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Jeth und die Göttin


von Helmut Brüggemann

kinder
ISBN13-Nummer:
9783839186169
Ausstattung:
100 seiten 9 Illustrationen Paperback
Preis:
7.90 €
Mehr Infos zum Buch:
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Leseprobe

           Die Jagd

 

Sie waren noch nicht sehr weit gekommen, als ihnen Rema, der als Kundschafter vorausgelaufen war, entgegeneilte.

„Ich habe die Herde entdeckt. Bei ihr ist wahrlich ein prächtiger Bulle.

Mit der Jagd sollte Jeth aber noch etwas warten. Der Herr der Herde hat eben erst einen Konkurrenten vertrieben und ist daher noch immer stark gereizt."

„Ich sehe das anders", sagte Jeth. „Genau das ist eine gute Möglichkeit.

Wenn er gereizt ist, wird er unvorsichtig und merkt vielleicht nicht meine List."

„Da bin ich aber neugierig, wie dein Plan aussieht", erwiderte ihm Mare.

„Er ist ganz einfach. Ich werde zwischen zwei eng stehenden Bäumen eine Mulde graben. Dann versuche ich, das Tier zwischen die Bäume zu locken. Da ich etwas Vorsprung habe, liege ich hoffentlich schon in dem Loch, wenn der Elch direkt vor mir steht.

Ja, dann habe ich ihn.

Das kann aber nur funktionieren, wenn der Abstand zwischen mir und dem Tier sehr kurz ist."

Kaiba runzelte die Stirn und sah Jeth fragend an.

„Aber Jeth, wenn du in der Mulde liegst, sieht dich der Bulle doch nicht. Wieso bist du dir sicher, dass er dir bis dahin folgt?"

„Aber Kaiba, das sagte ich doch schon! Ich halte den Abstand sehr kurz. Höchstens drei Elchlängen."

„Na, ganz schön gefährlich. Wenn du auch nur einmal stolperst, wird es nie wieder eine Jagd für dich geben. Wir sollten uns einen anderen Plan ausdenken."

„Nett von dir, Kaiba, aber es ist meine Jagd und daher mache ich den Plan.

Ihr bleibt alle hier, ich werde jetzt zur Herde gehen und meinen ersten Elchbullen erlegen.

Was ist, Vilo, bekomme ich nun das Fell und das Elchfett? Wenn du es noch länger trägst, nimmt das Fell deinen Geruch an. Wer weiß, ob sich dann nicht die ganze Herde auf und davon macht."

Während alle Vilo angrinsten, übergab er Jeth Fell und Fett.

Rema, der an Jeths Speer die Feuersteinspeerspitze noch einmal geschärft hatte, reichte dem Jungen die Waffe.

Beide umarmten sich. Dann ging Jeth weiter in den Wald hinein.

Nach einiger Zeit erreichte er die Lichtung, auf der die Herde friedlich äste.

Bei ihr war ein wirklich gewaltiger Bulle mit einem prächtigen Geweih.

Da der Junge sich gegen den Wind angeschlichen hatte, wurde er von den Tieren nicht bemerkt.

Nun musste er nur noch zwei Bäume finden, die so dicht nebeneinanderstanden, dass der Bulle nicht zwischen ihnen durchlaufen konnte.

Allerdings sollten diese so weit von der Lichtung entfernt sein, dass die Herde die Geräusche beim Ausgraben der Mulde nicht hören würde, denn sonst liefen alle davon und er könnte den Willen der Göttin nicht erfüllen.

Einige Zeit später hatte er die geeignete Stelle gefunden. So leise es nur ging, schaufelte er zwischen den Bäumen eine Grube aus. Dabei hatte er Glück, dass der Boden weich war und er das Loch mit seinem breiten Spachtel aus Feuerstein recht schnell fertig hatte. Nun begann er, sich als Elch zu verkleiden. Aus einem Lederbeutel nahm Jeth das Elchfett. Damit rieb er sich vollständig ein. Dabei stieg ein ranziger Duft in seine Nase. Er war froh, nicht immer damit herumlaufen zu müssen.

Dem Jungen wurde übel.

Noch schlimmer wurde der Geruch, als er sich das Elchfell überwarf.

So wundervoll duftend begab er sich zur Herde. Dieses Mal näherte er sich den Tieren mit dem Wind.

Er wollte ja, dass der Bulle ihn bemerkte. Kurz bevor die Herde ihn auch sehen konnte, setzte sich der Junge das Geweih auf und nahm eine gebückte Haltung ein. Weiter schritt Jeth, nun als Elchbulle, langsam auf die Lichtung zu.

Jetzt war es soweit. Die Tiere nahmen nicht nur seine Witterung auf, sie sahen ihn auch. Würde der Bulle auf die Tarnung hereinfallen und ihn angreifen?

Noch war sein Vorsprung groß genug. Stürzte sich der große Elch jetzt auf ihn, so konnte er leicht seine Mulde zwischen den Bäumen erreichen, bevor der zornige Bulle ihn einholte.

Der Elch bemerkte den verkleideten Jäger am Rande der Lichtung. Es war, wie Jeth befürchtet hatte. Sein Abstand zu den Elchkühen war zu groß. Der Bulle sah in ihm noch keine Gefahr. Langsam betrat der Junge die Lichtung und näherte sich der Herde. Die Verkleidung fiel den Tieren nicht auf. Ruhig ästen sie weiter. Hätten sie in dem Jäger den Menschen erkannt, wären sie längst geflohen. Nun wurde das riesige Leittier auf Jeth aufmerksam. Drohend drehte es sich in Richtung des Jungen und scharrte wütend mit seinen Vorderläufen. Das Tier verharrte aber noch auf seinem Platz. Jeth befürchtete schon, er müsste noch näher an die Herde heran. Das würde seinen Vorsprung vor dem Bullen zu den rettenden Bäumen weiter verringern. Erreichte der Bulle ihn vorher, sähe es um den jungen Jäger schlecht aus. Das Tier war zu gewaltig.

Jeth konnte es nicht besiegen.

Eine Elchkuh war auf den Jungen aufmerksam geworden und näherte sich ihm. Das war genau, was Jeth gehofft hatte.

Der Herr der Herde sah das auch. Für ihn war es, als wolle die Kuh ihn verlassen, um mit dem als Elchbullen verkleideten Jeth zu gehen.

Das durfte er sich nicht gefallen lassen.

Vor Zorn schnaubend, stürzte er sich auf den Rivalen. Dieser drehte sich eiligst um und lief in Richtung seiner Falle davon. Das Geweih und das Fell behinderten ihn stark. Er kam längst nicht so schnell voran, wie er es sich wünschte. Der Bulle holte gewaltig auf und der Abstand zwischen den beiden wurde immer kleiner. Nun konnte Jeth aber nicht einfach seine Verkleidung abwerfen. Dann würde der Elch erkennen, dass Jeth ein Mensch ist und ihn vielleicht nicht weiter verfolgen. Der Jäger aber musste das Tier zu den Bäumen locken. Er hoffte, der Elch würde vor lauter Zorn nicht merken, dass der Durchlass zwischen den Bäumen, den Jeth kurz vor dem Bullen durchlaufen wollte, für sein Geweih zu eng war. Versuchte der Elch, blind vor Wut dort ebenfalls durchzulaufen, würde er sich mit seinem riesigen Geweih in den Bäumen verfangen. Dann saß der Herr der Herde fest und Jeth konnte ihn töten.

Aber soviel Glück hatte er nicht.

Nur einen Speerwurf von den rettenden Bäumen entfernt, trat Jeth auf sein übergeworfenes Fell und stürzte zu Boden. Zu allem Unglück verlor er dabei auch noch seinen Speer. Als der Junge sich aufrichtete, hatte ihn das Tier erreicht. Nur ein Sprung zu Seite rettete den kleinen Jäger vor dem Geweih des Bullen. Diesem war es jetzt egal, ob Jeth, der beim Sturz nicht nur seinen Speer, sondern auch seine Verkleidung verloren hatte, ein Rivale oder ein Mensch war.

Blind vor Wut wollte er nur eines, töten.

Das Tier hatte sein Geweih schon zum tödlichen Stoß gesenkt,

Klappentext

Von Unwettern und Vulkanausbrüchen begleitet, versuchen Jeth und seine Familie einen gewaltigen Gletscher der Eiszeit zu entkommen und eine neue Heimat zu finden.

Während ihrer Reise muss Jeth im Auftrag der Zauberin Airam einen Elchbullen als Opfer für die Göttin Erde erlegen. Wird der Junge diese Probe, die selbst für einen erfahrenen Jäger sehr gefährlich ist, bestehen?

Er befreit eine vom Feuer eingeschlossene Mammutherde aus ihrer tödlichen Falle.

Dann erreicht er mit seiner Familie einen reißenden Fluss, den es auf dem Weg in ihrer neuen Heimat, ebenso wie einen Gletscher und eine wilde Bergkette, zu überwinden gilt.

Erschöpft von der langen Wanderung und verzweifelt von den erneuten Hindernissen, versuchen die Heimatlosen den Übergang.