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Kinderbücher
Buch Leseprobe Traumjunge, T.L.Nagengast
T.L.Nagengast

Traumjunge


Das Geheimnis des Abgrunds

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Der Flug Ich fliege. Nicht mit einem Flugzeug, und doch hunderte Kilometer über der Erde. Die Luft peitscht mir ins Gesicht, weht meine Sorgen und Gedanken weg, macht mich frei und unbeschwert. Ich schaue nach unten und entdecke Häuser so klein wie Streichhölzer. Autos, die wie Fliegen wirken und Bäume, die ich nur erahnen kann. Vögel fliegen mir entgegen, zwitschern und piepsen. Ich stelle mir vor, dass sie mir zurufen, mit mir sprechen und mit mir fliegen. Ich fliege immer weiter. Wohin mein Flug geht? Ich habe keine Ahnung. Und es interessiert mich auch nicht. Hauptsache weg. Weg von dem eintönigen Alltag, von dem Stress der zuhause wartet und vor allem weg von der Sinnlosigkeit. Weit vor mir, noch klitzeklein wie eine Ameise, kann ich das Meer entdecken. Ich stelle mir vor, wie es träge gegen die Felsen schlägt, wie das Wasser das strahlende Licht der Sonne widerspiegelt. Immer größer wird es vor meinen Augen. Mittlerweile kann ich sogar schon den Strand sehen. Friedlich und menschenleer wartet er auf mich. Langsam sinke ich hinab, lasse mich vom Wind zu meinem neuen Ziel treiben und lande sanft in den kühlen Fluten. Ich schaue auf mich hinunter und merke, dass ich nackt bin. Doch das ist hier egal. Alles ist hier egal. Langsam schwimme ich ans Ufer. Der Sand ist weich wie Schnee und auch fast so weiß, doch dafür warm und wohltuend. Träge lege ich mich ans Ufer und schaue in den klaren blauen Himmel empor. Kleine Wolken schweben über mich hinweg, jede einzelne vollkommen und einzigartig. Die eine ähnelt einer Sternschnuppe. Gleich daneben kann ich einen Drachen erkennen und links von mir fliegt eine Herzwolke. Unwillkürlich stiehlt sich ein seelisches Lächeln auf mein Gesicht, während ich meine Gedanken fliegen lasse. Plötzlich höre ich ein Rumpeln. Ich öffne die Augen und zu meiner Enttäuschung sind der Strand und das Meer verschwunden. Auch von den kleinen Wolken ist keine Spur zu sehen. Stattdessen starre ich auf meine Zimmerdecke, die kalt und weiß auf mich hinabblickt. Ich seufze tief, quäle mich aus meiner Bettdecke und setze mich auf. Mein Zimmer liegt im Halbdunkeln da und ich weiß, dass es Zeit ist aufzustehen. Schnell schnappe ich mir meine Klamotten, die ich bereits am Vortag ausgewählt habe, und verschwinde ins Badezimmer. Der Boden ist noch warm, was bedeutet, dass meine Schwester bereits aufgestanden ist und die Bodenbeheizung angestellt hat. Flüchtig wasche ich mir den Schlaf aus den Augen, ziehe Jeans und T-Shirt an, kämme mir einmal durch die Haare und schlürfe die Treppe hinunter. Von oben höre ich bereits die kreischende Stimme meiner Schwester. „Nicht schon wieder“, denke ich mir, bevor ich die Tür zum Esszimmer öffne. „Christina, nicht in diesem Ton“, höre ich meine Mutter schreien. „Ich rede so, wie ich will“, brüllt meine Schwester zurück. Stumm quetsche ich mich an den Streithähnen vorbei, gehe in die Küche und hole mir mein Müsli. Als ich in das Esszimmer zurückkomme, hat sich meine Mutter von meiner Schwester abgewandt und blickt sich zu mir um. „Guten Morgen“, raune ich ihr zu und setze mich an den Tisch. Wehmütig denke ich an meinen Traum zurück, während ich still mein Frühstück esse. „Wie hast du geschlafen“, fragt mich meine Mutter, doch ich habe keine große Lust mehr auf ein Gespräch und antworte nur kurz angebunden. Meine Mutter versteht das Signal und lässt mir meine Ruhe, während meine Schwester gegenüber am Tisch stumm vor sich hin schmollt. Was für ein perfekter Morgen – wie jeder Tag: Nur Gestreite! Ich schnappe mir meine Jacke und meine Schultasche, rufe kurz einen Abschied über die Schulter und verlasse das Haus. Froh, endlich an der frischen Luft zu sein, wacht mein Geist vollends auf und auch meine gute Laune kommt allmählich zurück. Ich blicke mich um und sehe die ersten bunten Blätter von den Bäumen fallen. Rot, orange, kupferfarben und braun; ein Meer voll Farben umgibt mich. Ich halte kurz inne, um mich an dem Anblick zu erfreuen, doch nach einigen Sekunden mache ich mich weiter auf den Weg zur Bushaltestelle. Dort angekommen hole ich mir meinen Mp3-Player aus der Tasche und vergesse die Hektik und die Gespräche um mich herum. Wahllos suche ich in meiner Musikliste, bis ich mich schließlich für ein Lied aus dem Musical „Tanz der Vampire“ entscheide. Versunken in meine Gedanken warte ich bis der Bus kommt. In der Zwischenzeit ist auch meine Schwester an der Haltestelle angekommen und reiht sich hinter mir ein. Doch ich habe keine Lust auf ein Gespräch in der Früh und auch sie sieht aus, als wolle sie in Ruhe gelassen werden. Noch immer hat sie ihren Mund zu einer Schnute gezogen und schmollt. Der Bus fährt vor und alle drängen sich nach vorne um einen Sitzplatz zu ergattern. Ich habe Glück und erobere noch einen Sitz für mich allein. Ich schließe die Augen und versinke in die Musik, während der Bus leicht an Fahrt gewinnt. Träge döse ich ein und öffne erst meine Augen, als der Bus zum Stillstand kommt. Es ist Montag, was bedeutet, dass noch ganze fünf Tage vor mir liegen, bevor endlich wieder das Wochenende vor der Tür steht. Im Klassenzimmer begrüßen mich freudig meine Freundinnen und Mitschüler. Überall wird gequatscht und gelacht, denn der Unterricht hat noch nicht begonnen. „ Wie war dein Wochenende? Was hast du denn so getrieben?“, fragt mich meine beste Freundin Ilona. „Ich habe die letzten Sonnenstrahlen am See genossen“, erwidere ich grinsend. „Und wie war dein Wochenende bei deinem Paten in Bamberg?“ Seit ihr Pate nach Bamberg gezogen ist, besucht sie ihn dort regelmäßig. „Ach ganz cool. Ich war ein bisschen shoppen und abends war ich auf so einer Straßenfete.“, beginnt sie zu erzählen. Na dann kommt wieder eine spannende Männergeschichte, geht es mir durch den Kopf und ein wissendes Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht, denn Ilona erzählt ständig von verschiedenen Jungen, die sie kennengelernt hat. Mit ihren blonden Haaren und den strahlendblauen Augen ist sie die Art Mädchen, denen die Typen hinterher schauen. „..ja und da war ein Kerl, der war voll süß“, höre ich sie da auch schon loslegen. „Und er hat sich in dich verschossen“, schließe ich die Geschichte. „Nein eben nicht. Er hat mich nicht einmal angeschaut“, seufzt sie mit großen Augen. „Ach das kann doch gar nicht sein; wie kann dich nur einer nicht bemerken?“, frage ich glaubwürdig verdutzt. „Ach komm hör schon auf. Das sagt genau die Richtige.“, gibt sie mir Contra. Ich lasse das Thema lieber ruhen und frage stattdessen: „Wie sah denn dein Traumprinz dann aus?“ Groß, blond, gutaussehend – so sehen sie bei ihr alle aus. „Guten Morgen Klasse“, ertönt die Stimme unserer Lehrerin und unterbricht fürs Erste Ilonas Schwärmereien. Seufzend drehe ich mich nach vorne um und hole mein Mathebuch aus der Schultasche. Die ersten beiden Schulstunden vergehen quälend langsam. Neben mir sehe ich Ilona ein Stück Papier aus der Tasche holen. Wahrscheinlich will sie mir nun schriftlich von ihrem Romeo berichten. Ich lasse mein Gesicht auf meine Arme fallen und schließe die Augen. Der Traum ist der beste Beweis dafür, dass wir nicht so fest in unsere Haut eingeschlossen sind, als es scheint! Friedrich Hebbel ________________________________ Ich bin allein. Kein Laut ist zu hören. Nur Stille. Wenn ich ganz genau hinhöre, kann ich leicht den Wind pfeifen hören. Ich blicke mich um, drehe mich einmal um meine Achse, und sehe weit und breit – nichts. In alle Winkel drehe ich mich und kann nur Wüste entdecken. Rotbraune Brocken ragen an einigen Stellen aus dem Boden empor, hier und da sprießt sogar Unkraut heraus. Doch ansonsten bleibt alles leer. Hingerissen gebe ich mich der Ruhe hin, nichts scheint wichtig zu sein. Stress, Termine gibt es hier nicht, ja es ist als wäre die Zeit stehengeblieben. Da höre ich auf einmal ein Tapsen. Verstört von dem plötzlichen Geräusch, schrecke ich zusammen und fahre herum. Zuerst kann ich nichts entdecken, doch als ich meinen Blick auf den Boden senke, sehe ich vor mir eine Wüstenkatze sitzen. Scheu und erschrocken von dem plötzlichen Besucher blicken mich die hellgrünen Augen des Tiers an, überlegend ob ich eine Gefahr darstelle. Ich versuche ganz langsam und sachte auf die Knie zu gehen, um die Katze nicht zu verscheuchen. Zentimeter für Zentimeter beuge ich meinen Oberkörper nach vorne, während ich mein Gesäß nach hinten schiebe. Die Katze schaut mich noch immer mit wachen Augen und versteinerter Miene an. Dann scheint die Starre von ihr abzufallen, sie macht einen Satz nach hinten und sucht hinter einem kleinen Stein Deckung. Völlig verblüfft schaue ich dem Manöver zu. Nicht dieser Fluchtversuch überrumpelt mich, denn damit habe ich von Beginn an gerechnet, viel mehr fasziniert mich, wie die Katze mit der Umgebung eins wird. Wie sie sich so tief an den Boden drückt, dass sie hinter der kleinen Aushöhlung komplett verschwindet. Wie ihr gelb-braunes Fell mit der Landschaft verschmitzt. Wie ein Chamäleon schießt es mir durch den Kopf. Nun lasse ich mich vollends auf den Boden sinken, strecke einen Arm aus und versuche die Katze zu locken. Nichts geschieht. Millimeterweit bewege ich mich nach vorne, mache dann wieder eine Pause und beginne die Prozedur erneut. Ganz langsam sehe ich, wie das Tier den Kopf hebt, es Vertrauen schöpft und vorsichtig auf mich zu schleicht. Mit der Nase beschnuppert es meine Hand, fühlt mit den feinen Sinneshaaren meine Haut und beginnt leise zu schnurren. Geschafft. Jetzt sind wir Freunde. „Ich nenne dich Blaze, weil du mein Lichtblick in dieser Einöde bist“, taufe ich zärtlich meinen neuen Gefährten und fahre ihr liebevoll über das Fell. Seit ich klein bin habe ich mir eine Katze gewünscht. „Josi, Josi, ich rede mit dir“, höre ich eine Stimme rufen. Ich hebe den Kopf und blicke mich orientierungslos um. Die Wüste, die Leere und die Katze sind verschwunden. An ihrer Stelle sehe ich wieder das Klassenzimmer, meine Lehrerin und Ilona, die mich gerade unsanft am Arm rüttelt, um mich aufzuwecken.


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