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Kinderbücher
Buch Leseprobe Der Kalif von Bagdad und die Frau des Rebellen, Dr. Sami Assassa
Dr. Sami Assassa

Der Kalif von Bagdad und die Frau des Rebellen



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Inhaltsverzeichnis


4    - Zwei Lebensläufe

6    - Wie es zu diesem Buch kam

9    - Welche von beiden ist die schönere Frau?

18  - Der Meckerer von Damaskus im türkischen Bad

26  - Das Lehrmittel Fisch-Skelett

36  - Ein Glas Damaszener Maulbeerensaft

43  - Der Penis und das Hühnerei

48  - Abou Nouas und Haroun al-Rashid

52  - Der Liebhaber und der Kalif von Bagdad

56  - Der Kalif von Bagdad und die Frau des Rebellen

60  - Der Emir und der Poet.

64  - Ein Fragment einer Geschichte aus 1001 Nacht

68  - Abou Nouas ringt um sein Leben

71  - Die Sängerin und der Kalif von Bagdad  

74  - Der Kalif und der Astronom

79  - Der Händler mit Frauen-Gewändern aus Basra

83  - Eine islamische Anekdote: Der Gelehrte und der Furz

86  - Jiha, Goebbels, die Börse und Tünnes und Schääl! 93  - Der zweite Lebenslauf



Der Kalif von Bagdad und die Frau des Rebellen


 


In jeder Ära der Geschichte gab es in allen Staatswesen der Welt unzufriedene Bürger, die sich gegen die Machthaber auflehnten, um die Zustände unter welchen sie lebten zu verbessern oder gar zu verändern. Es gab Konflikte, Rebellionen und gar Bürgerkriege. Wenn der etablierte Herrscher verlor, so hatte er meistens alles verloren. Wenn er hingegen die Rebellion niederschlug so drohte den Menschen, die sich an der Rebellion beteiligt hatten, der sichere Tod.


An einem Tag der offenen Tür,  kam eine Frau zum Kalifen al-Mamoun Sie sprach zu ihm und rezitierte vor ihm eindrucksvolle Verse des Lobes der gewaltigen Errungen- schafften, die während seiner Herrschaft geschaffen wurden und dann rezitierte sie weitere Verse der Dankbarkeit für eine Leistung, die sie von ihm erwartete.


Nach der ergiebigen Lesung der Lobes Verse fragte Al-Mamoun sie:


„Deine Verse sind gekonnt. Sie klangen wie Musik in meinen Ohren. Was wünschst Du, du wohl redende Frau?"


Die Frau zeigte sich verlegen. Sie antwortete nicht.


Der Kalif fragte nach:


„Gibt es etwas womit ich Dir helfen kann?  Hast Du einen Wunsch, den ich Dir erfüllen kann?"


Die Frau entgegnete:


„Und ob ich einen Wunsch hätte! Ich habe einen, und Du, nur Du kannst ihn erfüllen."


Der Kalif sagte:


„Sag, was Du wünschst. Wenn Gott will, so werde ich Deinen Wunsch erfüllen."


Sie zögerte.


Alle Anwesenden ahnten, dass es sich um etwas Ungewöhnliches handeln musste. Gespanntes Schweigen herrschte im Saal.


Sie sprach:


„Es ist viel, was ich mir wünsche. Nur Du kannst es vollbringen. In Deinem Gefängnis sitzt mein Mann, der morgen hingerichtet werden soll. Mein Mann ist schuldig. Dennoch bitte ich Dich um Vergebung. Ich flehe Dich an, begnadige ihn und gib ihn mir und meinen Kindern zurück"


Gewaltig änderte sich auf einmal das Antlitz des Kalifen. Sein Zorn war auffällig. Er sprach mit entschlossenem Ton:


„Jeden Wunsch hätte ich Dir erfüllt. Nur dieser kann nicht erfüllt werden. Dein Mann hat sich gegen die Staatssicherheit erhoben. Er verdient den Tod. Er wird morgen hingerichtet"


„Recht hast Du, oh Kalif." entgegnete die Frau. „Mein Mann ist schuldig, aber beim einzigen Besuch im Gefängnis, der mir ermöglicht wurde, hat er echte innige Reue gezeigt. Vergib ihn. Ich bürge für ihn mit meinem Leben."


Der Kalif entgegnete:


„Was Dein Mann beging, ist unverzeihbar. Er trachtete mir nach dem Leben. Seine Hände sind mit Blut von Unschuldigen befleckt. Er wird hingerichtet „


„Das ist absolut richtig" sagte die Frau, „ Aber der Prophet Mohammad hat gesagt, dass die Vergebung einer Untat, eine von Gott belohnte Wohltat sei."


Aber der Kalif hielt eisern an seiner Ablehnung fest. Sein Schmerz und seine Verbitterung über den „Umsturzversuch" waren unversöhnlich. Kein Argument der weinenden Frau zeigte Wirkung.


Überzeugt von der endgültigen Ablehnung,  sagte sie dem Kalifen:


„ Dann hätte ich einen anderen Wunsch, um dessen Erfüllung ich Dich bitte, nachdem Du  versprochen hast, alle sonstige Wünsche von mir zu erfüllen."


„Ich bleibe auch dabei, trage Deinen Wunsch vor." Entgegnete der Kalif.


„Bitte lass mich meinen Mann sehen, ehe er hingerichtet wird."


„Diesen Wunsch erfülle ich Dir gerne."


Er befahl seinen Soldaten, den Todeskandidaten aus dem nahe liegenden Gefängnis zu holen. Aber ehe der Mann  eintraf, geschah etwas ungewöhnliches, etwas schreckliches. Die Frau hob ihre Finger zu ihrem Gesicht und kratzte sich die eigenen Augen aus. Sie blutete. Dies geschah blitzschnell. Der Kalif konnte nicht nachvollziehen, was geschah. Er schrie, völlig erregt:


"Was hast Du getan, Frau?"


Sie wand sich vor Schmerz, aber trotzdem antwortete sie:


„Wenn Du zu Deinem Wort stehst, so wird mein Mann nicht hingerichtet. Ich kann ihn nicht mehr sehen. Ich bin blind! Sein Leben ist mir soviel wert. Ich liebe ihn mehr als mein Augenlicht."


Der Kalif war von der Tragweite der Selbstaufopferung der Frau beeindruckt. Er lenkte ein. Der Mann wurde nicht hingerichtet. Er kehrte zu seiner Frau und zu seinen Kindern zurück. Er blieb politisch unbehelligt und widmete sich seinen Kindern und seiner Ehefrau, die ihm etwas gab, was man mit keinem Vermögen messen kann.


Die Liebe der Frau war unglaublich, und die Erfüllung des Versprechens durch den Kalifen war großartig.

nach oben 


Der Kalif und der Astronom


 


Die Ära des Kalifen Haroun al-Rashid war von  Macht, Reichtum und Wohlstand gekennzeichnet. Wo sich diese Merkmale vereinen, gedeiht die Kunst und die Wissenschaft. Der Kalif widmete sich beiden Bereichen. Er führte ein freudvolles Leben und pflegte Versammlungen von Wissenschaftlern und Künstlern in seinem Palast.


Feierlichkeiten wurden zelebriert und offene Diskussionen über Physik, Chemie, Philosophie, Medizin, Religion, Wirtschaft und Administration abgehalten. Ein wichtiger Bereich war Algebra und Astronomie. Astronomie wurde von den Arabern besonders gefördert. Sehr viele Sterne und Sternbilder tragen bis heute arabische Namen.


Eines Tages kam ein Gelehrter der Astronomie zum Salon des al-Raschied. Er sprach über Beobachtungen im Himmel und überraschte den Kalifen mit einer für die damalige Zeit äußerst gewagten Bitte. Er verlangte tausendmal tausend Dinar zum Bau von Sternwarten an erwählten geographischen Stellen des islamischen Reichs!


Al-Raschied war von der Höhe des geforderten Betrags unangenehm überrascht. Zunächst war er misstrauisch, dann zornig. Unter den im Saal versammelten Intellektuellen herrschte absolute Stille. Ein Gewitter schwebte in der Luft. Sie erwarteten eine böse Stellungnahme des Kalifen, und diese kam auch prompt. Der Kalif wandte sich dem Astronomen zu und sagte:


„Du kennst meine hohe Achtung deiner Person und deinem Können gegenüber. Aber was Du da verlangst, ist astronomischer als die Astronomie. Was Du verlangst ist schier verrückt. Wenn Du mir nicht in Kürze plausibel machst, wozu Du diese Unsumme benötigst, so schließe ich dich von meinem Kreis aus. Das ist das wenigste, was dir widerfährt."


Die Stille im Raum dauerte an. Eine problematische Situation war entstanden, die nach einer Lösung verlangte. Alle anwesenden Wissenschaftler, die ein Stück vom Staatsbudget für ihre Projekte wünschten, fühlten sich betroffen bzw. angesprochen. Der Zorn des Kalifen musste entschärft werden. Man fragte sich, ob dem Astronomen eine plausible bzw. befriedigende Antwort auf die Frage des Kalifen einfallen würde? Allein der Astronom war gefragt und gefordert. War er aber imstande, die Situation zu meistern? Die Anwesenden waren gespannt und neugierig. So auch der Kalif.


Die Stille dauerte immer noch an. Die Blicke richteten sich nun auf den Astronomen. Man spürte sein Unbehagen und ahnte seine Verlegenheit. Für eine Weile dachte er nach und richtete dann einen unnachgiebigen, aber betont höflichen Blick an den Kalifen und sagte:


"Die Antwort auf Deine Frage möchte ich Dir mitteilen, aber erst wenn wir unter vier Augen sind."


Der Kalif drückte sein Erstaunen aus, sprach jedoch:


"Meine noch vorhandene Hochschätzung für Dich lässt mich zustimmen."


Die Anwesenden verließen leise murrend den Saal.


Als beide allein unter sich waren, sagte der Astronom:


„Den Nachweis werde ich erbringen. Dazu habe ich aber eine andere Bitte, die merkwürdiger erscheinen mag als die erste. Aber sie kostet, im Vergleich, sehr wenig Geld."


Der Kalif wollte den Inhalt dieser Bitte hören. Der Astronom sagte:


"Morgen Nacht, im Anschluss an das Abendgebet, möchte ich, dass alle Töpfe, Geschirrteile und sonstige Kupferwaren der Palastküche von dem Minarett auf den Hof heruntergeworfen werden."


Der Kalif drückte sein Erstaunen über diese merkwürdige Bitte aus, sprach jedoch:


"Meine noch vorhandene Hochschätzung für Dich lässt mich zustimmen."


Am Abend des nächsten Tages sammelten sich im Hofe des Palastes ein paar hundert betende Männer und Frauen. Es waren Angestellte, Gäste, Diener, Soldaten, Wissenschaftler und Berater darunter. Auch Staatsgäste aus dem gesamten Reich waren dabei. Es war so dunkel, dass man kaum die eigene Hand vor Augen erkennen konnte. Die Stille der Nacht war nach Beendigung des Gebets überwältigend. Der Kalif und der Astronom standen nebeneinander. Sie wussten im Voraus, dass in den nächsten Sekunden die „Hölle" vom Himmel auf den Steinboden des Hofes fallen würde.


Beide wussten, dass dabei niemand zu Schaden kommen würde, weil die „Hölle" vom Minarett aus auf eine entfernte, unbelebte Ecke des Hofes fallen würde.


Die „Hölle" brach los. Ein Erdbeben hätte nicht so viel Lärm verursacht, wie der Lärm der aufprallenden Töpfe auf den Steinen des Hofes. Der Widerhall des tosenden Lärms gegen die Wände des Hofes verstärkte immens die Wirkung und versetzte alle Betenden, die nach dem Gebet noch dem feierlichen Gedenken Gottes zugewandt waren, in Schrecken. Sie glaubten, dass der jüngste Tag in all seiner Gewalt angebrochen wäre. Ihre Aufregung war unbeschreiblich. Die Menge geriet in Aufruhr. Ein Schlachtfeld hätte nicht schlimmer aussehen können. Alle Menschen rannten in alle Richtungen wie verwirrte, völlig verängstigte Mäuse. Alle rannten um ihr Heil. Nur zwei Personen behielten ihre absolute Ruhe und schauten zu: Der Kalif und der Wissenschaftler. Die lauten Aufrufe des Kalifen, in denen er auf die Harmlosigkeit des Geschehens hinweisen wollte, waren schlicht vergeblich. Sie gingen völlig unter in der aufgebrachten Menge.


Nachdem der Aufruhr sich gelegt hatte, fragte der Kalif den Wissenschaftler:


"Was nun?, was soll dies alles bedeuten? Was hast Du damit erwiesen und was hast Du erreicht? Du hast die Töpfe der Küche demoliert, die Menschen erschreckt und verrückt gemacht. Mehr nicht!"


Der Wissenschaftler antwortete:


assassa_kalif02"Alle Menschen rannten wie von Sinnen, weil sie nichts wussten. Wir beide aber blieben kühl, behielten unsere absolute Ruhe und reagierten in voller Vernunft, weil wir wussten! Jedes Wissen beugt verborgenen Gefahren vor und hilft, Fortschritt zu schaffen. Um das Wissen geht es. Für das Wissen will ich Sternwarten errichten."




Der Kalif gab noch an diesem Tag dem Wunsch des Wissenschaftlers nach. Die Sternwarten wurden an vielen Stellen des Imperiums gebaut. Reste davon blieben bis in die Gegenwart existent. Jahrhunderte lang bereicherten sie das Wissen der Menschheit.


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