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Kinderbücher
Buch Leseprobe Nathan und der Kobold Tengu, Maria Anders
Maria Anders

Nathan und der Kobold Tengu


Illustrierte Sonderausgabe

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Kapitel 7 - Mit dem Zug nach London City


 


Insgesamt vierzehn Stunden waren Nathan und Tengu später mit dem Zug von Hamburg nach London unterwegs. Zweimal mussten sie auf der Strecke umsteigen und den Zug wechseln, in Brüssel hätten sie beinahe ihren Anschluss-Zug verpasst.


 


Denn dadurch, dass es Freitag war, waren die Züge voller als sonst. Auch konnten Nathan und Tengu nicht einfach jemanden fragen, wo denn der Anschlusszug halten würde? Sie mussten die Mitreisenden belauschen und sich ihnen dann voller Vertrauen an die Fersen heften, ohne von ihnen angerempelt oder - wie es Tengu einmal beinahe passiert wäre - zertrampelt zu werden.


 


Im Umsteige-Bahnhof Brüssel hatten der Junge und der Kobold Probleme, schnell genug die eisernen Stufen des ICE hinunterzuklettern. Dann hieß es: Schnell die Gleise entlangsprinten und den Anschlusszug finden. Der Anschlusszug war endlich der »Eurostar«. Nun werden sich vielleicht einige Leser fragen, was zum Kuckuck ein »Eurostar« ist? Nun, der »Eurostar» ist ein Hochgeschwindigkeitszug, und zwar einer, der Frankreich, aber auch Brüssel mit London verbindet. Er ist der einzige Zug, der durch den Kanaltunnel fährt  - Und wenn man mit dem Eurostar fahren will, dann muss man „Einchecken“, ganz genau so, wie auf einem Flughafen. Denn auch für die Fahrt mit dem Eurostar gelten erhöhte Sicherheitsmaßnahmen. Bereits dreißig Minuten vor der Abfahrt werden die Passagiere in einen abgesperrten Bereich gebeten, dann werden die Pässe kontrolliert und niemand darf mehr rein oder raus.


 


Als Nathan und Tengu endlich zusammen mit den anderen Fahrgästen den Eurostar betreten durften, schlängelten sie sich mal wieder - unsichtbar wie sie waren - überall durch und suchten sich ein schönes, freies Plätzchen, in dem sie stressfrei die letzten Reisestunden verbringen konnten. Beide waren ganz schön aufgeregt, und da alle normalen Sitze vergeben waren,  krabbelten sie kurzerhand unter einen Tisch, der direkt unter einem der langen Fenster stand, und machten es sich dort gemütlich.


 


Schon wenig später wurden alle Türen geschlossen und die abenteuerliche Reise durch den Kanaltunnel ging los. Es dauerte auch nicht lange, und der Hochgeschwindigkeitszug fuhr so schnell, dass man gar nicht merkte, dass man überhaupt unterwegs war.


 


Tengu fühlte sich so »eingesperrt« unter der Erde gar nicht wohl, das war ihm deutlich anzusehen.  Ständig sah er hin und her und ermahnte seinen Freund fast alle fünf Minuten, bloß den Wichtelhut nicht abzusetzen oder ihn gar noch zu verlieren. Gott sei Dank hatte sie sich einen Platz ausgesucht, wo sie unbehelligt blieben, denn es war kein Passagiertisch, unter dem sie saßen, sondern ein Tisch mit Prospekten, Servietten und kleinen Wasserflaschen, an denen sich die Reisegäste bei Bedarf selbstständig bedienen konnten.  Nach einer Weile bekamen Nathan und Tengu wieder Hunger und beratschlagten, wie sie am besten vorgehen sollten. Anders, als in einem normalen Zug, gab es im »Eurostar« nämlich keinen Speisewagen. Das Essen wurde den Fahrgästen, genauso wie im Flugzeug, direkt an ihrem gebuchten Platz serviert.


 


Tengu, der für die Menschen ja generell unsichtbar und zudem noch sehr klein war, hatte natürlich leichtes Spiel und so schlich er sich leise zu verschiedenen Fahrgästen und versuchte, genau die Leckereien von den Tellern zu stibitzen, die diese übrig gelassen hatten und packte sie schnell in seinen Rucksack. Mutig balancierte er irgendwann sogar auf einer gläsernen Trennwand, um ins nächste Abteil zu schlüpfen. Auch dort ging alles glatt und es dauerte nicht lange, bis er zu Nathan zurück kam, um seine Beute mit ihm zu teilen. Mehrere belegte Brötchen, verschiedene Schokoladenriegel und zwei Äpfel.


 


Nach dem Essen schliefen der Junge und der Kobold zufrieden ein. Als sie wieder erwachten, saßen sie ganz schnell aufrecht:  Der »Eurostar« war in London angekommen!


 


Der Bahnhof, in dem sie eingefahren waren, hieß: »St. Pancrass International« und war im sogenannten viktorianischen Bau-Stil erbaut worden. Der Bau-Stil heißt viktorianisch, weil er während der Regentschaft der damaligen Königin Victoria erfunden wurde, und zwar zwischen 1837 und 1901.


 


Aber wie auch immer. Nathan und Tengu mussten zusehen, dass sie den Zug verließen, ohne dabei von den anderen Passagieren geschubst oder getreten zu werden.


 


Endlich standen sie glücklich auf dem Bahngleis und mussten mit den anderen darauf warten, bis sie den abgeriegelten Bereich, in dem der »Eurostar« eingefahren war, verlassen konnten. Erst danach fühlten sie sich wieder wohler und trauten sich auch, sich leise zu unterhalten. Als der Kobold Tengu seinen Freund auf einen Werbeprospekt aufmerksam machte, den er auf dem Boden fand, bemerkte Nathan, dass der Kobold gar keine Probleme hatte, die englische Sprache zu verstehen. Im akzentfreien Englisch las er ihm sogar noch vieles aus dem Prospekt vor! Darin wurden nämlich der Reihe nach die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von London vorgestellt. Nathan war überrascht. Er selbst hatte Englisch vor allem von seiner Mutter gelernt. Durch ihren Job für eine internationale Computerfirma war sie mit Nathan schon oft in englischsprachigen Ländern gewesen. Und so war Nathan zweisprachig aufgewachsen. Neugierig sprach er Tengu darauf an. Da erklärte ihm sein neuer Freund: Ein Kobold muss eine Fremdsprache nicht extra lernen. Streng genommen gab es für Kobolde so etwas sie eine Fremdsprache gar nicht.  Kobolde konnten automatisch jede Sprache verstehen, sobald sie sich in dem jeweiligen Land aufhielten.


 


Mittlerweile war es drei Uhr morgens, also mitten in der Nacht. Und da es Anfang Oktober war, war es ganz schön kalt. Durch die verglasten Wände und Dächer des modernen Innenhof des Bahnhofes konnten sie sehen, dass es regnete.


 


Nathan erzählte Tengu, dass es in London oft regnete. Fast jeden Tag. Umso mehr freuten sie sich, dass sie sich am Bahnhof »St. Pancrass International« befanden, der hypermodern ausgestattet war. Auf dem großen Bahnhofsgelände saß man sowohl bei Tag und bei Nacht im Hellen und im Trockenen. Auch alle in der Station befindlichen Läden, Kioske und Schnell-Restaurants waren rund um die Uhr geöffnet.


 


»London«, so erzählte Nathan seinem kleinen Freund, »ist schon wirklich eine tolle Stadt. Ich war schon fünf Mal mit meiner Mutter hier. Wir haben sogar mal drei Monate lang hier gewohnt. Damals war ich allerdings erst vier Jahre alt. Hier gibt es viele Sehenswürdigkeiten. Zum Beispiel ein Wachsfiguren-Kabinett, das heißt »Madame Tussaud« und einen großen Zoo. Auch megacoole Einkaufszentren wie den »Piccadilly Circus«, riesige Parks und eine richtige königliche Familie gibt’s hier: So richtig mit Königin, Prinzen, Prinzessin und allem drum und dran. Die Königin wohnt meistens im Buckingham Palast.«


 


»Im Buckingham Palast?« Tengu wurde ganz aufgeregt. »Mensch, da müssen wir doch mit der Dunklen Krone hin. Genau da trifft sich einmal in der Woche der Hohe Rat der Kobolde. Und zwar in dem Park, der da drumherum ist.«


 


Doch Nathan antwortete nicht. Er war auf einmal ganz still geworden. Mit gerunzelter Stirn lehnte er an der backsteinernen Mauer eines Shops und stierte zu dem Schaufenster, das sich ihnen gegenüber befand. Dort hing, diesmal mit Klebestreifen angeheftet, schon wieder ein Din-A-4 großes Plakat mit seinem Foto. Diesmal sogar in Farbe.


 


»Ach, so ein Mist«, entfuhr es Tengu, als er es sah. »Die sind ganz schön hinter dir her, was?«


 


Nathan atmete genervt aus: »Dass die mich sogar in London suchen! Ach, Tengu. Bestimmt macht sich meine Mutter große Sorgen.«


 


»Weißt du was?“, schlug Tengu vor. „Wir schicken deiner Mutter noch eine Postkarte. Was meinst du?«


 


Nathan nickte erleichtert. Er gab es ja nicht gerne zu, schließlich war er schon zehn Jahre alt, aber ein wenig mulmig war ihm bei der ganzen Sache schon. Er tröstete sich mit dem Gedanken, dass Tengu wahrscheinlich auch so etwas wie ein Erwachsener war. Zumindest sah er nicht mehr wie ein Kind aus…


 


Und so gingen Nathan und Tengu auch hier wieder in einen Kiosk und mopsten sich erneut eine der schönen, frankierten Postkarten, auf der viele Londoner Sehenswürdigkeiten zu sehen waren. Den Kugelschreiber hatte Nathan noch vom letzten Mal aufbewahrt. Schnell schrieb er in Schönschrift ein paar Grüße auf die Karte und seine Eimsbütteler Adresse. Diesmal setzte er noch in Großbuchstaben das Wort GERMANY dazu, damit der Briefträger sofort sah, dass die Post für Deutschland war. Geschwind steckte er die zweite Postkarte in einen der großen Briefkästen, die auch in London an jedem Bahnhofs-Ausgang standen, und die hier aber nicht gelb waren, so wie in Deutschland, sondern knackerot. Als es schließlich acht Uhr morgens war, machten sie sich auf den Weg zur U-Bahn.


 


Von hier aus, das wusste Nathan, verkehrten sechs verschiedene U-Bahn-Linien. Die Londoner nannten ihre U-Bahn »Metro«. Eine der Linien würde mit Sicherheit auch zum Buckingham Palast fahren.


 


Die beiden wollten sich gerade auf eine der großen Rolltreppen stellen, die unaufhörlich hinunter zu den U-Bahn-Gleisen rollten, als Tengu seinen Freund Nathan am Hosenbein festhielt.


 


»Du, weißt du was? Da drüben habe ich gerade ein tolles Plakat gesehen. In einem der schönen, roten Busse kann man um neun Uhr eine Stadtrundfahrt machen. Was hältst du davon? Ich war noch nie in London. Ich könnte mir so auch mal die schöne Stadt ansehen. Und wenn der Bus am Buckingham Palast angekommen ist, steigen wir einfach aus.«


 


Nathan fand die Idee gut und so gingen die beiden nach draußen zu den Bushaltestellen, die sich direkt vor dem Bahnhofseingang befanden. Dort warteten schon viele Touristen auf einen der großen, roten Doppeldecker-Busse, in die man sich setzen konnte, um an einer Stadtrundfahrt durch London City teilzunehmen.



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