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Kinderbücher
Buch Leseprobe Paulageschichten Teil 2, Karin Selest
Karin Selest

Paulageschichten Teil 2



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Als Peter verloren ging


 


Mama und Papa tranken am Samstagmorgen genüsslich ihren Frühstückskaffee. Peter saß im Sitzstühlchen und kaute an einem Milchbrötchen. Paula beobachtete ihn vom Sofa aus und dachte, der ist genau wie Charly, immer hat der Hunger. Sie drehte sich zum Fenster, zog die Gardine zurück und sah hinaus. In der Nacht hatte es ordentlich geschneit. Es würde großen Spaß machen, durch den weichen Schnee zu tollen. Heute würden sie bestimmt die Schneeballschlacht gegen die Taxizwillinge gewinnen. Taxizwillinge, so nannten sie alle in der Straße, weil der Papa und sogar die Mama Taxifahrer waren. Paula mochte die Mädchen nicht besonders. Erstens, sie gingen schon in die dritte Klasse, und zweitens, sie liefen immer hinter Charly her. Dabei war er doch ihr Freund.


„Wo bleibt der denn nur!“, murmelte Paula.


„Auf wen wartest du denn?“, fragte Papa verwundert.


„Na auf Charly, wir wollen zur Wiese.“


Mama sah ihre Tochter entgeistert an.


„Ich habe dir schon vor zwei Tagen gesagt, dass du heute auf Peter aufpassen musst. Ich möchte mit Papa einkaufen.“


Paula zuckte zusammen. Das hatte sie total vergessen.


„Mama, es hat geschneit! Ich will mit Charly in den Schnee! Ihr müsst Peter mitnehmen.“


„Dieses Mal nicht.“


„Wieso denn?“


„Weil ich mit Papa allein fahre.“


„Oh, menno.“ Paula zog eine Schnute.


Dass sie Weihnachtsgeschenke einkaufen wollten, verriet Mama nicht. Sie hatte eine bessere Idee.


„Ihr könnt mit Peter im Schnee spazieren gehen.“


Peter, der seinen Namen und spazieren gehen hörte, rief: „Ja zieren gehen, ja, ja!“


Paula sah ihren Bruder böse an.


„Das heißt spazieren!“


Bevor der Steppke das Wort noch einmal üben konnte, klingelte es und Paula maulte: „Das ist bestimmt Charly. Den kann ich gleich wegschicken.“


„Jetzt sei nicht zickig! Las ihn herein“, schimpfte Papa.


Paula trottete zur Tür und kam mit ihrem Freund zurück.


„Du kannst sowieso wieder gehen. Ich darf nicht raus.“


„Wieso, was hast du denn angestellt?“


„Gar nichts, aber ich muss wieder einmal auf meinen Bruder aufpassen.“


„Das ist so nicht richtig“, sagte Mama mit strengem Blick.


„Ach ja, wir dürfen raus, sollen aber die Nervensäge mitnehmen. Mit dem kommen wir nie vorwärts.“


„Stimmt. So langsam, wie der läuft ... bei dem hohen Schnee? Das ist wirklich blöd“, raunte Charly.


„Dann nehmt ihr eben den Schlitten.“ Papa klang gelangweilt. Es lag bestimmt daran, dass er sich viel lieber dem Sportteil der Zeitung widmen wollte.


„Ist das nicht eine gute Idee?“ Mama sah Paula gespannt an und hoffte, sie würde zustimmen.


Paula stampfte jedoch mit dem Fuß auf.


„Nein, das ist eine ganz doofe Idee! Wir wollen den Kleinen nicht dabei haben, der ist langweilig“, schrie sie.


Das hatten Mama und Papa deutlich verstanden, auch Paulas Brüderchen und der plärrte: „Peter will aber! Will! Will! Will!“, er schmiss das Brötchen auf den Fußboden und heulte aus Leibeskräften.


Ein Knall übertönte das Geschrei. Es war Papas Faust, die auf die Tischplatte sauste, dass das Geschirr nur so klapperte. Von einer Sekunde auf die nächste wurde es mucksmäuschenstill und Papa ergriff das Wort.


„Paula, entweder du ziehst dich jetzt an und ihr geht mit dem Kleinen im Schlitten spazieren, oder ...“


Die andere Möglichkeit wollten weder Paula noch Charly hören.


„Na gut“, sagten die beiden wie auf Kommando.


Charly, dem völlig heiß geworden war, und das lag nicht nur an der Zimmertemperatur, ging mit Paulas Papa und einer Decke hinaus und holte den Schlitten aus dem Schuppen. Paula zog Schneeanzug, Stiefel, Mütze, Schal und Handschuhe an. Mama setze Peter aufs Töpfchen, was ohne Erfolg blieb; legte ihm eine Windel an und steckte ihn in den Eisbärenanzug. Darin sah er aus wie eine Schneekugel mit Teddybärohren. Paula fand das eigentlich lustig, doch vorerst war ihr das Lachen vergangen. Mit trotziger Miene stiefelte sie in den Garten.


Mama beförderte ihr Söhnchen in den Schlitten und erklärte das, was Paula längst wusste und weshalb sie den Kleinen nicht mitnehmen wollte.


„Passt gut auf Peter auf. Lauft nicht so schnell, sonst wird ihm womöglich übel, und fahrt nicht den steilen Berg herunter. Ach ja, geht nicht zur Wiese, da ist der Schnee viel zu tief. Bleibt nur auf dem Weg. Wenn Peter friert oder keine Lust mehr hat, geht ihr heim und spielt im Wohnzimmer, bis wir kommen.“


Die beiden nickten, ergriffen die Schnur und zogen den Schlitten auf die Straße.


„So was Blödes“, maulte Paula.


Charly gab ihr Recht.


„Ist echt doof.“


Peter dachte darüber anders und jauchzte.


„Juhu Schnee! Peter ist im Schnee! Juhuu, juhuu ...“


„Halte den Mund“, fuhr ihn Paula an.


„Paula ist böse?“


„Ja, du Nervensäge.“


„Bin keine Säge, bin Peter und kann singen.“ Schon trällerte er los: „Lalala, Paula ist böööse, Peter im Schneee, lalala.“


„Der nervt wirklich“, schimpfte nun auch Charly.


„Du hast ihn wenigstens nicht immer. Ich jeden Tag. Es wäre besser, wenn ich keinen Bruder hätte.“ Paula drehte sich zu Peter um und sah ihn verächtlich an. Dabei fiel ihr die Schneeballschlacht ein.


„Mensch Charly, die Taxizwillinge warten bestimmt.“


„Wir dürfen doch nicht auf die Wiese.“


„Das weiß ich auch, aber wir müssen ihnen sagen, warum wir nicht können, sonst denken die noch, wir sind feige.“


„Du hast recht, wir müssen unbedingt Bescheid sagen.“


Abrupt machten die zwei kehrt. Der Schlitten fuhr eine straffe Kurve, und Peter quiekte lauthals. Ob er es aus Freude oder Angst tat, interessierte die zwei Großen nicht. Auch nicht, dass sie gerade gegen das Verbot verstießen, schnell zu laufen.


Kurz vor dem Haus, in dem Paula wohnte, blieben sie stehen und schielten in die Einfahrt. Zum Glück waren die Eltern mit dem Auto weggefahren. Sie rannten an den letzten Häusern der Siedlung vorbei und kamen zur Wiese. Die war menschenleer.


„Mist, jetzt sind die schon weg“, brummte Charly.


„Nein, guck! Dort oben“, rief Paula und zeigte auf den Hang, der zum Wald führt.


Die Zwillingsmädchen stapften, jede einen Schlitten an der Leine, den Berg hinauf.


„Eh ihr da; kommt mal her!“, schrie Paula.


Die Mädchen schauten sich um und schrien im Duo: „Kommt ihr doch her.“


Charly und Paula sahen sich an, ließen die Schlittenleine fallen und rannten los.


„Wir haben heute keine Zeit“, hauchte Paula, als sie völlig außer Atem vor den Taxizwillingen stand.


„Keine Zeit oder Angst vor der Schneeballschlacht?“


„Quatsch wir müssen auf den Bruder von Paula aufpassen!“, murrte Charly schnaufend.


„Ihr seid bloß feige“, stichelten die Mädchen.


„Gar nicht! Ich muss wirklich auf meinen Bruder aufpassen, und Charly hilft mir.“


„Ach ja? Und wo ist dein Bruder?“


„Na da unten auf dem Schlitten.“


Die Zwillinge machten lange Hälse und kicherten.


„Ihr teilt euch einen Schlitten?“


„Nein, da ist doch Peter drin.“


„Du willst uns wohl veralbern! Da ist niemand im Schlitten.“


Paula drehte sich um, kniff die Augen zusammen und erschrak.


„Wo ist Peter?“


Charly folgte ihrem Blick.


„Weg ... einfach weg.“ Das war alles, was er sagen konnte.


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