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> Krimi Thriller > Atemlos - Von des Todes zarter Hand
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Atemlos - Von des Todes zarter Hand, Michael E. Vieten
Michael E. Vieten

Atemlos - Von des Todes zarter Hand



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„Scheiße!“ Ungläubig starrte Anselm Anna an und versuchte zu begreifen, was gerade geschehen war und was das alles für ihn und Anna bedeutete. Er versuchte mühsam seine Gedanken zu ordnen, aber in seinem Kopf herrschte das Chaos. „Ach du Scheiße!“, wiederholte er immer wieder nur. Dann wurde ihm die Luft knapp. Aber der Weg zum erlösenden Pumpzerstäuber mit seinem Asthmaspray war durch den Körper dieses Kommissars versperrt. Keinesfalls würde Anselm über ihn hinwegsteigen. Unmengen von Blut liefen aus dem reglosen Körper und sickerten in den Teppich. „Was für eine Sauerei“, dachte Anselm und schaute an sich herunter. Überall Blut. Auf seinem Hemd. Auf seiner Hose. Auch auf seiner Gesichtshaut spürte er Blutspritzer trocknen. Er musste hier raus, sofort. Er konnte kaum noch atmen. Angestrengt pfeifend sog er in kurzen Zügen ein wenig Luft in seine Lungen. Langsam, mit kurzen zögerlichen Schritten, entfernte er sich rückwärts von Jörg Rottmann, umrundete den Wohnzimmertisch und blieb vor Anna stehen. Sie versperrte ihm den Weg. Wie erstarrt stand sie immer noch mit der todbringenden Waffe in ihren zarten Händen im Türrahmen. Dann öffnete sie ihre zitternden Finger und der Revolver fiel polternd auf den Boden. Erst dann trat sie zur Seite und Anselm stürmte an ihr vorbei in den Flur. Dort hing seine Jacke. In der rechten Außentasche befand sich das rettende Aerosol für seine verkrampften Bronchien. Gleich zwei Stöße, dachte er. Nein, besser drei, und noch einmal drückte er den Zerstäuber zusammen und atmete den Wirkstoff tief ein. „Wo..?“, hustete Anselm. „Wo um Himmels Willen hast Du diese Knarre her, verdammte Scheiße?“ „Von Paul. Nachdem mich dieser Biel verdroschen hatte, hat Paul sie mir gegeben. Falls mit einem Freier mal wieder etwas schief läuft.“ Natürlich, Paul Brenner, Annas Ex-Chef aus dem Klub „Chez Paul“. Wer sonst hätte die Möglichkeit gehabt, eine Waffe zu beschaffen. Noch bevor Anselm etwas dazu sagen konnte, läutete es. Beinahe gleichzeitig klopfte jemand an die Tür. „Herr Jünger? Alles in Ordnung? Ich habe einen lauten Knall gehört.“ Anselm dachte angestrengt nach. Das war die alte Fricke. Die dumme Kuh aus dem Nachbarhaus. Ständig schlich sie über den Hinterhof durch die meist unverschlossene Tür dort unten ins Haus und schnüffelte herum. Die sollte man am besten auch gleich umlegen. Schnell verwarf er jedoch diesen Gedanken und antwortete. „Alles Okay, Frau Fricke. Mir ist in der Küche etwas herunter gefallen.“ „Das klang aber ganz anders.“ „So ist es aber. Machen Sie sich keine Gedanken.“ Anselms Geduld war bis auf einen kleinen Rest verbraucht. Sollte diese ungläubige Fricke nicht sofort verschwinden, würde er sie wohl doch erschießen müssen. Anselm schlich zur Wohnungstür und lauschte. Scheinbar gab sich Gertrud Fricke mit seiner Erklärung zufrieden. Murmelnd entfernte sie sich von der Wohnungstür und stieg die Stufen im Treppenhaus hinab. Doch er traute diesem Frieden nicht. Sofort flitzte er lautlos auf seinen Socken zum Küchenfenster und schaute in den Innenhof hinunter. Dort sah er die alte Fricke mit trippelnden Schritten über den Hof eilen. Das sah nicht danach aus, als hätte sie ihm die Geschichte mit dem herabgefallenen Gegenstand in der Küche geglaubt. Diese blöde Kuh ruft doch jetzt gleich die Bullen an, sensationsgeil, wie sie ist. Anselm konnte sich nur mit Mühe davon abhalten, den Revolver zu holen und damit auf die alte Fricke im Hof zu ballern. Aber für solche Spielchen blieb jetzt keine Zeit mehr. Anna und er mussten sofort hier weg. In ein paar Minuten standen die Bullen vor der Tür und stellten blöde Fragen. Und ihm fielen absolut keine überzeugenden Ausreden ein, mit denen er den erschossenen Kommissar im Wohnzimmer erklären konnte. Entsorgen schied auch aus. Am helllichten Tag über die Straße ins Auto schleppen? Oder über den Hof unter Frickes Fenster hinweg? Die wartete doch jetzt nur auf so etwas. Und wohin mit dem blutgetränkten Teppich? Und in der Verfassung, in der Anna gerade war, würde sie einer Befragung durch die Bullen nicht standhalten. Also weg. Schnell. „Wir müssen abhauen. Jetzt, sofort.“ Anna nickte. Wie ferngesteuert schlüpfte sie in ihre Ballerinas und wartete an der Tür. Verblüfft sammelte Anselm den Revolver und seine Autoschlüssel ein und schnappte sich seine Jacke. Annas Jacke nahm er ebenfalls vom Haken, drückte sie ihr in die Hand und wollte schon die Wohnungstür öffnen, doch Anna versperrte ihm den Weg. „Du bist voller Blut, und Du hast keine Schuhe an.“ Anselm schaute an sich herunter. Anna hatte recht. Verdammt, er musste sich jetzt endlich zusammenreißen und sich konzentrieren. Schnell riss er sich die blutbespritzte Kleidung vom Körper und lief ins Bad. Dort wusch er sich das Gesicht und schaute erst in den Spiegel, nachdem er sicher war, dass kein Blut mehr darauf zu sehen war. Zufrieden schlitterte er über die Fliesen im Flur ins Schlafzimmer und zog eine frische Hose und ein Hemd an. Auf dem Rückweg schlüpfte er in seine Schuhe. Ohne sie zuzubinden verließ er mit Anna die Wohnung. So sehr sie auch darum bemüht waren, möglichst unauffällig zu ihrem Wagen zu gelangen, eilten sie doch viel zu hastig über die Straße und sprangen gehetzt in Anselms schwarzen Corsa. Aber auf der Straße war niemand zu sehen, der sie dabei hätte beobachten können. Wahrscheinlich kauten Anselms Nachbarn in ihren Wohnungen noch auf ihrem Abendessen herum. Beim Zurücksetzen sah Anselm im Rückspiegel einen schwarzen BMW auf der Sperrfläche hinter sich stehen. Das war bestimmt die Karre von dem Bullen. Nach einem kurzen Blick in den Seitenspiegel rangierte Anselm den Corsa aus der Parklücke heraus und fuhr exakt mit den erlaubten 30 km/h die Straße entlang. Jetzt bloß nicht auffallen. Nach wenigen Metern kam ihnen in langsamer Fahrt ein Streifenwagen entgegen. Anselm lenkte seinen Opel in eine Lücke zwischen zwei geparkten Fahrzeugen, hielt an und ließ den silberblauen VW-Passat passieren. Gleichzeitig tastete er nach dem Revolver in seiner Jackentasche. Doch die Polizeibeamten interessierten sich nicht für den schwarzen Kleinwagen. Sie suchten an den Fassaden links und rechts offenbar nach den Hausnummern. Unbehelligt ließen sie den Corsa weiterfahren. Beruhigt entspannte sich Anselm in seinem Fahrersitz und sah das Heck des Streifenwagens im Innenspiegel kleiner werden. „Wenn das schon die Bullen waren, die von der Fricke gerufen wurden, sind wir aber keine Sekunde zu früh geflüchtet.“ Anna saß mit vor Aufregung geröteten Wangen bewegungslos neben ihm und schaute ihn an. „Was zur Hölle hast Du Dir dabei gedacht, den Bullen über den Haufen zu schießen?“ „Ich habe gar nichts gedacht. Ich hatte Angst, dass, wenn er dich erst einmal mitnimmt, Dich nicht mehr weg lässt.“ „Die haben nichts in der Hand. Ich habe nichts angefasst. Das mit den Fingerabdrücken war ein Bluff von diesem Kommissar.“ Schlagartig wurde Anna klar, dass sie mit ihrer Vermutung richtig lag. Anselm hatte diesen Günther Biel umgebracht, weil der sie misshandelt hatte. Und anschließend musste Anselm dann den fetten Kommissar beseitigen, weil der ihn verdächtigt hatte und gegen ihn ermittelte. Anselm hingegen wurde in diesem Moment bewusst, dass er Anna gegenüber gerade den Mord an diesem dicken Kommissar gestanden hatte. Beide hingen für eine Weile ihren Gedanken nach. „Ich weiß, was Du getan hast, und ich weiß, dass Du es für mich getan hast.“ Anna legte ihre Hand an Anselms Hinterkopf und kraulte ihm liebevoll den Nacken. Er genoss diese Zuwendung und begann darüber nachzudenken, wie es weiter gehen sollte. Sie brauchten jetzt einen guten Plan. Sie waren von nun an zwei Verbrecher auf der Flucht. Zwei Mörder. Ein Mörder und seine Komplizin. Die Polizei würde alles tun, um sie zu stellen. Sie mussten abtauchen. Sie brauchten Geld. Sie mussten sofort ihr Aussehen verändern. Der Wagen musste gewechselt werden. Tausend Gedanken stürmten auf Anselm ein. Er begann sie zu ordnen, und eines war klar. Nun mussten sie rücksichtslos ihre Interessen durchsetzen. Sonst säßen sie bald jeder in einem anderen Gefängnis und würden sich nie wieder sehen. Ausgerechnet jetzt, wo sie gerade erst zueinandergefunden hatten. „Was für eine Scheiße“, murmelte Anselm. „Ja, was für eine Scheiße“, bestätigte Anna leise und nickte zustimmend.


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