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Kinderbücher
Buch Leseprobe A place in time, Patricia Rabs
Patricia Rabs

A place in time


Falsches Blut

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[...]


 


»Junge, was du versuchst ist sinnlos.« Ella lief es eiskalt den Rücken herunter. Beine, Arme und Kopf wurden taub. Emeses Mund verzog sich fast unmerklich zu einem winzigen Lächeln. »Was glaubst du, ist dieses Mal anders?«


»Was hab ich denn beim letzten Mal falsch gemacht?« Jesda erwiderte ihren Blick, doch sie richtete ihren auf Ella.


»Weißt du überhaupt, was du dir angetan hast?« Jesdas Miene verhärtete sich. Ella sah ihm an, dass er nicht verstand, was sie sagte. »Du kannst es nicht richtig machen.«


»Warum nicht?« 


»Weil du so tief drin steckst, in dieser Schleife, dass es einfach unmöglich ist. Du hattest bereits die Chance und hast versagt, wahrscheinlich schon mehr, weit, weit mehr als einmal! Weil du verbissen und naiv bist. Du suchst nach den großen Veränderungen und übersiehst die Kleinigkeit, die dich aus dieser Endlosschleife rausholen könnte.«


»Was soll das sein? Was soll ich denn übersehen?«


»Wenn du das irgendwann endlich verstanden hast, dann kannst du vielleicht etwas ändern. Was du willst, ist eine ganze Geschichte zu verändern! Die Idee in deinem Kopf ist gut und vielleicht hättest du, durch dein Wissen, auch tatsächlich die Möglichkeit dazu, aber was dich immer und immer wieder scheitern lässt, ist, dass du am Ende nicht einmal die falschen Entscheidungen triffst, sondern gar keine.«


»Was?« Die Frage kam nur sehr leise.


»Du wirst es auch diesmal nicht tun!« Jesda sprang auf.


»Was ist das für eine Scheiße? Sagen Sie mir, welche Entscheidung ich treffen soll, statt mir Dinge zu erzählen, die überhaupt keine Logik haben!«


»Die Logik? Suchst du nach der Logik? Du bist ein Mensch, das ist die Logik. Es ist jetzt schon zu spät, um etwas zu ändern. Du bist einfach nur ein Mensch.«


»Was heißt zu spät?«, fragte Ella in ruhigem Ton. Emese sah sie an und hielt ihren Blick lange auf ihrem Gesicht. »Für ihn ist es zu spät. Vielleicht nur Wochen, das weiß ich nicht, aber er kann nichts mehr ändern. Es wird das Gleiche sein.« Sie griff eine Schachtel mit Zigaretten, nahm eine heraus und zündete sie an.


»Möchtest du?« Jesda starrte sie mit offenem Mund an.


»Nein!!«


Emese hielt Ella die Schachtel hin. Ella schüttelte den Kopf. Fieberhaft suchte sie nach dem Sinn in Emeses Worten.


»Wenigstens eine gute Entscheidung.« Sie legte das Päckchen zurück auf den Tisch.


»Wer sind Sie überhaupt? Warum steht Ihre Arbeitsnummer in den gleichen Akten, die offensichtlich mit mir zu tun haben?«


Jetzt stand Ella der Mund offen. Das stimmte. Warum war das so? Emese lächelte. »Denk nicht darüber nach. Ich bin weder mit dir verwandt noch eine Freundin der Familie noch sonst etwas, das für dich von Bedeutung wäre.«


»Und was ist es dann?«


»Als die Person, die du suchst, diese Blätter mit sich genommen hat, war ich dabei.«


»Wann war das?«


»Vor fast fünfundzwanzig Jahren.«


»Dann wusste diese Person schon bei Jesdas Geburt, dass er einmal gesucht werden wird«, meinte Ella mehr zu sich selbst.


»Er und ich.« Jesda fuhr sich durch die Haare.


»Weiß eigentlich jeder mehr über mich, als ich selbst?«


»Es kann nur jemand etwas über dich wissen, solang du dich genau nach dem Schema verhältst, das deine Geschichte vorgibt und das du dir selbst geschrieben hast. Solang du alles so laufen lässt, wie es ist, wissen einige Menschen - schon bevor du es getan hast - was du tun wirst. Das ist der große Nachteil bei deiner Reise. Du kannst nur verlieren.«


Jesda lehnte sich an die Wand.


»Ich denke nicht daran, mir das einreden zu lassen!«


»Wäre es nicht die beste Veränderung, wenn du einfach dein Leben lebst?«


»Einfach zurück in die Stadt gehen und so tun, als wäre es richtig, was hier passiert?« Jesda verengte die Augen. »Meine Freundin wird in ein paar Monaten ein Kind bekommen, das niemals vor die Tür gehen kann! Wenn es – wider Erwarten – nach ein paar Tagen noch lebt, dann kann es froh sein, wenn es noch eine Mutter hat und wenn sein Vater nicht schon irgendwo im Knast sitzt, weil er es nicht geschafft hat, seine Frau ohne ärztliche Hilfe krepieren zu lassen! Wahrscheinlich hat er sie ins Krankenhaus gebracht und damit ist das Leben von drei Menschen vorbei, weil irgendwelche anderen Menschen zu viel herumgedoktort haben und um ihre Schuld zu vertuschen, Gesetze schreiben, die ihnen den Arsch retten, aber meinen Freunden das Leben kosten! Das soll ich mir anschauen und so tun, als sei das normal?«


Ella beobachtete ihn. Damit hatte er in ihren Augen einiges über sich preisgegeben.


»Das ist doch eine Schleife, oder? Ich schneide rein und sorge dafür, dass sie einen anderen Anfang bekommt! Dann wird sie einfach anders verlaufen!«


»Was glaubst du, passiert in dem Moment, in dem du verhindert hast, dass das Zeitloch benutzt wird? Das ist es doch, was du willst, oder?«


»Keine Ahnung, was passiert! Jedenfalls wird es besser sein, als das hier!«


»Wenn du es schaffst, die Welt so zu verändern, dann wird es den Konzern nicht geben, da hast du recht. Damit wird es vielleicht auch dich in dieser Form nicht geben. Du wirst vielleicht nicht geboren.«


»Und? Wenn es mir einfach egal ist? Ich brauch das Leben hier nicht!«


»Nein? Und wenn du in ein paar Wochen anders denkst?«


»Was, bitte, soll denn meine Meinung ändern?« Emese schmunzelte.


»WAS DENN?«


»Du bist ein ziemlich wütender, junger Mann, weißt du das?«


»Ich fass es nicht«, brummte er und rieb sich das Gesicht. Um einiges ruhiger, setzte er erneut an.


»Also, was ist der Fehler?«


»Den hast du schon gemacht, es ist zu spät.«


 


[...]


 


Für jemanden, der nichts mit dem Konzern zu tun hatte, war es so gut wie unmöglich, in die Gebäude hineinzukommen - schon gar nicht in einen Sicherheitstrakt wie dem Archiv. Nur jemand, der sich genau auskannte, würde es da runter schaffen. Es klopfte. Ella drehte sich erschrocken um. Nach einer Weile klopfte es erneut.


»Wer ist da?«, fragte sie unsicher.


»Ich!« Lyall? Ella öffnete die Tür.


»Ich wollte nur sehen, ob alles in Ordnung ist.« Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen huschte er an ihr vorbei ins Zimmer.


»Was soll schon sein?«, fragte sie irritiert. Lyall dagegen lehnte sich selbstsicher an die Balkontür und verschränkte die Arme vor der Brust. Ella schloss die Tür.


»Mir war nicht so wohl dabei, dich allein hier oben zu lassen. Anscheinend machst du ja auch jedem die Tür auf.« Er grinste.


»Sehr witzig.« Als er nichts mehr sagte, setzte sie sich unsicher aufs Bett, was – außer einem Stuhl an einem kleinen Tisch – die einzige Sitzmöglichkeit in dem kleinen Raum war.


»Willst du nicht schlafen?«


»Ich bin nicht müde. Aber dein Freund schläft bereits tief und fest.«


»Jesda?«


»Ich kann über den Balkon in sein Zimmer gucken.« Sein Grinsen wurde breiter.»Entweder ist er tot oder er schläft.«


»Mach nicht solche Witze.«


»Wie dem auch sei!« Er drehte sich um und schob die Tür zu. Sofort wurden alle Geräusche von draußen abgeschnitten und es herrschte Stille im Zimmer.


»Ich will jetzt wissen, um was es hier eigentlich geht. Danach entscheide ich nämlich, ob ich euch weiter helfe oder nicht!«


»Was meinst du damit?«


»Offensichtlich steckt ihr ziemlich tief in der Scheiße und ich wüsste einfach gern warum.«


»Das weißt du doch.« Ella mied seinen Blick.


»Ja, ich weiß, dass ihr nach Larah wollt, um dort einen Mann zu finden, dessen Namen meine Mutter in meiner Gegenwart bisher noch nie ausgesprochen hat. Wer ist das?«


»Das weiß ich nicht.« »Ella, niemand sucht jemanden ohne Grund.« »Ich weiß nicht, wer das ist. Warum hast du deine Mutter nicht gefragt, das hätte uns auch helfen können.« Lyall musterte sie.


»Sag mal, was weißt du eigentlich über den Kerl? Du folgst ihm, ohne wirklich zu wissen, auf wen du dich da einlässt, oder?«


»Fängt das schon wieder an.« Ella verdrehte die Augen. »Ich hab doch recht, oder nicht?«


»Warum sagst du das immer?«


Er schüttelte den Kopf.


»Du weißt nichts, oder?« Nein. Aber es auszusprechen wäre schmerzhaft gewesen. Zu Ellas Erschütterung setzte er sich zu ihr aufs Bett. Nervös klemmte sie ihre Hände unter die Beine.


»Jetzt hör mir mal zu! Ich weiß nicht, was der dir erzählt oder was ihr angerichtet habt, aber Larah ist kein Ort zum Urlaub machen. Und dieser Mann, den ihr da sucht, der ist auch nicht ohne. Ich weiß, dass meine Mutter großen Respekt vor ihm hat und zwar nicht im Guten!«


»Was ist das für ein Ort?«


»Jeder, aber auch jeder in einem Umkreis von hundert Kilometern, arbeitet mit oder für den Konzern. Was auch immer ihr angestellt habt, da kommt ihr nicht mehr raus, wenn ihr einmal drin seid!«


»Du meinst, dass man uns dort erkennt?«


»Erkennt? Die riechen euch, noch bevor ihr die Grenzen der Stadt überquert habt. Frag dich mal, ob er das wert ist.« Ella sah ihn an.


»Hat deine Mutter dich dazu gebracht, das zu sagen?« Er verzog den Mund.


»Nein, da bin ich ganz allein drauf gekommen!«


»Du weißt doch von den Akten aus dem Konzernarchiv, oder?« Er nickte.


»Die hat er sich geholt, dieser Mann. Und da steht mein Name drin.« »Emese sagt, ihr seid in einer Schleife.«


»Das hat sie uns auch gesagt.«


»Und dieser Mann?«


»Warum interessiert der dich so?« Er zögerte, sagte aber nichts. Ella musterte ihn und fragte sich, ob eigentlich jeder außer ihr selbst ein Geheimnis hatte.


»Und was passiert, wenn ihr von ihm gehört habt, was ihr wissen wollt?« Ella überlegte. Ja, was dann?


»Ich hab keine Ahnung. Bisher hieß es immer nur, dass wir diese Seiten finden müssen. Ich glaube, dass er dann weiß, wie er die Geschichte verändern kann.«


»Und wofür braucht er dich? Als Schutzschild?« »Du redest Blödsinn, das weißt du selbst!«


»Meinst du? Vielleicht muss dir das einfach mal jemand klar machen!«


»Und was liegt dir daran, mir das zu sagen?«


»Was mir daran liegt? Hast du es beim letzten Mal nicht verstanden?« Ellas Herz schlug augenblicklich schneller.


»Ich hab verstanden, dass du ein ziemlicher dreister Kerl bist, der sich nimmt, wozu er grad Lust hat!« Sein Gesicht wurde viel zu ernst.


»So einfach ist das nicht.«


»Du kennst mich gar nicht! Du hast keine Ahnung, wer oder was ich bin, du hältst dich nur an irgendwas Oberflächliches, weil dir meine Nase gefällt oder was weiß ich!« Er zögerte einen Augenblick, dann grinste er wieder.


»Und jetzt überleg mal, was du da gerade gesagt hast!« Ella starrte ihn mit offenem Mund an. »Du kennst diesen Jungen genauso wenig, wie ich dich. Du weißt nichts, aber auch gar nichts, hab ich recht? Du rennst ihm nach, weil dir irgendwas, was ich nicht nachvollziehen kann, an ihm gefällt und dafür setzt du dein Leben aufs Spiel.«


»Dann tust du doch genau dasselbe! Wenn du mit uns gehst, gerätst du doch genauso in Gefahr, wenn was passiert. Wo ist denn da der Unterschied?«


»Du hast versucht, dich als etwas Besseres darzustellen.« Sein Lächeln verschwand. »Und es liegt nicht an deiner Nase, Ella. Du gehörst nicht zu diesem Kerl. Der bringt dir Unglück, glaub mir. Geh weg, solang du noch die Chance dazu hast.«


»Das hast du von deiner Mutter!«, wiederholte sie sich. »Und die ist sich da ziemlich sicher gewesen! Und weißt du, wovon ich überzeugt bin?« Noch bevor Ella reagieren konnte, hatte er ihre Handgelenke gegriffen und ihre Hände aus ihrem Schoß gezogen. Wie paralysiert starrte sie ihn an. Er zögerte.


»Dein kleiner Freund ist nichts als Abschaum! Nichts Besseres als das ganze andere Gesindel!« Sie war sich sicher, dass es nicht das war, was er eigentlich hatte sagen wollen. Ella riss ihre Hand los und stand auf.


»Welches Gesindel? Der Konzern? Was hat Jesda mit dem Konzern zu tun?«


»Denk doch mal nach!«


»Weißt du was, du hast recht! Ich weiß gar nichts!«, keifte sie. »Aber es ist mir auch egal –« Es klopfte fest an die Tür. Ella hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund.


»Ja?«


»Mach auf!« Ertappt sah sie Lyall an, der die Hand hob und ihr deutete, zu öffnen. Jesda erschien in der Tür, schaute an Ella vorbei, die sich fassungslos über das, was hier in ihrem Zimmer passierte, umdrehte und ebenfalls zum Bett sah, auf dem Lyall jetzt – mit hinter dem Kopf verschränkten Armen und lässig übereinandergeschlagenen Beinen – lag.


»Hi!«


Jesda ignorierte ihn und hielt Ella seine Tasche hin.


»Ich muss was besorgen, geh nicht raus«, mit einem weiteren Blick auf Lyall, »und seid verdammt noch mal leiser!« Er drehte sich um und ging. Mit offenem Mund starrte sie ihm nach.


»Dreckskerl!«, sagte Lyall laut.


»Jetzt reicht es mir! Raus!«, fauchte Ella, die Tür noch in der Hand. »Weswegen? Weil er Dinge denkt, die er nicht gebacken kriegt?« Er setzte sich auf. »Ich sag es dir noch mal: Dreckskerl! Dreckiger, lügender –« Ella wurde zur Seite gestoßen und prallte mit dem Kopf an die Wand. Sie sah es zuerst nicht, hörte es aber: Jesda schlug Lyall direkt ins Gesicht. Mit blutender Nase fiel er auf den Boden.


»Was passt dir nicht?« Ella schloss die Tür, so leise sie konnte. »Spinnst du! Hör auf damit!«, zischte sie. »Was mir nicht passt, sind kleine Dorfpisser wie du, die keine Ahnung haben, wovon sie reden!«


»Ach nein? Dann klär uns doch mal auf!« Er wischte sich übers Gesicht und das Blut an seiner Hand wiederum an seiner Hose ab.


»Ich erklär dir gar nichts! Mach, dass du verschwindest!« »Ella, frag ihn doch mal nach seiner Familie!« Sie richtete die Augen auf Jesda, der mit wutverzerrter Miene Lyall am Kragen packte, der allerdings überhaupt keine Ambitionen zeigte, sich zu wehren. Ella packte Jesda am Shirt und zog.


»Hör auf!« Sofort ließ er los.


»Frag, Ella!« Lyall grinste ihm höhnisch ins Gesicht. »Frag ihn, warum das ganze Land einen Jungen verfolgt, der ein paar Akten geklaut hat!«


 


[...]


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