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Krimis & Thriller
Buch Leseprobe Airport - Gegen die Zeit, Steeve M. Meyner
Steeve M. Meyner

Airport - Gegen die Zeit


Thriller

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Kapitel 1 5:12 Uhr


Vor dem Terminal 1 am Flughafen München


»Ist ja gut, Mann! Ich fahre doch gleich weg!«, rief Norbert Lang dem Fahrer des schwarzen Mercedes SLK genervt zu, der schon das zweite Mal innerhalb weniger als einer Minute ungeduldig hupte. Dabei war auf der Gegenspur eigentlich noch genug Platz, dass er bequem an dem zehn Jahre alten Kombi der Langs hätte vorbeifahren können, der in der zweiten Reihe direkt vor dem Eingang des Flughafen-Terminals parkte. Doch der Mercedes stand mit laufendem Motor direkt hinter ihnen und drängelte. Dabei spielte der Fahrer immer wieder mit seinem Fuß am Gaspedal, sodass der Motor laut aufheulte. Norberts Faust zuckte reflexartig in die Höhe, als der Mercedesfahrer nur wenige Sekunden später ein drittes Mal hupte - nicht kurz, wie es vielleicht jemand getan hätte, um einfach auf sich aufmerksam zu machen, sondern lang und laut. Nur mit Mühe schaffte es Norbert, nicht auch noch seinen Mittelfinger auszustrecken, obwohl es ihm darin bereits kräftig zuckte. »Mann, eh. Du wirst wohl die eine Minute warten können, bis ich die Sachen ausgepackt habe. Außerdem ist genug Platz da, du ...« »Norbert! Bitte! Reg dich nicht auf. Wir können doch ...«, versuchte seine Frau, die mit den beiden Kindern auf dem Gehweg wartete, ihn zu beruhigen. »Ich packe schnell mit an.« »Nein, nein, Sariah! Bleib dort auf den Weg. Du musst dich um Mira und Maurin kümmern. Die Beiden schlafen ja sogar im Stehen weiter. Und außerdem bist du schwanger. Die Koffer trage ich. Und der Typ wird warten, bis ich euch ins Terminal gebracht habe, ja?« Norbert setzte gerade den zweiten Koffer auf dem Gehsteig ab, als der Fahrer des Mercedes sein Fenster herunterließ. Für einen Moment wummerte laute Musik über die Straße. Dann brach diese abrupt ab und der junge Mann, der am Steuer des Luxuswagens saß, brüllte los. »Hey Alter! Fahr deine Rostlaube gefälligst zur Seite. Du bist hier nicht allein auf der Straße!« Norbert blickte dem jungen Mann durch das geöffnete Fenster direkt ins Gesicht. Obwohl die Sonne um diese Zeit gerade erst aufging, trug er eine blau getönte Sonnenbrille. Zusammen mit dem Dreitagebart und dem Zigarillo in seinem Mundwinkel vermittelte er nicht ansatzweise den Anschein des netten Nachbarn von nebenan. Verstärkt wurde dieser erste Eindruck noch durch seinen bösen Blick und sein restliches Erscheinungsbild. Der Mann war höchstens Mitte zwanzig. Er trug ein schwarzes Seidenhemd, welches er nur bis zur Hälfte zugeknöpft hatte, sodass seine behaarte Brust und mehrere dicke Goldketten zu sehen waren. An seinen Fingern steckten wuchtige Ringe aus dem gleichen Edelmetall. Sein linkes Handgelenk schmückte eine protzige Rolex, die wahrscheinlich allein schon wesentlich mehr kosten würde als das alte Auto der Langs. Am rechten Handgelenk baumelte ein massives Goldarmband, dessen Wert dem der Uhr garantiert in nichts nachstand. Wenn Norbert etwas abgrundtief hasste, dann waren das arrogante Menschen, die meinten das Recht zu haben, andere aus irgendeinem Grund herumkommandieren zu können. Leute, die glaubten, sie seien etwas Besseres als andere! Beides traf offensichtlich und ohne Abstriche auf den jungen Mann im Mercedes zu. Norbert spürte förmlich, wie ihn kühle Abneigung erfasste. »Norbert! Bitte!« Mehr brauchte seine junge und hübsche Frau nicht zu sagen, um ihn daran zu hindern, seinem Gegenüber jetzt gleich und unmissverständlich seine Meinung zu sagen. Der Fahrer des Mercedes hatte Sariahs Worte natürlich auch vernommen und äffte nun ihre Sprechweise nach. Dabei zog er jedoch die zweite Silbe seines Namens so in die Länge, dass dadurch seine Verachtung für den jungen Familienvater unüberhörbar war. »Norbeeert! Bitte! Norbeeert! ... Hey, du Weichei! Willst du dir von deiner Tussi etwa sagen lassen, was du zu tun und zu lassen hast? ... Hey, ich rede mit dir, du Idiot!« Norbert hatte seinen Kopf zur Seite gedreht und musste sogar etwas auf die Ladefläche des Kombis klettern, um den letzten Koffer von ganz hinten herauszuholen. Obwohl es in ihm brodelte, wie in einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch, versuchte er die Provokation zu ignorieren. Er wollte ihren Urlaub nicht verderben, nicht noch einmal. Das hatte er Sariah versprochen und er würde sein Wort halten. »Du fährst jetzt deine Schrottkarre gefälligst zur Seite, oder ...« Norbert zuckte zusammen. Nur um Haaresbreite verfehlte er die Kante der Heckklappe mit seinem Kopf. Dass der Mercedesfahrer plötzlich direkt neben ihm stehen würde, als er mit dem Koffer aus dem Kombi herauskletterte, hatte er nicht erwartet. »Bist du etwa schwerhörig? Du sollst jetzt sofort deine Dreckkarre zur Seite fahren!«, schrie der Mann Norbert aus nächster Nähe an, als dieser sich anschickte, den dritten Koffer ebenfalls zum Gehsteig zu tragen, wo seine Frau mit den Kindern und dem restlichen Gepäck auf ihn wartete. Dabei kam er mit seinem Kopf so dicht heran, dass Norbert Lang seinen nach Tabak stinkenden Atem riechen konnte. »Ich hab′s gehört«, antwortete Norbert trocken und drehte sich zur Seite. Dabei musste er seine ganze Kraft aufbringen, um die verbalen Attacken zu ignorieren. Ein flüchtiger Blick zu seiner Frau, die sich gerade zu Maurin, ihrem sechsjährigen Sohn, heruntergebeugt hatte, bestärkte ihn in seinem Entschluss, sich nicht provozieren zu lassen. Ja, er würde es schaffen! Diesmal ganz sicher! Für einen Moment ließ Norbert dabei den Fahrer des Mercedes aus den Augen. Diese Unaufmerksamkeit erwies sich als folgenschwerer Fehler, als der Mann ihm mit seinem Designerstiefel im Krokodilslederlook kräftig gegen das Schienbein trat. Ein stechender Schmerz durchfuhr sein Bein. Der Koffer entglitt seinen Fingern. Beinahe wäre er sogar noch darüber gestolpert, da er sich mitten in einer Bewegung befand. »Hey! Was ist dein Problem? Suchst du einfach Ärger? Oder was ist los?«, machte Norbert sich nun doch Luft und trat seinerseits einen Schritt auf seinen Angreifer zu. Ein fieses und herablassendes Lachen zeichnete sich in dessen Gesicht. Mit der rechten Hand griff der Mann den Zigarillo, welchen er lässig im Mundwinkel klemmen hatte, knickte ihn zusammen und warf die noch immer qualmenden Reste demonstrativ vor Norberts Füße. »Du bist mein Problem«, antwortete er mit leiser, kratziger Stimme, »Und jetzt hast du ein echtes Problem!« »Nein! Aufhören!«, rief Sariah und der kleine Junge fing an zu schreien. »Ich will keinen Streit«, versuchte Norbert sofort zurückzurudern, als er bemerkte, dass die Situation außer Kontrolle zu geraten drohte. »Das hättest du dir besser überlegt, bevor du mich angemacht hast, du Spinner. Deine Alte kann dir nun auch nicht mehr helfen.« Ohne Vorwarnung holte er mit seiner rechten Faust aus und schlug auf Norbert ein. Geistesgegenwärtig duckte der sich zur Seite weg, sodass die Faust ihn nur leicht an der Wange streifte. Einer der scharfkantigen Ringe des Angreifers riss jedoch trotzdem einen feinen Kratzer in seine Haut. Ohne einen zweiten Angriff abzuwarten, versetzte Norbert dem Mann mit beiden Händen einen mittelmäßigen Stoß gegen den Oberkörper. Während dieser angesichts des unerwarteten Gegenangriffs zwei Schritte zurücktaumelte, griff sich Norbert das eiserne Radkreuz aus dem Kofferraum seines Wagens und postierte sich damit in Verteidigungsstellung. »Verschwinde und lass mich in Frieden!«, keuchte er seinen Gegenüber an, »Sonst weiß ich nicht, was passieren wird! Ganz ehrlich! Verschwinde einfach! Es ist besser für uns beide.« Norberts Stimme klang gepresst, aber zu allem entschlossen. Unter diesen Umständen zog sich der dunkel gekleidete Mann doch lieber in sein Auto zurück, allerdings nicht, ohne im Vorbeigehen noch mit dem Fuß gegen die Tür von Norberts Auto zu treten. Mit quietschenden Reifen fuhr der schwarze Mercedes davon, wobei nun plötzlich scheinbar doch ausreichend Platz vorhanden war. Zuvor zeigte er noch als Drohung mit Zeige- und Mittelfinger zuerst auf seine eigenen Augen und dann auf Norbert und dessen Familie. Doch dann war er weg. Als das schwarze Auto schließlich um die nächste Ecke bog, atmete Norbert erleichtert auf. »Norbert!« Sariahs Schrei übertönte den Straßenlärm und die Geräusche eines gerade startenden Flugzeuges und rissen ihn aus seiner Starre. Erschrocken drehte er sich zu seiner Frau um. »Du blutest ja!«, stellte Sariah fest, als er ihr in die Augen sah. »Schatz, es ist alles in Ordnung. Wirklich! Alles in Ordnung! Und bei euch?« »Bei uns ist alles in Ordnung. Aber ich hatte solche Angst, als der Typ auf dich losgegangen ist und du ...« »Es ist nichts passiert. Wirklich! Der suchte einfach nur ein bisschen Stunk. Du hast doch gesehen, wie der mich ohne Grund angegangen ist. Aber jetzt ist es vorbei. Der Spinner ist weg.« Als Norbert seine Frau in die Arme nahm, spürte er, wie sehr sie zitterte. Tränen liefen ihre Wangen herunter. Während er sie fest an sich gepresst hielt, schaute er sich um. Obwohl es noch früh am Morgen war, strömten schon Massen von Menschen zum Eingang des Flughafens. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sich nicht ein Einziger der anderen Reisenden auch nur im Ansatz darum gesorgt hatte, dass irgendein Typ grundlos auf ihn eingeschlagen hatte. Wahrscheinlich hatten die Vorübereilenden neugierig gegafft, aber eingemischt hatte sich keiner. »Geht′s wieder?«, fragte er vorsichtig. Sariah löste sich langsam aus seiner Umarmung und wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht und nickte. »Danke, dass du ...« »Schon gut«, unterbrach er sie, »Du weißt doch, dass es niemals wieder vorkommen wird!« Sariah nickte und lächelte etwas. Norbert lächelte zurück, als wollte er dadurch verstecken, dass er innerlich total aufgewühlt war. »So, und jetzt geht der Urlaub los!«, rief er seinen Kindern zu, die etwas unschlüssig neben den beiden Erwachsenen standen. »Ich bringe euch noch in die Eingangshalle und dann schaffe ich das Auto auf den Parkplatz. Der Flieger geht in drei Stunden. Wir haben also noch genug Zeit.« Nachdem er seine Familie in den Eingangsbereich des Terminals gebracht hatte, brauchte er erst einmal zwei Minuten Ruhe, bevor er den Motor des Autos startete. Seine Hände zitterten. Mit einem Schlag wurde ihm bewusst, was alles hätte passieren können. Für einen Augenblick blitzte eine Erinnerung in seinen Gedanken auf. Eine traurige Erinnerung. Eine finstere Erinnerung!


 


mehr gibts auf: http://airport.steevemeyner.de


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