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Kinderbücher
Buch Leseprobe Ein Pferd aus Sagaland, Roland Lange
Roland Lange

Ein Pferd aus Sagaland



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Auszug aus "Ein Pferd aus Sagaland", Kinderbuch, von Roland Lange

© 2007 by Roland Lange

Ganz schwach und ganz weit entfernt regte sich plötzlich wieder ihr Zweifel. Gab es das Sagaland denn überhaupt? Oder war es ein Ort, so unsichtbar wie seine Bewohner, der nur mit einer gehörigen Portion Fantasie entdeckt werden konnte? Existierte dieses Land nicht, wie sie glaubte, weit entfernt im hohen Norden, sondern etwa direkt vor der Haustür? Vielleicht brauchte es nur einen Schritt, um es zu betreten. Lisa erinnerte sich plötzlich an ihren Traum. Wenn es nun gar kein Traum gewesen war, sondern eine Reise in eine andere Wirklichkeit? Sie schreckte hoch, war plötzlich ganz verwirrt und wusste nicht mehr, in welcher Welt sie lebte.

»Alles Quatsch!« wischte sie schnell ihre dummen Gedanken beiseite und meinte, die Welt sei damit wieder zurechtgerückt.

Aber dann hörte sie es. Ein leises Tapsen, kaum wahrnehmbar und doch ganz deutlich. Lisa wagte nicht, sich zu bewegen. Regungslos starrte sie auf das aufgeschlagene Buch, aber ihre Ohren lauschten angespannt in die Stille. Da war es wieder. Ein Trippeln, fast wie von Katzenpfoten, und ein schwaches Wispern. Ja, da waren Stimmen! Sollte sie den Kopf drehen und hinsehen? Was würde sie entdecken? Ein gefährliches Monster vielleicht, mit haarigen Spinnenbeinen? Blutrünstig und grausam? Würde es über sie herfallen, wenn sie auch nur die leiseste Regung wagte?

Lisa nahm all ihren Mut zusammen und drehte sich um. Vor Erstaunen weiteten sich ihre Augen, und ihr Unterkiefer klappte herunter. Das durfte doch nicht wahr sein! In der Nische zwischen ihrem Schreibtisch und dem Kleiderschrank stand eine Hand voll Kinder, die sie noch nie im Leben gesehen hatte.

»He«, stieß sie fassungslos aus, »wo kommt ihr denn her? Was wollt ihr hier?«

»Pssst …, nicht so brüllen, wir vertragen das nicht«, sagte ein Mädchen, das die Kinder etwa eine Handbreit überragte, und machte zwei, drei Schritte auf sie zu.

Lisa meinte einen Moment lang, zu träumen, schloss die Augen und kniff sich kurzerhand mit ihren langen, scharfen Fingernägeln in den Arm.

»Aua!« schrie sie vor Schmerzen und riss die Augen sofort wieder auf.

Sie hatte gehofft, die seltsamen Kinder seien nur ein Trugbild gewesen. Aber die standen immer noch dort am Schrank und waren so wirklich, wie ihre Schultasche unter dem Schreibtisch. Das große Mädchen machte sogar einen weiteren Schritt auf sie zu und ermahnte sie noch einmal:

»Psst …, leise!«

Es fiel Lisa schwer, ihre Stimme unter Kontrolle zu bekommen, als sie stammelte:

»Ich kenne euch gar nicht! Ihr seid nicht von hier! Und wie ihr ausseht! So was Komisches habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen. Wo trägt man denn nur solche Klamotten?«

Aufgeregt und unsicher kicherte sie in sich hinein. Ihre Mundwinkel zuckten nervös, als das Mädchen sie erbost anfunkelte und mit strenger Stimme sagte:

»Mach dich nicht lustig über uns, sonst müssen wir dich Respekt lehren!«

Das war nun aber wirklich zu heftig, fand Lisa. Da kamen diese Figuren, weiß der Kuckuck wie, in ihr Zimmer, und jetzt wagten sie auch noch, ihr in den eigenen vier Wänden Befehle zu erteilen!

»Wer muss mich Respekt lehren?« fragte sie und ballte die Fäuste.

Überhaupt, was war das für eine komisch umständliche Sprache? So redete ja noch nicht einmal Frau Lärche mit ihren Schülern.

»Wir, die Elfen und Feen und unsere Freunde, die Kobolde und Zwerge!«

»Oh …«, stieß Lisa ungläubig und verdattert hervor und verstummte.

Sie rutschte ein Stück auf ihrem Bett zurück, zog die Knie bis hoch ans Kinn und schlang ihre Arme um die Beine. So zusamengekauert hockte sie und musterte misstrauisch ihre ungebetenen Gäste. Wenn das stimmte, was das Mädchen sagte, dann sollte sie lieber vorsichtig sein. Sie hatte in Funzels Buch gelesen, wozu diese Wesen in der Lage waren, wenn man sie reizte.

Und jetzt, als sie genauer hinsah, hatte sie keinen Zweifel mehr daran, dass es sich bei den Kindern tatsächlich um die Bewohner des Sagalandes handeln musste. Natürlich! Nur Elfen, Zwerge, Feen und Kobolde konnten es schaffen, in ein Zimmer einzudringen, ohne auch nur eine einzige Tür zu öffnen. Und nur, weil diese Sagengestalten klein, und einige von schmächtiger Statur waren, hatte Lisa im ersten Augenblick gedacht, es handele sich um Kinder.

Aber welches Kind trug schon einen Bart, wie die drei untersetzten Gestalten mit ihren grünen Filzkutten und den derben Lederstiefeln an den Füßen? Außerdem trug niemand, den sie kannte, einen ledernen Schlapphut mit Feder. Na, und dann die merkwürdigen Äxte, die in den breiten Gürteln der drei Kerlchen steckten! Das waren Waffen, mit denen sich kein Kind auf offener Straße sehen lassen durfte.

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