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Kinderbücher
Buch Leseprobe Krok, Galax Acheronian
Galax Acheronian

Krok


Ein Goblin auf Abwegen

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Ein kräftiger Luftzug wirbelte wild durch sein spärliches, dunkles Haar. Nicht, dass Krok je viele Haare auf seinem großen, grünen Kopf gehabt hatte, schließlich war er auch noch sehr jung. Dennoch achtete er normalerweise stets darauf, dass alle, die ihm bereits gewachsen waren, immer ordentlich in einer Richtung lagen. Nur jetzt darauf zu achten war ein denkbar schlechter Augenblick, weshalb er den Wind missmutig gewähren ließ. Es war ja auch nicht so, dass einer der anderen leichten Luftzüge, die ständig durch das alte Haus fegten, sein Haar nicht weniger in Bewegung hielte. Was diesen kräftigen Luftzug von allen anderen unterschied, war das tiefe Grollen, das ihn durch das ganze Haus begleitete. Es stammte von Kroks Vater, der die alte Haustür krachend aus ihrem Rahmen getreten hatte und so den lauen Spätsommerwind Einlass gewährte. Kroks Mutter, eine stattliche Goblinfrau mit vollem Haar, hatte sich so sehr erschrocken, dass sie Kroks kleinen Bruder Purg den gekochten Spinnenbrei vor Schreck nicht in den Mund, sondern in das linke, für einen so jungen Goblin ungewöhnlich große, Ohr schob. Mit verstohlenen Augen und frischer Sturmfrisur blickte Krok an seiner Mutter vorbei, hoch zu seinem erschöpft und leicht wütend wirkenden Vater, der noch immer stöhnend am Türrahmen stand. Der durch das Haus fegende Wind blies die Kleidung des groben Goblins auf. Dieser schien nur darauf zu warten, dass ihn die Wogen des Wetters in die Wohnung schoben, denn er mochte keinen Schritt mehr tun. Kroks Mutter reinigte mit ihrer Schürze das Ohr ihres jüngsten Zöglings und sah dabei verärgert ihren grummelnden Ehegoblin an. »Nun mach schon die Tür zu, das Ungeziefer rennt raus.« Der muskulöse Goblin, der im Gegensatz zu seiner Frau kein einziges Haar auf seinem Kopf trug, grunzte erneut und warf die klapprige Brettertür mit seinen unbesohlten Füßen zurück in das verrostete Schloss. »Heute gibt es«, begann er, stampfte auf den großen Tisch in der Mitte des Zimmers zu, an dem seine Familie saß, und schleuderte dabei einen großen, alten, aber leer wirkenden Sack von seinem Rücken. Klappernd ließ er den spärlichen Inhalt auf den geschundenen Tisch purzeln. »Das gleiche wie gestern.« Er schnaufte verächtlich über seine lächerliche Ausbeute eines ganzen Arbeitstages; ein alter Schuh, ein wie ein Kiefernzapfen geformter Stein, ein kleines schmutziges Fell und ein großer roter Hosenknopf kullerten geräuschvoll über das rissige, alte Holz des Tisches. »Oh, toll!«, rief Krok, nahm den Knopf und sah ihn sich staunend an. »Wo hast du den denn her?« »Gefunden«, grummelte sein Vater. Nicht gerne gab der alte Goblin dies zu. Schließlich war er ein ausgebildeter Dieb, wie es sich für einen anständigen Vertreter seines Volkes gehörte. Einst galt er als einer der besten seines Fachs, weshalb ihm die Tatsache seines täglichen Versagens in den vergangenen Monaten immer mürrischer machte. Dass er zu alledem dann auch noch etwas gefunden hatte, beschämte ihn und natürlich auch seine Familie. Aber besser ein Knopf als gar nichts. Noch vor Monaten gab es Abende, da hatte Kroks Vater so viel Beute beschafft, dass die gesamte Familie in angenehmem Wohlstand leben konnte, um den ihre Nachbarn sie beneideten. Sein Vater war stets gut gelaunt und hatte Spaß daran, seinen zweitjüngsten Sohn, der sich selbst jetzt noch über diesen Knopf freute, damit aufzuziehen, dass er es wohl nie zu etwas Gescheitem bringen würde. Dies änderte sich jedoch, als Krok völlig unerwartet den Bescheid der Diebesschule erhalten hatte, dass er zur Aufnahmeprüfung zugelassen worden war. Er hatte sich Anfang des Jahres ohne das Wissen seiner Eltern dort vorgestellt. Seit er den Brief bekommen hatte, übte er sich in vielerlei Gaunereien, bisher jedoch ohne jeden Erfolg. Sein Vater hatte ihm anfangs stolz und geduldig einige Kniffe beigebracht, obwohl er erkennen musste, dass Krok kein besonders geschickter Taschenspieler war. Dann allerdings wandelte sich der allabendliche Erfolg des Goblinvaters plötzlich in ständige Misserfolg und somit auch der Glaube an den eigenen Tricks. Dabei lag es nicht einmal an ihm selbst, kein einziger Goblin im ganzen Viertel, welches im nordöstlichen Teil des Schattenwaldes lag, konnte noch Beute vorweisen. Nach und nach waren auch die anderen Wesen im Wald von der seltsamen Flaute betroffen. Selbst der Holzfäller hatte bereits sein Geschäft geschlossen, da sich niemand mehr etwas kaufen konnte. Und wie Kroks Vater mussten die Goblins, Trolle, Kobolde und all die anderen Anwohner jeden Tag noch weiter laufen, in der Hoffnung, einen Menschen zu finden, den sie überfallen konnten oder eine Ortschaft aufzuspüren, die nicht verlassen oder zerstört war, um diese zu plündern. Warum die Dörfer und Siedlungen verschwanden oder verkamen, konnte sich niemand erklären. Die Menschen hatten sich immer mehr und mehr zurückgezogen, lebten weit weg, eingepfercht in riesigen Burgen hinter gigantischen Mauern. Händler wurden von Rittern begleitet, wenn sie denn noch unterwegs waren. Auch das geschah nur noch sehr selten. Kroks Vater ging daher jeden Morgen ein wenig früher aus dem Haus, lief bis über Grenze des Schattenlandes und wagte sich oft sogar tief in das Reich der Menschen. Doch auch dort gab es keine Beute, nur verlassene Häuser und leere Ställe. An einigen Tagen betrat er sogar das Reich der Eisbarbaren, welches weit, weit im Süden lag. Kroks Vater war jedoch nur ein Dieb, kein Krieger, weshalb es ihm wieder zurück in das Menschenreich trieb.


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