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Kinderbücher
Buch Leseprobe Auch Oma war mal klein, Raymonde Graber
Raymonde Graber

Auch Oma war mal klein


Neuauflage 5/2015

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Liebe Kinder,


das, was ihr da als Buch in euren Händen haltet, ist etwas ganz Besonderes: ein Buch, das eine Großmutter für ihre Enkel geschrieben hat. Und die Enkel, ja, das seid ihr. Eben kleine Kinder, die neugierig sind und erfahren möchten, wie so eine Großmutter früher gelebt hat. Und sie hat ganz anders gelebt als ihr heute, wie ihr bald anhand dieser Geschichte hören werdet.


Damals war zwar eigentlich fast alles ebenso wie heute, nur mit dem ganz kleinen Unterschied, dass … Denkt mal nach, was genau früher so anders war als heute. Früher, als die Großmutter so alt war wie ihr jetzt. Damals gab es weniger Autos, weniger Straßen, weniger Fernsehsender, weniger …


Eine ganze Menge Dinge gab es damals weniger. Aber dafür gab es andere Dinge, die aus heutiger Sicht so altmodisch erscheinen, dass man dazu neigt, sie so schnell wie möglich zu vergessen. Tausend Kleinigkeiten. Worum genau könnte es sich dabei handeln? Was genau könnte das gewesen sein? Wenn ihr das wissen wollt, dann hört am besten weiterhin gut zu, weil ich mit euch Kindern in einer Welt versinken möchte, in der ihr nicht aufhören werdet zu staunen. Eine Welt nämlich, die schöner als ein Traum sein kann.


Kinder sind nun einmal voller Wünsche und lieben rätselhafte Dinge im Leben. Dinge, die sich irgendwann erfüllen sollen. Welches Mädchen möchte nicht einmal eine schöne Prinzessin sein, welcher Bub nicht einmal ein reicher König oder vielleicht ein Autorennfahrer wie …?


All das hat auch die Großmutter erlebt, die mitsamt ihren tausend Träumen alt und grau geworden ist und jetzt dieses Buch geschrieben hat. Eben darum, weil eine Großmutter wie eine Wundertüte ist, vollgepackt mit tollen Erinnerungen von damals, als sie war wie ihr …


Und nun hört gut zu und erfahrt mehr darüber. Ja, liebe Kinder, es war einmal ein kleines Mädchen wie ihr und …


Wollt ihr überhaupt wissen, wie eure Großmutter als Kind gelebt hat?


Als Oma noch klein war ...


Ja, auch Großmama war einmal ein kleines Mädchen. Sie hatte große blaue Augen und wunderschöne gekrauste, hellblonde Haare.


Ihre Eltern hatten ein ganz gemütliches Haus auf dem Land, das von einem großen gepflegten Garten und einer dahinter liegenden Wiese umgeben war.


...


Die kleine Vreni hatte eine große Schwester namens Greta. Ihre Haare waren im Gegensatz zu denen ihrer Schwester vollkommen glatt. Die zwei Mädchen verstanden sich wunderbar. Von der großen Schwester konnte Vreni viel lernen, das war ein großer Vorteil. Sie spielten oft lustige Spiele miteinander, sodass ihnen nie langweilig wurde.


Es war mitten in der Nacht, als der Vater seine beiden Mädchen weckte. Er nahm Vreni auf den Arm und flüsterte ihr zu, dass er sie zu ihrer Tante bringen würde. Vreni schlang beide Arme um den Hals ihres Vaters und schmiegte sich liebevoll an ihn. Sie fühlte sich schrecklich müde. Sie sah die Sterne, die am Himmel funkelten, und den Mond, der die finstere Straße ein wenig erhellte. Greta ging neben ihnen her. Vater erklärte ihnen, dass er mit der Mutter ins Spital fahren müsse, weil es jetzt so weit sei mit dem Baby, das ihre Mama erwarte.


Bei der Tante brannte bereits Licht, als die drei bei ihr ankamen. Auch ein Bett für die Kinder hatte sie in der Zwischenzeit hergerichtet. Am nächsten Tag kam der Vater zurück und verkündete freudestrahlend: „Es ist ein Bub, Kinder, ihr habt ein kleines Brüderchen bekommen, und Mama geht es gut!“


Er war glücklich, dass alles gut gegangen war, und auch die beiden Mädchen tanzten vor Freude. Der Vater hatte die nächsten Tage natürlich frei. Da konnte man ihn in der Küche kochen sehen. Für Vreni war es vollkommen neu, dass ihr Vater am Herd stand und das Essen zubereitete. Es gab Bratkartoffeln, Rühreier und Salat. Alles schmeckte ausgezeichnet, und Vreni hat es nie mehr vergessen.


Einmal sagte der Vater: „Wir müssen noch einen Namen für euren Bruder aussuchen. Wer hat einen Vorschlag?“


Es war lustig, wie sie alle drei alle möglichen Namen durcheinanderriefen. Aber es war gar nicht so einfach, einen passenden Namen zu finden. Entweder gefiel dem Vater der Name nicht, den die Mädchen ausgesucht hatten, oder diese kicherten über die Vorschläge ihres Papas.


Plötzlich sagte der Vater: „Timi – wie findet ihr den Namen?“


„Ja, ja!“, riefen da die beiden Mädchen begeistert, „das ist ein schöner Name.“


Und dabei blieb es dann auch. Am anderen Tag durften die beiden ins Spital mitfahren.


Sie gaben ihrer Mama einen dicken Kuss. Der Vater hatte im Garten ein paar Rosen abgeschnitten und stellte sie nun in einer Vase auf den Tisch, der neben Mutters Bett stand. Sie sah müde aus, aber ihre Augen strahlten. Vreni traute sich fast nicht zu atmen, denn alle hatten gesagt, dass sie brav sein müsse. Sie saß auf einem Stuhl und staunte: Ihr Bruder war ausnehmend hübsch.


Er hatte schwarze Haare, ein kleines Näschen und kleine Händchen – er war schlicht und einfach ein schönes Baby.


Die Zeit verging schnell, und bald schon konnte der kleine Timi sitzen. Vreni baute ihm einen Turm aus Bauklötzen, den er auf der Stelle wieder umstieß. Er lachte aus ganzem Herzen, wenn die Klötze umherflogen. Vreni spielte gerne mit Timi und wurde nicht müde, die Klötze immer wieder für ihn aufzurichten. Timi wuchs natürlich weiter, und bald konnte er alleine Türme bauen.


Des Abends mussten alle Kinder aufräumen. Manchmal murrten sie ein wenig, aber das half alles nichts. Ihre Mutter war da streng, denn jeden Morgen, bevor die Kinder aufstanden, wischte sie den Boden blitzblank.


Sie hatte jeden Tag wirklich sehr viel zu tun. Das Gemüse holte sie aus dem eigenen Garten. Dann duftete es nach frischem Lauch. Der wurde fein geschnitten für die Gemüsesuppe, die die Mutter kochen wollte.


Sie bereitete das Essen vor, während die Kinder ihre Milch tranken. Sie musste ihre Augen überall haben, was bei drei Kindern gar nicht so einfach war. Zum Glück hatten sie ein gemeinsames Spielzimmer; dadurch war es für die Mutter ein wenig einfacher, alle drei zu überwachen und gleichzeitig ihre Arbeit zu erledigen.


Nicht einmal eine kleine Pause war ihr in der Regel erlaubt. Aber Mutter wurde nie müde, das glaubte Vreni jedenfalls.


„Das Essen ist fertig!“, rief die Mutter, und damit auch alle es hörten, schlug sie ein paar Mal auf den Gong, der im Flur angebracht war.


Timi, das jüngste Kind, war als Erster auf seinem Platz, einem hohen Holzstuhl. Dann kamen die zwei Mädchen, Greta und Vreni, gesprungen.


„Habt ihr euch die Hände gewaschen?“, fragte die Mutter. Die drei zeigten eifrig ihre kleinen Hände. Ihre Mutter war zufrieden und stellte die dampfenden Schüsseln mit dem Essen auf den Tisch.


„So, Kinder, zuerst sprechen wir das Tischgebet.“


Alle fassten sich an den Händen und beteten: „Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns bescheret hast. Amen.“ Dann schöpfte die Mutter jedem Kind eine Kelle voll Gemüsesuppe in den Teller. Die Kinder liebten diese köstliche Suppe. Die Mädchen hatten auch schon mal bei ihrer Zubereitung geholfen. Der Vater kam nicht zum Essen, er musste arbeiten. Dafür war der Großvater zu Besuch, worüber sich die Kinder ganz besonders freuten. Außer der Suppe gab es noch feine Rösti, Bratwurst und Salat, frisch aus dem eigenen Garten. Vreni und Timi teilten sich eine Bratwurst, denn sie konnten noch nicht so viel essen, sie waren ja noch klein.


Greta sagte: „Gut, dass es keinen Spinat gibt, den mag ich nicht.“ Großvater schaute Greta an, hob den Zeigefinger und sprach: „So etwas darf man nicht sagen. Spinat ist sehr gesund. Außerdem möchte ich euch noch sagen, dass jeden Tag sehr viele Kinder sterben, weil sie gar nichts zu essen haben. Versteht ihr das?“


Am Tisch war es ganz still geworden.


Timi meinte, man könnte den armen Kindern doch einen Topf Gemüsesuppe schicken. Großvater schüttelte den Kopf.


Die Gänse waren auch schon eingesperrt. Ihre langen Hälse steckten sie zum Schlafen unter einen ihrer Flügel.


Die Gänse waren beizeiten sehr frech. Vreni konnte ein Lied davon singen. Einmal rannte der Enterich ihr nach und kniff sie ins Bein. Vreni schrie wie am Spieß vor Angst und Schrecken. Danach hatte sie einen großen blauen Fleck am Bein. Der tat schon sehr weh!


Hinter dem Haus floss ein Bach durch die Wiese. Dort konnten alle Tiere so viel Wasser trinken, wie sie wollten. Der Vater hatte ein großes, dickes Brett über den Bach gelegt, das aussah wie eine kleine Brücke.


...


Aber die Kinder hatten manchmal Flausen im Kopf: Sie nahmen Anlauf und sprangen um die Wette über das Bachbett.


Einmal misslang Vreni ein solcher Sprung gründlich. Sie sprang zu kurz und landete im Bach. Zum Glück war Greta da. Sie reichte Vreni die Hand und zog sie aus dem Wasser heraus. Vreni weinte fürchterlich, denn sie hatte eine Menge Wasser geschluckt. Sie hustete und spuckte alles aus. Sie wusste, sie hätte ertrinken können wegen ihres Leichtsinns.


Da stand sie nun, von oben bis unten pitschnass. Ihre Mutter schimpfte zwar ein wenig, war aber eigentlich erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert war. Sie gab Vreni, die noch immer ganz verstört war, frische Kleider.


Es ist schon wahr, dass Kinder beim Spielen viel zu wenig an mögliche Gefahren denken. Die Enkelin der Nachbarn, die Doris hieß, kam manchmal zum Spielen herüber. Sie hatte jedoch nur Unsinn im Kopf. Jedes Mal, wenn sie da war, gab es Streit.


Einmal lutschte Vreni gerade an einem Bonbon, als Doris kam und rief: „Was hast du denn da im Mund? Zeig mal!“


Und, schwups, nahm sie Vreni mit ihren Fingern das Bonbon einfach aus dem Mund und aß es selbst auf! Dann lachte sie und verschwand.


 


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