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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Zwillingsblut, Jennifer Schreiner
Jennifer Schreiner

Zwillingsblut



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Sofia öffnete die Tür zu dem Raum, den Noctalyus ihr gezeigt hatte. Wenn sie ihm trauen durfte, wartete hier der einzige Vampir Londons, der alt genug war, um ihr weiterhelfen zu können.


Das grelle Neonlicht blendete sie und verwandelte die Welt in ein scharfes Zerrbild aus hell und dunkel. Der Vampir, die Lässigkeit in Person, flätzte sich auf einem Bett, dessen Größe allein Aufschluss über sein Lieblingshobby gab. Die Hose war das nächste, was Sofia auffiel.


»Oh bitte!« Sie schüttelte den Kopf. »Nicht noch so ein Klischee.«


Erstaunt blickte der Vampir auf und Sofia sah in die hellsten Augen, die sie je gesehen hatte.


»Welches Klischee?« Xylos Stimme klang irritiert.


Sofia zeigte auf die Hose. »Eine schwarze Lackhose. Stereotyper geht es ja wohl kaum!«


Xylos sah an sich herab, als sei Sofia die erste Frau, die seine Hose bemerkte, wenn er halbnackt auf einem Bett vor ihr lag.


»Sie lässt sich aber leicht abwaschen.« Anzüglich lächelnd erhob sich der Vampir von seinem Bett und bot Sofia einen ausgezeichneten Blick auf die volle Länge der Hose.


»Uh! So genau habe ich das gar nicht wissen wollen!«


Xylos lachte bei dem peinlich berührten Klang ihrer Stimme. Es war ein sehr sinnliches Lachen, das sie umschmeichelte wie ein sanfter, warmer Frühlingshauch und ihre Nervenenden zum Kribbeln brachte. Großer Gott, wo haben die den denn her?


Der Vampir löste sich endgültig von seinem Bett und schlenderte mit einem harmlosen, beinahe menschlich-verträumten Gesichtsausdruck zu ihr. Selbst der einfache Akt des Gehens wirkte bei ihm wie eine verführerische Offenbarung. Das Spiel seiner Muskeln, die sich dabei unter seiner Haut bewegten, war beinahe hypnotisch und lenkte die Aufmerksamkeit auf die faszinierende Farbe seiner Haut, die in einem sanften Goldton förmlich schimmerte. Sofia schluckte und widerstand der Versuchung sich die Lippen zu lecken. Nichts an seinem Körper schien einen Makel zu haben. Er war perfekt proportioniert, ein Meisterstück der Evolution mit den harmonischsten Maßen, die sie je gesehen hatte – und trotzdem wirkte er wie ein süßer Sunnyboy. Er konnte kaum älter als 25 gewesen sein, als er Vampir wurde und seine Gesichtszüge waren weich, während ein gefährliches Feuer in seinen fahlen Augen brannte. Wahrscheinlich ist es dieser Gegensatz, auf den die meisten Frauen abfahren, dachte Sofia. Edward hatte – wenn man nicht hinsah – in Großbuchstaben »Gefahr« auf der Stirn stehen, während bei Xylos auf den ersten Blick nur »Harmlos« stand.


Es waren einzig seine Augen, die Sofia erschreckten: wie ein Wasser ohne Boden und die sie dazu zwangen, den Blickkontakt abzubrechen.


Für Sekunden fühlte sich ihr Kopf unsagbar leer an und sie musste sich konzentrieren, um sich dem Vampir nicht darzubieten.


»Noctalyus hat wirklich einen guten Geschmack. – Wenn er es war, der dich aus der Warteschlange gefischt hat.«


»Ich habe mich selber gefischt«, meinte Sofia abwesend und starrte die Kette an, die der Vampir trug. Sie versuchte sich zu erinnern. Hatte nicht auch Noctalyus solch eine Kette getragen?


»Gefällt sie dir?« Xylos ließ einen einzelnen Anhänger durch seine langen Finger gleiten und lenkte Sofias Aufmerksamkeit dadurch auf die Tatsache, dass die anderen vier perlenförmigen Anhänger das Abbild verschiedener Frauen zeigten.


Kaum hatte der Vampir den Anhänger freigegeben, schmiegte er sich wie eine flüssige Perle zurück an seine Haut.


»Nein. Wieso sollte jemand vier Frauenportraits mit sich herumtragen?«, meinte Sofia ehrlich.


»Weil ich sie liebe.«


»Ne, ist schon klar! Alle vier!« Sofia musste sich keine Mühe geben, ihre Stimme sarkastisch klingen zu lassen.


»Aber du bist wegen etwas anderem hier, nicht wahr?« Xylos Tonlage wurde ein gekonntes Flüstern, seine Worte ein Schmeicheln an ihrer Haut. Er war ihr eindeutig zu nahe.


»Ja, bin ich!«, gab sie zu. Für den Bruchteil einer Sekunde las sie herablassende Verachtung in seinem Blick, dann wieder seine liebevolle Sanftmut, mit der er sie verführen wollte. Oh Gott, er ist der Callboy! Bevor sie dazu kam, seinen Verdacht klarzustellen, meinte er: »1 000 Euro.«


»1 000 Euro?«, beinahe hätte Sofia gelacht. »Weißt du, wie lange ich für 1 000 Euro arbeiten muss?«


»Nein«, antwortete der Vampir und in diesem Nein schwang mit: Interessiert mich auch nicht.


»Einhundert Stunden!«, sagte sie trotzdem. Und fügte noch hinzu, als sein anzügliches Grinsen in die Breite wuchs: »Deswegen: Kein Interesse.«


Er musterte sie abschätzend. »Wenn das der einzige Grund ist: 500 Euro.«


»Du hast ja eine wahnsinnige Inflation«, lachte Sofia, die die Situation ob seines Gesichtsausdrucks genoss. »Wenn ich noch fünf Minuten warte, bekomme ich Geld, nicht du.«


Xylos blinzelte und starrte Sofia an, sah weg und sah sie wieder an. So als könne er nicht fassen, was geschah.


Dann kehrte er zu seinem Standardtext zurück: »Es lohnt sich, Mädchen! Glaube mir, ich bin gut, der Beste, den du je gehabt hast – und je haben wirst.«


Sofia grinste. Irgendwie war er süß in seiner Hilflosigkeit.


Nur mühsam widerstand Xylos der Versuchung den Preis noch weiter zu senken. Dass sich die hübsche Blondine so deutlich uninteressiert an ihm und seinem Körper zeigte, machte sie so reizvoll, wie schon lange keine Frau. Stattdessen schob er sich langsam und unmerklich so in Position, dass sie unmöglich vor ihm die Tür erreichen konnte.


»Das mein Lieber kann jeder behaupten!« Ihr Lachen provozierte ihn sein Spiel weiterzuspielen.


»Lass es auf einen Vergleich ankommen!«, lockte er.


Obwohl Sofia Xylos Atem auf ihrem Gesicht spüren konnte, was ihr wie eine intime Invasion in ihre Privatsphäre vorkam, musterte sie den Callboy. Er war sich seiner Sache ekelhaft sicher, glaubte er könne sie ebenso besitzen, wie die Frauen, die draußen auf ihn warteten.


»Ich habe keine Vergleichspalette. – Nicht jeder ist so leicht zu haben, wie du!«, konterte Sofia deswegen mit einer Spur Bosheit und vergaß auf ihr eigentliches Anliegen zurückzukommen.


Xylos starrte sie an und Sofia begriff, dass ihre Worte exakt das Falscheste gewesen waren, was sie hatte sagen können. Der Glanz in seinen fahlen Augen spiegelte seine plötzlich angefachte Gier. »300.«


»Nicht mal, wenn du was draufzahlst, Schätzchen! Kennst du die Visawerbung?« Sofia fühlte sich unter dem sexuell aufgeladenen Blick unwohl und war froh, dass sie ihr Gegenüber mit ihrer Bemerkung aus dem Konzept brachte.


»Visa?«, hakte Xylos nach.


»Sie meint damit, sie ist unbezahlbar!«, unterbrach Edwards Stimme das Gespräch und sowohl Sofia als auch Xylos fuhren überrascht herum, weil sie ihn nicht hatten kommen hören.


Edward nickte entschuldigend, obwohl ihm nicht nach einer Entschuldigung war. Gleich nachdem Noctalyus ohne Sofia zurückgekehrt war, hatte Edward sich entschlossen, einzugreifen. Es gab kaum eine subtilere und boshaftere Rache, als eine Frau Xylos zuzuführen. Sei es eine Sterbliche, oder eine Unsterbliche.


»Noctalyus sagt, ich solle dich zur Tür bringen, damit dir genügend Zeit bleibt, dich für die Party morgen Nacht vorzubereiten und dich neu einzukleiden«, log Edward und verfluchte sich in derselben Sekunde, in der er es ausgesprochen hatte. Jetzt hatte er das lebensmüde Mädchen, den rachsüchtigen Noctalyus und den interessierte Xylos wahrscheinlich noch eine weitere Nacht am Hals.


Sofia blinzelte und sah an sich herab. Xylos Blick – und wie Edward verärgert feststellte auch sein eigener – folgten ihr. Edward riss sich von Sofias Anblick los und sah an Xylos verwirrten und gierigen Blick, dass der Callboy immer noch nicht begriffen hatte, wen er vor sich hatte. Ist auch besser so, dachte Edward. Er wunderte sich über die grenzenlose Erleichterung, die er empfand, als Xylos sich umdrehte und durch eine Handbewegung zu verstehen gab, sich wieder seiner Verlustierung in Form der nächsten Sterblichen widmen zu wollen


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