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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Zyklus, Patrick Höll
Patrick Höll

Zyklus



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Wilhelm Plassmann saß entspannt in seinem Lieblingssessel vor dem großen Plasma-Fern-seher. Ein Luxus, den er sich erst vor kurzem gegönnt hatte. Die Füße auf einem Schemel, auf dem Wohnzimmertisch ein Bier, von dem er hin und wieder einen Schluck nahm, schaute er sich gerade „Wer wird Millionär" an. Er liebte diese Show. Der heutige Kandidat war schon ziemlich weit gekommen. Zweiunddreißigtausend Euro hatte er schon erspielt. Langsam wurde es spannend.

Kein schlechtes Sümmchen, dachte Plassmann. Mit Zweiunddreißigtausend Euro wäre auch ihm etwas eingefallen, um seinen Lebensstandard zu verbessern. Aber wem auch nicht? Während der nächsten Frage war der Kandidat ziemlich unsicher, wollte aber partout keinen seiner Joker einsetzen. Das nutzte Günther Jauch natürlich mediengerecht aus, um die Spannung noch weiter zu erhöhen, ob die Antwort nun richtig war oder nicht. Gezielt stellte er Fragen, die den Kandidaten im letzten Augenblick noch wankelmütig werden lassen sollten. Ausgerechnet jetzt meldete sich Plassmanns Blase. Er verspürte den Harndrang schon eine ganze Weile, aber jetzt wurde es akut. Was für ein verdammter Mist! Wenn er versuchen würde, sich bis zur Werbepause zusammenzureißen, verging ihm der Spaß an der Sendung, weil er immer nur ans urinieren denken konnte. Also begab er sich wohl oder übel auf den Weg zum Klo. Wenn er fertig war und zurück kam, fing bestimmt die Werbepause an. Das war immer so. Verdammter Mist! Als er sich erleichterte, glaubte er, durch das angekippte Fenster merkwürdige Laute zu hören. Sofort schlugen alle seine Sinne Alarm. Nicht schon wieder! Erst letzten Monat hatten ein paar Jugendliche auf seinem Friedhof herum randaliert. Ein halb aufgebuddeltes Grab und ein umgestoßenes Kreuz waren das pietätlose Ergebnis dieser nächtlichen Aktion. Selbstverständlich hatte Plassmann sofort die Polizei verständigt, aber die konnten ihm auch nicht entscheidend weiter helfen. Sie hatten den Fall aufgenommen und das war's dann auch. Schnell zog er den Reißverschluss seiner Hose hoch und rannte in den Vorflur. Hier zog er mit fliegenden Fingern seine festen Arbeitschuhe an und griff nach der schweren Mag-Lite auf dem Sideboard. Eine wundervolle, massive Lampe. Fast einen halben Meter lang und aus Voll-Metall. Abgesehen von ihrem einmaligen Verteidigungswert gab sie auch ein gutes, grelles Licht ab. Diesmal würde er die Burschen auf frischer Tat ertappen. Sein Handy klebte schon an seinem Ohr und wählte tutend die Nummer der Polizei. Gerade als er in die Dunkelheit hinaustrat, kam die Verbindung zustande. Er hielt kurz inne. Routiniert nannte er seinen Namen, worum es ging und, dass er der zuständige Friedhofswärter an der Blomberger Straße sei. Er berichtet auch kurz, dass er erst letztens einen Fall von Vandalismus gemeldet hatte. Die Dame am Ende der Leitung behauptete, sie würde sofort einen Wagen schicken und er solle an der Stelle bleiben, wo er gerade war, um die Beamten in Empfang zu nehmen. Plassmann legte einfach auf. Warten? Blödsinn! Dann würden ihm diese Vandalen wohl möglich wieder durch die Lappen gehen! Sicheren Schrittes begab er sich über den kleinen Weg, der von seinem Wohnhaus zum Eingangstor des Friedhofs führte. Hier benötigte er noch kein Licht. Nach zwanzig Jahren Dienst an diesem Ort, kannte er ihn wie seine Westentasche. Als er das Tor öffnete, hallte ein jämmerliches Quietschen durch die Nacht. Erschreckt hielt er inne und horchte auf die Geräusche, die der laue Wind zu ihm herübertrug. Ärgerlich machte er sich im Geiste erbitterte Vorwürfe, dass er es immer noch nicht geschafft hatte, einige Tropfen Öl an die rostigen Angeln zu träufeln. Die Randalierer schienen nichts bemerkt zu haben. Die Geräusche waren noch gut zu hören. Auf der Hälfte des Weges vernahm er wieder dieses dumpfe Klopfen. So leise wie möglich eilte er über die verwinkelten Gänge zu der vermeintlichen Ursache des Lärms. Als er dem Geschehen etwas näher kam, drosselte er sein Tempo und versuchte sich anzuschleichen. Um das Knirschen seiner Schritte zu vermeiden, verließ er den Kiesweg und ging über die Rasenfläche weiter. Dann waren die Geräusche direkt vor ihm. Seine Augen hatten sich an die Dunkelheit gewöhnt und, um besser sehen zu können, kniete er sich hin. Aus dieser Perspektive würde das Mondlicht ausreichen, um die Szenerie zu beleuchten. Aber da war nichts! Nur dieses Poltern und Schaben. Nun wurde es Plassmann aber zu bunt. Die Polizei würde auch jeden Augenblick eintreffen. Entschlossen sprang er aus dem Gebüsch. Trotz seiner zweiundfünfzig Jahre fühlte er sich immer noch rüstig genug, um es mit ein paar randalierenden Jugendlichen aufzunehmen. Er schaltete seine Lampe an und der grelle Lichtstrahl riss die Szenerie aus dem Dunkeln. Aber da waren keine Jugendlichen! Plassmanns Gehirn weigerte sich einfach, zu verarbeiten, was er dort sah. Also nahm er die Szenerie nur geschockt in sich auf. Vor ihm aus dem geöffneten Grab ragte der Oberkörper einer weiblichen verwesten Leiche. Das Fleisch war schon komplett von den Knochen gefallen, nur die wesentlich widerstandsfähigeren Sehnen und Knorpel hielten das Skelett noch zusammen. Einige Fetzen Kleidung hingen noch herab und bedeckten die ordinäre Blöße der Frau. Die Haare standen struppig vom Kopf, die leeren Augenhöhlen starrten Plassmann unheimlich an. Und die Gestalt bewegte sich!

Allerdings nicht mit den fließenden Bewegungen eines normalen Menschens, sondern unnatürlich ruckartig. Es schien Plassmann, als würde sie von einem unsichtbaren Marionettenspieler dirigiert. Dann schoss ihm der Gedanke an einen Bären, der sein Opfer schüttelt, durch den Kopf. Hin und her, mal nach rechts, mal nach links. Mit voller Wucht schmetterte der Brustkorb der schwer skelettierten Frau gerade auf den Grabdeckel. Eine der Rippen brach wie ein trockener Ast. Es klang wie ein leiser Schuss in der nächtlichen Stille. Der Kopf wippte durch die kinetische Energie zitternd hin und her, als bestünde die Verbindung zwischen Rückgrat und Kopf aus Gummi. Es kam einem Wunder gleich, dass die verdorrten Sehnen den Körper noch zusammen hielten. Plassmann zitterte jetzt am ganzen Körper.

Was in drei Teufelsnamen war das?

Wer hatte das Grab geöffnet und wieso zuckte die Leiche, als befände sie sich im Veitstanz?

Er hatte schon etliche Exhumierungen durchgeführt. Deswegen war ihm der Anblick verwesender Körper bekannt. Aber dies hier besaß eine andere Qualität. Zitternd begab er sich langsam zu dem Grab, um zu prüfen, was sich an der Leiche zu schaffen machte. Der Strahl seiner Taschenlampe zitterte genauso heftig, wie er selber, so dass er beide Hände benutzen musste, um den Strahl einigermaßen ruhig zu halten. Als er in das Grab leuchtete, sah er auf den ersten Blick gar nichts. Das Unterteil des Sarges war noch nicht ganz verrottet. Dann fiel sein suchender Blick auf etwas Glänzendes. Wie ein unnatürlicher, brauner Strumpf hielt es den Unterkörper des Skelettes bis zur Hüfte umfasst. Ab hier begannen auch die fürchterlichen Zuckungen. Dieses braune, glänzende Zeug schien der Auslöser zu sein. Ratlos stand Plassmann da und wusste nicht, was er davon halten sollte. Als er die Berührung an seinem Bein spürte, war es schon zu spät. Instinktiv wollte er sein Bein aus der Umklammerung befreien, aber er kam nicht los. Dann spürte er einen unglaublichen Schmerz und den Kontakt am zweiten Bein. Die Panik schlug wie eine Woge über ihm zusammen und er wollte fliehen. Gerade als er sich umgedreht hatte, riss ihn irgendetwas mit unglaublicher Gewalt von den Beinen. Ihm blieb keine Zeit mehr, die Hände schützend vor den Körper zu halten. Wie ein gefällter Baum prallte er mit dem Gesicht auf den Kies des Weges. Sein Nasenbein brach mit einem hässlichen Knacken und seine Kiefer schlugen so hart aufeinander, dass er das vordere Stück seiner Zunge einfach abbiss.

Der Schmerz war unvorstellbar!

Gleichzeitig spürte er, wie diese merkwürdigen Tentakel an seinem Bein zogen. Er rappelte sich auf und drehte sich mühsam auf den Rücken. Als sein Oberkörper hoch kam, sah er, dass er nun schon von vier dieser glänzenden Dinger festgehalten wurde. In wilder Panik riss er mit aller Kraft an seinem linken Bein, um es aus der Umklammerung zu befreien. Plötzlich spürte er keinen Wiederstand mehr. Kurzfristig durchströmte ihn Erleichterung. Aber als er den Erfolg seiner Bemühungen in Augenschein nehmen wollte, fand er sein Bein nicht wieder. Es endete in der Mitte des Oberschenkels in einem blutigen Stumpf, aus dem weißlich schimmernd der Oberschenkelknochen heraus ragte. In dem Augenblick fing er an zu schreien. Mit aller Kraft, die seine Lungen hergaben, brüllte er sein Entsetzen in die Nacht. Aber es dauerte nur wenige weitere Sekunden, dann waren die Tentakel auf seinem Brustkorb, an seinem Hals und in seinem Mund.

In der Volkwinstraße an der Südseite des Friedhofs wurde ein Fenster geöffnet und jemand horchte in die Nacht. Das war aber die einzige spartanische Reaktion auf Plassmanns Todeskampf. Die beiden Polizisten, die kurze Zeit später am Friedhof eintrafen, fanden weder Plassmann noch seine sterblichen Überreste. Obwohl seine Wohnung hell erleuchtet war, öffnete niemand die Tür. Es gab viele Leute, die abends ausgingen und aus Angst vor Einbrechern die Wohnung beleuchtet zurückließen. Im Gewirr der Friedhofsgassen kannten sich die Polizisten nicht aus und so war es kein Wunder, dass sie unverrichteter Dinge wieder abzogen. Der Dämon lauerte wieder satt und zufrieden in einer der vielen Katakomben. Wenn er einen Körper besessen hätte, hätte er zufrieden gerülpst. Aber ohne Verdauungsorgane im herkömmlichen Sinne war das nicht möglich. Er fühlte sich wie im Paradies. Nahrung in Hülle und Fülle! Er spürte wie seine Kraft langsam wieder zunahm. Und eine Metamorphose schien kurz bevorzustehen. Er konnte es schon spüren!

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