatles aus den Boxen.


„Ich verstehe mein Amerika nicht mehr“, knurrte er und setzte den


Flachmann abermals an. Dann bot er ihm seinen Erntehelfer an.


„Wenn ich Kissinger wäre, hätte ich mich auf keine Verhandlungen


mit den Reisfressern eingelassen. Napalm über die Fitschirotte und


eine Nuklearrakete als kostenlose Dreingabe. Dann wäre aufgeräumt


mit diesen Schlitzaugen Minuteman, Baby!“ Er lachte und schlug mit


den Händen auf das Lenkrad ein. Snyder fiel nach kurzem Zögern in


Matthews Lachen ein.


„Nimm das, du Schingscheng!“, meckerte dieser und hustete kurz


und heftig, so dass ihm der Bourbon-Whiskey tröpfchenweise auf


dem Mund spritzte.


Der Wagen schlingerte kurz auf die Seite und harter Alkohol verteilte


sich in feinen Tröpfchen in der stinkenden, heißen Luft.


„Verdammt, die Flasche kostet sechs Dollar!“, fluchte der Farmer


und bemühte sich, den Wagen wieder in die richtige Spur zu lenken.


„Ist der Eintrittspreis für die Hölle, wenn man den verschwendet.


Glaub mir, so gnädig kann unser Herr nicht sein, dass er es uns nachsehen


würde, wenn wir auch nur einen Tropfen davon vergeuden.


Denk doch mal an die armen Kinder, die verdursten!“ Wieder lachte


er bellend.


10


„Wobei ich mir da aber selbst widerspreche, Rayboy“, meinte


Matthew weiter. Manchmal nannte er seinen Helfer Rayboy, wenigstens


wenn er ein wenig betrunken war. Doch das hatte diesen zahmen,


alten Teufel nie wirklich gestört, weil er ja auch sonst die Launen


seines Chefs klaglos ertrug. Nur wenn Matthew ihn Gayboy


nannte, um ihn zu provozieren (und das kam mit großer Regelmäßigkeit


dann vor, wenn er wirklich betrunken war), ging es ihm gegen


die Natur- doch es gab ja Fingernägel, die man bis aufs Nagelbett zusammenkauen


konnte, bevor man etwas... tat, was einem möglicherweise


eine Tracht Prügel oder gar den Rausschmiss einbringen


konnte.


Hopp, Hopp, Hoppelkoppel...


She tells Max to stay when the class has gone away


So he waits behind


Writing fifthy times...


„Vorsicht, Matt!“, schrie Snyder plötzlich auf und bewegte sich


plötzlich mit einer Behändigkeit, welche man ihm in seinem Rauschzustand


gar nicht mehr zugetraut hätte. „Da ist ein Mädchen auf der


Straße!“


Matthew kniff seine Augen noch weiter zusammen als sonst und


blinzelte.


„Das ist... eine verdammte Zigeunerschlampe!“


Dann drehte er sich zur Seite und blickte seinen Erntehelfer an.


Snyders Augen waren angsterfüllt. Er konnte die Entschlossenheit in


Matthews Blick sehen.


„Soll ich dir etwas zeigen, Ray-Boy-Oh?“ Seine Stimme hörte sich


an wie... sie hatte sich ein bisschen wie Charles Mansons Stimme angehört,


wie Snyder vier Tage später zu Protokoll geben würde.


Nun aber sah er nur das Unvermeidliche. Das Mädchen, vielleicht


vier Jahre alt, kam immer näher und näher...


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