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Kinderbücher
Buch Leseprobe Großvaters letzte große Reise, Anouk Ferez
Anouk Ferez

Großvaters letzte große Reise



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Aus dem 1. KAPITEL


Mit geröteten Wangen, die Fellmütze tief ins Gesicht gezogen, stapfte Lasse die Schillerstraße entlang. Es hatte wieder zu schneien begonnen und der eisige Wind trieb die Flocken lustig vor sich her. Lasse legte den Kopf in den Nacken und streckte die Zunge heraus. „Da, ich hab schon wieder eine gefangen!“ Triumphierend blickte er sich um. Lea, seine kleine Schwester, saß zusammengekauert auf dem Schlitten. „Zieh schneller, mir ist kalt!“ Lasse hielt inne und ließ das Seil sinken. Wäre ja noch schöner, sich von einem Mädchen herumkommandieren zu lassen! „Dann musst du eben laufen, das hält warm! Bäh! “ Er zog Lea eine Grimasse und ließ die Leine des Schlittens los. Schon jagte er den Schneeflocken hinterher, sprang tiefer und immer tiefer in das dichte weiße Treiben hinein. „Lasse, komm zurück – bitte!“, drang es aus der Ferne an sein Ohr. Die Stimme klang hoch und kläglich. Lasse drehte sich um. Der Schlitten und Leas zusammengekauerte Gestalt waren kaum noch zu sehen. Sofort holte ihn das schlechte Gewissen ein: hatte er Mama nicht versprochen gut auf seine kleine Schwester aufzupassen? „Schon gut, hör auf zu flennen, ich will mal nicht so sein“, rief er gegen den Wind und machte schleunigst kehrt. So sehr Lea ihn oft nervte, jetzt tat sie ihm fast leid. Sie glich einem Bild des Jammers mit ihren blauen Lippen und der roten Nasenspitze. „Tja, Winter ist wohl nichts für kleine Mädchen!“, rief Lasse und zog der kleinen Schwester die Bommelmütze tief ins Gesicht. „Wohl“, behauptete Lea mit zitternder Stimme und rieb sich die Handflächen. Lasse liebte den Winter, der all die vertrauten Wiesen, Straßen und Plätze in eine fremde, aufregende Glitzerlandschaft verwandelte. Cool – alles gleißend hell und strahlend weiß! In seinem dicken Schneeanzug kam er sich vor wie ein Astronaut, fern der Erde, irgendwo in einer entlegenen Galaxie. „Also wenn du mich fragst, dann sieht es hier aus wie auf einem fremden Planeten!“, rief er Lea zu. Die kleine Schwester zuckte nur mit den Achseln. „Ach, was wissen Mädchen schon vom Weltraum“, schnaubte er verächtlich. „Viel!“, behauptete Lea und setzte ein wichtiges Gesicht auf. „Ich weiß mal schon, dass der Mond ein riesengroßer Käse ist!“ Lasse prustete los. So etwas Dummes konnte aber auch nur einem Mädchen einfallen! „Ojemine!“, gluckste er und hielt sich den Bauch. „Da zeigt sich’s eben, dass du noch ein Kindergarten-Blödi bist. Wenn du später mal in die dritte Klasse gehst, so wie ich, dann lernst du es richtig!“ Wer nun glaubt, dass Lea etwa beleidigt zu weinen angefangen hätte, liegt falsch. Die Kleine konnte Lasse einfach nichts wirklich übel nehmen. Dafür hatte sie ihn nämlich viel zu lieb. Außerdem bewunderte sie ihren großen Bruder grenzenlos. Gutmütig stimmte sie daher in Lasses Gelächter ein. „Ich will später genauso schlau werden wie du“, sagte sie schließlich treuherzig und sprang vom Schlitten. „Klaro“, sagte Lasse. „Wenn du dich ganz gehörig anstrengst, schaffst du es vielleicht sogar.“ Schweigend stapften die Kinder nebeneinander her durch den hohen Schnee. „Du, Lasse, weißt du vielleicht auch wann der Winter endlich vorbei ist?“, fragte Lea schließlich. Lasse grinste. „Klar weiß ich das: Noch lange nicht! Er hat doch gerade erst angefangen!“ Und das war auch gut so, dachte er zufrieden. Schließlich konnte man in den Eismonaten so viele spannende Dinge unternehmen. Letztes Wochenende zum Beispiel war er mit Opa Huber zu einer Wildfütterung aufgebrochen. Auf dem Weg zu den Futterkrippen hatten sie furchtbar viele Fährten entdeckt. Als sie eine nach der anderen entschlüsselt hatten, kam sich Lasse vor wie Tashunka, der berühmte Indianerhäuptling aus seinen Büchern. Der gestrige Nachmittag war aber auch nicht zu verachten: da war er nämlich mit seinem besten Kumpel beim Birksee, zum Schlittschuhlaufen. Natürlich taten sie so, als hätten sie Weltraumgleiter unter ihren Füßen … „Ich weiß gar nicht, was du gegen den Winter hast“, erklärte er Lea. „Im Sommer kann man zwar Fußball spielen, Eis essen oder schwimmen gehen – aber ein Iglu bauen, rodeln, Schlittschuh fahren und jede Menge Zimtsterne verdrücken, das kann man nur im Winter!“ An diesem Tag hatte der Winter die Stadt fest im Griff. Mit der Berührung seiner eisigen Finger hatte er Bäume und Sträucher unter einer weißen Schicht erstarren lassen und sein klirrend kalter Hauch hatte Bäche und Seen mit einer dicken Schicht Eis belegt. Lasse fror nicht im Geringsten. Er legte den Kopf in den Nacken, kniff die Augen zusammen und starrte in die Wolken. Gleißend helle Sonnenstrahlen schossen daraus hervor – zielgerichtet auf ihn! Krass. Wie die Lichtschwerter der Jedi-Ritter, dachte er Heute lag so viel Eis auf den Straßen, dass der Kindergarten und sogar die Schule geschlossen blieben. Also haben sich alle Kinder aus der Schillerstraße gleich nach dem Frühstück mit ihren Schlitten am Hügel beim Schlossgraben verabredet. Lasse war auf seinem blauen Rennschlitten, den er letztes Jahr zu Weihnachten bekommen hatte, natürlich der Schnellste. Wie seine Freunde ihn bewundert hatten! Nur Rob, der ein paar Häuser weiter wohnte, war total neidisch. Nach dem dritten Sieg in Reihe trat er Lasse kräftig gegen die Kufen. Zurück blieb eine große, hässlich Delle. Lasse schnaubte. Was fiel dem Idioten ein?! So ein schlechter Verlierer! Und wenn Lasse eines nicht leiden konnte, dann waren es solche Spielverderber wie dieser Rob. Natürlich konnte er sich das nicht bieten lassen. Gar zu gerne hätte er seinem Gegner eine runtergehauen – aber das hätten Mama und Papa bestimmt nicht gut gefunden. Lasse verdrehte die Augen, als er an die ständigen Ermahnungen seiner Eltern dachte: „Miteinander reden“, sagen sie immer. „Hauen und Boxen bringt nichts – außer jede Menge Ärger!“ Die haben wirklich gut reden, dachte er. Die müssen ja auch nicht mit solchen Idioten klar kommen. „Hey, Rob, hör sofort auf damit!“, hatte er den Blödmann auch noch vorgewarnt. Aber natürlich wollte der nicht auf ihn hören – typisch! Also hatte Lasse ihm eine volle Ladung Schnee ins Gesicht geklatscht. Was war ihm auch anderes übrig geblieben? Rob war total überrascht – das hätte er wohl nicht erwartet. Lasse grinste: Mannomann, das hatte voll gesessen! Und schon war eine heftige Schneeballschlacht im Gange. Lasses Herz machte einen kleinen Hüpfer, als er an den heutigen Morgen zurückdachte: Er, der Held des Schlachtfeldes, und rings um ihn herum die Freunde, die ihn erst anfeuerten und später eifrig mitmischten. „Hast du eigentlich gesehen, wie ich den blöden Kerl eingeseift habe?“, fragte er Lea. Die Kleine nickte bewundernd: „Dem blöden Rob hast du’s ganz schön gezeigt.“ „Das kannst du laut sagen!“ Lasses Wangen glühten vor Begeisterung, als er daran zurück dachte. Selbst Lea schien Schnee und Kälte zu vergessen und hielt eifrig mit ihrem großen Bruder Schritt. Der Pulverschnee knirschte unter ihren Füßen, als die Kinder schließlich durch den Vorgarten stapften. Die strahlend helle Wintersonne brachte die Eiszapfen an den Bäumen und Sträuchern zum Funkeln. Alles sah so verwandelt und geheimnisvoll aus – fast wie nicht von dieser Welt. „Krass, voll überirdisch!“, rief Lasse, während er mit den Stiefelspitzen den unberührten Schnee zur Seite pflügte. „Schööön“, hauchte Lea andächtig. „Der ganze Garten schaut aus wie eine Feenwelt, findest du nicht auch?“ „Pah“, schnaubte Lasse. „Mädchen! Kaum funkelt und glitzert es irgendwo, muss für euch eine Fee dahinter stecken!“ „Stimmt gar nicht!“, protestierte Lea. „Es könnte schließlich auch eine Elfe gewesen sein.“ „Genau das meine ich“, stöhnte Lasse. „Oder die Schneekönigin“, fügte Lea beleidigt hinzu. Mit steifen Fingern drückte Lasse dreimal auf den Klingelknopf. Mama öffnete die Tür. „Wie seht ihr denn aus?“ rief sie und zog Lea in den Arm. „Wie zwei Eisbären! Kommt schnell herein, wärmt euch auf!“ Ein kurzer Kuss und schon war Lasse an ihr vorbeigehuscht.


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