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Kinderbücher
Buch Leseprobe Die 5 Doppelpunkte, Maria Braig
Maria Braig

Die 5 Doppelpunkte


und der Wanderzirkus

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5. Sanne ist weg Als sie in der Zentrale angekommen waren, spra-chen alle durcheinander. Sie erzählten sich gegenseitig, was sie beobachtet hatten. Während Lena auf dem Po-ny ritt und Abdo fotografierte, hatten die drei anderen genau beobachtet, was auf dem Reitplatz geschah. Wirklich sah alles vom Boden gesehen nur halb so schlimm aus, wie Lena es aus direkter Nähe erlebt hat-te. Aber alle hatten sie beobachtet, dass der jüngere Mann die Ponys immer wieder schlug, mal mehr und mal weniger stark, und dass der Ältere am Eingang ihn sogar noch angefeuert hatte. „Gib’s ihm“, hatte Slash ihn immer wieder sagen hören. Schließlich ging Luke ins Haus, um für alle Eis zu holen. „Das haben wir uns verdient“, sagte er gönner-haft. „Wir müssen den Ponys helfen.“ Lena merkte gar nicht, wie sie ihr Eis auspackte, sie war in Gedanken weit weg. „Nun iss schon bevor es wegläuft“, holte Luke sie in die Gegenwart zurück. Dann zeigte Abdo, was er aufgenommen hatte. Die Kamera war wirklich gut, sie hatte Lenas Auseinander-setzung mit dem Jungen ziemlich gut aufgezeichnet und die anderen waren, als sie das Video gesehen hatten noch empörter als zuvor. „Der kommt am besten selbst in die Wurst“, ereiferte sich Ferrari. Slash lachte. „Das hört sich aber nicht sonderlich appetitlich an. Außerdem bist du doch sonst immer ge-gen Gewalt.“ „Bin ich auch immer noch“, fauchte Ferrari. „Aber in diesem Fall wäre ich eventuell bereit, eine Ausnahme zu machen.“ „Vielleicht gibt es ja auch andere Möglichkeiten.“ Lu-ke blieb ruhig und überlegt, obwohl auch er Tierquäler hasste. Aber es brachte nichts, sich aufzuregen, fand er. Ruhig bleiben und ernsthaft nach Lösungen für Proble-me suchen, das war sein Motto. „Wir könnten ja mal beim Tierschutzverein nachfra-gen, ob sie die Ponys überhaupt so im Kreis laufen las-sen dürfen“, schlug Ferrari vor, „und was es für Vor-schriften gibt für die Haltung von Zirkuspferden. Die ha-ben nämlich viel zu lange die Hufe nicht geschnitten be-kommen. Zum Beispiel.“ Eigentlich fiel ihr nichts ande-res ein, was wirklich nicht in Ordnung war, aber be-stimmt gab es da noch mehr. „Gute Idee“, fand Slash. „Können wir gleich morgen machen.“ „Morgen geht nicht“, antwortete Lena. „Der Tier-schutzverein ist im Tierheim. Morgen Nachmittag haben die geschlossen. Ich führe da doch manchmal Hunde aus, deshalb weiß ich das.“ „Na dann eben gleich am Freitag.“ „Was machen wir bis dahin?“ Lena wollte nicht so lange untätig bleiben. „Wir könnten mal mit dem Direktor reden“, schlug Luke vor. „Der scheint doch ganz nett zu sein. Vielleicht weiß er gar nicht, was für Vollpfosten er da eingestellt hat.“ „Dann machen wir das morgen“, stimmte Slash zu und Lena nickte. „Einverstanden“, sagte sie. „Soll ich schon mal alles in meinen Blog stellen oder besser noch abwarten?“, fragte Abdo. „Vielleicht kannst du schon mal über die Vorstellung berichten und nur ganz allgemein übers Ponyreiten?“, überlegte Slash. „Der Jongleur war doch cool und die Akrobaten erst.“ „Hast du die Clowns fotografiert?“, fragte Luke. „Die waren echt große Klasse.“ „Habe ich, klar. Ich habe alles fotografiert.“ Abdo überlegte kurz. „Okay, ich mache einen Fotobericht über die Vorstellung und poste Fotos von den Ponys. „Man sieht ja auch, ohne dass ich was dazu schreibe, dass sie nicht so gut gepflegt sind.“ Er zeigte Fotos von den Hufen und von verstrubbelten Schweifansätzen. „So schlimm sah das doch gar nicht aus“, wunderte sich Ferrari. „Das wäre mir mit Sicherheit aufgefallen. Daran sieht man nämlich, dass die Tiere verwurmt sind. Es juckt sie und sie rubbeln sich an allem was sie finden können.“ „Die Fotos habe ich gestern gemacht und alles nahe herangezoomt“, erklärte Abdo. „Ihr habt die Ponys ja nur vom Zaun aus in einiger Entfernung gesehen.“ „Bestimmt haben die sie heute nochmal gebürstet und vielleicht das Gestrubbel abgeschnitten, damit es nicht so auffällt“, überlegte Ferrari. „Also dann mache ich das so. Ich schreibe ein biss-chen was zur Vorstellung. Zu den Ponys gibt es noch keinen Kommentar, dann haben wir Luft nach oben für später“, entschied Abdo und packte die Kamera in die Tasche. „Es sprach der berühmte Fotoreporter Abdo“, lachte Luke. „Aber du hast recht. Anfangs hat man nur einen ersten Eindruck und später gibt es mehr. Spannung hal-ten ist wichtig.“ Slash grinste, sagte aber nichts. Luke wieder, immer musste er das letzte Wort haben und über alles Be-scheid wissen. Manchmal lästig, aber Slash mochte den Freund trotzdem sehr gerne. Luke sah in die Runde. „Nochmal ein Eis für alle?“ Eifriges Nicken war die Antwort. Dieses Mal bemerk-te auch Lena, was sie aß. Die fünf Doppelpunkte saßen noch eine Weile beiei-nander und überlegten hin und her, was es noch für Möglichkeiten gab, den Ponys zu helfen. Als sich die Gedanken aber im Kreis drehten und die Ideen sich nur noch wiederholten, beschlossen sie, erst einmal das Gespräch mit dem Zirkusdirektor und die Antwort des Tierschutzvereins abzuwarten. Luke legte eine DVD ein und gemeinsam sahen sie sich „Das letzte Einhorn“ an. Dann war es Zeit nach Hause zu gehen. Am folgenden Tag trafen sie sich nur vormittags in der Schule. Luke und Lena erzählten, sie hätten ihre Papas Marc und Timo gefragt, ob es denn überhaupt er-laubt sei, Ponys immer nur im Kreis laufen zu lassen. „Ponyreiten gab es schon, als ich noch ein Junge war“, erinnerte sich Marc. „Mir taten die Tiere auch leid. Aber das ist lange her. Wenn das seither verboten wor-den wäre, gäbe es bestimmt kein Ponyreiten im Zirkus oder auf der Kirmes mehr.“ „Auf der Kirmes habe ich das aber schon seit Jahren nicht mehr gesehen“, hatte Timo überlegt. „Vielleicht gibt es inzwischen bestimmte Vorschriften, wie lange sie laufen dürfen und wie sie außerhalb dieser Zeit gehalten werden müssen? Aber ob so ein kleiner Zirkus jemals kontrolliert wird?“ „Also, sie wissen es auch nicht“, fasste Slash zu-sammen. „Stimmt“, nickte Lena, „aber beide haben sie ge-meint, es wäre eine gute Idee, mal beim Tierschutzver-ein nachzufragen.“ „Ich habe gestern Abend noch im Internet recher-chiert“, berichtete Ferrari. „Timo hat wohl recht. Es scheint nicht wirklich verboten zu sein, aber es gibt Bestimmungen, die eingehalten werden müssen. Bloß konnte ich nirgends finden, was das für Bestimmungen sind.“ „Ist ja toll.“ Abdo holte sein Tablet aus dem Ruck-sack. „Dann wissen wir nichts und müssen bis morgen warten, was uns die Leute vom Tierschutzverein sagen. Aber, do, gucket mol, äh, ich meine seht mal“, manch-mal fielen Abdo noch zuerst die schwäbischen Ausdrü-cke ein, aber er merkte es meistens selbst, spätestens dann, wenn die anderen kicherten so wie jetzt. „Ich habe schon mal ein paar Bilder ins Netz gestellt.“ Fünf Köpfe drängten sich über dem Tablet zusam-men. Alle wollten sehen, was Abdo in seinem Blog ver-öffentlicht hatte. Man sah Aufnahmen vom Zirkuszelt, vom Jongleur, den Akrobaten, der Seiltänzerin und den Clowns mit der Ziege. Dann folgten Fotos von der Wiese mit den Ponys, von Elias, angebunden an seinem Seil, und schließlich Bilder vom Reitplatz und den angebun-denen Ponys, die gerade gesattelt wurden. „Warum hast du keine Bilder vom Reiten gemacht?“, fragte Ferrari. „Habe ich ja, aber man kann überall die Kinder er-kennen, die auf den Ponys sitzen. Das darf ich nicht ein-fach so veröffentlichen.“ „Stimmt. Kinderbilder gehören sowieso überhaupt nicht ins Internet“, stimmte Lena zu. „Man weiß schließ-lich nie, wer was damit macht.“ „Ich mach‘ da noch die Gesichter weg“, sagte Abdo, dann stelle ich auch ein paar Fotos vom Ponyreiten in den Blog. Das habe ich gestern nicht mehr geschafft.“ „Sieht alles ganz okay aus“, bemerkte Ferrari nach einiger Zeit. „Man muss schon sehr genau hinsehen, um zu sehen, dass es Strubbelschweife und schlecht ge-schnittene Hufe gibt.“ „Bisschen Luft nach oben ist immer wichtig. Lasst uns erst mal in Erfahrung bringen, was erlaubt ist und was nicht. Dann kann Abdo ja immer noch andere Fotos machen“, schlug Luke vor. „Muss ich nicht machen, alles in der Kamera. Aber ich muss ja noch was für später haben. Alles auf einmal wäre doch ungeschickt.“ Abdo packte das Tablet wieder ein. Gerade rechtzeitig, bevor Herr Gründel, der Mathe-Lehrer, das Klassenzimmer betrat. Herr Gründel war ziemlich neugierig und hätte bestimmt sehen wollen, was die Kinder sich auf dem Tablet ansahen. Zwar war der Blog dafür gedacht, dass möglichst viele Menschen ihn besuchten und sich die Fotos ansahen, aber Abdo hatte keine Lust, ausgerechnet mit Herrn Gründel dar-über zu sprechen, was er anders und besser machen sollte. Es war sein Blog und er wollte sich keine besser-wisserischen Ratschläge anhören, und genau das machte Herr Gründel sehr gerne. Am Freitagmorgen herrschte Aufregung in der Schu-le. „Habt ihr schon gehört? Sanne ist verschwunden!“ Mit diesen Worten empfing Marek, der sich in der Tür zum Klassenzimmer aufgebaut hatte, jedes Kind, das den Raum betreten wollte. „Wer ist denn Sanne?“, fragte Lena, „und was heißt verschwunden?“ „Naja, weg eben. Sie ist weg und niemand weiß, wo sie steckt.“ „Seit wann ist sie denn weg? Wann wurde sie zuletzt gesehen?“ In Luke erwachte sofort der Detektiv. Er sah Lena vielsagend an. „Marek rollte mit den Augen. „Du wieder. So genau weiß ich das doch auch nicht.“ „Wer ist denn Sanne? Nun sag‘ schon endlich, Ma-rek.“ Lena ließ nicht locker. „Sanne ist die mit den langen blonden Haaren aus der Parallelklasse“, antwortete Marek. „Aha. Hast du vielleicht noch ein anderes Erken-nungszeichen? Lange blonde Haare haben doch die meisten Mädchen in der Parallelklasse und in der Schu-le überhaupt. Also los: Wer ist Sanne?“ Lena wurde un-geduldig, denn der Unterricht würde gleich beginnen. „Keine Ahnung“, antwortete Marek. „Sanne eben. Ist doch egal, wie sie aussieht. Jedenfalls ist sie weg.“ Lena und Luke quetschten sich an Marek vorbei ins Klassenzimmer, der weiterhin alle Kinder mit der Frage begrüßte: „Habt ihr schon gehört? Sanne ist ver-schwunden!“ „Wer ist Sanne?“, fragten auch Slash und Abdo, die den letzten Teil des Schulweges immer gemeinsam gingen. Bevor Marek antworten konnte, hörte man ein Quietschen auf dem Marmorboden. Das konnte nur Fer-rari sein, die es wieder einmal eilig hatte, weil sie zu spät von zu Hause losgefahren war. Sie kam gerade noch zum Stehen, bevor sie Marek umgefahren hätte. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass jemand die Tür zum Klassenzimmer blockierte, und wollte wie immer schwungvoll aus dem Flur in den Raum fahren. „Was ist mit Sanne?“, fragte sie, „und wer ist das überhaupt?“ Bevor Marek sich von seinem Schreck erholt hatte und antworten konnte, erschien Frau Krause hinter Fer-rari. „Rein mit euch, der Unterricht beginnt.“ Marek ging zu seinem Platz und Ferrari rollte zu ih-rem. Frau Krause schloss die Tür hinter sich und ging zu ihrem Tisch. Es dauerte immer eine Weile, bis die Kin-der ruhiger wurden. Als das Getuschel heute aber gar nicht enden wollte, klatschte Frau Krause in die Hände. „Ruhe jetzt, Kinder!“, rief sie sehr laut und schaffte es wirklich, dass alle still wurden. „Ich kann ja verstehen, dass ihr aufgeregt seid, aber bisher ist noch gar nichts über Sanne Verschwinden bekannt. Vielleicht hat sie einfach bei einer Freundin übernachtet, vergessen den Eltern Bescheid zu sagen und dann verschlafen? Es bringt nichts, wenn ihr jetzt wilde Geschichte erfindet. Wir beginnen mit dem Englischunterricht und wenn es etwas Neues gibt, so werden wir alle das rechtzeitig ge-nug erfahren.“ Frau Krause sah nicht, wie Luke einen kleinen Zettel zusammenfaltete und unter dem Tisch an seinen Sitz-nachbarn weitergab. Anfangs waren die Doppelpunkte zusammengesessen, aber da sie sich immer etwas zu erzählen hatten, waren alle ihre Lehrerinnen und Lehrer dazu übergegangen, sie auseinanderzusetzen. Saßen sie im Kreis, so mussten immer mindestens drei andere Kinder zwischen den Doppelpunkten sitzen. Gab es Tischgruppen, dann war an jedem Tisch jeweils nur ein einziger Doppelpunkt erlaubt. Das war der Grund, dass Luke dazu übergegangen war, Briefe in Form von klei-nen Zetteln zu verschicken. In der Klasse war es Ehren-sache, dass man Briefe, die an jemand anderen adres-siert waren, nicht öffnete. Die einzige Gefahr bestand also darin, dass ein Kind nicht aufpasste und beim Wei-tergeben erwischt wurde. „Ein neuer Fall für uns: Wir müssen Sanne finden“, stand in Lukes Brief. Unterzeichnet war er mit : : : : : Nach dem Unterricht standen die Fünf wie üblich zu-sammen. „Sollen wir nun Sanne finden oder uns um die Ponys kümmern?“, fragte Ferrari die anderen. „Vielleicht kümmern wir uns erst um Sanne und dann um die Pferde“, schlug Slash vor. „Ich finde, wir sollten beides zugleich machen.“ Lena war noch immer empört über ihr Erlebnis auf dem Reit-platz und wollte die Ponys nicht so einfach im Stich las-sen. Ferrari fand den Vorschlag gut und hob den rechten Daumen in die Luft. „Warum teilen wir uns nicht auf? Wir sind fünf und erstmal müssen wir doch recherchieren. Das müssen wir nicht alle zusammen machen. Dazu können wir uns aufteilen.“ „Gute Idee“, stimmte Luke zu. „Wir arbeiten in den altbewährten Teams. Team Ferrari-Lena und Team SAL, also Slash, Abdo und ich, Luke. Seid ihr einver-standen?“ „Finde ich gut. Wer übernimmt was?“ Slash war so-fort einverstanden. „Das klären wir später. 15 Uhr in der Zentrale“, be-stimmte Luke. „Ich habe jetzt Hunger und mit leerem Magen kann ich nicht denken.“ Die anderen sahen auf ihre Uhren. Es war wirklich höchste Zeit, zum Mittagessen nach Hause zu gehen. Deshalb widersprach niemand Lukes Entscheidung. Sie klatschten sich ab und machten sich auf den Weg. Pünktlich um drei Uhr nachmittags trafen alle in der alten Werkstatt im Garten von Lena und Lukes Haus ein. Luke hängte ein Plakat mit der unbedruckten Rück-seite nach vorne an die Wand. AUFGABEN, schrieb er in Großbuchstaben ganz oben hin. Dann begann das Sammeln. Alle riefen sie durcheinander, was ihnen ein-fiel und Luke schrieb alles auf. Nur manchmal sagte er „Stopp, langsam, so schnell kann doch kein Mensch schreiben“ oder „Halt, Pause. Ein alter Mann ist doch kein Rennpferd.“ Als niemandem mehr etwas einfallen wollte, las Lu-ke alles laut vor, was er aufgeschrieben hatte. Manches erschien jetzt unwichtig oder sinnlos und er strich es durch. Übrig blieben neun Punkte: 1. Wer hat Sanne zuletzt gesehen? 2. Wo wurde Sanne zuletzt gesehen? 3. Foto von Sanne organisieren 4. Im Tierheim beim Tierschutzverein wegen Po-nyreiten nachfragen 5. Ponys weiter beobachten 6. Sannes Haus und ihre Eltern beobachten 7. Herausfinden: Ist Sanne etwas passiert oder ist sie weggelaufen? 8. Warum sollte jemand Sanne entführen? Sind Sannes Eltern vielleicht reiche Leute? 9. Was für Gründe könnte Sanne haben, um von zu Hause abzuhauen? Die Kinder saßen noch eine Weile still da und sahen konzentriert auf das Plakat. Aber sie fanden keine weite-ren Punkte. Es war alles gesagt. Schließlich fragte Abdo: „Wer macht denn jetzt was?“ Ferrari und Lena warfen sich nur einen kurzen Blick zu. Lena nickte und Ferrari erklärte, sie wollten sich um die Ponys und den Zirkus kümmern. „Wir fahren jetzt gleich ins Tierheim und dann nochmal zum Reitplatz“, schlug Ferrari vor. Lena war einverstanden. „Okay“, Luke sah Slash und Abdo an. „Wollen wir uns dann um Sanne kümmern? Seid ihr einverstan-den?“ Slash nickte, Abdo jedoch schien unentschieden. Schließlich zuckte er mit den Schultern und sagte: „Ich muss eigentlich beides machen. Wegen der Fotos.“ „Könnte schwierig werden, oder kannst du dich in zwei Teile spalten?“, lachte Ferrari. „Vielleicht könnt ihr ja ein paar Fotos mit euren Han-dys vom Tierheim machen und mir schicken?“, überleg-te Abdo. „So viel gibt es da wahrscheinlich nicht zu se-hen, was für uns wichtig ist, aber wenn doch, dann brauche ich Bilder für meinen Blog.“ Lena nickte zustimmend. „Gute Idee. Wenn wirklich was Aufregendes zu sehen ist und unsere Handyfotos nicht ausreichen, dann kannst du ja morgen kurz hinfah-ren und fotografieren.“ „Dann fährt Team SAL jetzt zu Sannes Haus“, be-stimmte Luke, ohne die anderen zu fragen. „Vielleicht finden wir dort jemanden, den wir fragen können.“ „Wer, bitteschön, soll uns denn was über Sanne er-zählen?“ Slash war skeptisch. „Wir können doch nicht bei ihren Eltern klingeln und sagen: „Hallo, wir wollen ein Foto von Ihrer Tochter Sanne haben. Achja und wann haben Sie die überhaupt zuletzt gesehen?“ „Wir können es doch versuchen.“ Luke wollte nicht gleich aufgeben. „Mehr als rausschmeißen können sie uns doch nicht.“ „Nein, das geht so nicht. Was denkst du denn, wie es denen gerade geht, wenn sie nicht wissen, wo ihr Kind ist?“ Slash taten Sannes Eltern wirklich leid. „Meine Mama wäre bestimmt völlig fertig, wenn ich plötzlich verschwunden wäre. Wenn dann jemand kommt und blöde Fragen stellt – nein, das geht gar nicht.“ Luke grübelte. Slash hatte recht, bei Marc und Timo und Svenja, seiner Mutter, wäre das genauso. Aber ihm wollte keine andere Möglichkeit einfallen. „Erstmal mache ich Fotos“, unterbrach Abdo das Schweigen. „Von Sannes Haus und von den Eltern, falls sie gerade mal zufällig rauskommen. Von den Häusern in der Nachbarschaft und von der Straße. Alles halt, was um Sannes Haus herum ist. Die Bilder werten wir dann gemeinsam aus. Vielleicht finden wir was Brauchbares.“ „Ich habe eine Idee“, rief Slash plötzlich. „Ich klingle und sage den Eltern, ich bin Jana, eine Freundin von Sanne, und ich habe was in ihrem Zimmer vergessen, das ich unbedingt brauche.“ Die anderen brauchten eine Weile, bis ihnen einfiel, dass Slashs Name ja von Jan Schrägstrich oder Slash Jana kam. Als sie endlich kapierten meine Lena zwei-felnd: „Aber die kennen dich doch gar nicht. Nicht als Slash und nicht als Jana und als Mädchen sehen dich die meisten Leute auf den ersten Blick auch nicht. Wa-rum also sollten sie dich reinlassen?“ „Meine Mutter bekommt doch auch nicht jedes Mal mit, wenn mich von euch wer besuchen kommt. Ich könnte gut andere Freunde und Freundinnen haben, die sie nicht kennt. Die würde sie trotzdem nicht wegschi-cken.“ „Versuchen kann Slash das doch mal“, warf Abdo ein. Entweder es klappt, dann kommt Slash in Sannes Zimmer und kann alles mit dem Handy abfotografieren. Vielleicht gibt es sogar Bilder von Sanne irgendwo. O-der es klappt eben nicht. Dann müssen wir uns was an-deres einfallen lassen.“ „Vielleicht können wir an der Reaktion der Eltern auch erkennen, wie sie drauf sind“, überlegte Luke. „Al-so los, Abflug!“


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