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Fantasy Bücher
Buch Leseprobe Zeitsprung, Michael Siemers
Michael Siemers

Zeitsprung



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"Einen Moment noch", bat der Fremde und stellte sich unmittelbar neben ihm, "Das Fischerboot wird gleich sinken."


Er sagte es wie eine vorausschauende Ansage. Als wüsste er genau, was passieren wird. Die Mannschaft des Kutters bestieg das kleine Boot, lud einige Taschen und Gegenstände ein und stieß sich dann mit dem Ruder ab. Der Kutter schien mehr und mehr Wasser aufzunehmen. Die Wellen überspülten bereits das Deck und die einlaufenden Wassermassen schienen sich ihren Weg ins Innere zu bahnen, wo plötzlich ein weißer zischender Qualm sich mit den schwarzen ölverbrenndendem Rauch vermischte und aufstieg. Tiefer und tiefer sank der Kutter und machte dabei so gut wie keine Fahrt mehr. Wie von Geisterhand begann sich der Kutter langsam zu drehen. Dann versank er gurgelnd und zischend in den Fluten. Links und rechts trieben einige undefinierbare Gegenstände auf dem Wasser, die sich rundherum verteilten. Die Männer im Boot ruderten ohne Eile in Richtung Strand.


Der Fremde drehte sich Perone zu und sagte betont höflich: "Es tut mir sehr leid, Monsieur. Es ist nicht meine Art die Arbeit der Polizei zu behindern. Aber ich musste so handeln. Sie können mich jetzt festnehmen, wenn sie wollen. Aber bitte ohne Handschellen. Ich habe nicht vor zu fliehen."


Perone steckte seine Handschellen wieder zurück an seinem Gürtel und zögerte noch eine Weile. Er konnte sich nicht vorstellen, dass der Alte einen Fluchtversuch unternehmen wird. Körperlich war Perone in der Lage ihn zu überwältigen und festzunehmen. Doch hinderte seine aufkeimende Neugier ihn daran, das zu tun. Etwas Geheimnisvolles ging von diesem Fremden aus, die Perone nicht so recht deuten konnte.


"Warum in aller Welt haben sie das getan?", fragte Perone, "Und woher wussten Sie, dass das Boot hier in der Bucht kentern wird?"


Der Fremde sah ihn etwas teilnehmend an und es schien, als massierte er seine Unterlippe mit den Zähnen seines Oberkiefers. Sein Gesichtsausdruck aber wirkte zufrieden und erleichtert zugleich. Es war sogar ein schwaches Lächeln zu erkennen, was diesem Fremden wesentlich sympathischer wirken ließ. Noch einmal ließ er seinen zufriedenen Blick über das Wasser gleiten, dessen kleine Wellen das weiße Licht der aufgehenden Sonne reflektierten.


"Das, Monsieur, ist eine lange Geschichte, und wenn ich es ihnen erzähle, würden Sie es mir ohnehin nicht glauben. Walten Sie also ihres Amtes und nehmen Sie mich fest."


Perone glaubte es mit einem verwirrten Mann zu tun zu haben, der möglicherweise aus der Psychiatrie entlaufen war. Er war sich sicher, dass wenn er ihn auf die Wache bringt, ein Krankenwagen oder Pfleger ihn abholen wird. Dennoch zögerte er. Intuitiv verzichtete er auf eine Festnahme und wollte unbedingt mehr über diesen Mann und den soeben stattgefunden Vorfall erfahren. Dennoch versuchte er diesen Fremden mit der Konsequenz seines Handelns zu konfrontieren. Ebenso aber hatte er das Gefühl, dass es dem Fremden weniger belastete, ja sogar gleichgültig war.


"Ihnen ist doch wohl klar, dass sie sich soeben strafbar gemacht haben", erklärte Perone, „Behinderung und Bedrohung eines Polizeibeamten."


"Viel wird mir nicht passieren", erklärte der Fremde nahezu unberührt, "Ich bin ein unbescholtener Bürger ohne jegliche Vorstrafen. Man wird mir allenfalls ein paar Hundert Euro Strafe aufbrummen und es bei einer Bewährungsstrafe belassen."


Die Gleichgültigkeit, die der Fremde zum Ausdruck brachte, deutete Perone auf die Tatsache hin, dass dieser sich anscheinend mit dem Gesetz auskannte und er das Alter hatte, wo kaum ein Richter eine akute Gefahr für die Allgemeinheit sah. Perone's Blick ging zu dem kleinen Boot, was gerade den Strand erreichte. Die Männer waren nicht sonderlich darüber aufgebracht, dass ihr Kutter gerade versank. Vereint zogen sie das kleine Rettungsboot auf den Strand. Seelenruhig nahmen sie einige Taschen und verließen das Boot.


"Woher wussten Sie, dass der Kutter hier sinken wird?", fragte Perone erneut, wobei er die Besatzung beobachtete, die langsam am Strand in Richtung Ort, entlang gingen.


"Ich konnte es mir denken", antwortete der Fremde und starrte immer noch auf das Wasser, wo Sekunden zuvor der Fischkutter versank und nur noch ein paar Utensilien der Decksausrüstung auf den Wellen trieb. Wo sich Minuten zuvor noch ein Unglück ereignete, überzogen die Wellen das Ganze mit einem friedlichen Wasserteppich, als wäre nie zuvor etwas passiert.


"Was ist mit diesem Taucher, kannten Sie ihn?", fragte Perone weiter. Der Fremde nickte und antwortete: "Ja, das kann man so sagen."


Perone nickte zwar, glaubte aber immer noch, es möglicherweise mit einem verwirrten Alten zu tun zu haben. Er zog es sogar in Betracht, den Alten einfach laufen zu lassen. Doch einen Beamten mit der Waffe zu bedrohen und ihn in der Ausübung seines Amtes zu behindern, war schließlich kein Kavaliersdelikt. Unschlüssig stand er da und versuchte das Ganze zu deuten. Er nahm sogar an, dass der Taucher wieder auftauchen würde.


"Ich würde sagen, wir warten noch ein paar Minuten", schlug Perone vor, "Der Taucher wird ja irgendwann wieder auftauchen und dann kann ich sie beide …"


"Ich sagte ihnen doch, er wird nicht auftauchen", unterbrach ihn der Fremde ruhig.


"Ein Selbstmörder?", schlussfolgerte Perone und zog die Stirn kraus. Der Fremde schmunzelte kopfschüttelnd und antwortete: "Kein Selbstmörder. Er kehrt nur dahin zurück, wo ihn das Schicksal vor einer Woche hin verschlagen hatte."


Perone stutzte bei diesem Satz. Zwar interessierte er sich nicht für dessen Schicksal, sondern erinnerte er sich daran, dass vor einer Woche ein Fremder die Taucherausrüstung zurückgebracht hatte, von der die Eigentümer nichts wussten. In welchem Zusammenhang es stand, konnte er sich aber nicht vorstellen. Auch begriff er nicht, was der Fremde wirklich meinte. Für ihn ergab das Ganze keinen logischen Sinn.


"Ich könnte die Rettungswacht informieren, damit …"


"Man wird ihn nicht finden", unterbrach der Fremde ihn erneut, "Dieser Mann existiert nicht mehr. Man wird weder ihn noch die Ausrüstung finden."


Perone sah den Fremden schweigend an. Dieser wiederum sah auf den Boden und schien nachzudenken. Dann erhob er den Kopf und lächelte Perone freundlich an. Ein Lächeln, was eher zu deuten war, wie, das kapierst du sowieso nicht.


"Ich würde es ihnen gern erklären, Monsieur Perone. Aber ich befürchte, sie werden es mir zum einen nicht glauben und zum anderen nicht verstehen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich möchte ihre Intelligenz keineswegs infrage stellen. Aber es gibt nun mal Dinge zwischen Himmel und Erde, die geschehen, obwohl es wider jede Logik entspricht. Sie passieren und kein Mensch der Welt kann es erklären. Also verhaften sie mich, nehmen mich mit auf das Revier und stellen Sie die üblichen Fragen oder lassen mich einfach gehen."


Der Fremde leierte es so phlegmatisch herunter, als wäre alles nur eine Routineangelegenheit. Was Perone nebenbei registrierte, war, dass der Fremde ihn immer mit Namen ansprach. Er war sich sicher, diesen Fremden nie begegnet zu sein. Dennoch spiegelte sich eine Art Vertrautheit wider, als kannte der Fremde ihn schon seit Jahren. Perone versuchte sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Erst einmal musste er diese Situation in den Griff bekommen. Denn so etwas hatte man ihm bei der Ausbildung nicht gelehrt.


"Ganz so einfach ist das nicht, Monsieur. Immerhin haben Sie mich mit einer Waffe bedroht. Widerstand gegen die Staatsgewalt. Und Sie haben mich davon abgehalten, einen Suizidgefährdeten an seinem Vorhaben zu hindern. Das ist unterlassene Hilfeleistung. Sind Sie sich überhaupt im Klaren darüber, was das für Konsequenzen für Sie hat?"


Der Fremde blickte in sich lächelnd auf den Boden und antwortete ruhig: "Sie waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Die Waffe ist nicht geladen."


Perone sah sich die Waffe noch einmal an, drückte die Trommel heraus und stellte fest, dass sich tatsächlich keine Patrone im Magazin befand. Verdutzt sah er den Fremden an und fragte: "Warum haben Sie das getan? Ich meine, ich hätte Sie doch überwältigen können, oder?"


"Auf einer Entfernung von zwei Meter?" lachte der Fremde, " ich glaube, dass Risiko wären Sie nicht eingegangen. Hören Sie, Monsieur Perone, ich hatte nicht vor Sie in Gefahr zu bringen. Ich brauchte nur diese kleine Verzögerung. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn Sie den Taucher an seinem Vorhaben gehindert hätten."


"Was hätte passieren sollen?", fragte Perone, "Ich hätte ihn mitgenommen, eine Anzeige geschrieben und um den Rest hätten sich einige Psychiater im Krankenhaus gekümmert."


Der Fremde verschränkte seine Hände hinter dem Rücken und wippte andächtig seine Hüfte hin und her. Wieder ließ er seinen Blick über das Meer schweifen.                                                                                         


"Die Frage ist nicht, was aus diesem Taucher geworden, sondern was mit mir passiert wäre." entgegnete der Fremde und Perone glaubte, eine innere Unruhe bei ihm zu entdecken. Wie jemand, der gerade an einem verhängnisvollem Unheil vorbeigeschlittert war. Verunsichert überlegte er, wie er weiter vorgehen sollte. Gleichzeitig versuchte er zu ergründen, was diesem Fremden dazu bewogen hatte, ihn bei seinem Vorhaben zu behindern. Alles, was er von sich gab, ergab keinen Sinn und wirkte umso rätselhafter. Er wurde das Gefühl nicht los, dass dieser Fremde sein ganzes Handeln plante. Als sehe er Dinge, die noch nicht stattgefunden haben. Zu dem nannte er Perone bei seinen Namen, obwohl Perone selbst ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Vorsichtig trat er näher an den Fremden heran und sah ihn fest in die Augen. Sie wirkten klar und freundlich. Keine wässerigen Trübungen, wie sie bei alten Menschen häufig zu erkennen waren. Auch wich dieser Perone's Blick keineswegs aus. Es schien, als erwartete er weitere Nachfragen seitens des jungen Polizisten.


"Wer sind Sie? Wie heißen Sie? Und woher verdammt noch mal, kennen Sie meinen Namen?", fragte Perone ungläubig und versuchte immer noch diesen Fremden einzuordnen. Sich die Hände in seinen Parker steckend, sah er Perone an und holte hörbar tief Luft. Dabei trat er noch einen Schritt näher und blickte über das Wasser.


"Wollen Sie es wirklich hören?", fragte er und kniff ein wenig die Augen zusammen, als würde ihn das reflektierende Licht blenden.


"Ich bitte darum, Monsieur", forderte Perone höflich, aber bestimmend. Innerlich aber machte er sich dafür bereit eine konfuse Geschichte aufgetischt zu bekommen. Doch überwog die Neugier, mehr über diesen Menschen zu erfahren. Der Fremde schnaubte kurz durch die Nase und nickte, als würde er sich erbarmen, Perone des Rätsels Lösung zu präsentieren.


 


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