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> Krimi Thriller > Aqua Tofana
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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Aqua Tofana, Barbara Siwik
Barbara Siwik

Aqua Tofana



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Der Zuschauerraum des ›Frankfurter Schauspielhauses‹ war bis auf den letzten Platz gefüllt. Man gab Goethes ›Faust‹.


Die Kerker-Szene näherte sich dem Höhepunkt und das Spiel damit dem Ende der Tragödie.


Die Gretchendarstellerin Eliza Burger war eine bemerkenswerte Schauspielerin und die Vorstellung nicht zuletzt deshalb ausverkauft. Gleiches Interesse brachte das Publikum auch dem Faust-Darsteller entgegen, der sie soeben beschwor:


»Besinne dich! Nur einen Schritt, so bist du frei!«


Mephisto drohte ungeduldig, Faust zu verlassen, sofern dieser ihm nicht endlich folge. Dessen Blick aber war auf Gretchen gerichtet, die ihn wie einen Geist anstarrte. In ihren Augen lag blankes Entsetzen, als sie in höchster Not aufschrie:


»Dein bin ich Vater … rette mich …


ihr Engel … ihr heiligen Scharen ...


lagert euch umher ...


mich zu bewahren.«


Röchelnd presste sie mit letzter Kraft aus sich heraus:


»Heinrich … mir graut’s … vor dir!«


Manchem Zuschauer lief bei diesem Szenario ein Schauer über den Rücken. Im grauen Büßerhemd, das Haar aufgelöst, sank Gretchen aufs Strohlager. Es schien, als wolle Faust zu ihr hineilen, aber Mephisto zerrte ihn mit sich.


Langsam senkte sich der Vorhang, doch vergeblich wartete das textkundige Publikum auf den letzten, verzweifelten Ruf Gretchens:


Heinrich … Heinrich …‹


Nach einem Augenblick atemloser Stille brandete Beifall auf. Die Schauspieler erschienen jedoch lange nicht vor dem Vorhang, um den Applaus dankend entgegenzunehmen.


Ungeduldig skandierte das Publikum schließlich: »Gret-chen, Gret-chen, Gret-chen ...«


Endlich ließen sich Mephisto und Faust mit Frau Marthe sehen. Sie verbeugten sich mit einstudiertem Lächeln.


Das Publikum applaudierte, wurde unruhig und skandierte erneut: »Gret-chen, Gret-chen ...«


»Wir müssen′s ihnen sagen«, zischte der Faustdarsteller Gert Becker, während er sich automatisch verbeugte. Sein Kollege Rolf Tender bejahte dies und schickte zugleich ein arrogantes Mephisto-Lächeln in die tobende Menge.


Entschlossen trat Becker zwei Schritte vor und hob die Hand. Der Tumult verebbte. Seine Stimme klang angestrengt, als er informierte: »Verehrtes Publikum! Diese Begeisterung ehrt Eliza Burger sehr. Leider kann sie den Beifall nicht persönlich entgegennehmen. Sie erlitt einen Schwächeanfall.«


Ausrufe des Bedauerns wurden laut, Blumen für die Schauspielerin auf die Bühne gereicht.


Eliza Burger würde sie nie erhalten – sie war tot.


 



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