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> Kinderbücher > Wir Reiter vom Felderbrockhof
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Kinderbücher
Buch Leseprobe Wir Reiter vom Felderbrockhof, Martina Sein
Martina Sein

Wir Reiter vom Felderbrockhof


Dana

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Es war unser letzter Tag in diesen Sommerferien. Hinter uns lag ein weiteres Abenteuer, bei dem wir es mit Leuten vom Film zu tun bekommen hatten. Meine Freundin Madita hatte sogar eine kleine Rolle in dem Krimi bekommen. Sie war mit ihrem Pony Blinky vor einer Hochzeitskutsche geritten und hatte Blumen gestreut. Beim Frühstück erinnerte Vati mich: „Du denkst bitte daran, dass deine Omis am Vormittag kommen, ja?“ „Wie könnte ich das vergessen!“, antwortete ich. Auf diesen Besuch zum Beginn des Jahres in der neuen Schule freute ich mich sehr. Ich hatte die beiden nicht mehr gesehen, seit Vati obdachlos geworden und mit mir auf gut Glück durch Ostfriesland gezogen war. Das war passiert, nachdem meine Mutter gestorben war. Er hatte den beiden Omas nicht einmal Bescheid gegeben, als er mit mir auf Wanderschaft gegangen war. Diese Zeit versuchte ich, so gut wie möglich zu vergessen. Es war ein schreckliches Gefühl gewesen, kein Zuhause zu haben. Wir hatten oft nicht gewusst, wo wir die nächste Nacht verbringen würden. „Keine Sorge“, erklärte ich. „Den anderen habe ich gesagt, dass ich heute nicht so viel Zeit habe. Wann holen wir die zwei genau vom Bahnhof ab?“ Meine Omas hatten beide keinen Führerschein. Sie gehörten einer Generation an, in der das bei Frauen eher selten war. Seit ihre Männer gestorben waren, kamen sie nicht oft aus ihren Wohnorten heraus. Sie mussten sich mit Fahrrad, Bus und Bahn fortbewegen oder jemanden aus der Nachbarschaft bitten, sie zu fahren, wenn es nötig war. Für ein Taxi hatte keine von ihnen das nötige Geld. Vati teilte mir mit: „Um 10.12 Uhr kommt der Zug an. Lasse ist so nett und leiht uns sein Auto, damit wir sie abholen können.“ „Prima“, freute ich mich und schaute gleich einmal auf die Uhr. Die zeigte jedoch erst kurz nach acht an. Was konnte ich unternehmen, bis wir fahren mussten? Die Zeit war definitiv zu knapp, um mich mit meinen Freunden bei Lotta im Stall zu treffen. Das machten wir ansonsten jeden Tag nach dem Frühstück und wenn die Tiere versorgt waren. Felderbrockhof, der kleine Ort, in dem wir damals lebten, bestand lediglich aus vier Bauernhöfen und einer Windmühle. Zu der gehörten die Ponyzucht und ein Kutschunternehmen. Wir waren während der Ferien täglich mit den kleinen Pferden unterwegs gewesen. Das Reiten hatte ich bei dieser Gelegenheit erst gelernt. Ich war gerade dabei, mein Bett zu machen, als es klopfte. Erik streckte seinen Kopf zur Türe herein. „Wir gehen rüber zu Lotta“, verkündete er. „Heute erst einmal ohne mich“, gab ich zurück. „Vati und ich holen meine Omis bald vom Bahnhof ab. Da möchte ich unbedingt dabei sein.“ „Geht klar, ich sage den anderen Bescheid“, versprach Erik und warf mir ein Lächeln zu, das ich erwiderte. Ich verstand mich mit allen Kindern in Felderbrockhof gut, aber mit Erik am besten. Am liebsten hätte ich mich zweigeteilt. Zu gerne wäre ich mit zum Pferdestall hinter der Mühle gegangen, aber die Ankunft meiner Omis konnte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Ich hatte sie so lange nicht gesehen! Zudem sollte mein Zimmer perfekt aufgeräumt sein, wenn sie kamen. Die Ferienwohnung der Beckers, die uns aufgenommen hatten, bestand aus einem Schlafzimmer und einer Art Wohnküche, in welcher es ein Sofa gab, das man ausklappen konnte. Auf dem schlief mein Vater. Er war der Meinung, ich sollte ein anständiges Bett haben. Obendrein brauchte ich einen Rückzugsort, wenn die Schule erst einmal angefangen hatte. Wo sollte ich sonst in Ruhe lernen? Ich war ihm sehr dankbar für mein eigenes kleines Reich. Da fiel mir etwas ein. Ich rannte rasch die Treppen hinunter und hatte Glück. Soeben wollten Erik und seine beiden älteren Schwestern Agneta und Eltje zur Türe hinaus. „Entschuldigt, aber Eltje, könntest du mir zeigen, wie man Fenster putzt? Das habe ich noch nie gemacht. Ich möchte, dass alles blitzeblank ist, wenn meine Omis kommen.“ „Klar doch.“ Eltje war der hilfsbereiteste Mensch, den ich kannte. Außerdem war sie mit ihren dreizehn Jahren bereits fast die perfekte Hausfrau. Sie konnte prima backen, kochte, wenn ihre Mutter Bentje es einmal nicht schaffte, und half beim sauber machen. Eltje wandte sich an ihre beiden Geschwister: „Ich komme gleich nach.“ Anschließend ging sie in den Flur, in welchem ihre Mutter einen Wandschrank mit allen möglichen Putzutensilien hatte. Aus dem holte sie einen Eimer und ein kleines Gerät, das wie ein T aussah. Sie füllte warmes Wasser ein und zeigte mir, welches Mittel man benutzte. Mit diesen Sachen stiegen wir die Treppe in den zweiten Stock des großen Bauernhauses hoch. Die Ferienwohnung war ein Teil des Dachbodens, der vor einigen Jahren einmal ausgebaut worden war. „Ist ganz einfach“, versicherte Eltje und zeigte mir an der ersten Scheibe, wie das Reinigen funktionierte. „Den Dreck ordentlich einweichen und mit der Gummilippe abziehen. Dann machst du die Rahmen und polierst die Scheibe am Ende.“ „Ich glaube, das kriege ich hin“, meinte ich langsam und probierte es unter der Aufsicht meiner Freundin. „Sehr gut“, lobte diese. „Brauchst du mich weiter?“ Auf diese Frage hin schüttelte ich den Kopf und winkte Eltje zum Abschied, als sie sich auf den Weg zu den anderen machte. „Grüß mir Prinzessin!“, rief ich ihr hinterher. So hieß das schon etwas ältere, braun-weiß gefleckte Pony, das ich reiten durfte. „Mache ich. Viel Spaß beim Abholen deiner Omas! Ich bin sehr gespannt auf die beiden.“ Eigentlich hatte ich lediglich vorgehabt, das große Doppelfenster in der Gaube meines Zimmers zu putzen. Nachdem es aber super klappte, machte ich mich zusätzlich über die anderen her. Vati schaut erstaunt auf, als ich in die Küche kam und dort loslegte. „Nanu? Was ist in dich gefahren? Und woher weißt du, wie man Fenster putzt?“ „Das hat Eltje mir gerade eben gezeigt“, erklärte ich. „Die kann so etwas im Schlaf. Irgendwie macht es sogar Spaß, und ich möchte, dass die Omis sehen, wir kommen gut zurecht. Die haben sich große Sorgen gemacht, als wir verschwunden waren.“ Langsam nickte Vati. „Mir war damals nicht bewusst, was ich euch allen damit angetan habe.“ Bis wir fahren mussten, blitzten sämtliche Scheiben in der Wohnung, und ich war sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Vati durfte das Auto von den Beckers nehmen. Gemeinsam gingen wir die beiden Treppen nach unten. Wie so oft stolzierte das Pfauenmännchen über den Hof, als wir ins Freie traten. Außerdem war es ein paar Hühnern gelungen, aus ihrem Freigehege auszubrechen. Das machten sie leidenschaftlich. Olaf, der Hofhund, saß wachsam auf der Seite, die offen zum Dorf hin war, und passte auf, dass keines der Tiere wirklich abhaute. „Jetzt musst du aber achtgeben, Olaf“, mahnte ich den Mischlingshund. „Wir fahren nämlich zum Bahnhof.“ Ich streichelte den braunen Kopf, woraufhin er die Augen halb schloss. Kurz darauf startete Vati den Motor des Wagens und rollte durch den Ort. Hier fuhr ganz automatisch niemand schnell; abgesehen von Herrn Egersen von den Filmleuten, der ein paar Mal in Felderbrockhof gewesen war, um alles mit Herrn Richter wegen der Hochzeitskutsche für den Film zu vereinbaren. Der hatte kein Verständnis für unsere Art von Leben gehabt und noch weniger Geduld, mit seinem großen, silbernen Luxusschlitten langsam zu fahren. Zum nächsten Bahnhof benötigten wir knapp zwanzig Minuten. Natürlich waren wir in unserer Aufregung und vor Freude zu früh losgefahren, sodass wir ein wenig warten mussten. Da wurde der Zug über die Lautsprecher angekündigt. Kurz darauf kam er quietschend am Bahnsteig zum Stehen. Ich suchte gespannt alle Türen ab, wo meine Omas aussteigen würden, und entdeckte die beiden schließlich. Da gab es kein Halten mehr für mich. Ich rannte ihnen entgegen. Vati erreichte uns kurze Zeit später und half mit den Koffern. „Herzlich willkommen“, begrüßte er sowohl seine Mutti als auch seine Schwiegermutter. „Lass dich anschauen, mein Junge! Du hast dich sehr verändert, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.“ Omi brach schlagartig ab, und ich wusste genau, warum. Das war nämlich bei der Beerdigung meiner Mutter gewesen. Sie fügte rasch hinzu: „Der Bart steht dir gut. Er verleiht dir irgendwie etwas Autoritäres und Würdevolles zugleich, obwohl er dich ein bisschen älter macht. Das haben Bärte irgendwie so an sich. Vati erwiderte: „Dana und ich haben ein sehr schönes Zuhause gefunden. Das werdet ihr ja gleich sehen. Dort habe ich Unterstützung durch eine Familie, die selber drei Kinder hat. Außerdem leben da die Groß- und die Urgroßeltern mit im Haus.“ „Wie groß ist das um Himmels willen?“ „Ziemlich“, bestätigte ich. „Keine Sorge! Ich zeige euch nachher alles, wenn wir dort sind. Wie war eure Fahrt?“ „Recht angenehm“, antwortete die Bremen-Oma, wie ich die Mutter meiner Mutti immer nannte, um die beiden auseinanderhalten zu können. Die andere war die Stuhr-Oma. Das hatte nichts damit zu tun, dass sie vielleicht ein Dickkopf gewesen wäre. Sie lebte schlichtweg in einem Ort, der Stuhr hieß. „Wir waren teilweise fast alleine in dem Großraumabteil.“ „Vermutlich sieht es in die entgegengesetzte Richtung anders aus“, entgegnete Vati. „Wenn überhaupt so spät, dann reisen die Leute am Ende der Ferien zurück in die Städte. In dieser Gegend machen sie eher Urlaub.“ Die Stuhr-Oma warf ein: „Ich freue mich so sehr darauf, ein bisschen ans Meer zu kommen. Es ist gefühlt eine Ewigkeit her, dass wir zusammen an die See gefahren sind.“ „Da muss Dana fünf oder sechs gewesen sein“, erinnerte Vati sich. Die Omi nickte. „Man kommt einfach gar nicht mehr heraus aus seiner kleinen Welt.“ Vati führte uns alle zum Auto und lud die Koffer ein. Wenn die beiden eine Bahnfahrt unternahmen, wollten sie ein bisschen etwas davon haben. Daher würden sie eine Woche bei uns bleiben. Ich freute mich riesig auf diese Zeit. Die Bremen-Omi saß hinten neben mir. Sie schaute viel aus dem Fenster, während die andere sich mit Vati unterhielt. „Wie kommst du jetzt ohne Sophie zurecht? Kannst du Dana alleine großziehen?“ „Du wirst sehen, dass wir unseren kleinen Haushalt im Griff haben.“ Vati zwinkerte mir im Rückspiegel zu. Wie gut, dass ich vorhin so fleißig gewesen war. Omi neben mir verkündete: „Die Landschaft ist wirklich herrlich. Dana, du hast geschrieben, dass du Freunde gefunden hast.“ Bei diesem Thema geriet ich sofort ins Schwärmen: „Mehrere. Wir sind in Felderbrockhof insgesamt elf Kinder. Lottas Eltern haben einen Kutschbetrieb und züchten Ponys. Auf denen sind wir während der Ferien fast den ganzen Tag geritten.“ Vorne drehte die Stuhr-Omi sich zu mir um und stellte fest: „Du kannst doch überhaupt nicht reiten, Dana.“ „Das kann man aber lernen. Keine Sorge, Omi, Lotta hat mir das liebste Pony gegeben, das sie auf dem Hof haben. Es heißt Prinzessin und ist schon ziemlich alt. Ich zeige sie dir später. Ihr müsst unbedingt mit zu Lotta kommen. Stellt euch vor, sie wohnt in einer umgebauten Windmühle.“ „Das hört sich spannend an“, stimmte die Bremen-Omi zu. „Und ist unter diesen Kindern auch eines, mit dem du zusammen in die Schule kommst?“ „Mit Madita und Erik bin ich die Jüngste. Wir werden wohl alle in eine Klasse gehen. Erik gehört übrigens zu denen, die mit uns im selben Haus wohnen.“ Wir hatten Felder hinter uns gelassen. Das war der eigentliche Ort, zu dem unsere fünf Gehöfte gehörten. Bald tauchten die vor uns auf. „Gleich sind wir da“, teilte ich meinen Omas mit und deutete nach vorne. Olaf kam uns bellend entgegengelaufen, als Vati den Wagen parkte. Die Bremen-Oma hatte Angst vor Hunden. Aus diesem Grund wagte sie es zunächst nicht auszusteigen. Daher packte ich Olaf am Halsband. „Du kannst dich raustrauen. Der tut nichts.“ Mit einem zweifelnden Blick verließ Omi das Auto und ging rasch hinter Vati zum Haus. Dafür war die andere Oma umso offener. Sie ging in die Hocke und streichelte Olaf. „Na, du machst halt deine Arbeit, nicht wahr?“ Ich wusste, dass sie und Opa früher selber einen Hund gehabt hatten.


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