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Kinderbücher
Buch Leseprobe Faranon, Michelle Freund
Michelle Freund

Faranon


Die rote Flut

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In den Stallungen des Königreiches Faranon schwammen die Mitglieder der Patrouille durch die Gänge, um sich auf ihren Einsatz vorzubereiten. Ihre blauen Uniformen und Helme leuchteten in der Nachmittagssonne, die durch die Luken in der Decke und den Wänden eindrang.


Zwanzig Kameraden begaben sich in die Boxen, um ihre Reittiere zu begrüßen und mit Hilfe der Stallburschen für den Ausritt zu satteln und zu zäumen. Die Riesenseepferde ließen alles geduldig über sich ergehen, sie waren für diese Aufgabe ausgebildet und kannten ihre Reiter. Auch Roki, das jüngste der Seepferde und einer der wenigen Hengste in der Gruppe, hielt still, während es von seinem Reiter Suli Neron und einem Stallburschen gesattelt wurde. Suli überprüfte die Halterung des Sattels und nickte. „Sitzt gut.“ Er gab seinem Seepferdchen eine Handvoll Seegras und schwang sich in den Sattel.


Es dauerte nicht lange, und der Anführer Abarai rief zum Aufsetzen. „Abteilung marsch, mir nach!“ Die Reiter lenkten die Seepferde auf den Ausgang am Pergamahügel zu, und strömten hinaus in Freie.


 


Die Stallungen waren außerhalb des Königreiches am äußeren Ende des Hügels angebaut und lagen knapp unterhalb der Wasseroberfläche. „Wir nehmen die südliche Route!“ rief Abarai und ließ sein Seepferd in eine tiefe gelegene Strömung abtauchen. Sie trug Pferd und Reiter langsam den Hügel hinab, bis sie fast den Boden erreichten.


 


Die daumengroßen, menschenähnlichen Reiter ließen sich auf ihren Seepferden durch die Strömungen treiben. Sie sprachen und scherzten miteinander, während sie aufmerksam ihre Umgebung beobachteten. Sie mussten mögliche Gefahren sofort erkennen. Und die drohten zumeist von ihren Fressfeinden, den Papageienfischen und Dornenkronenseesternen. Direkt hinter Abarai ritt Suli Neron. Er betrachtete die Lederkorallen am Pergamahügel, deren braune Lappen sich sanft in der Strömung wiegten. Die Ränder ihrer Auswüchse leuchteten teilweise blau im Sonnenlicht. Hier und da schauten kleine Fische oder Krebse unter den Korallenblüten aus ihren Schlupflöchern hervor. Einige Meter entfernt zog eine Gruppe Doktorfische vorbei, und am Meeresboden wälzte sich ein Tintenfisch über die umherliegenden Steine.


 


Aus dem Augenwinkel konnte Suli eine Transportmuschel beobachten, die von einem Gupax gezogen wurde. Die Gupaxen waren Verwandte der Meerfrauen- und Männer aus Eburons Eispalast und für die Lebewesen der Tiefsee verantwortlich. Ihre großen, schwarzen Facettenaugen waren genauso ungewöhnlich wie der bunte Fischschwanz und ihre fast durchsichtig schimmernden, zierlichen Oberkörper. Der Gupax machte einen nervösen und gehetzten Eindruck.


Suli gab Abarai Bescheid und lenkte sein Seepferd zu ihm hin.


„Kann ich Ihnen helfen?“


Überrascht und erleichtert blickte ihn der Gupax an. „Ach, endlich habe ich euch gefunden! Es ist meine erste Reise nach Faranon, und ich habe mich unterwegs verschwommen.“ „Verschwommen? Wieso das?“


„Naja, im Südatlantik gab es ein heftiges Seebeben und das hat mich total vom Kurs abgebracht. Ich wollte eigentlich von Süden kommen, bin aber an der Westküste vom roten Kontinent gestrandet. Daher musste ich den nördlichen Weg nehmen.“


„Ist das ein großer Umweg?“


„Nein, eigentlich nicht. Aber unterwegs …“ Der Gupax schüttelte sich.


„Was war denn unterwegs?“ Suli blickte ihn neugierig an. Er zitterte!


„Würfelquallen“, der Gupax. „Ein ganzer Schwarm.“


Suli schüttelte ungläubig den Kopf. „Was? Die sind doch Einzelgänger!“


„Keine Ahnung, warum sie als Schwarm unterwegs waren. Ich bin jedenfalls froh, dass sie mich nicht bemerkt haben. Es war richtig unheimlich. Und ich musste mich beeilen, um rechtzeitig hierher zu kommen. Der Kranke in der Transportmuschel braucht dringend die Hilfe eurer Heiler. Könnten sie mir bitten sagen, wo der Eingang ist?“


Verwundert zeigte Suli ihm den schmalen Spalt zwischen zwei Felsvorsprüngen.


„Man wird sich um euch kümmern, und dann können sie sich ausruhen“, versicherte Suli dem Meeresbewohner und verabschiedete sich.


Während er wieder zur Gruppe zurückkehrte, dachte er an das Seebeben, von dem der Gupax gesprochen hatte. Glücklicherweise hatten sie hier am Riff nichts davon bemerkt. Solche Beben waren für alle Meeresbewohner sehr gefährlich. Was ist mit den Würfelquallen? Was geht da vor? Suli konnte es sich nicht erklären.


Einer der Kameraden hatte den Neuankömmling ebenfalls bemerkt und wandte sich an Suli. „Na, wen bringt dieser Gupax in den Heilertrakt? Dort herrscht im Moment mehr Betrieb als an der Putzerstation!“ Er schüttelte den Kopf. „Ich möchte mal wissen, wie unsere Heiler da drinnen mit allem fertigwerden.“ „Es sind doch genug da, also mach dir keinen Kopf“, erwiderte ein anderer Reiter, und grinste. Im Moment trafen viele Kranke aus Elian, einer weit entfernten Stadt im Atlantik, ein. Angeblich wütete eine seltsame Krankheit unter den Bewohnern, die noch unbekannt war und sogar schon Todesopfer gefordert hatte. Tag und Nacht wurde an einem Heilmittel geforscht, bisher ohne Erfolg.


 


Während seine Kameraden über die Vorgänge im Heilertrakt sprachen, beschlich Suli ein ungutes Gefühl, dass sich immer mehr verstärkte. Irgendwas ist nicht in Ordnung, wenn ich bloß wüsste, was! Würfelquallen? Die Meeresbewohner verhielten sich genau wie sonst, die Strömungen waren auch wie immer, sein Seepferd Roki glitt vollkommen ruhig durch das Wasser, aber dennoch …


Suli fühlte, wie sich langsam Angst in ihm breitmachte. „Hier stimmt etwas nicht“, murmelte er. Abarai drehte sich um und sah die besorgten Blicke des Jungen. „Was ist los?“


„Ich weiß nicht“, antwortete Suli zögernd. „Irgendwas macht mir Angst.“


Der Anführer war schon seit Ewigkeiten bei der Patrouille und kannte die Anzeichen für Gefahren sehr genau. Er schaute sich kurz um. „So? Ich kann nichts entdecken. Du machst dir zu viele Gedanken, mein Junge. Solange die Dornenkronenseesterne nicht auftauchen, müssen wir uns keine Sorgen machen. Und jetzt auf zur Belepschlucht!“ Den letzten Satz rief er laut, damit auch die anderen ihn hören konnten. Geschickt lenkten sie ihre Seepferde durch die Strömung um den letzten Hügel des Königreiches herum in die Belepschlucht hinein.


Sie verlief hinter den Hügeln des Königreiches und führte teilweise durch finstere Tunnel. Niemand passierte diese Schlucht gerne, aber sie gehörte zum Reich und musste genauso kontrolliert werden wie die Hügel draußen im Sonnenlicht.


Suli blickte zurück. Er spürte, dass etwas Schlimmes auf sie zukam, konnte aber nicht benennen, was es war und es somit auch nicht verhindern. Mit diesem beklemmenden Gefühl folgte er seinem Anführer in die dunkle und unheimliche Schlucht.


 


Sanft strich der Wind über die Wasseroberfläche des Westpazifiks und das helle, silbrige Vollmondlicht tauchte die Korallenbänke des großen Riffes in ein geheimnisvolles Leuchten. Wie schön es hier ist, ein wahres Paradies! Die alte Meeresschildkröte Calliope ließ sich von der Strömung treiben, bis sie schließlich den Putzerhügel von Faranon erreichte. Die unechte Karettschildkröte war von ihrer Brutstätte zurückgekehrt und total erschöpft. Sie freute sich auf die nächsten Wochen, in denen sie sich erholen konnte. Ich sollte mit dem Eierlegen aufhören, ich bin ja schließlich nicht mehr die Jüngste, ging es ihr durch den Kopf. Ihr Blick schweifte über die Hügel von Faranon, die sich unter ihr ausbreiteten.


Das Königreich war im Innern von sieben großen, ausgehöhlten Hügeln untergebracht, und man brauchte mehrere Stunden, um von einem Ende zum anderen zu schwimmen. Obwohl die Meeresschildkröte weit gereist war und viel gesehen hatte, war das Reich der Korallenwesen für sie der schönste Platz, den sie sich vorstellen konnte. Das vom Meeresgott Eburon erschaffene Volk war für die Korallenriffe zuständig. Nachdem sie überall in den Weltmeeren viele kleinere Riffe erbaut hatten, schufen sie das große Riff am roten Kontinent und gründeten dort ihr Reich. Die Korallenwesen waren außerdem erfolgreiche Heiler, deren Fähigkeiten sehr geschätzt wurden.


 


Das ganze Riff war aus Weich-, Leder- und Röhrenkorallen erbaut. Sie ähnelten Blumen mit wunderschönen Blüten oder hatten stachelige, spitze Triebe, häufig sahen sie aus wie Federn, die in der Meeresströmung schwebten. Zwischen den Korallen befanden sich kleine und große Höhlen, Tunnel und Schluchten. In ihnen lebten Muränen und Riffhaie, auch Fische und Schnecken nutzen die zahllosen Möglichkeiten, um sich zu verstecken. Die unzähligen Korallen auf den Hügeln hatten terrassenartige Auswüchse, die in allen Farben schimmerten, einige leuchteten sogar in der Nacht. Die Meeresschildkröte konnte sich an dieser Pracht nicht satt sehen, und jetzt, wo das Mondlicht darauf schien, wirkte alles noch viel schöner, wie verzaubert! Für die Fremden, die zum ersten Mal hier vorbeikamen, waren die winzigen Korallenwesen ein seltsamer Anblick. Manch einer von ihnen wunderte sich noch lange über die kleinen Reiter in ihren Uniformen, die sich so geschickt auf ihren Seepferden durch das Riff und seine Strömungen bewegten und ganz selbstverständlich ein Teil dieses Lebensraumes waren.


 


Während Calliope zur südlichen Grenze des Reiches hinüber schwamm, fiel ihr das seltsame Verhalten der Riffbewohner auf. Üblicherweise waren um diese Zeit die nachtaktiven Jäger und deren Beute unterwegs, wie zum Beispiel die Riffhaie. Aber nicht einmal eine kleine Schnecke ließ sich blicken! Die Meeresschildkröte drehte sich um und schaute in die andere Richtung, lediglich die Korallenstöcke waren zu sehen. Das Riff war wie leergefegt! Erschrocken hielt Calliope inne. Was hat das zu bedeuten? Habe ich die Anzeichen für ein Seebeben übersehen?


Die Schildkröte drehte sich mehrmals um die eigene Achse, um die ganze Umgebung zu überblicken. Es gab es keine stärkere Strömung, die Korallenstöcke wackelten und zitterten nicht wie bei einem Beben. Calliope blickte zur Wasseroberfläche hinauf, durch die das silberne Mondlicht schien. Sie konnte sich nicht erklären, was hier vorging. Das hatte sie in all den Jahren noch nicht erlebt!


Und dann sah sie einen riesigen roten Teppich, der von Norden auf das Riff zu trieb. Sie schwamm weiter vor, um sich diesen Teppich näher anzuschauen. Dabei stellte sie mit Schrecken fest, dass es sich um unzählige Dornenkronenseesterne handelte. Sie krochen den niedrigen Putzerhügel hinauf, der das nördliche Ende von Faranon markierte. Calliope starte entsetzt auf die Angreifer, es mussten tausende sein!


„Oh nein, oh nein!“ murmelte sie erschrocken. Sie schwamm mit kräftigen Schlägen zum Medusenhügel in der Mitte des Königreiches. Er überragte alle anderen Felsen und war mit Anemonen übersät. Die Patrouille der Schutztruppe war nicht zu sehen, womöglich schwammen sie in diesem Moment um den südlichen Bezirk herum. Wo aber war die zweite Patrouille, die immer in der entgegengesetzten Richtung unterwegs war? Warum hatten sie die Seesterne nicht bemerkt? Calliope verstand das nicht. Das Volk von Faranon musste gewarnt werden! Ihr blieb bloß eine Möglichkeit.


Oben auf dem Medusenhügel befand sich eine kleine Röhre. Vorsichtig blies sie dort hinein. Und ihm selben Moment ertönte überall im Korallenreich ein dumpfer Ton, wurde immer lauter und ließ die Korallenwesen erzittern.


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