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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Zirkus zur dreizehnten Stunde, Cassy Fox
Cassy Fox

Zirkus zur dreizehnten Stunde



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Prolog


Ruhe, Abgeschiedenheit, vollkommen zurückgezogen. Ein Raum am Ende der Zeit. Dunkel und abgeschottet von jeglichem Leben und doch so sehr mit der Welt und ihrem Sein verbunden wie nichts anderes, das existiert.


Ein sanftes Glimmen, leicht wie ein Lufthauch, so zart und zerbrechlich. Und trotzdem hält es ein ganzes Leben in sich. Ein Leben oder sogar mehrere. Dass ein kleiner Faden eine Welt in sich beherbergen kann …


Er fühlt sich weich an, sanft, fast schon unwirklich. Dieses kleine, leuchtende Etwas, das sich durch die Finger der drei Frauen zieht und immer weiter gesponnen wird. So lange bis es abgetrennt wird … und ein Leben erlischt. Die Reste fallen zu Boden, lösen sich auf, bevor sie ihn ganz erreichen können. Verschwinden einfach, wie ein Lufthauch, als wäre nichts geschehen.


Was bleibt übrig? Nichts. Ein Hauchen und Seufzen. Es hat keinen Bestand, hinterlässt in der Zeit keine Spuren.


Und sie spinnen weiter. Vermummt in ihre langen Gewänder, die schon Staub angesetzt haben. Die Gesichter verhüllt, die Haltung starr. Würden sich ihre Hände nicht bewegen, könnte man sie für Statuen halten. Das Leben existiert in ihren Leibern nicht. Welche Ironie, dass gerade sie die Leben aller in ihren Händen halten.


Ein Schnauben kriecht meine Kehle hoch. Ein belustigtes, vielleicht auch zynisches. Ich spüre wie sich meine Lippen nach oben ziehen und ein Grinsen formen.


Sie werden die Moiren genannt. Vergöttert und verehrt werden sie. So sehr, dass sie es schafften, in unterschiedlichen Kulturen zu leben. Schicksalsgöttinnen, Spinnerinnen der Geschichte. Sie hängen an ihrer Macht. Sie hängen an diesen kleinen, zarten Fäden. Vielleicht verfangen sie sich auch darin?


Was würde nur passieren wenn …


Sie stocken. Welch unglaubliche Eintracht sie doch bilden. Eine kleine fast nicht zu bemerkende Veränderung und jede hält exakt in der gleichen Sekunde inne. Als würde mit ihnen die Zeit stillstehen. Als würde alles zusammenhängen.


Dann entdecken sie ihn: den Fehler. Diese kleine Unregelmäßigkeit in einem Faden, der nicht zu Ende war. Ihr Werk, gesponnenes Silber, das Gold des Lebens. Eine Seele, die nicht perfekt war. Dieser Makel schaffte es tatsächlich. Er ließ ihr Blut fließen. Einen Tropfen nur. Einen einfachen kleinen Tropfen, der von Clothos Fingern auf die Erde fällt. Ein Tropfen, der alles verändert, der den Rest mit Blut befleckt. Das Netz der Spinnen glüht.


Und sie leben doch!


Das Lachen bahnt sich seinen Weg in mir nach oben. Zerkratzt mir die Kehle und zerreißt die Luft in meinen Lungen. Die Zeit ist vorbei, das Rad verändert seinen Lauf.


Endlich geschieht etwas in diesem abgeschlossenen Raum. Endlich sieht man, dass Leben in ihren Leibern steckt.


Die Tür öffnet sich und ich bin endlich frei. Man nennt mich den Bruder der Moiren. Ich bin das Bekannte, ich bin die Geschichte … Ich bin das Einzige, das überlebt …


 


1. VII – Der Wagen


Mitten in der Nacht. Der Mond stand am Himmel, die Sterne funkelten. Alles schien friedlich. Sanftes Rauschen, Wind, der in den Wipfeln von dichten Bäumen spielte und einen beruhigenden Klang erschuf. Wie eine leise Melodie des Waldes, die den Bewohnern eine ruhige Nacht zusäuselte. Schatten von Tieren huschten umher. Schlüpften aus einem Erdloch, quiekten, tollten durch die Nacht, verschwanden, näherten sich wieder, wurden gejagt oder jagten. Dann eroberte Stille den Ort, nicht einmal mehr ein Schleichen war zu hören. Alle Bewohner schienen den Atem anzuhalten, mitten in der Bewegung erstarrt.


Etwas näherte sich!


Schritte, schnell und kraftvoll, rannten über das Gras, brachen durch das Unterholz und fegten über Wurzeln hinweg. Schweres Atmen begleitet von einem rasselnden Keuchen. Die letzten Tiere der Nacht flüchteten erschrocken in die hintersten Winkel.


Die Gestalt brach hervor. Gekleidet in einen weiten, schwarzen Umhang. Mit einem weiteren Sprung verkantete sich ihr Fuß im Unterholz und sie fiel mit einem halb unterdrückten Schrei zu Boden. Im letzten Augenblick rollte sie sich über die Schulter ab und blieb keuchend liegen. Etwas hatte sich bei dem Sturz in ihre Rippen gebohrt und ihre Haut schmerzhaft an einigen Steinen aufgeschürft. Ihre Hände krallten sich um etwas, das sie dicht an die Brust gedrückt hielt. Unhandlich, in etliche Stofflagen gehüllt. Sie würde es nicht loslassen! Es musste von hier weggebracht, gerettet werden!


Einen kurzen Augenblick schien das Bild einzufrieren. Nichts regte sich, selbst der Wind schien innezuhalten. Dann rappelte sich die Gestalt wieder auf, die Schmerzen ignorierend.


Die wilde Hatz ging weiter. Quer durch den Wald. Ein kleiner Fluss. Wasser spritzte auf, sie strauchelte, fand ihr Gleichgewicht wieder. Weiter! Den Wegen folgend und wieder davon abweichend. Äste und Dornen hatten sich durch die Kleidung in ihre Haut gebohrt. Sie spürte das leichte Brennen, hatte jedoch keine Zeit dafür. Später. Sie würde sich später darum kümmern.


Sie nahm einen sanften Schein wahr, taumelte auf das Licht zu. Feuer! Ein Feuer auf einem großen Platz. Mit letzter Anstrengung brach sie durch das Unterholz und kam direkt auf eine Lichtung, brach durch eine unsichtbare Mauer. Geräusche erfüllten die Luft. Musik, Gelächter, Klatschen und freudige Rufe beherrschten die Nacht.


Ihre Augen waren aufgerissen, ihr Atem immer noch schwer. Das Lager schien für sie der Inbegriff des Paradieses zu sein. Die bunten Wagen standen in einem lockeren Kreis um die Lichtquelle, bildeten fast eine kleine Festung. Schutz! Endlich wieder in Sicherheit.


Die Kapuze fiel nach hinten und gab ihr Antlitz frei. Lange hellblonde Haare, fast schon weiß, wallten ihr über die Schultern. Allmählich kam die Verfolgte wieder zur Besinnung.


Sie war gerannt, die letzten Minuten einfach nur gerannt. Oder waren es gar Stunden gewesen? Was war mit der Zeit geschehen? Es war egal. Mit letzter Kraft schwankte sie auf die Ansammlung der Wesen hinzu.


„Geschafft“, keuchte sie leise und stützte sich ab. Niemand kam näher, niemand schien sie überhaupt zu bemerken. Ihr Blick schweifte einen Augenblick über die Anwesenden. So viele waren hier. Feuerkünstler und Magier, Tänzer und Jongleure. Entstellte Wesen und himmlische Schönheiten. Einen Augenblick, nur noch diesen einen Augenblick, um alles zu genießen.


Es war ihr Werk, ihre Heimat, ihr Zirkus. Ein warmes Gefühl schien sich in ihrer Brust auszubreiten. Ihr Zuhause …


Dann riss sie sich los. Später, sie konnte später wieder die Annehmlichkeiten ihrer Gemeinschaft genießen. Nun war etwas anderes wichtiger. Mit leicht schwankenden Schritten ging sie weiter, steuerte einen der Wagen an. Die anderen waren in ihre Abendspiele, die privaten Shows vertieft.


Ein Klicken, die Türe öffnete sich. Mit letzter Kraft hievte sich die Frau in den engen Innenraum.


Bücher und Schriftstücke in unterschiedlichen Sprachen lagen auf dem Schreibtisch, standen in Regalen. Sorgsam sortiert. Kerzen standen ringsum, kleine Töpfchen und Fläschchen sammelten sich auf dem Tisch. Ketten und Anhänger von seltsamer, fremdartiger Machart waren, an den Wänden hängend, zu finden. In einer Ecke lagen Totenschädel von Wesen, die nicht mehr zu erkennen waren, seltsam deformiert und Federn von bizarrer Größe und Farbe. Sanduhren lagen in der Nähe, erstarrt in ihrer Position. Waagen in unterschiedlichen Größen und Materialien mit detaillierten Verzierungen hingen starr an den Wänden. Die Luft war geschwängert vom Duft eines Räucherwerkes. Er hatte sich regelrecht in die Stoffe und das Holz eingenistet.


Der Blick ging durch den Raum. In einer gegenüberliegenden Ecke waren Kissen und Decken zu einem gemütlichen Schlafplatz angehäuft. Er schien die Frau zu sich herabzuziehen. Mit einem Seufzen gab sie dem Ruf nach. Ihr Atem wurde ruhiger. Ihr Blick verlor die Angst. Der unhandliche Packen lag neben ihr und langsam schlug sie die Stofflagen zurück.


Ein Mädchen, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt. Blonde Haare hingen ihm zerzaust in die Stirn. Das Kleid war überall zerrissen und …


„Du hast wieder jemanden mitgebracht?“, die Stimme unterbrach sämtliche Gedanken. Jemand hatte den Wagen betreten. Unbemerkt.


Ruckartig sah die junge Frau auf. Der Blick aus blinden Augen war frei von Gefühlen. Die Besucherin sah sie einfach an. Lange, dunkle Haare ließen ihre Haut noch bleicher wirken. Ein Schal lag um ihren Hals, der teilweise das Gesicht verschwinden ließ. Mit einer ruhigen Bewegung kam sie näher. Der Stoff ihrer Ärmel verrutschte, gab den Blick auf die Hände frei. Alte Hände, von Adern durchzogen und von Altersflecken bedeckt. Die Haut wie Pergament, ein Kontrast zu dem jugendlichen Antlitz.


„Ich musste es tun“, ein Seufzen erklang als Antwort. Der Ton war belegt und schien gar keine Kraft mehr zu haben. Sie senkte den Blick, sah zu dem Mädchen. Ein sanftes Atmen begann den kleinen Körper zu entspannen. Die verkrampften Hände schienen eine weichere Haltung zu bekommen. Es spürte, dass es in Sicherheit war.


Ein leichtes Quietschen. Die Besucherin kam näher und sah sich das schlafende Kind an. „Sie ist –“


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