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Kinderbücher
Buch Leseprobe Goldstreif, Anita Heine
Anita Heine

Goldstreif


Die Entführung eines Granatapfels

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Es ist die Küste am Mittelmeer im Norden von Israel.


An vielen Strandabschnitten erhebt sie sich und wird


von den Menschen genutzt, an ihren fruchtbaren Hängen


Häuser zu bauen und Gärten anzulegen. Das hatte einst


auch Annes Vater getan. Er kaufte Land und bebaute es.


Das Geld dafür hatte er als Fischer verdient. Damals waren


die Netze immer voll von Fischen jeder erdenklichen


Art und konnten gut verkauft werden. Ohne Gefahr war


dieser Beruf jedoch nicht, da man auf dem Meer von


schlimmen Wetterkapriolen überrascht werden konnte.


Das ist auch heute noch so, nur die Boote sind viel seetüchtiger


geworden, sodass sie bei hoher Windstärke,


zum Beispiel bei Stärke 11, nicht so leicht kentern, wie


das noch vor über 100 Jahren der Fall war.


Aber die Fischer in unserer Geschichte hatten nun leider


noch solche einfachen Boote und mussten jederzeit damit


rechnen, dass diese den Unwettern nicht standhalten


würden.


Genau diese bittere Erfahrung mussten Annas Mann und


ihr Vater machen, als beide eines unglückseligen Tages


mit dem Boot auf dem Meer zum Fischen unterwegs


waren.


Ein großer Sturm kam auf, den man vom Land aus mit


Erschrecken und Ohnmacht verfolgen musste. Die Wellen


verwandelten sich in mehrere Meter hohe Wogen


und spielten mit den Booten, als seien sie Nussschalen.


Seitdem waren beide Fischer verschollen, und Anne teil6


te ihr trauriges Los mit jenen Familien, denen so ein Unglück


auch widerfahren war.


Anne war nun ganz allein für ihr Kind verantwortlich


und kümmerte sich darüber hinaus um Haus und Garten.


Sie arbeitete fleißig und nahm alle Entbehrungen


auf sich, damit ihr Sohn Lug und sie ihr Zuhause niemals


verlassen müssten. Beide hatten einen hübschen


Garten angelegt, den sie pflegten und hegten. Um ihren


Sohn und sich ernähren zu können, arbeitete Anne in


einer fremden Bauernwirtschaft. Aber auch die Schule,


die Lug besuchte, kostete Geld und das hieß für beide,


mit allen Dingen, die sie zum Leben brauchten, sparsam


umzugehen. Und das gelang ihnen nur, weil sie sich lieb


hatten.


Von ihrem Grundstück aus, das sich am grünen Hang


der Küste befand, blickten sie über das weite Meer, das


sich ihnen in seiner ganzen Schönheit zeigte. Wie viele


Unwetter auch bisher vom Meer über das Land gezogen


waren, ihr Haus war vor Schaden bewahrt worden. Dafür


waren beide sehr dankbar, und voller Fleiß kümmerten


sie sich um alles, was das Leben ihnen abforderte.


Allein der Wind war schuld, dass es zu Stürmen kam, davon


waren die Menschen von damals fest überzeugt. Nur


er war ihrer Meinung nach verantwortlich für das Wetter.


Wie sollte es sonst kommen, dass sich zum Beispiel


die Meereswellen morgens sanft kräuselten, sich nur ein


paar Stunden später plötzlich auftürmten und sich am


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Abend wieder in eine beinahe glatte Wasseroberfläche


verwandelten? Von Wetterkunde hatten die Menschen


keine Ahnung. Meteorologen gab es zwar auch schon,


doch deren Wissen blieb meistens im Verborgenen. Das


Volk verließ sich indessen auf alte Regeln der Natur und


zimmerte sich daraus ihr Wettergeschehen, das oft zu


Fehleinschätzungen führte.


Wie dem auch sei, jegliche Veränderungen zwischen


Wasser und Land gehörten zu ihrem Leben, und das liebten


sie wie du und ich.


Das Leben zu meistern, war nicht immer einfach. Beschwerlich


wurde es zum Beispiel, wenn Lebensmittel


benötigt wurden oder der Doktor von Nöten war. Denn


dann mussten sie zum mehrere Kilometer entfernten Ort


wandern. Bus und Bahn gab es damals noch nicht und


für die Postkutsche fehlte Anne das Geld. Also gingen


sie zu Fuß.


Dafür nahmen beide besonders gern den Weg am Strand


entlang, da Muscheln und manchmal auch winzige


Bröckchen von Bernstein am Ufer gefunden wurden.


Diese kleinen Schätze wurden in den Einkaufskorb gelegt.


Dabei verging die Zeit auf vergnügliche Weise und


eins, zwei, drei waren Anne und Lug am Krämerladen angelangt.


Für die vielen Lebensmittel, die sie nun einkauften,


wurde jedoch der Korb wieder dringend benötigt.


Also musste dieser wieder von allen gefundenen Dingen


befreit werden. Die kleinen goldgelben Bernsteinstücke


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steckte Lug jedoch in seine Hosentasche, denn sie stellten,


wie heute auch, eine kleine Kostbarkeit dar. Alles


andere fand links und rechts der Ladentür seinen Platz.


Mit der Zeit entstanden auf diese Weise hübsche Hügelchen,


die nur aus Sand und Muscheln bestanden. Das


freute besonders die kleinen Kinder des Ortes, die damit


spielten, während ihre Mütter einkauften.


Und was die Schule betraf, so machte Lug der lange Weg


dahin gar nichts aus, denn nur dort konnte er Schreiben,


Lesen und Rechnen erlernen. Seine Mama Anne hatte


leider keinen Unterricht nehmen können, denn in ihrer


Kindheit war das Lernen nur in Kreisen reicher Leute


üblich, da kam der Lehrer höchstpersönlich in die Häuser.


Aber Lug, der seine Mama so sehr lieb hatte, wollte


ihr schon alles beibringen, was er nun selbst erlernen


konnte, das nahm er sich ganz fest vor.


Das Leben in ihrer wunderschönen Heimat war gut zu


ertragen und voller Hoffnung sahen die beiden Menschen


in ihre Zukunft. Es hatte bisher auch gar keinen


Grund gegeben, angstvoll zu sein, denn beide waren


froh, einander zu haben. Ihrem Leben einen guten Sinn


zu geben, war ihr Ziel.


Nur dieses plötzlich aufkommende Gewitter war daran


schuld, dass ihre Zuversicht empfindlich gestört wurde.


Mit Blitz und Donner, dazu noch mit heftigen Windböen


hatte es ihr einziges kostbares Granatapfelbäumchen


vernichtet, das Mama Anne vor gar nicht langer Zeit ge


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