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> Kinderbücher > Emil Igel und die Adoption
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Kinderbücher
Buch Leseprobe Emil Igel und die Adoption, Franziska Franz
Franziska Franz

Emil Igel und die Adoption



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Das Waisenhaus „Zum fröhlichen Waldgrund“ lag mitten im Wald, nämlich dort wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Na ja, das ist eigentlich nur so ein Spruch, aber in diesem Fall, könnte er treffender nicht sein. Jedenfalls lag dieses Haus so versteckt, dass noch nie ein menschliches Wesen einen Fuß auf diesen Erdboden gesetzt hatte. Das war auch gut so, denn die Waldbewohner konnten sich schließlich ganz gut selbst um ihre Zöglinge kümmern. Und so war dieses Haus auch jedem Lebewesen des Waldes allzu bekannt, denn wer auch immer ein Waisenkind fand, der brachte es zu Frau Rosalinde Saumagen. Rosalinde war die Leiterin des Waisenhauses, eine liebenswerte Wildsau, die sich für ihre Waisenkinder aufopferte und sie rührend umsorgte. Immerzu lächelte sie und hatte einen freundlichen Spruch auf den Lippen, ja nicht nur das, sie brachte alle Kinder gerne zum Lachen, deshalb hieß das Haus ja auch: Zum fröhlichen- und nicht etwa zum traurigen Waldgrund. Rosalinde war ziemlich dick, so wie es sich für eine richtige Wildsau gehört und gemütlich war sie auch. Sie lief den ganzen Tag mit einer weißen Schürze herum. Und weil sie viel Platz auf ihrem Schoß hatte, konnte sie immer gleich mehrere Kinder auf einmal füttern. Allerdings nur dann, wenn die Kinder noch zu klein waren um selbständig zu essen. Allerdings platzte das Waisenhaus zu dieser Zeit einmal wieder aus allen Nähten. Das bedeutete, das kaum noch Platz für Neuankömmlinge war und so sah sich Frau Saumagen gezwungen, hin und wieder Tierkinder zur Adoption freizugeben, wenngleich sie am liebsten alle selbst behalten hätte. Einmal in der Woche konnten deshalb kinderlose Ehepaare das Waisenhaus besuchen und sich Tierkinder anschauen, die zu ihnen passen könnten. Natürlich mussten auch die Kinder schauen, ob die künftigen Eltern zu ihnen passen würden, darauf legte Rosalinde den allergrößten Wert. Wie bei allen Kindern, die es auf der Welt gibt, so hatte auch Rosalinde ein paar Sorgenkinder. Die größten Sorgen bereitete ihr dabei ihr allerkleinstes Kind, Emil. Emil war ein winziger Igelwaise. Er hatte noch nie einen Ton gesagt, weder zu Rosalinde, noch zu den anderen Waisenkindern, auch trug er seine Nase immer ganz nah am Boden, damit man nicht sah, wie traurig er war. Sie konnte nicht einmal sagen, ob er sie wenigstens ein klein wenig lieb hatte, weil sie nicht in seine Augen schauen konnte. Auch wollte er nie recht wachsen, da er meistens sein Futter verweigerte. Es war wirklich zum Wildschweinborsten ausreißen, fand Rosalinde. Deshalb entschied sie sich schweren Herzens, auch Emil zur Adoption freizugeben. Vielleicht würde er eines Tages in einer Familie glücklich werden können. So nahm sie ihn eines Tages auf den Schoß und sprach mit ihm: „Mein lieber Emil, was meinst du, würdest du dich freuen eine neue Mama und einen neuen Papa zu bekommen?“ Emil igelte sich vor lauter Verzweiflung ein, denn das konnte er sich wirklich nicht vorstellen. „Autsch“, sagte Rosalinde: „Hör bloß auf zu pieken.“ Es half nichts, sie schüttelte ihn vorsichtig von ihrer Schürze herunter, bis er sich wieder beruhigen würde. „Du brauchst dich doch nicht immer ein zu igeln, kleiner Emil, ich meine es doch nur gut mit dir.“ Das kannte er schon. Alle meinten es gut mit ihm, aber niemand wollte verstehen, dass er keine neuen Eltern gebrauchen konnte. Er würde schon auf sich selbst aufpassen. Sicher, er war sehr klein, doch konnte er sich dadurch auch ganz besonders gut verbergen. Besonders jetzt, im Herbst. Nicht nur, dass er die raschelnden Blätter sehr liebte, sie boten auch einen wunderbaren Schutz. Lilly und Jasper Eichhorn waren ein kinderloses Ehepaar. Vor ein paar Jahren hatte Lilly einen schlimmen Unfall gehabt. Als sie nämlich im Herbst gerade emsig Nüsse gesammelt hatte, wurde sie von einem Auto erfasst und durch die Luft gewirbelt. Ihr Mann hatte sie lange pflegen müssen, bis sie wieder ganz gesund war. Leider konnte sie deswegen keine Kinder bekommen. Sie litt sehr darunter, während Jasper ein Leben ohne Kinder schon eher aushalten konnte. Doch liebte er seine Frau und konnte ihr kaum einen Wunsch abschlagen. „Lass uns zu Rosalinde Saumagen gehen, Jasper, ich möchte ein Kind adoptieren. Sie kann uns bestimmt weiterhelfen“, sagte sie deswegen eines Tages. „Dann lass uns losziehen, bevor der Winter einbricht, Lilly, denn dann wollen wir es uns zuhause gemütlich machen.“ Es war ein langer und beschwerlicher Weg bis zum Kinderheim, denn die beiden wohnten am anderen Ende des Waldes, doch kannte Jasper glücklicherweise ein paar gute Abkürzungen über die Bäume. Er war schon immer ein guter Pfadfinder gewesen. Das hatte er ihr schon oft bewiesen, denn nicht zuletzt hatte sie ihn wegen seiner Klugheit ausgesucht. Rosalinde prüfte die beiden auf Herz und Nieren, schließlich wollte sie ja, dass ihre Findelkinder ein gutes Zuhause bekamen. „Wie alt seid ihr denn, wo wohnt ihr, habt ihr genügend Platz für ein Kind, ist genügend Essen da.“ All diese Frage mussten Lilly und Jasper über sich ergehen lassen. Dann forderte Rosalinde das Ehepaar auf, ihr zu folgen. Es gab einen großen Speiseraum in dem Waldhaus. Dort waren gerade viele Kinder versammelt, denn es war Essenszeit. Rehkitze, ein kleiner Maulwurf, sieben oder acht Mäusekinder, ein, noch sehr kleiner Marder, ein winziger Frischling, so heißen die Kinder der Wildschweine, saßen beisammen und aßen die unterschiedlichsten Gerichte. Lilly‘ s Blick wanderte durch den Raum und blieb an einer stacheligen kleinen Kugel hängen, die ganz hinten in der Ecke lag. „Was ist das denn?“, fragte sie. „Ach, das ist Emil Igel. Er ist sehr schüchtern und er spricht auch nicht, ich denke nicht, dass ihr mit ihm glücklich werden würdet“, sagte Rosalinde. Lilly ging auf ihn zu. „Hallo Emil, lass dich mal anschauen, ich bin Lilly.“ Doch Emil rührte sich nicht. „Was willst du denn mit einem Igel, Lilly, sollten wir uns nicht lieber nach einem Eichhörnchen umschauen?“, fragte Jasper. „Da kann ich euch im Moment leider nicht weiterhelfen, das letzte Eichhörnchen, das hier lebte, hat gestern eine neue Familie gefunden“, sagte Rosalinde bedauernd. „Das macht doch nichts, wir müssen flexibel sein, Jasper, ich denke, ich würde Emil gerne näher kennenlernen.“ Das hörte Emil gar nicht gerne, wenngleich er ein wenig neugierig war und gerne einmal gelunzt hätte, wie die Frau mit der netten Stimme aussah. Aber so leicht konnte er es ihr auch nicht machen. Da hätte ja jeder kommen können. „Komm“, sagte Jasper: „Lass den Kleinen, er hat Angst vor uns.“ „Das ist es ja gerade, was mir so leid tut. Wir könnten ihm doch wenigstens einmal zeigen, wo wir wohnen.“ „Wollen Sie sich nicht noch ein wenig umsehen, hier gibt es so nette Kinder“, schlug Rosalinde vor. „Nein, ich habe mich entschieden. Emil oder keinen.“ Und wenn Lilly entschieden hatte, dann gab es kein Zurück, das wusste Jasper nur zu gut. Lilly hockte sich neben den kleinen Igel und flüsterte ihm irgendetwas ins Ohr, das heißt, so richtig konnte sie die Ohren natürlich nicht sehen, deshalb hoffte sie sehr, dass er sie verstand. So ging das eine ganze Weile und schließlich verabschiedete sich Lilly von dem kleinen Emil. „Wir werden nächste Woche wiederkommen“, sagte sie. Jasper machte große Augen, damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet, denn schließlich gab es jede Menge zu tun, Wintervorräte mussten angeschafft werden, damit sie nicht verhungern mussten, denn bald würde es Winter werden und ihre Vorratskammer war erst zur Hälfte gefüllt. Lilly reichte Frau Saumagen die Pfote und sagte: „Wir haben uns für Emil entschieden, doch müssen wir ihn erst noch überzeugen, das wird wohl eine Weile dauern.“ 



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