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> Kinderbücher > Das heimliche Mädchen
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Kinderbücher
Buch Leseprobe Das heimliche Mädchen , Maria Braig
Maria Braig

Das heimliche Mädchen


und der Dancing Boy

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Setz dich!“ Ghaffar ließ sich auf einem Sitzkissen nieder. „Bacha Bazi kann man nicht mit einem Wort erklären. Wenn du wissen willst, was dein neuer Freund macht, dann musst du dir ein wenig Zeit nehmen.“ Shirin setze sich Ghaffar gegenüber. Sie wunderte sich über Ghaffars Verhalten, freute sich aber auch, dass er bereit war zu reden und sie nicht wie ihre Mutter und Faruk mit ihrer Frage einfach stehen ließ. „Pass genau auf“, begann Ghaffar. „Es ist kompliziert und ich muss ein wenig ausholen.“ Ghaffar setzte sich zurecht, ganz wohl war ihm bei der Sache nicht. Es fiel ihm nicht leicht, über all das zu reden, was er Shahin nun erklären musste, aber was sein musste, musste eben sein. „Hat dir schon mal jemand erklärt, was zwischen Männern und Frauen passiert? Weißt du, woher die Kinder kommen?“ Shirin sah Ghaffar fragend an, eigentlich wollte sie etwas ganz anderes wissen, nicht, woher die Kinder kamen. Schließlich war sie kein Baby mehr und wusste genau, dass die Kinder aus dem Bauch der Mutter kamen. Allerdings, wie sie da hineingekommen waren, darüber hatte sich Shirin noch nie Gedanken gemacht. Aber was das nun mit Jungenspielen zu tun hatte, war ihr schleierhaft, doch sie wollte Ghaffar nicht unterbrechen, aus Angst, wieder nicht zu erfahren, um was es bei Bacha Bazi ging und was Faruks Geheimnis war. Sie sah Ghaffar fragend an und der fuhr fort. „Früher lebten in Afghanistan Männer und Frauen anders als jetzt, jedenfalls in den Städten, in vielen kleinen Dörfern war es wohl immer schon so wie heute. Jungen und Mädchen gingen in die Schule, konnten studieren, wenn sie wollten und anschließend einen Beruf ausüben.“ Shirin erinnerte sich an die Erzählungen ihrer Großeltern und nickte. „Mädchen und Jungen trafen sich in Teestuben oder in der Universität, sie lernten sich kennen, verliebten sich und heirateten, wenn sie sich liebten und für immer zusammenbleiben wollten. So habe ich meine Frau kennengelernt. Wir haben geheiratet, haben beide gearbeitet, sie war Lehrerin und ich Lehrer, wir haben zusammen Konzerte besucht und sind im Park und in der Stadt spazierengegangen. Wie damals leben wir beide heute noch zusammen. Wir lieben uns und respektieren uns, niemand von uns ist wichtiger als der andere oder hat mehr zu sagen. Wir entscheiden gemeinsam, wie wir leben wollen. Aber das kann in dieser Zeit nur noch zu Hause so geschehen. Heute soll eine Frau möglichst nicht mehr aus dem Haus gehen und wenn doch, dann mit einer Burka bekleidet. Die Gesetze sind neuerdings nicht mehr ganz so streng, wie es eine Zeit lang war, aber dennoch hat sich im Großen und Ganzen nicht viel geändert. Zwar dürfte meine Frau nach dem Gesetz jetzt wieder als Lehrerin in einer Mädchenschule arbeiten, aber aus irgendwelchen Gründen bekommen wir beide keine Erlaubnis, wieder in die Schule zu gehen. Man muss bei den Warlords und den Staatsbediensteten beliebt sein, heutzutage, wenn man etwas erreichen will.“ Shirin nickte. Auch ihr Vater hatte ja nicht mehr in seinem Beruf arbeiten dürfen, weil die Großeltern sich unbeliebt gemacht hatten. Aber sie sagte nichts, sondern wartete darauf, dass Ghaffar fortfuhr. „Aber ganz egal, ob eine Frau heute wieder arbeiten darf oder nicht, sie hat im öffentlichen Leben nichts zu suchen. Nicht bei uns in der Stadt und erst recht nicht auf dem Land. Wo Männer sind, haben Frauen nicht zu sein. Ich kann meine Frau also nicht mehr mitnehmen, wenn ich mit Freunden feiern möchte, sie darf nicht mit mir im Laden arbeiten, sie darf eigentlich gar nichts. Wir Männer, so heißt es, sind besser und wichtiger als die Frauen und diese sollen uns gehorchen. Und wenn die Frau ihrem Mann nicht gehorcht, dann ist der bei den anderen unten durch. Dann ist er kein richtiger Mann und wird ausgelacht und je nachdem, was er tut, was er seine Frau machen lässt, sogar bestraft.“ Shirin fand es zwar sehr spannend, was Ghaffar da erzählte, es war genau das Leben, wovor sie sich gefürchtet hatte, als sie noch Shirin war und wusste, dass genau das auf sie wartete, wenn sie älter wurde. Aber sie musste eigentlich wieder los, die Kunden der zweiten Runde warteten sicher schon und Ghaffar machte den Eindruck, als würde er noch den ganzen Tag weitererzählen, wenn sie ihn nicht unterbracht. „Aber, Ghaffar, was ist Bacha Bazi?“, warf sie deshalb ein, als der Teehändler eine kleine Pause machte.


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