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> Kinderbücher > Bababuh will Ferien machen
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Kinderbücher
Buch Leseprobe Bababuh will Ferien machen, Samy de Claire
Samy de Claire

Bababuh will Ferien machen



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Bababuhs Geheule klang schon lange nicht mehr so schaurig. Ein kläglicher Klang erfüllte seine Stimme und schlich müde durch die langen, von den Jahrhunderten gezeichnete Gänge, den dunklen Räumen und dem alten Innenhof der mittelalterlichen Raubritterburg mit dem Namen „Fürcht mich nicht“. Kein richtiger Name für das massive Gebäude, doch der Wunsch der sanften Seele begehrte es sehr. Sie wollte nicht düster und grausig wirken. Eher fröhlich und bunt.


Bababuh verstand sie. Er spukte in ihr schon lange, und Beide wurden müde. Zu müde, um sich dem ständigen rasseln, heulen und Wispern in den Mauern auszusetzen, und die Ströme der Menschen zu unterhalten.


Paul, der Verwalter von „Fürcht mich nicht“, hatte die Müdigkeit noch nicht bemerkt. Täglich strömten die Busse auf das gepflasterte Burggelände und wollten sie sehen, auf der Burgwehr spazieren gehen oder in die Weite des Tales schauen, um verträumt in die Tiefen der Wälder zu schauen. Das Restaurant im schiefen Turm lockte mit leckeren Speisen, und der Koch mit seinem riesigen Holzlöffel hatte alle Hände voll zu tun. Die Tische wurden reichlich gedeckt und lockten die Gäste mit warmen Kartoffelsalat, knusprigen Fischstäbchen und luftig, leichtem Jogurt mit süßen Erdbeeren zum Nachtisch. An Sonntagen machte er seine weltberühmten Spagettis mit Tomatensauce, die in windesteile verputzt waren.


Bababuh unterhielt sie auf seine eigene Gespensterart. Rasselte, jaulte und heulte mit seinen Ketten. Am Anfang war er noch voller Tatendrang. Er erschreckte die Ausflügler in den Gängen von „Fürcht mich nicht“. Erschien in den alten, verstaubten Gemälden der längst verstorbenen Bewohner. Schnitt Grimassen, verdrehte die Augen und griff nach den Händen der Besucher, die schreiend davonliefen. Gern verschwand er in die verrosteten Rüstungen. Knarrte und schepperte hinter ihnen her und hatte seinen Spaß, sie zu ängstigen. Er zeigte es offen. Ämüsiert ließ er sich immer wieder etwas Neues einfallen, um die Lebenden bei Stange zu halten, und verhinderte mit seinem Wesen, dass „Fürcht mich nicht“ verfiel. Sie freute sich. Ihr Aussehnen wurde immer schöner.


Im Sommer strahlten die bunten Blumen am Rande der steinernen Wege, die zum Grab von Bababuh führten. Junge Bäume säumten den Pavillon im Park, und die jungen Hunde tollten auf dem Burggelände herum.


Die Kinder aus dem im Tal gelegenen Dorfes kamen täglich hinauf und verputzten den süßen Kuchen vom Vortag. Der Koch hob die Stückchen auf und machte ihnen damit eine Freude.


Bababuh konnte damals noch schmunzeln. Sich an ihrem Spiel erfreuen. Doch heute? Ja, heute, war alles anders. Er versteckte sich im Schrank des alten Herrenzimmers und kauerte auf dem hölzernen Boden. Schniefend hielt er seine Lieblingskette in der Hand und zählte die rostigen Glieder. Immer wieder atmete er auf und jaulte herzerweichen. Der qualvolle Klang schwebte hinaus und verhalte an den Mauern von „Furcht mich nicht“.


Peter drehte sich um und schaute zum Haus hinüber. Nachdenklich kratzte er sich am Hinterkopf. Willy, der Koch, war bei ihm und schnauzte den Gemüsehändler an, der gerade frische Waren anlieferte. In den Kisten tummelte sich Spinat, Blumenkohl und Karotten auf der einen Seite. In der anderen Kartons Äpfel, Birnen und Bananen für einen süßen Obstsalat, den er bunt anrichten würde.


Der rundliche Mann drehte sich um und sah Peter, der nachdenklich nach oben schaute, ganz genau an. Willy trat zu ihm und tat es ihm gleich, wobei er ihn fragend ansah und sich wunderte, warum der ältere Herr so betrübt aussah.


„Was haben Sie?“, bemerkte er. Er fand nichts an der Spitze des Burgdaches.


„Fällt Ihnen nichts auf? Oder bemerke ich es nur“, sagte Peter beiläufig.


„Ich weiß nicht, was Sie meinen?“ Willy zuckte mit den Schultern. Er wunderte sich nur über den traurigen Ton des Verwalters.


„Es ist Bababuh. Er ist nicht ganz bei der Sache und richtig fröhlich klingt er auch nicht mehr.“


Willy zuckte mit den Schultern. Ihm fiel nichts auf. Schuld war die viele Arbeit in der Küche, das Geschnatter der anderen Köche, und das laute Gebrumme der unzähligen Küchengeräte, welches tagtäglich durch den Keller zog. Nein. Willy hatte nichts mitbekommen.


Peter drehte sich um. Er wollte wissen, was seinem Hausgeist durch den Kopf ging. Was ihn beschäftigte? Warum er so kläglich jammerte?


Willy nickte Peter zu, der sich ein Herz fasste und sich auf die Suche nach Bababuh machte. Er brauchte ja nur dem erbärmlichen Gejammer zu folgen, welches immer lauter wurde, je näher er dem alten Schrank kam. Das hellbraune Holz blitze im Sonnenlicht. Ein Spalt hatte Bababuh offen gelassen.


Peter schob die Tür ein wenig auf. Betrübt sah ihn Bababuh an. Er saß in seiner Ecke und schniefte in sein weißes Betttuch, welches der alte Staub verschmutzt. Die kleinen Flusen hingen am Rande und spielten mit dem leichten Luftzug des Sommerwindes ihr Spielchen, doch Bababuh hatte keinerlei Interesse daran.


Peter sah seine Tränen, die in dem Tuch versiegten: „Was hast du?“


Das Häufchen Elend sah an ihm vorbei. Dem Verwalter tat sein Hausgeist unendlich leid. Das Gespenst ächzte auf, umwickelte seine Beine mit dem Stoff und knetete verlegen seine Hände.


„Ich bin so müde“, schniefte er.


„Müde? Und darum jammerst du so?“


Verwundert sah ihn Peter an. Er konnte sich das nicht so richtig vorstellen.


„Ja. So müde.“ Bababuh rutschte nach vor und stand auf. Ein Sonnenstrahl traf ihn. Er wurde unsichtbar.


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